Sonntag, 31. Dezember 2006

Imaandaar (1987)

Zur Story: Ramesh Sinha (Ranjeet) besticht Sudhir (Subbiraj), den Verkaufsmanager des Pharmakonzerns seines früheren Arbeitgebers Sudarshan Rai (Pran), der ihm daraufhin einen Teil der neu entwickelten Medikamente des Rai-Partners Dr. Raj Bahadur Verma (Sudhir Dalvi) verkauft. Kurz darauf entdeckt Verma minderwertige und tödliche Kopien seiner Medikamente auf dem Markt und deckt Sinhas Verschwörung auf, woraufhin dieser ihn erschießt. Vermas nunmehr verwaister kleiner Sohn Vijay landet über Umwege bei Amina (Shammi), der Schwester eines Waisenhausleiters, die ihn und den Waisenjungen Raju wie eigene Söhne aufzieht. Unterdessen gelingt Sinha die Flucht aus der Haft. Raju (Sanjay Dutt) und Vijay (Rohan Kapoor) wachsen heran und lieben einander wie Brüder; Rajus einziger Lebenszweck ist es, dem hochbegabten Vijay, den er als Kind vor dem Ertrinken bewahrt hat, eine gute Ausbildung zu ermöglichen; dafür nimmt er jeden Job an. Nachdem er einen Mordanschlag Sinhas auf Rai vereiteln konnte, engagiert Rai ihn als Schauspieler: Er hat erfahren, dass Kailash (Sumeet Saigal), der Verlobte seiner Tochter Renu (Farha Naaz), der Sohn seines Feindes Sinha ist, und beauftragt Raju, diese Verbindung zu beenden. Rajus geballter Charme bezaubert Renu, und als der eifersüchtige Kailash sich mit Raju prügelt, löst Renu die Verlobung. Renus immer offensichtlicher werdende Liebe bringt Raju allerdings in die Zwickmühle, da inzwischen auch er Liebe für Renu empfindet, sie wegen seines Abkommens mit Rai jedoch nicht zulassen darf. Als Rai erfährt, dass Renu Raju liebt, konfrontiert er sie mit der Wahrheit, dass Raju sich für sein Liebeswerben hat bezahlen lassen. Und als Raju vor ihren Augen das Geld annimmt und geht (ohne zu enthüllen, wofür er es verwenden wird), akzeptiert Renu zutiefst verletzt einen anderen Bräutigam - nämlich Vijay, der seine Ausbildung in London beendet hat. Rai hat ihn dort kennengelernt und dabei erfahren, dass er der Sohn seines ermordeten Partners ist, und nimmt ihn nun als Partner und Schwiegersohn bei sich auf. Als Raju davon erfährt, beschließt er, aus Liebe zu Vijay noch ein weiteres Opfer für ihn zu bringen: Er erzählt ihm nichts von seiner Liebe zu Renu und verlässt die Stadt...

Imaandaar (= Ehrlichkeit) entstand zeitgleich mit Naam und kam im gleichen Jahr heraus. Und das merkt man auch. Sanju hatte seine Drogenkrise hinter sich und war in Hochform. Der Film gehört denn auch 100%ig ihm: Er ist der Engel, der sein ganzes Leben seinem Freund widmet, der nie an sich, sondern immer nur an andere denkt und dafür falsche Verdächtigungen und Kränkungen hinnehmen muss, und er ist seiner Umgebung moralisch und am Ende sogar in Sachen Schlauheit jederzeit überlegen. Sanjay trägt diesen Film problemlos im Alleingang; er singt, tanzt, kämpft, fühlt, liebt, leidet - und dazu sieht er auch noch sündhaft gut aus. Alle anderen sind bestenfalls Staffage, einschließlich seiner Partnerin Farha Naaz, mit der er kurz darauf auch in Mohabbat Ke Dushman gut harmonieren sollte, und Rohan Kapoor, den man eigentlich nur deshalb nicht übersieht, weil er an die zwei Meter groß sein muss - es dürfte Sanju mit seinen 1,85 m Körpergröße in seiner Filmkarriere nicht oft passiert sein, dass er zu einem Co-Star aufschauen muss... *g*

Produktion: Sarla Sandhu und Surendrapal Chaudhary; Regie: Sushil Malik
152 Min.; DVD: Bombino, englische UT (Songs nicht untertitelt); die UT kommen permanent zu spät, fallen zwei-, dreimal sogar für kurze Zeit total aus. Hmpf.*

*Shemaroo sei gedankt für die Neuausgabe mit gutem UT (auch für die Songs).

Naam (1986)

Zur Story: Die verwitwete Janki Kapoor (Nutan) schlägt sich mit ihren beiden Söhnen Ravi (Kumar Gaurav) und Vicky (Sanjay Dutt) mehr schlecht als recht durchs Leben. Vor allem Vicky macht ihr Sorgen, der ziellos in den Tag hinein lebt, spielt und ständig in Schlägereien verwickelt ist, während Ravi hart arbeitet, um die Familie durchzubringen, und Vicky immer wieder aus der Klemme hilft. Um seiner Mutter zu beweisen, dass auch er etwas taugt, möchte Vicky nach Dubai gehen und dort sein Glück machen. Ravi beschafft durch ein großes Opfer das notwendige Geld für Visum und Job – doch in Dubai stellt sich heraus, dass die Brüder dabei einem Betrüger aufgesessen sind, der ihnen gefälschte Papiere verkauft hat, so dass Vicky nun ohne Job und mittellos auf der Straße steht. Aus Angst, vor Ravi und vor allem vor seiner Mutter als Versager dazustehen, wagt Vicky es nicht, deswegen vorzeitig heimzukehren (er ahnt nicht, dass der Betrüger dort mittlerweile aufgeflogen ist und niemand ihm daher einen Vorwurf machen würde). Er verdingt sich bei dem Drogenschmuggler Rana (Paresh Rawal), landet in Hongkong und gerät immer tiefer in den Strudel des Verbrechens. Doch dank seiner Freundin Rita (Amrita Singh) kommt Vicky zu der Erkenntnis, dass sein Weg falsch ist, und beschließt, auszusteigen. Als er jedoch nicht wie angekündigt auf dem Flughafen von Mumbai ankommt, sagt Ravi seine Hochzeit mit Seema (Poonam Dhillon) ab und reist nach Hongkong, um seinen Bruder nach Hause zu holen...

Ein Film, der an die Nieren geht und bei dem ich, vor allem gegen Ende zu, mehrmals hemmungslos geheult habe. Ich kann verstehen, dass Naam (= Name) seinerzeit beim Publikum großartig angekommen ist. Naam ist schlichtweg genial und der Vicky eine grandiose Leistung von Sanjay. Er hat zwar die Loserrolle, aber er füllt sie wunderbar aus, verkörpert sie geradezu mit Haut und Haar. Er macht aus dem nichtsnutzigen Tunichtgut einen liebenswerten Träumer mit Herz, mit dem man von Anfang an mitleidet, mitfühlt und mitfiebert; und mit seinem Filmbruder Kumar Gaurav (im reellen Leben sein Schwager) harmoniert er blendend. Dass er dazu auch noch hinreißend aussieht, macht den Genuss perfekt. Naam ist definitiv ein Must-See – nicht nur (aber natürlich vor allem) für Sanjay-Fans.

Wenn man Mahesh Bhatt glauben darf, dann mussten er und Sanju jedoch lange darum kämpfen, bis Sunil Dutt seinem Sohn erlaubte, die Rolle des Vicky in Naam anzunehmen. Was mich in meiner Vermutung bestärkt, dass Sunil aus Sanjay einen durch und durch positiven Filmhelden machen wollte – Sanjus bis dahin gespielte Rollen sprechen diesbezüglich eine deutliche Sprache – und dass die stellenweise an den East of Eden-Cal erinnernde Loserrolle in Naam da einfach nicht in Sunils Konzept passte. Insofern markiert Naam gleich in doppelter Hinsicht einen Meilenstein bzw. Wendepunkt in Sanjus Filmkarriere. Zum einen wurde der Film für ihn nach seiner Drogenkrise und der erfolgreichen Entzugsreha in den USA zu dem Comeback-Film, mit dem er sich auf einen Schlag ganz nach oben katapultierte. Und zum anderen machte Sanju damit als ein Schauspieler auf sich aufmerksam, der mehr zu bieten hatte als aufrichtige Helden und nette Liebhaber. Sein Vicky in Naam war sein Durchbruch und ebnete ihm den Weg zu Rollen unterschiedlichster Couleurs, in denen er sich fortan schauspielerisch kontinuierlich weiterentwickelte. Seine Karriere als vielseitiger Charakterdarsteller war nunmehr nicht mehr aufzuhalten.

Produktion: Kumar Gaurav; Regie: Mahesh Bhatt
158 Min.; DVD: Sky, englische UT (inkl. Songs)
ACHTUNG: In der Sky-DVD fehlen einige wichtige Szenen! Der Moserbaer-Release dauert 10 Minuten länger (168 Min) und enthält diese Szenen, die die Erklärungen für einige Handlungsungereimtheiten in dem Sky-Release liefern. Wer wissen will, worum es in diesen Szenen geht, kann es hier nachlesen.


P.S. In einem Movie-Interview im Mai 1991 nannte Salman Khan als seinen damaligen Lieblingsfilm Naam: "Die Beziehung zwischen den beiden Brüdern ist fantastisch; ich kann mich total damit identifizieren."

Mera Haque (1986)

Zur Story: Prinz Amar Singh (Sanjay Dutt) kehrt, von seiner Großmutter (Urmila Bhatt) sehnlichst erwartet, nach seinen Studien in London zurück auf seine Güter, die er von seinem verstorbenen Vater geerbt hat. Hier hat seine Stiefmutter Ranimaa (Bindu) zusammen mit ihrem Bruder Dhartiprasad (Shakti Kapoor) und ihrem Manager Diwanji (Ramesh Deo) seit Jahren auf Kosten der armen Bevölkerung fleißig in die eigene Tasche gewirtschaftet, und Diwanji hat zusätzlich seinen Sohn, einen aus dem Gefängnis entflohenen Mörder (Gulshan Grover), auf Ranimaas Tochter angesetzt, um auf diese Weise irgendwann den gesamten Besitz übernehmen zu können. Die Rückkehr des redlichen Amar, der schnell die Herzen seiner Untergebenen gewinnt – ganz besonders das der hübschen Bijlee (Anita Raaj) –, macht ihnen allen einen gehörigen Strich durch die Rechnung, und sie beschließen, Amar durch eine Autobombe zu töten. Der Plan gelingt, doch als Ranimaa ihren geldgierigen Bruder danach aus dem Haus weist, sinnt dieser auf Rache. Durch Zufall lernt Dhartiprasad den Ganoven Amru (Sanjay Dutt) kennen, der Amar aufs Haar gleicht, und überredet ihn, sich als Amar auszugeben und so an dessen Reichtum zu kommen, um ihn dann mit ihm zu teilen. Natürlich halten Ranimaa und Diwanji Amru für einen Betrüger, haben sie doch Amar persönlich ins Jenseits befördert – doch Amru spielt seine Rolle als Amar allmählich immer überzeugender...

Wer Sanju aus seinen früheren Filmen noch als eher steifen Anfänger mit z.T. ziemlich verschleiertem Drogenblick in Erinnerung hatte, dürfte sich in Mera Haque (= Mein Recht) die Augen gerieben haben: Was war plötzlich in Sanjay Dutt gefahren? Der Mann war nicht wiederzuerkennen: Er bewegte sich locker und unbekümmert vor der Kamera, hatte sichtlich Spaß am Spielen, bewies eine Menge Humor und hatte ganz offensichtlich begonnen, etwas für seine Physis zu tun. Kein Zweifel: Die Drogenkrise war vorbei, Sanju war wieder völlig clean und bereit für einen Neubeginn. Und was er in Mera Haque ablieferte, war in jeder Hinsicht vielversprechend; er spielt seinen Zweierpack - den liebenswerten Märchenprinzen und dessen aufmüpfiges Ebenbild - ungemein sympathisch. Dass sich bei den Bemühungen, diesen indischen Martin Guerre so rätselhaft wie möglich zu machen, auch ein paar Fehler einschleichen wie z.B. das Muttermal auf dem Rücken, ist nicht seine Schuld, und letztlich kann man darüber auch großzügig hinwegsehen, da die ganze Geschichte ja keinerlei Anspruch auf ernsthaften Realismus erhebt. Und da ansonsten fast alles stimmt – vor allem der blendend aufgelegte Cast, von Bindu als Stiefmutterbiest bis zu Anita Raaj als Sanjus selbstbewusste Partnerin –, kann man sich diesem Film jederzeit mit Genuss hingeben, denn nette Unterhaltung bietet er allemal.

Produktion: Bobby Raaj; Regie: Ajay Kashyap
136 Min.; DVD: Madhu, englische UT (inkl. Songs)

Do Dilon Ki Dastaan (1985)

Zur Story: Um einer Zwangsverheiratung durch seinen Großvater, den Millionär Saxena (Om Prakash), mit Aarti (Kajal Kiran) zu entgehen, flüchtet Vijay (Sanjay Dutt) nach Kashmir, wo er sich in die hübsche Sona (Padmini Kolhapure) verliebt. Leider hat auch der Frauenschänder Shekhar (Shakti Kapoor) ein Auge auf Sona geworfen, und dass Vijay ihm die Tour bei ihr vermasselt, trägt ihm Shekhars Feindschaft ein. Bei einem Bombenanschlag auf sein Auto wird Vijay schwer verletzt, und Sona verliert das Augenlicht. Um Vijay als Blinde nicht zur Last zu fallen, gibt sie vor, Vijays Freund Kamal (Arun Govil) zu lieben, und verlässt mit ihm das Krankenhaus. Vijay verkraftet diesen scheinbaren Verrat nicht und beginnt zu trinken. Als er eines Morgens neben Aarti aufwacht und diese ihn anklagt, sie in der Nacht vergewaltigt zu haben, kann er dem nichts entgegnen, da er sich wegen seines Alkoholkonsums an nichts erinnern kann. Nun wird seine Heirat mit Aarti beschlossene Sache...

Do Dilon Ki Dastaan – A Story of Two Hearts ist einer von Sanjus frühen Filmen - sprich: aus der Zeit, in der er noch nach seiner Identität vor der Kamera suchte. Ich hatte bei seinem Debütfilm Rocky schon den Verdacht, dass er anfangs wohl zu einer Art Nachfolger des jungen Amitabh Bachchan aufgebaut werden sollte (mit Option auf den "angry young man") - die lange, schlaksige und damals bei weitem noch nicht so muskulöse Figur hatte er ja, die Frisur wurde angeglichen, und selbst seine Tanzbewegungen erinnern stellenweise an Amitabh. Zum Glück löste sich Sanjay aber bald aus dieser Einschnürung und entwickelte - spätestens ein Jahr später mit Naam - seine eigene Film-Identität, statt nur irgendeine Kopie zu werden. (Dem Himmel sei Dank dafür!)

Do Dilon Ki Dastaan ist leider derzeit nur ohne Untertitel erhältlich* – aber selbst mit Untertiteln dürfte dieser Film nur für Die-Hard-Sanju-Fans interessant sein, die von Sanjay nicht genug kriegen können und auch seine frühen Filme verschlingen, in denen er - sorry, Sanju, but you surely know it yourself - einfach noch nicht so gut war. Und der Film ist es auch nicht. Er hat ohne Frage seine Momente - etwa Jung-Sanju in einer schaumgefüllten Badewanne (*g*). Aber was um Himmelswillen sollte dieser One-Two-Three-Song mit ein paar Dutzend adrett gekleideten Mädchen, die Ringelreihen tanzen? Und kriegt man wirklich das Augenlicht zurück, wenn einem der Hinterkopf mehrfach gegen einen Felsblock gedonnert wird? Nein, Do Dilon Ki Dastaan muss nicht unbedingt sein. Weder ohne noch mit UT. Höchstens wegen der Badewanne.

Produktion: Baldev Pushkarna und M.M. Malhotra; Regie: A.C. Trilokachander
156 Min.; DVD: WEG, ohne UT

*Von einem Vertrieb namens G ist mittlerweile eine DVD mit UT im Umlauf.

Mera Faisla (1984)

Zur Story: Raj Saxena (Sanjay Dutt) stammt aus einer Polizistenfamilie, muss jedoch mit dem Stigma leben, dass sein Vater Anand Saxena (Parikshat Sahni) ein korrupter Verräter war und feige Selbstmord beging. Als Major Verma (Pinchoo Kapoor) ihm deshalb die Hand seiner Tochter Rati (Rati Agnihotri) verweigert, steigt Rajs Hass auf seinen Vater ebenso ins Grenzenlose wie sein Vorsatz, selber die Polizistenlaufbahn einzuschlagen und aller Welt zu beweisen, dass der Sohn eines Verbrechers nicht zwangsläufig selber ein Verbrecher ist. Commissioner Rana (Pran), ein alter Freund der Familie, nimmt den jungen Subinspektor unter seine Fittiche. Raj ahnt nicht, dass Rana seit Jahren mit dem Kriminellen Jacob (Kader Khan) zusammenarbeitet – und dass es die beiden waren, die seinen Vater unschuldig in den Ruf der Unehrenhaftigkeit gebracht und schließlich getötet haben. Als sie nun auch Raj ins Visier nehmen und ihn ebenfalls zu ihrem Handlanger machen wollen, enthüllt Rajs Großmutter (Nirupa Roy) ihm die Wahrheit über seinen Vater. Nun hat Raj nur noch ein Ziel: die Ehre seines Vaters wiederherzustellen und das ihm angetane Unrecht zu rächen...

In der Zeit von Mera Faisla steckte Sanju in einer tiefen Krise. Als Sohn von Sunil Dutt und der 1981 an Krebs verstorbenen Nargis, zweier Legenden des Hindi Cinema, wurden seine ersten und z.T. noch eher steifen Schritte vor der Filmkamera ständig überkritisch beobachtet. Die Angst, Fehler zu machen und vor allem vor den Augen seines Vaters zu versagen, saß tief bei Sanju und machte ihn ebenso verletzlich wie die Unsicherheit gegenüber seiner Umwelt, die Zweifel, wem er wirklich vertrauen konnte, und der Verlust seiner Mutter. Damals stand Sanju stark unter Drogen; oft, so erzählt man, erschien er völlig zugedröhnt am Set. Und das merkt man hier leider. Obwohl er sich in Mera Faisla schon entschieden lockerer vor der Kamera bewegt als in seinen Erstlingswerken, ist sein Ausdruck bisweilen erschreckend leblos. Zudem legte er in dieser Zeit an Gewicht zu – unbegreiflich, dass Rajinder Singh ihn dennoch durch mehrere Oben-ohne-Szenen regelrecht vorführte. Sanju steuerte geradewegs auf eine Katastrophe zu, und ich nehme es hier gleich vorweg: Er bekam quasi im letzten Moment noch die Kurve, unterzog sich kurze Zeit später einer Entziehungsreha in den USA und ist seitdem völlig clean. Ich werde darauf bei einem seiner nächsten Filme noch einmal zurückkommen.

Mera Faisla (= Meine Entscheidung) ist kein sensationeller, aber ein solider Film mit einer guten Story, einem Cast, in dem neben den in der Handlung Genannten auch noch die für die im letzten Moment ausgestiegene Parveen Babi eingesprungene Jaya Pradha (Nisha) und Shakti Kapoor (Tony) auffallen, und mit einem Sanjay Dutt trotz der Drogen auch mit einigen guten Szenen sowie in einem halben Dutzend verschiedener Verkleidungen (u.a. auch als "Sanjana in Pink" - der Auftritt samt Song "Ho Allah Meri" ist zum Brüllen komisch), aber leider, wie gesagt, nicht in Bestform. Schade, dass er diesen Film nicht zwei, drei Jahre später gedreht hat.

Produktion: Ranjit Virk; Regie: V. Rajinder Singh
144 Min.; DVD: Eros, englische UT (inkl. Songs)

Samstag, 30. Dezember 2006

Vidhaata (1982)

Zur Story: Das Familienglück des Lokführers Shamsher Singh (Dilip Kumar) wird auf einen Schlag zerstört, als sein Sohn, Inspektor Pratap Singh (Suresh Oberoi), von dem Gangsterboss Jagavar Chowdhary (Amrish Puri) getötet wird und Prataps Frau bei der Geburt ihres Sohnes Kunal stirbt. Desillusioniert nimmt Shamsher sein Schicksal nun selbst in die Hand: Er verdingt sich bei dem reichen Schmuggler Mizia, erbt nach dessen Tod das Mizia-Syndikat und wird unter dem Namen Sobhraj zum mächtigen Don. Um Kunal ein Leben außerhalb dieser Welt des Verbrechens zu ermöglichen, lässt Shamsher ihn bei dem Ex-Polizisten Abu Baba (Sanjeev Kumar) aufwachsen, der dem Jungen alle seine guten Werte vermittelt; beide ahnen nichts von Shamshers Identität als Don. Als Erwachsener kehrt Kunal (Sanjay Dutt) zu seinem Großvater zurück – doch schnell merkt er, dass dessen Welt nicht seine Welt ist, zumal als er sich in die arme Tänzerin Durga (Padmini Kolhapure) verliebt und sein Großvater diese Verbindung nicht akzeptiert, auch nicht auf Intervention seines alten Freundes Gurubaksh (Shammi Kapoor). Als Abu Baba der Mizia-Gruppe auf die Spur kommt und dafür getötet wird, schwört Kunal den Mördern Rache – einschließlich des ihm noch unbekannten Anführers des Syndikats...

Vidhaata (= Schöpfer) ist ein guter und gegen Ende zu immer spannender werdender Generationenfilm mit einer starken, trashfreien Story, der nicht nur für Sanjay-Fans interessant sein sollte. Denn Sanju spielt in seinem zweiten Film nach Rocky (Reshma Aur Shera rechne ich jetzt mal nicht mit) keineswegs die erste Geige, sondern nur eine wichtige Rolle unter vielen, und dabei zeigen die alten Kaliber wie Dilip Kumar, der grandiose Shammi Kapoor, Sanjeev Kumar und Amrish Puri durch ihre geballte Präsenz dem Newcomer bisweilen deutlich seine damals noch vorhandenen Grenzen auf. Aber wahrscheinlich inspirierte gerade diese massive schauspielerische Herausforderung Sanjay im Lauf des Filmes zu einigen guten Szenen, die vor allem auf das vorausweisen, was eine seiner größten Stärken vor der Kamera werden sollte: seine kompromisslose Emotionalität. Er lässt seiner Trauer über den Tod seines Ziehvaters ebenso freien Lauf wie seinem rebellischen Zorn auf seinen Großvater. Leider kann Sanjay dieses Niveau noch nicht den ganzen Film hindurch halten, aber wer ihn einmal in einem seiner allerersten Filme erleben will, ist mit Vidhaata auf jeden Fall besser bedient als mit Rocky.

Eine Warnung jedoch muss sein: Dass Sanjay auch 1982 noch ganz das Zwetschgenmännle-Pilzkopf-Jüngelchen war – okay; aber im Lauf des Filmes lässt er sich einen dünnen Schnauz wachsen, der ihm, ich muss es leider sagen, so gar nicht steht. Schnüff.

Produktion: Gulshan Rai; Regie: Subhash Ghai
170 Min.; DVD: Eros, englische UT (Songs nicht untertitelt)

P.S. Die Shemaroo-Ausgabe ist der von Eros nicht nur qualitativ in allen Belangen überlegen (besseres Bild, untertitelte Songs) - sie läuft auch knapp sieben Minuten länger.

Rocky (1981)

Zur Story: Weil Shankar (Sunil Dutt) sich für die Rechte der Arbeiter von Ratanlals (Anwar Hussain) Firma Ratan Constructions einsetzt, fällt er einem heimtückischen Mordanschlag zum Opfer. Auch Ratan selbst wird ermordet. In beiden Fällen war der Täter Jagdish (Ranjeet), der nun alleiniger Leiter der Firma ist. Bei einem Überfall Jagdishs auf Shankars schöne Witwe Parvati (Rakhee Gulzar) erleidet deren kleiner Sohn Rakesh ein Trauma, aufgrund dessen er fortan beim Anblick seiner Mutter stets hysterische Wahnsinnsanfälle erleidet. Deshalb beschließen Shankars Freund Robert D’Souza (Amjad Khan) und seine Frau Kathy (Aruna Irani), Parvati zu helfen und Rakesh zu adoptieren. Unter dem Namen Rocky (Sanjay Dutt) wächst Rakesh zu einem sorglosen jungen Mann heran. Er verliebt sich in Renu (Tina Munim), Ratans Tochter und Erbin – doch die hat Jagdish für seinen eigenen Sohn R.D. (Shakti Kapoor) vorgesehen...

Rocky ist leider ein schwacher Film. Eine über weite Strecken ziemlich uninspirierte Story, deren Plot um Sanjays zweiten weiblichen Co-Star Reena Roy zudem auf absolut unbefriedigende Weise endet. Ich weiß nicht, was Sunil Dutt geritten hat, seinen Sohn in einem solchen Machwerk zu präsentieren. Ich habe ihn im Verdacht, dass er Sanjay zu einer Art zweitem jungen Amitabh Bachchan aufbauen wollte, und das ging einfach gründlich daneben. Nicht nur, dass Sanjay als 22-Jähriger noch ein eher schlaksiges Zwetschgenmännle war - weit entfernt von dem durchtrainierten Körper einige Jahre später, weswegen die vielen Oben-ohne-Szenen fast peinlich wirken -, sein Spiel war auch noch sehr blass und teilweise unbeholfen. Nur ab und zu ließ er schon späteres Können aufblitzen (einmal dachte ich eine Sekunde lang wirklich, dass mich Khalnayak angrinst); und bezeichnenderweise ist er in seinen ruhigen und ernsten Szenen besser als bei seinen Versuchen, jugendlich-überschwänglich aufzudrehen. Nun gut, im historischen Kontext, also eben als Sanjays Debütfilm als Erwachsener, kann man sich das Teil schon mal ansehen, und spätestens wenn Sanjay und Shakti in einem Disco-Tanzwettbewerb (mit Shammi Kapoor as himself in der Jury) einen auf John Travolta machen („Aa Dekhe Zara“), weiß man, dass man seine Kröten für die DVD nicht umsonst angelegt hat *ggg*.

Witzig übrigens: Sanjays erster Auftritt in diesen Film ist verbunden mit einem Clip („Rocky Mera Naam“), in dem er - begleitet von ein paar Kumpels - mit dem Motorrad durch die Gegend fährt. Und naaaa, von wem wissen wir noch, dass er (elf Jahre später) in seinem Debütfilm genau den gleichen Entry (Clip mit Motorrad-Clique) gemacht hat? Richtig: ein gewisser SRK... ;)

Produktion: Amarjeet; Regie: Sunil Dutt
151 Min.; DVD: Eros, englische UT (Songs nicht untertitelt)
Screenshots


Noch eine kleine Zusatzinfo: Sanjus Debütfilm war ein kleines Familienunternehmen; neben seinem Vater Sunil, der Regie führte und die kleine Rolle von Rockys Vater selber spielte, war mit Anwar Hussain (Ratanlal) auch ein Bruder seiner Mutter Nargis mit von der Partie. Und mit seiner Partnerin Tina Munim war Sanju damals schon seit ein paar Jahren auch im richtigen Leben fest liiert; allerdings sollte diese Beziehung bald darauf in die Brüche gehen.

Nargis war es übrigens nicht mehr vergönnt gewesen, die Premiere des ersten Filmes ihres Sohnes mitzuerleben: Fünf Tage zuvor war sie ihrem Krebsleiden erlegen. Hier äußert sich u.a. Sunil Dutt über diese schweren Zeiten.

Freitag, 29. Dezember 2006

Reshma Aur Shera (1971)

Zur Story: Reshma (Waheeda Rehman) und Shera (Sunil Dutt) stammen aus verfeindeten Clans, weswegen ihre Liebe, die während eines Jahrmarkts erblüht, keine Chance hat. Sheras eigenmächtiger Versuch, bei der Hochzeit von Reshmas Bruder dem gegnerischen Clan (gegen den Willen seiner Familie) die Hand zum Frieden zu reichen, scheitert – die Hochzeit endet in einem Blutbad. Shera wird aus seiner Sippe ausgestoßen und sieht sich plötzlich gezwungen, seine eigene Familie unerbittlich zu bekämpfen. Um Sheras rasenden Hass zu beenden, findet Reshma den Mut zu einem ungewöhnlichen Schritt...

Sanjus Film-Debüt ist zum Piepen (sorry, Sanju, you know I love you...). Sanjay als zwölfjähriger Qawwali-Chorsänger, dem sein regieführender Papa offenbar vorher zwei Dinge eingehämmert hat: "Beta, tu immer nett lächeln und schön rhythmisch mitklatschen!" Ersteres hat ja noch einigermaßen funktioniert, aber letzteres... *wegschmeiß*

Für Sanjay-Dutt-Fans ist Reshma Aur Shera in erster Linie natürlich ein Dokument aufgrund von Sanjus Kurzauftritt, für den dem Sohnemann von Produzent und Regisseur Sunil Dutt als "Master Sanjay Dutt" sogar ein Platz in den Anfangscredits (!) eingeräumt wurde. Aber Reshma Aur Shera ist mehr als nur Sanjays Film-Debüt: Er ist ein sehr starker Film, der dem beliebten Thema "Kinder verfeindeter Sippen verlieben sich und wollen durch diese Liebe den Hass beenden" eine überraschend neue Wendung gibt. Neben Sunil Dutt und der beeindruckenden Waheeda Rehman zeigt der Film auch einen sehr jungen Amitabh Bachchan in einer stummen, aber ausdrucksstarken Rolle. Ein bisschen stört die manchmal arg pathetisch-langsame Sprechweise von Dutt & Co, aber das kann man in Kauf nehmen für eine gute und in schönen (Wüsten-)Bildern verfilmte Story.

Ein Hinweis: Es heißt, der Film sei ursprünglich zwanzig Minuten länger als die Version auf der GVI- und auf der Baba-DVD, und in der Tat vermisst man einige handlungsentscheidende Szenen, die zwar später rekapituliert, aber eben nicht gezeigt werden. Ärgerlich.

Produktion und Regie: Sunil Dutt
137 Min.; DVD: GVI, englische UT (inkl. Songs), leider stellenweise etwas versetzt

Die Stiftung Sanjay-Filmtest präsentiert...

Hier findet ihr die Liste aller Sanjay-Dutt-Filme, die ich in bislang diesem Blog besprochen habe. (Im Anschluss daran folgen Informationen zum haarigen Thema "Haarfaktor".)

Aatish (1994)
Achanak (1998; Kurzauftritt as himself)
Adharm (1992)
Agneepath (2012)
Aladin (2009)
All The Best - Fun Begins (2009)
Amaanat (1994)
Andolan (1995)
Annarth (2002)
Anthony Kaun Hai? (2006)
Baaghi (2000)
Bekaraar (1983)
Blue (2009)
Chal Mere Bhai (2000)
Chandralekha (1998; Gastauftritt)
Chatur Singh Two Star (2011)
C Kkompany (2008)
Daag - The Fire (1999)
Daud (1997)
Deewaar (2004)
Department (2012)
Desi Boyz (2011)
Dhamaal (2007)
Do Dilon Ki Dastaan (1985)
Do Matwale (1991)
Do Qaidi (1989)
Double Dhamaal (2011)
Dus (2005)
Dus Kahaniyaan (2007)
Dushman (1998)
Ek Ajnabee (2005; Endcredits-Clip)
Ek Aur Ek Gyarah (2003)
Eklavya (2007)
EMI (2008)
Fateh (1991)
Gumrah (1993)
Haseena Maan Jaayegi (1999)
Hathyar (1989)
Hathyar (2002)
Hum Bhi Insaan Hain (1989)
Hum Hai Raahi CAR Ke (2013; Special Appearance)
Hum Kisise Kum Nahin (2002)
Ilaaka (1989)
Imaandaar (1987)
Inaam Dus Hazaar (1986)
Insaaf Apne Lahoo Se (1994)
Jaan Ki Baazi (1985)
Jai Vikraanta (1995)
Jeena Marna Tere Sang (1992)
Jeene Do (1990)
Jeete Hain Shaan Se (1988)
Jeeva (1986)
Jodi No. 1 (2001)
Johny I Love You (1982)
Jung (2000)
Kaante (2002)
Kabzaa (1988)
Kal Kissne Dekha (2009; Cameo)
Kanoon Apna Apna (1989)
Kartoos (1999)
KhalNayak (1993)
Khatarnaak (1990)
Khatron Ke Khiladi (1988)
Khauff (2000)
Khoobsurat (1999)
Khoon Ka Karz (1991)
Kidnap (2008)
Knock Out (2010)
Kroadh (1990)
Kshatriya (1993)
Kurukshetra (2000)
Lage Raho Munna Bhai (2006)
Lamhaa (2010)
LOC Kargil (2003)
Luck (2009)
Mahaanta (1997)
Main Awara Hoon (1983)
Maine Dil Tujhko Diya (2002)
Mardon Wali Baat (1988)
Mehbooba (2008)
Mera Faisla (1984)
Mera Haque (1986)
Meri Aan (1993; Gastauftritt as himself)
Mission Kashmir (2000)
Mohabbat Ke Dushman (1988)
Munna Bhai M.B.B.S. (2003)
Musafir (2004)
Naam (1986)
Naam O Nishan (1986)
Namak (1996)
Nehlle Pe Dehlla (2007)
Nidaan (2000)
No Problem (2010)
Om Shanti Om (2007; Gastauftritt as himself)
Parineeta (2005)
Pitaah (2002)
PK (2014)
Plan (2004)
Policegiri (2013)
Pyar Ka Rog (1994; Gastauftritt as himself)
Qurbani Rang Layegi (1991)
Ra.One (2011; Cameo)
Raju Chacha (2000; Gastauftritt)
Rakht (2004)
Rascals (2011)
Ready (2011; Cameo)
Reshma Aur Shera (1971)
Rocky (1981)
Rudraksh (2004)
Saajan (1991)
Sadak (1991)
Safari (1999)
Sahebzaade (1992)
Sahibaan (1993)
Sanam (1997)
Sarhad Paar (2007)
Sarphira (1992)
Shaadi No. 1 (2005)
Shabd (2005)
Shootout At Lokhandwala (2007)
Short Kut - The Con Is On (2009; Gastauftritt)
Son Of Sardaar (2012)
Super Star (2008; Gastauftritt as himself)
Taaqatwar (1989)
Tango Charlie (2005; Special Appearance)
Tathastu (2006)
Taxi No. 9211 (2006; Erzähler)
Tees Maar Khan (2010; Erzähler)
Tejaa (1990)
Thanedaar (1990)
Toonpur Ka Superrhero (2010; Erzähler)
Ungli (2014)
Vaah! Life Ho Toh Aisi! (2005)
Vaastav (1999)
Vidhaata (1982)
Vijeta (1996)
Viruddh (2005)
Woodstock Villa (2008; Special Appearance)
Yalgaar (1992)
Yeh Hai Jalwa (2002; Gastauftritt)
Yodha (1991)
Zahreelay (1990)
Zamane Se Kya Darna (1994)
Zameen Aasman (1984)
Zanjeer (2013)
Zila Ghaziabad (2013)
Zinda (2005)

Unvollendete und nicht realisierte Filmprojekte


Filme, für die Sanjay Dutt vorgesehen war, die jedoch ohne ihn verwirklicht wurden

Dus (1997; unvollendet - Infos)


Thema "Haarfaktor":

Ende 1988 beschloss Sanju, sich von seiner Paul-McCartney-Frisur zu verabschieden, mit der er – vor allem wenn der Pony bis zu den Augenbrauen reichte – meistens einfach zu brav und lieb aussah für das toughe Image, das er damals immer mehr entwickelte. Er leß sich den Pony in flotte Stufen stutzen und zugleich die Nackenhaare wachsen, bis er Anfang der 90er eine veritable Vokuhila-Mähne erreicht hatte, die ihm – ich nehm’s schon mal vorweg – verdammt gut stand. Das Problem dabei war nur: Damals war es noch üblich, dass die Schauspieler mehrere Filme gleichzeitig drehten und sich die Dreharbeiten daher meist über längere Zeiträume hinzogen. Sanju konnte also für seine Friseurbesuche nie das Ende irgendwelcher Dreharbeiten abwarten, weil sich immer mehrere Projekte überschnitten; zudem fiel er Ende der 80er wegen einer schweren Lungenerkrankung für längere Zeit aus, wodurch sich die Fertigstellung mehrerer Filme zusätzlich verzögerte. Mit dem Ergebnis, dass in den Filmen ab 1989 ständig ein Frisürchen-wechsel-dich-Spiel bei Sanju zu beobachten ist (und man dadurch witzigerweise sogar nachvollziehen kann, welche Szenen aus welchen Filmen zeitgleich entstanden sind). Offenbar stört so etwas in Indien niemanden, und wenn man diese Umstände einmal akzeptiert hat, dann kommt man damit klar, dass Sanjus Frisur innerhalb eines Films mehrfach wechselt – manchmal sogar mitten in einer Szene. Selbst Anfang der 90er, als die Kurzhaarfrisur bereits komplett aus den Filmen verschwunden war, kann sich die Haarlänge der Vokuhila innerhalb eines Filmes jederzeit ändern. Immerhin, gelohnt hat sich diese haarige Angelegenheit für Sanju allemal, denn erst mit der Vokuhila (in Kombination mit seinem immer besser durchtrainierten Körper) wurde er zu dem sündhaft attraktiven Puma, als der er Anfang der 1990er Jahre das indische Publikum begeistern sollte.

Das gleiche Spiel wiederholt sich in den Jahren 1996 bis 2000, in denen Sanju nach einem vorübergehenden Kurzhaarschnitt nach seiner Gefängniszeit wieder munter mit verschiedenen Haarlängen weiterexperimentierte. Wobei ich nie begreifen werde, was Sanju bzw. seinen Friseur geritten hat, als sie Sanjus künstliche Haarverlängerung verbrachen: vorne Pony-Zotteln, seitlich halblang und hinten lange künstliche Zotteln (zu besichtigen z.B. in einigen Kartoos-, Khauff- oder Safari-Szenen). Bei aller Liebe, aber damit sah Sanju furchtbar aus. Zum Glück hat er offenbar sehr schnell erkannt, dass er so vor der Kamera besser nicht herumlaufen sollte... Zum Jahresende 1997 trennte sich Sanju endgültig von seiner langjährigen Puma-Mähne (in Dushman ist er erstmals seit Anfang der 90er wieder, wenn auch nur in zwei Szenen, mit Kurzhaarschnitt zu sehen). Dass dennoch noch bis ins Jahr 2000 Filme mit Langhaar-Szenen in die Kinos kamen (z.B. Khauff), liegt einfach daran, dass sich auch Ende der 90er Dreharbeiten noch oft über mehrere Jahre hinzogen. Daher darf man sich auch in diesen Jahren nicht wundern, wenn Sanju in einigen Filmen abwechselnd mit kurzen und mit langen Haaren rumläuft, sondern kann nur noch auf gut Hindi konstatieren: Tathastu - so be it!

Diwali goes Sanju

Mit Mission Kashmir fing es an. Ein Schauspieler, von dem ich bis dahin noch nie etwas gehört hatte, zog mich vom ersten Moment an in seinen Bann. Nach Khalnayak fand ich ihn grandios. Nach Parineeta bewundernswert für seine Vielseitigkeit. Und spätestens nach Hum Kisise Kum Nahin hatte ich mich restlos in ihn verliebt: Sanjay Dutt. Ein vielseitiger, charismatischer Charakterdarsteller, der vom eiskalten Killer über seine legendären "Dons mit Herz" bis zum liebenswerten Komiker alles spielen kann und der allein mit seinen Augen, seiner Mimik und seiner unverwechselbaren Stimme mehr auszudrücken vermag als andere unter Einsatz ihrer gesammelten Möglichkeiten. Ein Mann, dessen Leben seit frühester Kindheit eine einzige, ihn prägende Achterbahnfahrt war und der keine Scheu hat, seine Gefühle und Emotionen vor der Kamera offen zu zeigen. Und ein Mensch, der sich trotz seines Images als Macho und Bad Boy seine im Grunde kindliche Seele bewahrt hat - liebenswert, einsam und wahnsinnig verletzlich.

Inzwischen habe ich mehr als 80 Filme mit Sanjay Dutt gesehen, und ein Ende meiner Sanju-Sucht ist nicht abzusehen. Da ich es als Die-Hard-Sanju-Fan schade finde, dass man über seine Filme - vor allem über seine frühen - hierzulande oft nur wenig Informationen findet, habe ich mir zum Ziel gesetzt, in diesem Blog systematisch alle Filme mit Sanjus Mitwirkung, die ich kenne, zu besprechen. Ich hoffe, dass ich damit auch anderen Sanjay-Dutt-Fans eine Freude machen und ihnen bei der einen oder anderen Entscheidungsfindung bezüglich seiner Filme behilflich sein kann.