CNN-IBN, 4. Juli 2009 (Text/Video)
Fifty is just an age: Sanjay Dutt
Die politische Karriere des Schauspielers Sanjay Dutt verlief bislang nicht ganz so, wie er es erwartet hätte, aber Dutt meint, er werde der Samajwadi-Partei erhalten bleiben. In den kommenden Monaten wird eine Reihe von Filmen mit ihm herauskommen, als erstes das Action-Abenteuer Luck von Regisseur Soham Shah. Dutt, der Ende des Monats 50 wird, sagt, dass er noch vor keiner Action zurückscheut und dass sein Geist und sein Körper in guter Verfassung sind.
Rajeev Masand: Eine Zeitlang dachten Ihre Fans, sie hätten Sie an die Politik verloren. Nun sind Sie wieder zurück am Set und unterschreiben für neue Filme – weil die Samajwadi-Partei nicht an die Macht gekommen ist?
Sanjay Dutt: Absolut nicht. Ich hatte von Anfang an gesagt, dass das Kino meine erste Liebe und die Filmindustrie meine Familie ist. Dies war etwas, das ich für mich selbst tun musste. Amar Singhji sagte immer: "Das ist deine erste Liebe, und ich werde dich der Filmindustrie niemals wegnehmen."
Rajeev: Werden Sie auch weiterhin in die Partei involviert sein?
Sanjay: Ich bin der Generalsekretär der Partei und werde definitiv weiter involviert sein. Aber für diesen Job muss man nicht ständig vor Ort sein, im Gegensatz zu einem Parlamentsmitglied. Ich werde also Entscheidungen für die Partei treffen.
Rajeev: In Ihren beiden nächsten Filmen Luck und Blue mussten Sie auch eine Menge physischer Arbeit leisten. In Luck gibt es diese Szene, in der Sie mit verbundenen Augen auf den Gleisen Zügen davonlaufen. Und in Blue mussten Sie tauchen und mit Haien schwimmen. Sie nähern sich den 50, sagt Ihr Körper da auch mal "jetzt reicht’s"?
Sanjay: Ich denke, das ist keine Sache des Körpers, sondern des Geistes, und da muss man drüberstehen. Fünfzig ist einfach nur ein Alter, finde ich – es kommt ganz und gar auf den Geist an. Und ich danke Soham, dass er mich mit verbundenen Augen durch all diese Züge springen ließ; es hat mir Spaß gemacht. 2011 werde ich einen Film machen, für den ich wirklich noch einmal Bodybuilding betreiben werde, und das wird dann noch einmal eine Herausforderung werden, denn dann werde ich 52 sein.
Rajeev: Wenn Sie diese jungen Schauspieler sehen, Ranbir und Imran – mit dem Sie ja in Luck auch arbeiten –, erinnern die Sie dann an Ihre eigenen Anfangszeiten? Sie hatten ja auch einen großen Star-Launch.
Sanjay: Meine Zeit damals war anders als die heute, vieles war anders, auch die Filme waren anders. Es gab eine Menge Respekt und Würde, man respektierte die älteren und erfahreneren Menschen. Da hat sich vieles verändert.
Rajeev: Was vermissen Sie am meisten aus jenen Zeiten?
Sanjay: Den Zusammenhalt. Damals hielt man in der Filmindustrie noch Kontakte untereinander, wie ich es so nicht mehr sehe. Die Menschen pflegten füreinander einzustehen und da zu sein. Ich sage nicht, dass es keine Konkurrenzkämpfe gab, natürlich gab es die. Aber es waren gesunde Konkurrenzkämpfe, es gab keine Egos.
Rajeev: Wenn Sie so manche Ihrer Kollegen über Vierzig sehen wie Shahrukh, Salman, Aamir – finden Sie es amüsant, dass Männer in den Vierzigern sich wie kleine Kinder benehmen?
Sanjay: Solche Dinge sollten überhaupt nicht passieren, finde ich, und wir sollten zueinander stehen. Ich denke, das ist ein sehr wichtiger Grund, warum die Filmindustrie im Abseits steht – weil wir keine Einheit sind. Wären wir eine Einheit, dann könnten wir in der Industrie etwas verändern.
Rajeev: Hatten Sie nie das Bedürfnis, sie beiseite zu nehmen und miteinander zu versöhnen?
Sanjay: Sie sind alle meine jüngeren Brüder, und ich hoffe und bete einfach nur, dass alles sich einrenkt und gut wird.
(Rajeev Masand; Deutsch von Diwali)
Montag, 6. Juli 2009
Mittwoch, 1. Juli 2009
I Do Swear In The Name Of...
Quelle / Source in English
Diese News hat nicht unmittelbar mit Sanjay zu tun, ist jedoch, im Zusammenhang mit einem Ereignis aus seiner Wahlkampfzeit, hochinteressant. Deshalb sei sie hier vermerkt.
I Do Swear In The Name Of...
Als Sanjay vor ein paar Monaten behauptete, ein Union Minister habe ihm mit nachteiligen Konsequenzen für sein Berufungsverfahren beim Supreme Court gedroht, wenn er für die SP in Lucknow bei den Parlamentswahlen kandidiere, da hatte der Chief Justice of India K.G. Balakrishnan jede Vorstellung, die Regierung oder sonst jemand würde ein Urteil des Supreme Court beeinflussen, kategorisch zurückgewiesen.
Von dieser Vorstellung kann er sich nun definitiv verabschieden. Ein Richter des High Court hat nunmehr enthüllt, ein Union Minister habe ihn gebeten, seinen Einfluss einzusetzen und dafür zu sorgen, dass ein Medizinstudent und dessen Vater, gegen die die Staatsanwaltschaft wegen gefälschter Zensuren ermittelt, bereits vorab Kaution gewährt bekommen.
Dies dürfte wohl das erste Mal sein, dass ein Richter des High Court einen Union Minister der versuchten Einflussnahme auf ein höheres Gericht bezichtigt. Ob er den Namen des Mannes noch nennt, ob der Prime Minister die Sache in die Hand nimmt oder ob es Konsequenzen für den besagten Union Minister geben wird, weiß ich nicht, und ich bezweifle es, offen gesagt. Aber es ist ein erschreckendes Beispiel dafür, was in Sachen Korruption in Indien selbst an höchsten politischen und juristischen Stellen möglich ist.
Und deshalb glaube ich Sanjays Behauptung von damals jetzt mehr denn je. Und gebe ihm für sein Berufungsverfahren weniger Chancen denn je. Der SC wird in jedem Fall gegen ihn urteilen - und sei es nur, um sich nicht dem Verdacht auszusetzen, beeinflusst oder bestochen worden zu sein.
Diese News hat nicht unmittelbar mit Sanjay zu tun, ist jedoch, im Zusammenhang mit einem Ereignis aus seiner Wahlkampfzeit, hochinteressant. Deshalb sei sie hier vermerkt.
I Do Swear In The Name Of...
Als Sanjay vor ein paar Monaten behauptete, ein Union Minister habe ihm mit nachteiligen Konsequenzen für sein Berufungsverfahren beim Supreme Court gedroht, wenn er für die SP in Lucknow bei den Parlamentswahlen kandidiere, da hatte der Chief Justice of India K.G. Balakrishnan jede Vorstellung, die Regierung oder sonst jemand würde ein Urteil des Supreme Court beeinflussen, kategorisch zurückgewiesen.
Von dieser Vorstellung kann er sich nun definitiv verabschieden. Ein Richter des High Court hat nunmehr enthüllt, ein Union Minister habe ihn gebeten, seinen Einfluss einzusetzen und dafür zu sorgen, dass ein Medizinstudent und dessen Vater, gegen die die Staatsanwaltschaft wegen gefälschter Zensuren ermittelt, bereits vorab Kaution gewährt bekommen.
Dies dürfte wohl das erste Mal sein, dass ein Richter des High Court einen Union Minister der versuchten Einflussnahme auf ein höheres Gericht bezichtigt. Ob er den Namen des Mannes noch nennt, ob der Prime Minister die Sache in die Hand nimmt oder ob es Konsequenzen für den besagten Union Minister geben wird, weiß ich nicht, und ich bezweifle es, offen gesagt. Aber es ist ein erschreckendes Beispiel dafür, was in Sachen Korruption in Indien selbst an höchsten politischen und juristischen Stellen möglich ist.
Und deshalb glaube ich Sanjays Behauptung von damals jetzt mehr denn je. Und gebe ihm für sein Berufungsverfahren weniger Chancen denn je. Der SC wird in jedem Fall gegen ihn urteilen - und sei es nur, um sich nicht dem Verdacht auszusetzen, beeinflusst oder bestochen worden zu sein.
Samstag, 27. Juni 2009
Sanjay Dutt Interview
Sanjay Dutt hat ein neues und offenbar umfangreiches Interview gegeben. Leider konnte ich bislang immer nur Auszüge daraus finden; ich sammle und übersetze sie hier.
Sanjay Dutt has given a new and obviously long interview. Unfortunately I could only find excerpts which I'm collecting (and translating) here.
All the best, Sanju!
'I believe in destiny'
Politics has been an eye-opener for me, says Sanjay Dutt
*
Hindustan Times, 22. Juni 2009
All the best, Sanju!
Ja, es stimmt. Der Schauspieler, der bislang in seinem Leben durch zahlreiche Höhen und Tiefen gegangen ist, sucht nach einem guten Schreiber, um seine Autobiographie zu schreiben. Das war seine zögernde Reaktion auf die Frage nach seinen Plänen, ein Enthüllungsbuch herauszubringen.
Fast zwei Monate lang war er nun in Goa, um für All The Best zu drehen, die nächste Produktion seines Schauspielerfreundes Ajay Devgan, in der er einen Geschäftsmann spielt. Offenbar ist Baba, wie er selbst mit 49 noch immer liebevoll genannt wird, nach einer Pause, in der er Wahlkampf für die Parlamentswahlen machte (an denen er beinahe teilgenommen hätte, bis das Urteil des Supreme Court es verhinderte), wieder zurück vor der Kamera.
Es gibt immer eine Menge, worüber man mit ihm reden könnte... aber er ist nicht immer so richtig gesprächsbereit. Es war wohl großes Glück, dass er gerade gut gelaunt war oder Spaß hatte beim Drehen einer komischen Szene für den Film, als Sanjay Dutt zu diesem Interview kam und unbekümmert über Themen von seinem Politik-Abstecher bis zu Filmproduktions-Plänen sprach.
Ausschnitte aus der Marathon-Konversation:
Frage: Sie haben an die 12 Kilo abgenommen. Hartes Training?
Sanjay: Ich bin auf einer Diät, die mir verbietet, in irgendwelche Kohlehydrate zu beißen. Ein kleiner Fehler, und er kommt wie ein Bumerang auf dich zurück. Ich habe nicht viel trainiert, seit ich mit dieser Diät begonnen habe. In einer Woche oder zwei werde ich wieder damit anfangen.
Frage: Wird Ihr Image als Politiker jetzt Ihre Rollen- und Filmauswahl beeinflussen?
Sanjay: Nein, ich bin in erster Linie Schauspieler, und mein Job als Profi ist es, jeder Rolle gerecht zu werden. Ich bin in die Politik gegangen, um den Menschen zu dienen. Wenn ich auch nur für zehn Menschen eine Veränderung in ihrem Leben bewirken kann, dann wird es das wert sein. Die Terroranschläge von 26/11 in Mumbai haben einen starken Wunsch ausgelöst, dem Land zu dienen. Es war großartig, all die Menschen zu sehen, die sich am Gateway of India versammelten, um gegen die Untätigkeit der Regierung zu protestieren. Aber dann versiegte die Wut wieder, wie sich später bei den Wahlen zeigte. Das System wird sich nicht über Nacht ändern, aber um überhaupt eine Veränderung zu bewirken, musste ich erstmal einsteigen und verstehen, wie es funktioniert.
Frage: Sie sind neu in der Politik, mussten Sie in die Materie eingewiesen werden?
Sanjay: Das war vorgesehen, aber das geschah nicht. Jemand schlug vor, ich solle damit anfangen, über meinen Vater (Sunil Dutt) zu reden, der nach der Partition nach Lucknow kam und ein neues Leben begann. Ein anderer schlug vor, ich solle über Mohammed Tuglaq reden, der Tuglaqabad zu seiner Hauptstadt machte, später jedoch nach Delhi zurückkehrte. Dann gingen ein paar Politiker vor mir auf das Podium, und zu meiner Überraschung kam der eine mit Tuglaq daher, und der andere erwähnte meinen Dad. Ich dachte nur noch 'das ist doch mein Text'. Als ich dann dran war, habe ich einfach aus dem Herzen heraus gesprochen und mich gut dabei gefühlt.
Frage: Sie sprachen davon, Mayawati eine Umarmung und einen Kuss geben zu wollen, und sie hat Sie angezeigt.
Sanjay: Ich habe klargestellt, dass ich das als ein Bruder gesagt habe. Ich hatte nie die Absicht, ein unanständiges Angebot zu machen und ihre Gefühle zu verletzen. Das hat sie verstanden, als ich es ihr erklärte.
Frage: Nun, da Sie wieder drehen: Wie wollen Sie Ihre Rollen als Schauspieler und als Politiker ausbalancieren?
Sanjay: Ich kann den Menschen auch weiterhin dienen, auch von hier aus; ich muss nicht rund um die Uhr bei ihnen sein. Ich werde regelmäßig Menschen treffen, ihnen zuhören und versuchen, ihre Probleme zu lösen.
Frage: Wird jetzt Manyata in die Politik gehen?
Sanjay: Meine Frau geht nicht in die Politik.
Frage: Wer ist Ihr Vorbild?
Sanjay: Amar Singh, und das sage ich jetzt nicht, weil er mein Bruder ist. Er ist wirklich klug... er kennt alle Fakten und Figuren aus dem Effeff. Mit ihm zu arbeiten ist eine Lernerfahrung.
Frage: Was gibt's Neues an der Filmfront?
Sanjay: Soham Shahs Luck steht als nächstes an, gefolgt von Sujoy Ghoshs Aladin und Ajay Chandoks Chatur Singh Two Star. In einer Woche drehe ich All The Best ab, der zu Diwali rauskommen soll. Und dann kommen auch noch Rahul Dholakias Lamhaa und Anthony D'Souzas Blue. Demnächst beginnen die Dreharbeiten für Anil Kapoors No Problem, und danach drehe ich für Indra Kumars Double Dhamaal. Dann ist da auch noch der nächste Film von Apoorva Lakhia, in dem ich nach Shootout At Lokhandwala, erneut einen Cop spielen werde. Und nicht zu vergessen: Rajkumar Hiranis Munnabhai Chale Amerika, mit dem es irgendwann Mitte nächsten Jahres losgehen wird.
Frage: Was ist mit Ihren Produktionsplänen? Es heißt, Sie produzieren Soham Shahs nächsten Film, India, und spielen auch darin mit.
Sanjay: Ja, und ich überprüfe auch noch andere Skripte.
Frage: Während der Kidnap-Dreharbeiten haben Sie Aamir Khan angerufen, um ihm von einem gefährlichen Stunt von Imran Khan zu erzählen. Haben Sie während der Arbeit an Luck auch wieder mit Aamir gesprochen?
Sanjay: Imran ist jung und steht am Beginn seiner Karriere. Er kann es nicht riskieren, sich zu verletzen und auch nur für einen Monat außer Gefecht gesetzt zu sein. Bei der Technologie, die wir heute haben, ist es nicht notwendig für ihn, dass er seine Stunts selber durchführt, obwohl wir genau das gemacht haben. Wozu unnötige Risiken eingehen?
Frage: Sie haben Action-Szenen in Luck und in Blue gedreht.
Sanjay: In Luck bringt meine Filmfigur andere dazu, Dinge für ihn zu tun. Und in Blue war die meiste Action unter Wasser, und das machte es spannend.
Frage: Sie arbeiten an Ihrer Autobiographie?
Sanjay (lächelt): Können Sie mir jemanden vorschlagen, der sie schreibt? Wer immer es ist, ich sage Ihnen gleich, dass es kein Enthüllungsbuch oder sowas wird. Ich habe zuletzt eine Menge gelesen, zum Beispiel "Gangs" von Ross Kemp. Er hat seine Begegnungen mit den gefährlichsten Unterwelt-Dons der Welt dokumentiert, dabei geht es in jedem Kapitel um ein anderes Land. Es ist sehr beeindruckend. Sich vorzustellen, dass man solche Leute dazubekommt, vor der Kamera zu reden! Wow!
(Hiren Kotwani; Deutsch von Diwali)
*
Screenindia, 26. Juni 2009
‘I believe in destiny’
Für Sanjay Dutt gilt nunmehr wieder: Lichter, Kamera, Action. In einer langen, offenen Unterhaltung spricht der Schauspieler über die neue Phase in seinem Leben.
Obwohl Sanjay Dutt aus einer einflussreichen politischen Familie stammt, zeigt er erst jetzt ernsthaftes Interesse daran, ein aktiver Politiker zu werden. Im Gespräch über seine Erfahrungen und seine Pläne für das Land sagt der Schauspieler, dass Generalsekretär der Samajwadi-Partei zu sein eine Menge Verantwortung mit sich bringt. Schauspiel und Politik sind zwei völlig verschiedene Rollen, aber in keiner von beiden kann man Kompromisse eingehen. "Als Schauspieler bin ich eine imaginäre Person, während ich als Politiker ich selbst, die reale Person sein muss. Es geht nicht einfach nur darum, ob man in Mumbai oder in Delhi ist. Für einen Politiker ist es wichtig, alles über Indien zu wissen, seine Vergangenheit und seine Geschichte. Der Wahlkampf in diesem Frühjahr hat mir jedoch die Augen für das wirkliche Indien geöffnet. Ich habe richtig schlimme Bedingungen vorgefunden. Zum ersten Mal habe ich tatsächliche Armut gesehen, Menschen, die unter extremen Bedingungen leben, bei 48° Celsius ohne Wasser oder Ventilator und ohne anständige sanitäre Einrichtungen. Es ist erbärmlich", verzieht er das Gesicht und fügt hinzu, dass er jedoch froh war über all die Liebe, Bewunderung und Zuneigung, die ihm auf Schritt und Tritt entgegengebracht wurden. Unter anderem besuchte er West Bengalen und die Grenzen von Jharkhand, Bangladesh, Bihar und so weiter. "Einmal traf ich auf zwei Damen, die wollten, dass ich ihren kranken Kindern einen jadoo ki jhappi gebe. Sie glaubten, dass ihnen das helfen würde", lächelte er.
Doch was ihn am meisten berührte, war, dass sie trotz ihrer Lebensbedingungen über seine Filme Bescheid wussten und die meisten davon im Fernsehen gesehen hatten. Einige nannten ihn Munnabhai, andere Sanjubaba. "Ich kam mir richtig klein vor, als sie mir sagten: 'Jetzt wissen wir, dass da jemand ist, zu dem wir aufschauen können.' Ich bin so froh, dass ich auf meine eigene kleine Weise in ihrem Leben etwas bewegen konnte. Ich möchte kein berühmter Politiker sein, sondern ein guter Mensch", sagt unser aller Munnabhai.
Auf die Frage, was ihn zu der ernsthaften Entscheidung bewogen habe, in die Politik zu gehen, sagte er, dass die Terroranschläge vom 26/11 in Mumbai die Entscheidung ausgelöst haben. "Sie haben mich schwer getroffen. Wie kann jemand mit einem Gewehr daherkommen und blind durch die Gegend schießen, dabei Hunderte von hilflosen Menschen töten und das Land in Geiselhaft nehmen? Jeden Tag fliegt irgendwo ein Zug in die Luft oder passieren andere solche Dinge, die sich auf unser tägliches Leben auswirken. Ich kann nicht das System verändern, aber ich kann mich bemühen, in das System reinzukommen und zu versuchen, wenigstens ein bisschen etwas zu verändern. Nun, da ich hier bin, wird mir klar, dass man seine Ziele nur erreicht, wenn man sich absolut dafür engagiert", meint der Schauspieler und Politiker.
Sanjays Augen funkeln, als seine Bemerkung über Mayawati erwähnt wird. Er stellt klar, dass jemand aus der Menge ihn gefragt habe, ob er CM Mayawati einen jadoo ki jhappi geben würde, und er zustimmend geantwortet habe. "Man kann auch einer Schwester oder jemandem, der einem sehr nahe steht, eine Umarmung geben. Ich habe nicht chumma gesagt, oder?"
Dass seine Frau Manyata nun voll in die Politik einsteigen soll, verneint Sanjay mit dem Hinweis, sie sei nicht wirklich interessiert. Das sei nur eine Spekulation, und alles sei total übertrieben worden.
Von seinen Filmen wird der von Shree Ashtavinayak Cine Visions produzierte und von Soham Shah inszenierte Luck am 24. Juli in die Kinos kommen. Luck ist ein Action-Abenteuer-Film, der in Südafrika gedreht wurde und in dem außerdem noch Imran Khan, Shruti Hassan, Ravi Kissen und Chitrashi Rawat mitspielen. Sanjay zufolge ähnele der Streifen ein wenig seinem Film Musafir. In Luck spielt Sanjay einen Geschäftsmann, der "weder gut noch böse" ist, und es geht darum, wie sein Leben sich verändert, als er der von Imran gespielten Figur begegnet.
Sanjay hatte zuvor in Kidnap schon einmal mit Imran zusammengearbeitet, und anders als in jenem Film hatte er diesmal nicht viele Szenen mit dem aufstrebenden Schauspieler, den er für immens talentiert hält. Er hat Imrans Onkel Aamir Khan angerufen und ihm sein Kompliment zu diesem Neffen gemacht. Über den jungen Regisseur Soham Shah sagt Sanjay, dass er sehr talentiert sei. "Ich habe ihn sogar für einen Film unter meinem Banner unter Vertrag genommen. Es wird darin um Sport gehen. Ich habe Luck ausschließlich für ihn gemacht. Es war ein etwas anderes Skript, und es wurde mit viel Leidenschaft umgesetzt. Soham glaubt und bekommt von seinen Schauspielern, was er will", sagt der Schauspieler. Auf die Frage, ob er an Glück glaube, sagt Sanjay lächelnd: "Ich glaube an Schicksal."
Sanjay ist nun schon seit über einem Monat in Goa, wo er für All The Best - Fun Begins für Ajay Devgan Films dreht. Hier hat er auch eine strenge Agenda gestartet, um einen Großteil seines Übergewichts abzubauen, und das mit grandiosem Erfolg. "Goa ist ein großartiger Drehort, und mit komplettem Cast und Crew über einen längeren Zeitraum am gleichen Ort zu sein ist eine bereichernde Erfahrung. Die Leute bekommen eine gute Beziehung zueinander, und die Ergebnisse sind besser", findet er. Über Ajay Devgan sagt er, er sei ein phantastischer und unkomplizierter Produzent.
Der dritte seiner Munnabhai-Filme startet möglicherweise im Januar 2010, und auch sein guter Freund Mahesh Manjrekar hat ein interessantes Skript für eine Komödie geschrieben, mit der es ebenfalls zu dieser Zeit losgehen wird. Seine anderen Filme sind Shree Ashtavinayak Cine Visions’ Blue, der am 14. August herauskommt, Sujoy Ghoshs Aladin, Milan Luthrias Once Upon A Time, Ajay Chandoks Chatur Singh Two Star und außerdem Apoorva Lakhias nächster Film, in dem er einen Cop spielt.
Auf die Frage, was er gerne in seiner Freizeit macht, sagt Sanjay, dass er zuletzt viel über verschiedene Themen gelesen habe. Im Moment nimmt ihn das Buch "Gangs" von Ross Kemp gefangen, von dem es auch einen Dokumentarfilm in vier Teilen zu je vier Kapiteln gibt. Über den Inhalt sagt er, es basiere auf Kemps Interaktionen mit Kriminellen und ihren Gangs. In der Show reist Kemp durch die Welt, spricht mit Gang-Mitgliedern, Gewaltopfern und den Behörden, die das Problem zu lösen versuchen. In jeder Episode versucht er, Kontakte zu Gangs zu knüpfen und Interviews zu arrangieren mit Gang-Leadern aus Brasilien, Kuba, Puerto Rico, Kolumbien, der Ukraine, Kapstadt, den USA u.a. Sanjay ist verblüfft darüber, wie es dem Journalisten gelungen ist, die Kriminellen zum Reden über ihr Leben zu bewegen. "Das ist ein bemerkenswertes Erlebnis", stellt er fest.
Er hegt auch Pläne, eine Biographie zu schreiben, vorausgesetzt "ich kriege einen guten Verleger". Wird das Buch die wahren Fakten über sein Leben beinhalten? Sanjay lacht laut auf: "Sie meinen, ein paar unbekannte Fakten. Ich werde da etwas vorsichtig sein müssen. Ja, aber nur mit Zuckerguss."
Sanjay, der sich erst jüngst die Namen seiner Eltern auf die Brust hat tätowieren lassen, plant in naher Zukunft noch mehr Tattoos auf seinem Körper. "Ich habe bereits Gott Shiva auf meinem Arm und ein Tattoo auf meinem Nacken", sagt er mit glänzenden Augen.
Nachdem er nun bereits in die Filmproduktion eingestiegen ist, wäre als nächster Schritt zweifellos die Filmregie dran. Aber Sanjay hebt abwehrend die Hand: "Regie ist nichts für mich. Das ist eine große Verantwortung, und ich werde niemals imstande sein, um 7 Uhr morgens am Set zu sein und so viele Menschen dirigieren zu können." Ungeachtet dessen gibt es einen Film aus dem Banner seines verstorbenen Vaters Sunil Dutt, von dem er gerne ein Remake machen würde, und das ist Mujhe Jeene Do. "Man müsste ihn den modernen Standards anpassen, aber das war ein Film, der mich schon immer berührt hat."
(Namita Nivas; Deutsch von Diwali)
*
Indianexpress, 23. Juni 2009
Politics has been an eye-opener for me, says Sanjay Dutt
Mumbai: Sein Ausflug in die Politik mag der Samajwadi-Partei (SP) in den jüngsten Parlamentswahlen keine großen Gewinne beschert haben, aber für Sanjay Dutt wird dieser Teil seines Lebens unvergesslich bleiben.
In einer Kampagne voller kontroverser Statements wie "Der Kongress hat meinen Vater getötet" und ungeachtet eines öffentlichen Streits mit seiner Schwester Priya Dutt und natürlich der ganzen "jhappi and pappi"-Obszönitätsgeschichte mit Mayawati ist sich Dutt sicher, ein paar sachdienliche Lektionen gelernt zu haben, die, so hofft er, helfen werden, bitter nötigen Schwung in die SP zu bringen: "Wie Sie wissen, bin ich landesweiter Generalsekretär der SP. Damit liegt eine große Verantwortung auf meinen Schultern, und ich habe vor, ihr Ehre zu erweisen."
In Akt 2 seiner Politik setzt Dutt auf die menschliche Note. Er möchte mit seinen Wählern unter vier Augen Kontakte knüpfen. Eine seiner lebhaftesten Wahlkampf-Erinnerungen ist eine alte Dame in Purulia, West Bengalen, die ihn drängte, zu ihr nach Hause zu kommen und ihrem kranken Sohn einen jadoo ki jhappi zu geben: "Ich war sprachlos über diese Bitte. Obwohl ich ihr sagte, dass ich nichts tun kann, bestand sie darauf, dass ich ihren Sohn umarmte. Ich tat es, und ich werde niemals die Dankbarkeit in ihren Augen vergessen. Wenn ich auch nur für zehn Menschen wie sie etwas verändern kann in meiner gesamten politischen Karriere, dann habe ich meinen Job gemacht."
Dutt, der das politische Erbe seines Vaters Sunil Dutt fortsetzen möchte, sagt, dass er sich nach den Terroranschlägen vom 26/11 in Mumbai entschlossen habe, in die Politik zu gehen: "Es war ein Punkt erreicht, an dem ich sagte: Genug. Jeden zweiten Tag explodiert bei uns eine Bombe in einem Zug, und nun kommen auch noch ein paar Menschen mit Booten und zwingen ein ganzes Land in die Knie. Ich sagte zu mir selbst, dass ich allein zwar nicht das System ändern kann, aber wenn ich mich in das System einbringe und gute Menschen sich mir anschließen, dann können vielleicht wenigstens ein paar Dinge besser werden."
Das schwache Abschneiden seiner Partei bei den jüngst durchgeführten Parlamentswahlen schreibt er offen einer öffentlichen Apathie zu: "Ich denke, die Menschen haben aufgehört, an das System zu glauben. Wir dachten, der Volkszorn, der nach 26/11 ausbrach, würde wirklich etwas aufrütteln, aber das geschah nicht. Es war lediglich wie das Sprudeln von Sodawasser, das kam und wieder ging."
Dutt, der derzeit in Goa für Ajay Devgans All The Best dreht, steht in permanentem Kontakt mit seinen Parteimitarbeitern und plant, seine Zeit fair zwischen Politik und Filmen aufzuteilen. Die Hitze und der Staub der indischen Politik haben einen unauslöschlichen Eindruck auf den 49-jährigen Schauspieler hinterlassen. Es hat ihm geholfen, das Land neu zu entdecken: "Wir, die wir in Bombay leben, wissen gar nicht, was das wirkliche Indien ist. Ich war in Städten, von denen andere noch nicht einmal gehört haben. In Orten wie Siwan und Hajpur in Bihar leben Menschen in solch erbärmlicher Armut, dass es einem die Sprache verschlägt. Wir leben im 21. Jahrhundert, und so viele Dörfer sind noch immer ohne Elektrizität. All das hat mir die Augen geöffnet." Um mehr über Indien zu erfahren, liest er derzeit "The City of Joy" von Dominique Lapierre.
Diesmal ist Dutt konzentrierter und vorbereiteter. Öffentliche Reden zu halten fällt ihm zusehends leichter, und er sucht für sie seinen eigenen Stil und Inhalt, wofür er eine Weile gebraucht hat, um es zu verinnerlichen: "Ich bin ein Filmmensch. Ich denke aus dem Herzen und habe mein Lebtag keine öffentlichen Ansprachen gehalten; außer zumindest ansatzweise bei Award-Verleihungen. In meinen ersten paar Reden merkte ich, dass alles, was ich sagen wollte, schon von den MLAs des Ortes gesagt worden war, also musste ich mich noch mehr vertiefen."
Die Mayawati-Kontroverse hat ihn außerdem gelehrt, politically correct zu werden und seine Worte mit Bedacht zu wählen. "Jemand aus der Menge fragte mich, ob ich Mayawati einen jadoo ki jhappi geben würde, und ich sagte: ja, eine Umarmung und einen Kuss. Man gibt schließlich auch seinen Schwestern einen Kuss, oder? Ich habe nicht chumma gesagt. Aber sie fühlte sich gekränkt, also habe ich mich bei ihr entschuldigt." Na denn.
(Harneet Singh; Deutsch von Diwali)
Sanjay Dutt has given a new and obviously long interview. Unfortunately I could only find excerpts which I'm collecting (and translating) here.
All the best, Sanju!
'I believe in destiny'
Politics has been an eye-opener for me, says Sanjay Dutt
*
Hindustan Times, 22. Juni 2009
All the best, Sanju!
Ja, es stimmt. Der Schauspieler, der bislang in seinem Leben durch zahlreiche Höhen und Tiefen gegangen ist, sucht nach einem guten Schreiber, um seine Autobiographie zu schreiben. Das war seine zögernde Reaktion auf die Frage nach seinen Plänen, ein Enthüllungsbuch herauszubringen.
Fast zwei Monate lang war er nun in Goa, um für All The Best zu drehen, die nächste Produktion seines Schauspielerfreundes Ajay Devgan, in der er einen Geschäftsmann spielt. Offenbar ist Baba, wie er selbst mit 49 noch immer liebevoll genannt wird, nach einer Pause, in der er Wahlkampf für die Parlamentswahlen machte (an denen er beinahe teilgenommen hätte, bis das Urteil des Supreme Court es verhinderte), wieder zurück vor der Kamera.
Es gibt immer eine Menge, worüber man mit ihm reden könnte... aber er ist nicht immer so richtig gesprächsbereit. Es war wohl großes Glück, dass er gerade gut gelaunt war oder Spaß hatte beim Drehen einer komischen Szene für den Film, als Sanjay Dutt zu diesem Interview kam und unbekümmert über Themen von seinem Politik-Abstecher bis zu Filmproduktions-Plänen sprach.
Ausschnitte aus der Marathon-Konversation:
Frage: Sie haben an die 12 Kilo abgenommen. Hartes Training?
Sanjay: Ich bin auf einer Diät, die mir verbietet, in irgendwelche Kohlehydrate zu beißen. Ein kleiner Fehler, und er kommt wie ein Bumerang auf dich zurück. Ich habe nicht viel trainiert, seit ich mit dieser Diät begonnen habe. In einer Woche oder zwei werde ich wieder damit anfangen.
Frage: Wird Ihr Image als Politiker jetzt Ihre Rollen- und Filmauswahl beeinflussen?
Sanjay: Nein, ich bin in erster Linie Schauspieler, und mein Job als Profi ist es, jeder Rolle gerecht zu werden. Ich bin in die Politik gegangen, um den Menschen zu dienen. Wenn ich auch nur für zehn Menschen eine Veränderung in ihrem Leben bewirken kann, dann wird es das wert sein. Die Terroranschläge von 26/11 in Mumbai haben einen starken Wunsch ausgelöst, dem Land zu dienen. Es war großartig, all die Menschen zu sehen, die sich am Gateway of India versammelten, um gegen die Untätigkeit der Regierung zu protestieren. Aber dann versiegte die Wut wieder, wie sich später bei den Wahlen zeigte. Das System wird sich nicht über Nacht ändern, aber um überhaupt eine Veränderung zu bewirken, musste ich erstmal einsteigen und verstehen, wie es funktioniert.
Frage: Sie sind neu in der Politik, mussten Sie in die Materie eingewiesen werden?
Sanjay: Das war vorgesehen, aber das geschah nicht. Jemand schlug vor, ich solle damit anfangen, über meinen Vater (Sunil Dutt) zu reden, der nach der Partition nach Lucknow kam und ein neues Leben begann. Ein anderer schlug vor, ich solle über Mohammed Tuglaq reden, der Tuglaqabad zu seiner Hauptstadt machte, später jedoch nach Delhi zurückkehrte. Dann gingen ein paar Politiker vor mir auf das Podium, und zu meiner Überraschung kam der eine mit Tuglaq daher, und der andere erwähnte meinen Dad. Ich dachte nur noch 'das ist doch mein Text'. Als ich dann dran war, habe ich einfach aus dem Herzen heraus gesprochen und mich gut dabei gefühlt.
Frage: Sie sprachen davon, Mayawati eine Umarmung und einen Kuss geben zu wollen, und sie hat Sie angezeigt.
Sanjay: Ich habe klargestellt, dass ich das als ein Bruder gesagt habe. Ich hatte nie die Absicht, ein unanständiges Angebot zu machen und ihre Gefühle zu verletzen. Das hat sie verstanden, als ich es ihr erklärte.
Frage: Nun, da Sie wieder drehen: Wie wollen Sie Ihre Rollen als Schauspieler und als Politiker ausbalancieren?
Sanjay: Ich kann den Menschen auch weiterhin dienen, auch von hier aus; ich muss nicht rund um die Uhr bei ihnen sein. Ich werde regelmäßig Menschen treffen, ihnen zuhören und versuchen, ihre Probleme zu lösen.
Frage: Wird jetzt Manyata in die Politik gehen?
Sanjay: Meine Frau geht nicht in die Politik.
Frage: Wer ist Ihr Vorbild?
Sanjay: Amar Singh, und das sage ich jetzt nicht, weil er mein Bruder ist. Er ist wirklich klug... er kennt alle Fakten und Figuren aus dem Effeff. Mit ihm zu arbeiten ist eine Lernerfahrung.
Frage: Was gibt's Neues an der Filmfront?
Sanjay: Soham Shahs Luck steht als nächstes an, gefolgt von Sujoy Ghoshs Aladin und Ajay Chandoks Chatur Singh Two Star. In einer Woche drehe ich All The Best ab, der zu Diwali rauskommen soll. Und dann kommen auch noch Rahul Dholakias Lamhaa und Anthony D'Souzas Blue. Demnächst beginnen die Dreharbeiten für Anil Kapoors No Problem, und danach drehe ich für Indra Kumars Double Dhamaal. Dann ist da auch noch der nächste Film von Apoorva Lakhia, in dem ich nach Shootout At Lokhandwala, erneut einen Cop spielen werde. Und nicht zu vergessen: Rajkumar Hiranis Munnabhai Chale Amerika, mit dem es irgendwann Mitte nächsten Jahres losgehen wird.
Frage: Was ist mit Ihren Produktionsplänen? Es heißt, Sie produzieren Soham Shahs nächsten Film, India, und spielen auch darin mit.
Sanjay: Ja, und ich überprüfe auch noch andere Skripte.
Frage: Während der Kidnap-Dreharbeiten haben Sie Aamir Khan angerufen, um ihm von einem gefährlichen Stunt von Imran Khan zu erzählen. Haben Sie während der Arbeit an Luck auch wieder mit Aamir gesprochen?
Sanjay: Imran ist jung und steht am Beginn seiner Karriere. Er kann es nicht riskieren, sich zu verletzen und auch nur für einen Monat außer Gefecht gesetzt zu sein. Bei der Technologie, die wir heute haben, ist es nicht notwendig für ihn, dass er seine Stunts selber durchführt, obwohl wir genau das gemacht haben. Wozu unnötige Risiken eingehen?
Frage: Sie haben Action-Szenen in Luck und in Blue gedreht.
Sanjay: In Luck bringt meine Filmfigur andere dazu, Dinge für ihn zu tun. Und in Blue war die meiste Action unter Wasser, und das machte es spannend.
Frage: Sie arbeiten an Ihrer Autobiographie?
Sanjay (lächelt): Können Sie mir jemanden vorschlagen, der sie schreibt? Wer immer es ist, ich sage Ihnen gleich, dass es kein Enthüllungsbuch oder sowas wird. Ich habe zuletzt eine Menge gelesen, zum Beispiel "Gangs" von Ross Kemp. Er hat seine Begegnungen mit den gefährlichsten Unterwelt-Dons der Welt dokumentiert, dabei geht es in jedem Kapitel um ein anderes Land. Es ist sehr beeindruckend. Sich vorzustellen, dass man solche Leute dazubekommt, vor der Kamera zu reden! Wow!
(Hiren Kotwani; Deutsch von Diwali)
*
Screenindia, 26. Juni 2009
‘I believe in destiny’
Für Sanjay Dutt gilt nunmehr wieder: Lichter, Kamera, Action. In einer langen, offenen Unterhaltung spricht der Schauspieler über die neue Phase in seinem Leben.
Obwohl Sanjay Dutt aus einer einflussreichen politischen Familie stammt, zeigt er erst jetzt ernsthaftes Interesse daran, ein aktiver Politiker zu werden. Im Gespräch über seine Erfahrungen und seine Pläne für das Land sagt der Schauspieler, dass Generalsekretär der Samajwadi-Partei zu sein eine Menge Verantwortung mit sich bringt. Schauspiel und Politik sind zwei völlig verschiedene Rollen, aber in keiner von beiden kann man Kompromisse eingehen. "Als Schauspieler bin ich eine imaginäre Person, während ich als Politiker ich selbst, die reale Person sein muss. Es geht nicht einfach nur darum, ob man in Mumbai oder in Delhi ist. Für einen Politiker ist es wichtig, alles über Indien zu wissen, seine Vergangenheit und seine Geschichte. Der Wahlkampf in diesem Frühjahr hat mir jedoch die Augen für das wirkliche Indien geöffnet. Ich habe richtig schlimme Bedingungen vorgefunden. Zum ersten Mal habe ich tatsächliche Armut gesehen, Menschen, die unter extremen Bedingungen leben, bei 48° Celsius ohne Wasser oder Ventilator und ohne anständige sanitäre Einrichtungen. Es ist erbärmlich", verzieht er das Gesicht und fügt hinzu, dass er jedoch froh war über all die Liebe, Bewunderung und Zuneigung, die ihm auf Schritt und Tritt entgegengebracht wurden. Unter anderem besuchte er West Bengalen und die Grenzen von Jharkhand, Bangladesh, Bihar und so weiter. "Einmal traf ich auf zwei Damen, die wollten, dass ich ihren kranken Kindern einen jadoo ki jhappi gebe. Sie glaubten, dass ihnen das helfen würde", lächelte er.
Doch was ihn am meisten berührte, war, dass sie trotz ihrer Lebensbedingungen über seine Filme Bescheid wussten und die meisten davon im Fernsehen gesehen hatten. Einige nannten ihn Munnabhai, andere Sanjubaba. "Ich kam mir richtig klein vor, als sie mir sagten: 'Jetzt wissen wir, dass da jemand ist, zu dem wir aufschauen können.' Ich bin so froh, dass ich auf meine eigene kleine Weise in ihrem Leben etwas bewegen konnte. Ich möchte kein berühmter Politiker sein, sondern ein guter Mensch", sagt unser aller Munnabhai.
Auf die Frage, was ihn zu der ernsthaften Entscheidung bewogen habe, in die Politik zu gehen, sagte er, dass die Terroranschläge vom 26/11 in Mumbai die Entscheidung ausgelöst haben. "Sie haben mich schwer getroffen. Wie kann jemand mit einem Gewehr daherkommen und blind durch die Gegend schießen, dabei Hunderte von hilflosen Menschen töten und das Land in Geiselhaft nehmen? Jeden Tag fliegt irgendwo ein Zug in die Luft oder passieren andere solche Dinge, die sich auf unser tägliches Leben auswirken. Ich kann nicht das System verändern, aber ich kann mich bemühen, in das System reinzukommen und zu versuchen, wenigstens ein bisschen etwas zu verändern. Nun, da ich hier bin, wird mir klar, dass man seine Ziele nur erreicht, wenn man sich absolut dafür engagiert", meint der Schauspieler und Politiker.
Sanjays Augen funkeln, als seine Bemerkung über Mayawati erwähnt wird. Er stellt klar, dass jemand aus der Menge ihn gefragt habe, ob er CM Mayawati einen jadoo ki jhappi geben würde, und er zustimmend geantwortet habe. "Man kann auch einer Schwester oder jemandem, der einem sehr nahe steht, eine Umarmung geben. Ich habe nicht chumma gesagt, oder?"
Dass seine Frau Manyata nun voll in die Politik einsteigen soll, verneint Sanjay mit dem Hinweis, sie sei nicht wirklich interessiert. Das sei nur eine Spekulation, und alles sei total übertrieben worden.
Von seinen Filmen wird der von Shree Ashtavinayak Cine Visions produzierte und von Soham Shah inszenierte Luck am 24. Juli in die Kinos kommen. Luck ist ein Action-Abenteuer-Film, der in Südafrika gedreht wurde und in dem außerdem noch Imran Khan, Shruti Hassan, Ravi Kissen und Chitrashi Rawat mitspielen. Sanjay zufolge ähnele der Streifen ein wenig seinem Film Musafir. In Luck spielt Sanjay einen Geschäftsmann, der "weder gut noch böse" ist, und es geht darum, wie sein Leben sich verändert, als er der von Imran gespielten Figur begegnet.
Sanjay hatte zuvor in Kidnap schon einmal mit Imran zusammengearbeitet, und anders als in jenem Film hatte er diesmal nicht viele Szenen mit dem aufstrebenden Schauspieler, den er für immens talentiert hält. Er hat Imrans Onkel Aamir Khan angerufen und ihm sein Kompliment zu diesem Neffen gemacht. Über den jungen Regisseur Soham Shah sagt Sanjay, dass er sehr talentiert sei. "Ich habe ihn sogar für einen Film unter meinem Banner unter Vertrag genommen. Es wird darin um Sport gehen. Ich habe Luck ausschließlich für ihn gemacht. Es war ein etwas anderes Skript, und es wurde mit viel Leidenschaft umgesetzt. Soham glaubt und bekommt von seinen Schauspielern, was er will", sagt der Schauspieler. Auf die Frage, ob er an Glück glaube, sagt Sanjay lächelnd: "Ich glaube an Schicksal."
Sanjay ist nun schon seit über einem Monat in Goa, wo er für All The Best - Fun Begins für Ajay Devgan Films dreht. Hier hat er auch eine strenge Agenda gestartet, um einen Großteil seines Übergewichts abzubauen, und das mit grandiosem Erfolg. "Goa ist ein großartiger Drehort, und mit komplettem Cast und Crew über einen längeren Zeitraum am gleichen Ort zu sein ist eine bereichernde Erfahrung. Die Leute bekommen eine gute Beziehung zueinander, und die Ergebnisse sind besser", findet er. Über Ajay Devgan sagt er, er sei ein phantastischer und unkomplizierter Produzent.
Der dritte seiner Munnabhai-Filme startet möglicherweise im Januar 2010, und auch sein guter Freund Mahesh Manjrekar hat ein interessantes Skript für eine Komödie geschrieben, mit der es ebenfalls zu dieser Zeit losgehen wird. Seine anderen Filme sind Shree Ashtavinayak Cine Visions’ Blue, der am 14. August herauskommt, Sujoy Ghoshs Aladin, Milan Luthrias Once Upon A Time, Ajay Chandoks Chatur Singh Two Star und außerdem Apoorva Lakhias nächster Film, in dem er einen Cop spielt.
Auf die Frage, was er gerne in seiner Freizeit macht, sagt Sanjay, dass er zuletzt viel über verschiedene Themen gelesen habe. Im Moment nimmt ihn das Buch "Gangs" von Ross Kemp gefangen, von dem es auch einen Dokumentarfilm in vier Teilen zu je vier Kapiteln gibt. Über den Inhalt sagt er, es basiere auf Kemps Interaktionen mit Kriminellen und ihren Gangs. In der Show reist Kemp durch die Welt, spricht mit Gang-Mitgliedern, Gewaltopfern und den Behörden, die das Problem zu lösen versuchen. In jeder Episode versucht er, Kontakte zu Gangs zu knüpfen und Interviews zu arrangieren mit Gang-Leadern aus Brasilien, Kuba, Puerto Rico, Kolumbien, der Ukraine, Kapstadt, den USA u.a. Sanjay ist verblüfft darüber, wie es dem Journalisten gelungen ist, die Kriminellen zum Reden über ihr Leben zu bewegen. "Das ist ein bemerkenswertes Erlebnis", stellt er fest.
Er hegt auch Pläne, eine Biographie zu schreiben, vorausgesetzt "ich kriege einen guten Verleger". Wird das Buch die wahren Fakten über sein Leben beinhalten? Sanjay lacht laut auf: "Sie meinen, ein paar unbekannte Fakten. Ich werde da etwas vorsichtig sein müssen. Ja, aber nur mit Zuckerguss."
Sanjay, der sich erst jüngst die Namen seiner Eltern auf die Brust hat tätowieren lassen, plant in naher Zukunft noch mehr Tattoos auf seinem Körper. "Ich habe bereits Gott Shiva auf meinem Arm und ein Tattoo auf meinem Nacken", sagt er mit glänzenden Augen.
Nachdem er nun bereits in die Filmproduktion eingestiegen ist, wäre als nächster Schritt zweifellos die Filmregie dran. Aber Sanjay hebt abwehrend die Hand: "Regie ist nichts für mich. Das ist eine große Verantwortung, und ich werde niemals imstande sein, um 7 Uhr morgens am Set zu sein und so viele Menschen dirigieren zu können." Ungeachtet dessen gibt es einen Film aus dem Banner seines verstorbenen Vaters Sunil Dutt, von dem er gerne ein Remake machen würde, und das ist Mujhe Jeene Do. "Man müsste ihn den modernen Standards anpassen, aber das war ein Film, der mich schon immer berührt hat."
(Namita Nivas; Deutsch von Diwali)
*
Indianexpress, 23. Juni 2009
Politics has been an eye-opener for me, says Sanjay Dutt
Mumbai: Sein Ausflug in die Politik mag der Samajwadi-Partei (SP) in den jüngsten Parlamentswahlen keine großen Gewinne beschert haben, aber für Sanjay Dutt wird dieser Teil seines Lebens unvergesslich bleiben.
In einer Kampagne voller kontroverser Statements wie "Der Kongress hat meinen Vater getötet" und ungeachtet eines öffentlichen Streits mit seiner Schwester Priya Dutt und natürlich der ganzen "jhappi and pappi"-Obszönitätsgeschichte mit Mayawati ist sich Dutt sicher, ein paar sachdienliche Lektionen gelernt zu haben, die, so hofft er, helfen werden, bitter nötigen Schwung in die SP zu bringen: "Wie Sie wissen, bin ich landesweiter Generalsekretär der SP. Damit liegt eine große Verantwortung auf meinen Schultern, und ich habe vor, ihr Ehre zu erweisen."
In Akt 2 seiner Politik setzt Dutt auf die menschliche Note. Er möchte mit seinen Wählern unter vier Augen Kontakte knüpfen. Eine seiner lebhaftesten Wahlkampf-Erinnerungen ist eine alte Dame in Purulia, West Bengalen, die ihn drängte, zu ihr nach Hause zu kommen und ihrem kranken Sohn einen jadoo ki jhappi zu geben: "Ich war sprachlos über diese Bitte. Obwohl ich ihr sagte, dass ich nichts tun kann, bestand sie darauf, dass ich ihren Sohn umarmte. Ich tat es, und ich werde niemals die Dankbarkeit in ihren Augen vergessen. Wenn ich auch nur für zehn Menschen wie sie etwas verändern kann in meiner gesamten politischen Karriere, dann habe ich meinen Job gemacht."
Dutt, der das politische Erbe seines Vaters Sunil Dutt fortsetzen möchte, sagt, dass er sich nach den Terroranschlägen vom 26/11 in Mumbai entschlossen habe, in die Politik zu gehen: "Es war ein Punkt erreicht, an dem ich sagte: Genug. Jeden zweiten Tag explodiert bei uns eine Bombe in einem Zug, und nun kommen auch noch ein paar Menschen mit Booten und zwingen ein ganzes Land in die Knie. Ich sagte zu mir selbst, dass ich allein zwar nicht das System ändern kann, aber wenn ich mich in das System einbringe und gute Menschen sich mir anschließen, dann können vielleicht wenigstens ein paar Dinge besser werden."
Das schwache Abschneiden seiner Partei bei den jüngst durchgeführten Parlamentswahlen schreibt er offen einer öffentlichen Apathie zu: "Ich denke, die Menschen haben aufgehört, an das System zu glauben. Wir dachten, der Volkszorn, der nach 26/11 ausbrach, würde wirklich etwas aufrütteln, aber das geschah nicht. Es war lediglich wie das Sprudeln von Sodawasser, das kam und wieder ging."
Dutt, der derzeit in Goa für Ajay Devgans All The Best dreht, steht in permanentem Kontakt mit seinen Parteimitarbeitern und plant, seine Zeit fair zwischen Politik und Filmen aufzuteilen. Die Hitze und der Staub der indischen Politik haben einen unauslöschlichen Eindruck auf den 49-jährigen Schauspieler hinterlassen. Es hat ihm geholfen, das Land neu zu entdecken: "Wir, die wir in Bombay leben, wissen gar nicht, was das wirkliche Indien ist. Ich war in Städten, von denen andere noch nicht einmal gehört haben. In Orten wie Siwan und Hajpur in Bihar leben Menschen in solch erbärmlicher Armut, dass es einem die Sprache verschlägt. Wir leben im 21. Jahrhundert, und so viele Dörfer sind noch immer ohne Elektrizität. All das hat mir die Augen geöffnet." Um mehr über Indien zu erfahren, liest er derzeit "The City of Joy" von Dominique Lapierre.
Diesmal ist Dutt konzentrierter und vorbereiteter. Öffentliche Reden zu halten fällt ihm zusehends leichter, und er sucht für sie seinen eigenen Stil und Inhalt, wofür er eine Weile gebraucht hat, um es zu verinnerlichen: "Ich bin ein Filmmensch. Ich denke aus dem Herzen und habe mein Lebtag keine öffentlichen Ansprachen gehalten; außer zumindest ansatzweise bei Award-Verleihungen. In meinen ersten paar Reden merkte ich, dass alles, was ich sagen wollte, schon von den MLAs des Ortes gesagt worden war, also musste ich mich noch mehr vertiefen."
Die Mayawati-Kontroverse hat ihn außerdem gelehrt, politically correct zu werden und seine Worte mit Bedacht zu wählen. "Jemand aus der Menge fragte mich, ob ich Mayawati einen jadoo ki jhappi geben würde, und ich sagte: ja, eine Umarmung und einen Kuss. Man gibt schließlich auch seinen Schwestern einen Kuss, oder? Ich habe nicht chumma gesagt. Aber sie fühlte sich gekränkt, also habe ich mich bei ihr entschuldigt." Na denn.
(Harneet Singh; Deutsch von Diwali)
Sonntag, 24. Mai 2009
Interview mit James Bomalick, Action Director für Blue (2009)
Montag, 18. Mai 2009
theBollywoodFan
Interview mit James Bomalick, Action Director für Blue (2009)
James Bomalick ist ein erfolgreicher Action Director, zu dessen Filmen Mr and Mrs Smith (2005), The Fast and the Furious: Tokio Drift (2006), Live Free or Die Hard, kurz: Die Hard 4 (2007) und The Mummy: Tomb of the Dragon Emperor, kurz: The Mummy 3 (2008) zählen. Zudem ist er Action Director für einen der meisterwarteten Hindi-Filme des Jahres 2009: Blue, inszeniert von Anthony D'Souza und mit Sanjay Dutt, Akshay Kumar, Zayed Khan, Katrina Kaif und Lara Dutta.
Ich hatte die Ehre, James begegnen zu dürfen, als er gerade ein paar ganz phantastische und ehrfurchteinflößende Aufnahmen der großartigen Action-Szenen für diesen Film vorab begutachtete. Blue wird ganz bestimmt neue Maßstäbe setzen für weitere Hindi-Filme. Außerdem hat er einen der eingängigsten Soundtracks des Jahres (A.R. Rahman). Genießt dieses Interview und dankt mit mir James dafür, dass er sich bei seinem extrem hektischen Terminkalender die Zeit genommen hat, meine Fragen zu beantworten und seine bemerkenswerten Einblicke mit uns zu teilen.
1. Was hat dich dazu bewogen, Action Director zu werden? Und was ist am Spannendsten dabei?
Ich habe mich nicht bewusst dafür entschieden, Action zu inszenieren. Es erwuchs vielmehr daraus, dass ich Details und Teile entwarf, schuf und gestaltete, die man für Action-Szenen braucht. Nachdem ich mich jahrelang mit der Choreographie und der Mechanik befasst hatte, war es nur natürlich, dass ich auch die Kameras für die besten Aufnahmen platzierte, um das Ganze so spannend wie möglich zu machen. Das war die nächste Entwicklungsstufe. Das Spannendste an dem Ganzen ist, die Fertigstellung komplizierter Filmszenen aus all den verschiedenen Blickwinkeln zu sehen. Oft habe ich mir Dinge ausgedacht, lange und gründlich vorbereitet, und dann, als es fertig war, gesagt: "Wow, wir haben das wirklich gemacht!!!" Das ist dann der schönste Lohn.
2. Wie haben Filme in deiner Kindheit dein Leben beeinflusst?
Filme haben mich als Kind nicht wirklich beeinflusst, sie haben lediglich untermauert, was ich so alles gemacht habe. Ich war ein wildes Kind auf dem Fahrrad und auf Sprungrampen und bin in der Wüste Motorrad gefahren. Beim Filmeschauen habe ich immer wieder Ideen für neue verrückte Unternehmungen bekommen. Mit fortschreitendem Alter wurde ich dann der totale Adrenalin-Junkie: Surfen, Motorradfahren, Fallschirmspringen, Tiefseetauchen, Kampfsportarten, alles, was körperlich und gefährlich ist. Ich habe also in den Filmen sozusagen Dinge gesehen, die für mich völlig normal waren.
3. Welches war der erste Action-Film, den du bewusst gesehen hast?
Die ersten Action-Filme, an die ich mich erinnere, waren die James-Bond-Filme mit Sean Connery und die Western mit John Wayne. In den einen gab es Autos etc., und in den anderen Schießereien und Pferde. Das war beides toll, aber so richtig verliebt habe ich mich in die Mechanik und die Abenteuer der Bond-Filme. Ich hab sie alle gesehen, nicht nur einmal, aber zu oft, um sie zu zählen. Neben den Filmen war ich auch ein unersättlicher Leser aller Action-Bücher; eigentlich von Büchern überhaupt. Ich liebte den Zusammenhang in den Storys, und ich habe die Bücher gelesen, die als Vorlagen für Filme dienten.
4. Bücher und Schatzsuchen gehen Hand in Hand! Wie kamst du dazu, die Action für Blue zu inszenieren?
Das kam dadurch zustande, dass der Regisseur Anthony D’Souza mich anrief und mich fragte, ob ich Interesse hätte. Er wollte reale Action, nichts Computergeneriertes, und wir würden so viel wie möglich direkt mit der Kamera filmen. Nun, das war genau meine Kragenweite, also besprachen wir das Ganze, ich flog nach Mumbai, und wir gingen an die Arbeit. Anthony war die treibende Kraft für den Realismus, und das war mein Fachgebiet – es passte also perfekt.
5. Ist dies dein erster Hindi- bzw. indischer Film?
Es ist mein erster Hindi-Film, und ich hoffe, dass noch viele weitere folgen werden, wenn alles klappt.
6. Daran zweifle ich nicht! Drei Dinge in Blue, auf die jeder Hindi-Film-Fan gespannt sein darf, abgesehen von der Besetzung und der Musik?
Cast und Musik sind beide großartig und ein absoluter Grund, sich den Film anzuschauen. Dazu gibt es unglaubliche Unterwasserszenen mit 40 Haien und eine radikale Zug-Verfolgungsjagd; und noch eine Menge weiterer Verfolgungsjagden, die wirklich die reinste Achterbahnfahrt werden.
7. Es hieß, der Film wurde auf den Bahamas gedreht. Weitere Drehorte, nach denen wir Ausschau halten sollten?
Wir haben nicht nur monatelang unter Wasser auf den Bahamas gedreht, in über 30 Metern Meerestiefe in und um ein gesunkenes Schiff herum mit echten Haien und echten Explosionen – wir waren auch in Thailand für die Verfolgungsjagden in den Straßen und per Zug. Auch das Filmmaterial mit den Wasserszenen auf den thailändischen Inseln ist richtig toll.
8. Du hast mit mehreren Haien gefilmt, was mir sehr irreal vorkommt. Was war das für eine Erfahrung? Und wie haben die Schauspieler auf diese Nähe zu den Haien reagiert?
Die Haie waren sehr real, und nicht trainiert. Das Wrack da unten ist ihr normaler Lebensraum. Also hieß es jeden Tag: zur Arbeit gehen, zwischen den Haien herumschwimmen und filmen. Für mich war das das Größte. Man musste vorsichtig sein und ein paar Grundregeln beachten, aber es war ein Adrenalinrausch. Die Schauspieler wurden alle spielend damit fertig, besonders Akshay war sehr cool mit den Haien. Es war großartig zu beobachten, wie alle Schauspieler die Natur und die Umwelt schätzten mitsamt den Haien darin.
9. Jeder der Hauptdarsteller in diesem Film hat eine beträchtliche Fangemeinde in der Bollywood-Blogosphäre. Möchtest du uns etwas erzählen über deine Zusammenarbeit mit ihnen?
Die Arbeit mit den Stars in diesem Film war toll. Bis dahin hatte ich keinen Schimmer über ihren weltweiten Status; aber ich habe eine Menge Hausaufgaben gemacht für meine eigene Fortbildung und mir viele Filme mit diesen Stars angesehen. Ich habe viele lange Gespräche mit Sanjay Dutt, Akshay Kumar und Zayed Khan über verschiedenste Themen geführt, also nicht nur über Filme. Dadurch haben wir ein Vertrauen und eine Verbindung zueinander entwickelt, durch die dann alles funktioniert hat.
10. Ich nenne jetzt ein paar Namen, und du sagst mir, was dir dabei als erstes in den Sinn kommt bzw. welche besondere Erinnerungen dabei in dir wachwerden.
Sanjay Dutt: Herz eines Löwen. Er ist wahrlich ein großer Mann, und ich genieße die Zeit, die ich mit ihm verbringe.
Katrina Kaif: Ich hatte nicht viel mit ihr zu tun, aber ich sehe ihren Glamour und ihre Ausstrahlung.
Akshay Kumar: Sehr professionell, cool, ein Mann der leisen Töne. Er hat eine großartige Arbeitsmoral.
Zayed Khan: Viel Spaß, ein Adrenalin-Junkie wie ich. Er ist sehr enthusiastisch.
A.R. Rahman: Ihn traf ich schon vor Beginn der Dreharbeiten, und er schien sehr involviert in die künstlerische Leitung, als er mit Anthony D’Souza über den Film diskutierte.
Lara Dutta: Erstaunlich, intelligent und schön. Und sie arbeitet hart; sie hat wirklich sehr gut schwimmen gelernt.
11. Die Besetzung für Blue scheint ja genau auf den Punkt zu passen. Sanjay, Akshay und Zayed sind erfahrene Darsteller in action-orientierten Filmen. Hat einer von den Schauspielern dich mit seinen Stunt-Fähigkeiten so richtig überrascht?
Als Action Director hatte ich natürlich vor allem mit den männlichen Hauptdarstellern zu tun. Sanjay hat sehr gut getaucht, und er hat ohne Zögern alles mitgemacht, was bei den sehr anstrengenden Kampfszenen unter Wasser von ihm verlangt wurde. Du musst dir mal vorstellen, mit all der Tauchausrüstung unter Wasser harte und schnelle Kampfbewegungen zu machen – das ist äußerst strapaziös. Akshay war sehr cool, hat ruhig und problemlos unter Wasser gearbeitet, egal wie viele Takes wir brauchten. Er schien das Wasser zu genießen. Und Zayed war großartig, allerdings hat er mich überrascht mit seinem Wunsch, von einem zehn Meter hohen Balkon auf ein Auto zu springen. Als er mir das sagte, war ich geschockt. In Hollywood wäre so etwas undenkbar. Alle Schauspieler haben ihre Stunts selber gemacht, und ich war verblüfft darüber, dass das Standard in der Hindi-Filmindustrie ist. Obwohl mich das schwer unter Druck gesetzt hat, weil ich dadurch extra sorgfältig sein und extra gut planen musste. Sie waren absolut erstaunlich.
12. Die Hintergrundmusik und der Soundtrack plus die Action-Szenen versprechen ein echtes Fest. Eine Menge Filmemacher scheinen der Musik vor bzw. während der Dreharbeiten relativ wenig Aufmerksamkeit zu widmen. Sind Playback-Sänger und Songs in Hindi-Filmen für dich eine positive Ergänzung der Filme oder eher eine Abschreckung?
Ich schätze die Machart der Hindi-Filme. In dieser Kultur sind Musik und Tanz ein wesentlicher Bestandteil des Lebens, also muss der Film das auch zeigen. Nur so kann man sämtliche Facetten von Emotion, Drama und Spannung vermitteln. Das Publikum ist darauf eingestellt und erwartet, dass es sich wohlfühlen kann. Für diesen Film war die Musik so wichtig, dass mit ihr bereits im ersten Planungsstadium begonnen wurde, noch bevor die Dreharbeiten anfingen.
13. Ein Action-Film, den jeder sehen muss.
Ich bin da sehr kritisch. Ich schaue mir *alle* Action-Filme an und nehme aus jedem das eine oder andere Stück mit. Bei den einen liebe ich die Kämpfe, bei anderen die Auto-Verfolgungen, wieder bei anderen die Explosionen. Ich finde, jeder Action-Film hat Stellen, die großartig sind, auch wenn der Film insgesamt nicht funktioniert. Bruce-Lee-Filme, Grand Prix, Bourne Supremacy, Ronin, alte James-Bond-Filme, sie alle machen soooo viel Spaß!
14. Da stimme ich zu. Was ist/sind dein/e Lieblings-Hindi-Film/e?
Auch da habe ich keinen Favoriten. Ich habe mir ein paar Dutzend Hindi-Filme angeschaut; ich mag Sanjays Kampfszenen und auch, wenn er singt. Ich mag einige verschiedene Akshay-Filme. Ich finde Amitabh Bachchan in vielen seiner Rollen ganz hervorragend, und ich habe auch Shahrukh-Khan-Filme sehr genossen. Ich denke, alle Filme haben ihre Momente, und ich mag von allen in jedem Fall Teile.
15. Das ist wahr. Einige von Sanjays Kampfszenen sind in der Tat unvergesslich. Wie würdest du deine Erfahrung auf dem Set eines Hindi-Films einstufen?
Es ist Hollywood sehr ähnlich. Auch wenn einige Abteilungen sehr viel mehr Leute haben, ist es mehr oder weniger das Gleiche. Daher war es für mich wirklich leicht und angenehm, in meine Routine zu finden. Alles in allem war es eine großartige Erfahrung. Ich hatte vorher schon einmal in Goa gefilmt, für Bourne, daher kannte ich das schon von früher. Hier hatten wir eine völlig internationale Crew, die an ein paar sehr abgelegenen Drehorten arbeitete. Die Crew hat sehr hart gearbeitet, und ich war sehr dankbar für all ihre Anstrengungen.
16. Würdest du es wieder tun?
Wieder tun? Liebend gerne! Es ist sogar so, dass ich derzeit wieder an einem Hollywood-Film arbeite – und ich vermisse die Farben und den Duft... die Atmosphäre... der Arbeit an einem Film wie Blue. Ich würde das sehr gerne wieder machen.
17. Seit dem Riesenerfolg von Slumdog Millionaire (2008) scheint das Interesse an Bollywood so hoch wie nie zuvor. Bemerkst du, als Insider der Industrie, dieses Bollywood-Interesse auch in deiner Umgebung?
Dieses Bollywood-Interesse gibt es schon seit Jahren, nicht erst seit Slumdog. Ich war schon vor zwei Jahren, ganz zu Beginn der Planungen, in dieses Projekt involviert, und ich habe gesehen, wie das Interesse seitdem zunahm. Alle Hollywood-Studios haben mittlerweile Geschäftspartner in Indien, und das Interesse steigt weiter.
18. Was könnte Bollywood von Hollywood lernen?
Ich würde sagen, es gibt nur einen wichtigen Bereich, in dem sich die beiden wesentlich unterscheiden, und das hat mit den Drehplänen und der Verfügbarkeit der Talente zu tun. Bei einem Hollywood-Film, vor allem bei einem großen Action-Film, wird vor dem Dreh alles lange im Voraus geplant und geprobt. Dann wird alles in einem langen Schwung abgedreht, nicht aufgeteilt in verschiedene Terminpläne. Ich verstehe den Unterschied, aber bei Action kann sich die Arbeit bei dieser Vorbereitungs- und Probenzeit als schwierig gestalten. Ich verstehe, wie das in Bollywood läuft und warum, aber besonders für Action kann das schwierig sein.
19. Und umgekehrt?
Hollywood täte ein wenig von der Lockerheit gut; die Farben, die heiteren plötzlichen Begebenheiten, die zu noch spontaneren Darbietungen führen. Es ist diese Stimmung, dieses Leben, das den Dingen eine Realität verleiht, die in Hollywood oft einfach fehlt.
20. Wann wird Blue voraussichtlich herauskommen? Und wird es eine Premiere in Los Angeles geben?
Ich habe gehört, dass Blue an einem langen Wochenende im August herauskommen soll, aber ganz sicher bin ich mir nicht. Und es wird mehrere große Premieren geben, das weiß ich aus dem Produktionshaus.
21. Klingt großartig, ich hoffe, den Film gleich am ersten Tag zu sehen. Noch einmal vielen Dank, dass du deine bemerkenswerten Einblicke mit uns geteilt hast. Ich sage es noch einmal, ich bin tief beeindruckt von allem, was ihr, du und deine Crew, für diesen Film und sein Publikum tut. Viele Grüße; ich kann es nicht mehr erwarten, Blue zu sehen. Willst du zum Abschluss noch etwas sagen?
Ich möchte meinem Freund, dem Regisseur Anthony D’Souza danken für sein Vertrauen in meine Fähigkeiten, seine Visionen in Sachen Action in die Realität umzusetzen. Seine Unterstützung für mich war sehr hilfreich. Außerdem möchte ich dem Produktionshaus Shree Ashtavinayak danken für seine Hilfe, und dass wir in so großem Rahmen kreativ werden durften. Ohne ihre Unterstützung wäre dieser Film nie entstanden. Jede Action wurde real mit der Kamera gefilmt, was sich logistisch sehr schwierig gestaltete. Schlussendlich war es jedoch eine großartige Gelegenheit, und dafür möchte ich noch einmal danken.
(theBollywoodFan; Deutsch von Diwali, mit Genehmigung des Autors)
Bonus:
Hindustan Times, 15. Oktober 2009
Bollywood Hungama, Oktober 2009
theBollywoodFan
Interview mit James Bomalick, Action Director für Blue (2009)
James Bomalick ist ein erfolgreicher Action Director, zu dessen Filmen Mr and Mrs Smith (2005), The Fast and the Furious: Tokio Drift (2006), Live Free or Die Hard, kurz: Die Hard 4 (2007) und The Mummy: Tomb of the Dragon Emperor, kurz: The Mummy 3 (2008) zählen. Zudem ist er Action Director für einen der meisterwarteten Hindi-Filme des Jahres 2009: Blue, inszeniert von Anthony D'Souza und mit Sanjay Dutt, Akshay Kumar, Zayed Khan, Katrina Kaif und Lara Dutta.
Ich hatte die Ehre, James begegnen zu dürfen, als er gerade ein paar ganz phantastische und ehrfurchteinflößende Aufnahmen der großartigen Action-Szenen für diesen Film vorab begutachtete. Blue wird ganz bestimmt neue Maßstäbe setzen für weitere Hindi-Filme. Außerdem hat er einen der eingängigsten Soundtracks des Jahres (A.R. Rahman). Genießt dieses Interview und dankt mit mir James dafür, dass er sich bei seinem extrem hektischen Terminkalender die Zeit genommen hat, meine Fragen zu beantworten und seine bemerkenswerten Einblicke mit uns zu teilen.
1. Was hat dich dazu bewogen, Action Director zu werden? Und was ist am Spannendsten dabei?
Ich habe mich nicht bewusst dafür entschieden, Action zu inszenieren. Es erwuchs vielmehr daraus, dass ich Details und Teile entwarf, schuf und gestaltete, die man für Action-Szenen braucht. Nachdem ich mich jahrelang mit der Choreographie und der Mechanik befasst hatte, war es nur natürlich, dass ich auch die Kameras für die besten Aufnahmen platzierte, um das Ganze so spannend wie möglich zu machen. Das war die nächste Entwicklungsstufe. Das Spannendste an dem Ganzen ist, die Fertigstellung komplizierter Filmszenen aus all den verschiedenen Blickwinkeln zu sehen. Oft habe ich mir Dinge ausgedacht, lange und gründlich vorbereitet, und dann, als es fertig war, gesagt: "Wow, wir haben das wirklich gemacht!!!" Das ist dann der schönste Lohn.
2. Wie haben Filme in deiner Kindheit dein Leben beeinflusst?
Filme haben mich als Kind nicht wirklich beeinflusst, sie haben lediglich untermauert, was ich so alles gemacht habe. Ich war ein wildes Kind auf dem Fahrrad und auf Sprungrampen und bin in der Wüste Motorrad gefahren. Beim Filmeschauen habe ich immer wieder Ideen für neue verrückte Unternehmungen bekommen. Mit fortschreitendem Alter wurde ich dann der totale Adrenalin-Junkie: Surfen, Motorradfahren, Fallschirmspringen, Tiefseetauchen, Kampfsportarten, alles, was körperlich und gefährlich ist. Ich habe also in den Filmen sozusagen Dinge gesehen, die für mich völlig normal waren.
3. Welches war der erste Action-Film, den du bewusst gesehen hast?
Die ersten Action-Filme, an die ich mich erinnere, waren die James-Bond-Filme mit Sean Connery und die Western mit John Wayne. In den einen gab es Autos etc., und in den anderen Schießereien und Pferde. Das war beides toll, aber so richtig verliebt habe ich mich in die Mechanik und die Abenteuer der Bond-Filme. Ich hab sie alle gesehen, nicht nur einmal, aber zu oft, um sie zu zählen. Neben den Filmen war ich auch ein unersättlicher Leser aller Action-Bücher; eigentlich von Büchern überhaupt. Ich liebte den Zusammenhang in den Storys, und ich habe die Bücher gelesen, die als Vorlagen für Filme dienten.
4. Bücher und Schatzsuchen gehen Hand in Hand! Wie kamst du dazu, die Action für Blue zu inszenieren?
Das kam dadurch zustande, dass der Regisseur Anthony D’Souza mich anrief und mich fragte, ob ich Interesse hätte. Er wollte reale Action, nichts Computergeneriertes, und wir würden so viel wie möglich direkt mit der Kamera filmen. Nun, das war genau meine Kragenweite, also besprachen wir das Ganze, ich flog nach Mumbai, und wir gingen an die Arbeit. Anthony war die treibende Kraft für den Realismus, und das war mein Fachgebiet – es passte also perfekt.
5. Ist dies dein erster Hindi- bzw. indischer Film?
Es ist mein erster Hindi-Film, und ich hoffe, dass noch viele weitere folgen werden, wenn alles klappt.
6. Daran zweifle ich nicht! Drei Dinge in Blue, auf die jeder Hindi-Film-Fan gespannt sein darf, abgesehen von der Besetzung und der Musik?
Cast und Musik sind beide großartig und ein absoluter Grund, sich den Film anzuschauen. Dazu gibt es unglaubliche Unterwasserszenen mit 40 Haien und eine radikale Zug-Verfolgungsjagd; und noch eine Menge weiterer Verfolgungsjagden, die wirklich die reinste Achterbahnfahrt werden.
7. Es hieß, der Film wurde auf den Bahamas gedreht. Weitere Drehorte, nach denen wir Ausschau halten sollten?
Wir haben nicht nur monatelang unter Wasser auf den Bahamas gedreht, in über 30 Metern Meerestiefe in und um ein gesunkenes Schiff herum mit echten Haien und echten Explosionen – wir waren auch in Thailand für die Verfolgungsjagden in den Straßen und per Zug. Auch das Filmmaterial mit den Wasserszenen auf den thailändischen Inseln ist richtig toll.
8. Du hast mit mehreren Haien gefilmt, was mir sehr irreal vorkommt. Was war das für eine Erfahrung? Und wie haben die Schauspieler auf diese Nähe zu den Haien reagiert?
Die Haie waren sehr real, und nicht trainiert. Das Wrack da unten ist ihr normaler Lebensraum. Also hieß es jeden Tag: zur Arbeit gehen, zwischen den Haien herumschwimmen und filmen. Für mich war das das Größte. Man musste vorsichtig sein und ein paar Grundregeln beachten, aber es war ein Adrenalinrausch. Die Schauspieler wurden alle spielend damit fertig, besonders Akshay war sehr cool mit den Haien. Es war großartig zu beobachten, wie alle Schauspieler die Natur und die Umwelt schätzten mitsamt den Haien darin.
9. Jeder der Hauptdarsteller in diesem Film hat eine beträchtliche Fangemeinde in der Bollywood-Blogosphäre. Möchtest du uns etwas erzählen über deine Zusammenarbeit mit ihnen?
Die Arbeit mit den Stars in diesem Film war toll. Bis dahin hatte ich keinen Schimmer über ihren weltweiten Status; aber ich habe eine Menge Hausaufgaben gemacht für meine eigene Fortbildung und mir viele Filme mit diesen Stars angesehen. Ich habe viele lange Gespräche mit Sanjay Dutt, Akshay Kumar und Zayed Khan über verschiedenste Themen geführt, also nicht nur über Filme. Dadurch haben wir ein Vertrauen und eine Verbindung zueinander entwickelt, durch die dann alles funktioniert hat.
10. Ich nenne jetzt ein paar Namen, und du sagst mir, was dir dabei als erstes in den Sinn kommt bzw. welche besondere Erinnerungen dabei in dir wachwerden.
Sanjay Dutt: Herz eines Löwen. Er ist wahrlich ein großer Mann, und ich genieße die Zeit, die ich mit ihm verbringe.
Katrina Kaif: Ich hatte nicht viel mit ihr zu tun, aber ich sehe ihren Glamour und ihre Ausstrahlung.
Akshay Kumar: Sehr professionell, cool, ein Mann der leisen Töne. Er hat eine großartige Arbeitsmoral.
Zayed Khan: Viel Spaß, ein Adrenalin-Junkie wie ich. Er ist sehr enthusiastisch.
A.R. Rahman: Ihn traf ich schon vor Beginn der Dreharbeiten, und er schien sehr involviert in die künstlerische Leitung, als er mit Anthony D’Souza über den Film diskutierte.
Lara Dutta: Erstaunlich, intelligent und schön. Und sie arbeitet hart; sie hat wirklich sehr gut schwimmen gelernt.
11. Die Besetzung für Blue scheint ja genau auf den Punkt zu passen. Sanjay, Akshay und Zayed sind erfahrene Darsteller in action-orientierten Filmen. Hat einer von den Schauspielern dich mit seinen Stunt-Fähigkeiten so richtig überrascht?
Als Action Director hatte ich natürlich vor allem mit den männlichen Hauptdarstellern zu tun. Sanjay hat sehr gut getaucht, und er hat ohne Zögern alles mitgemacht, was bei den sehr anstrengenden Kampfszenen unter Wasser von ihm verlangt wurde. Du musst dir mal vorstellen, mit all der Tauchausrüstung unter Wasser harte und schnelle Kampfbewegungen zu machen – das ist äußerst strapaziös. Akshay war sehr cool, hat ruhig und problemlos unter Wasser gearbeitet, egal wie viele Takes wir brauchten. Er schien das Wasser zu genießen. Und Zayed war großartig, allerdings hat er mich überrascht mit seinem Wunsch, von einem zehn Meter hohen Balkon auf ein Auto zu springen. Als er mir das sagte, war ich geschockt. In Hollywood wäre so etwas undenkbar. Alle Schauspieler haben ihre Stunts selber gemacht, und ich war verblüfft darüber, dass das Standard in der Hindi-Filmindustrie ist. Obwohl mich das schwer unter Druck gesetzt hat, weil ich dadurch extra sorgfältig sein und extra gut planen musste. Sie waren absolut erstaunlich.
12. Die Hintergrundmusik und der Soundtrack plus die Action-Szenen versprechen ein echtes Fest. Eine Menge Filmemacher scheinen der Musik vor bzw. während der Dreharbeiten relativ wenig Aufmerksamkeit zu widmen. Sind Playback-Sänger und Songs in Hindi-Filmen für dich eine positive Ergänzung der Filme oder eher eine Abschreckung?
Ich schätze die Machart der Hindi-Filme. In dieser Kultur sind Musik und Tanz ein wesentlicher Bestandteil des Lebens, also muss der Film das auch zeigen. Nur so kann man sämtliche Facetten von Emotion, Drama und Spannung vermitteln. Das Publikum ist darauf eingestellt und erwartet, dass es sich wohlfühlen kann. Für diesen Film war die Musik so wichtig, dass mit ihr bereits im ersten Planungsstadium begonnen wurde, noch bevor die Dreharbeiten anfingen.
13. Ein Action-Film, den jeder sehen muss.
Ich bin da sehr kritisch. Ich schaue mir *alle* Action-Filme an und nehme aus jedem das eine oder andere Stück mit. Bei den einen liebe ich die Kämpfe, bei anderen die Auto-Verfolgungen, wieder bei anderen die Explosionen. Ich finde, jeder Action-Film hat Stellen, die großartig sind, auch wenn der Film insgesamt nicht funktioniert. Bruce-Lee-Filme, Grand Prix, Bourne Supremacy, Ronin, alte James-Bond-Filme, sie alle machen soooo viel Spaß!
14. Da stimme ich zu. Was ist/sind dein/e Lieblings-Hindi-Film/e?
Auch da habe ich keinen Favoriten. Ich habe mir ein paar Dutzend Hindi-Filme angeschaut; ich mag Sanjays Kampfszenen und auch, wenn er singt. Ich mag einige verschiedene Akshay-Filme. Ich finde Amitabh Bachchan in vielen seiner Rollen ganz hervorragend, und ich habe auch Shahrukh-Khan-Filme sehr genossen. Ich denke, alle Filme haben ihre Momente, und ich mag von allen in jedem Fall Teile.
15. Das ist wahr. Einige von Sanjays Kampfszenen sind in der Tat unvergesslich. Wie würdest du deine Erfahrung auf dem Set eines Hindi-Films einstufen?
Es ist Hollywood sehr ähnlich. Auch wenn einige Abteilungen sehr viel mehr Leute haben, ist es mehr oder weniger das Gleiche. Daher war es für mich wirklich leicht und angenehm, in meine Routine zu finden. Alles in allem war es eine großartige Erfahrung. Ich hatte vorher schon einmal in Goa gefilmt, für Bourne, daher kannte ich das schon von früher. Hier hatten wir eine völlig internationale Crew, die an ein paar sehr abgelegenen Drehorten arbeitete. Die Crew hat sehr hart gearbeitet, und ich war sehr dankbar für all ihre Anstrengungen.
16. Würdest du es wieder tun?
Wieder tun? Liebend gerne! Es ist sogar so, dass ich derzeit wieder an einem Hollywood-Film arbeite – und ich vermisse die Farben und den Duft... die Atmosphäre... der Arbeit an einem Film wie Blue. Ich würde das sehr gerne wieder machen.
17. Seit dem Riesenerfolg von Slumdog Millionaire (2008) scheint das Interesse an Bollywood so hoch wie nie zuvor. Bemerkst du, als Insider der Industrie, dieses Bollywood-Interesse auch in deiner Umgebung?
Dieses Bollywood-Interesse gibt es schon seit Jahren, nicht erst seit Slumdog. Ich war schon vor zwei Jahren, ganz zu Beginn der Planungen, in dieses Projekt involviert, und ich habe gesehen, wie das Interesse seitdem zunahm. Alle Hollywood-Studios haben mittlerweile Geschäftspartner in Indien, und das Interesse steigt weiter.
18. Was könnte Bollywood von Hollywood lernen?
Ich würde sagen, es gibt nur einen wichtigen Bereich, in dem sich die beiden wesentlich unterscheiden, und das hat mit den Drehplänen und der Verfügbarkeit der Talente zu tun. Bei einem Hollywood-Film, vor allem bei einem großen Action-Film, wird vor dem Dreh alles lange im Voraus geplant und geprobt. Dann wird alles in einem langen Schwung abgedreht, nicht aufgeteilt in verschiedene Terminpläne. Ich verstehe den Unterschied, aber bei Action kann sich die Arbeit bei dieser Vorbereitungs- und Probenzeit als schwierig gestalten. Ich verstehe, wie das in Bollywood läuft und warum, aber besonders für Action kann das schwierig sein.
19. Und umgekehrt?
Hollywood täte ein wenig von der Lockerheit gut; die Farben, die heiteren plötzlichen Begebenheiten, die zu noch spontaneren Darbietungen führen. Es ist diese Stimmung, dieses Leben, das den Dingen eine Realität verleiht, die in Hollywood oft einfach fehlt.
20. Wann wird Blue voraussichtlich herauskommen? Und wird es eine Premiere in Los Angeles geben?
Ich habe gehört, dass Blue an einem langen Wochenende im August herauskommen soll, aber ganz sicher bin ich mir nicht. Und es wird mehrere große Premieren geben, das weiß ich aus dem Produktionshaus.
21. Klingt großartig, ich hoffe, den Film gleich am ersten Tag zu sehen. Noch einmal vielen Dank, dass du deine bemerkenswerten Einblicke mit uns geteilt hast. Ich sage es noch einmal, ich bin tief beeindruckt von allem, was ihr, du und deine Crew, für diesen Film und sein Publikum tut. Viele Grüße; ich kann es nicht mehr erwarten, Blue zu sehen. Willst du zum Abschluss noch etwas sagen?
Ich möchte meinem Freund, dem Regisseur Anthony D’Souza danken für sein Vertrauen in meine Fähigkeiten, seine Visionen in Sachen Action in die Realität umzusetzen. Seine Unterstützung für mich war sehr hilfreich. Außerdem möchte ich dem Produktionshaus Shree Ashtavinayak danken für seine Hilfe, und dass wir in so großem Rahmen kreativ werden durften. Ohne ihre Unterstützung wäre dieser Film nie entstanden. Jede Action wurde real mit der Kamera gefilmt, was sich logistisch sehr schwierig gestaltete. Schlussendlich war es jedoch eine großartige Gelegenheit, und dafür möchte ich noch einmal danken.
(theBollywoodFan; Deutsch von Diwali, mit Genehmigung des Autors)
Bonus:
Hindustan Times, 15. Oktober 2009
Bollywood Hungama, Oktober 2009
Sonntag, 10. Mai 2009
Monkeys On A Fast / The Monkeys And The Capseller (2008) - Review in English
Monkeys On A Fast / The Monkeys And The Capseller (2008)
"Will you read with me?" is an Indian audio book series by Karadi Tales. Stars of the Hindi Cinema are reading tales for children, and the children can read the tales together with them thanks to lovely designed colourful booklets. In addition there are some cheery songs with every tale. Promoted by UNICEF and NDTV, these audio books are meant to exalt the children’s imagination and to popularise the reading habit. Some stories were created specially for this series; most of them, however, are based on Indian folk tales or legends, thus creating an atmosphere every Indian child is acquainted with.
In 2007, Sanjay Dutt read two tales in English, each 15 minutes long, for "Will you read with me?" – or better: he played them, and there is no mistaking that he had a lot of fun himself by bringing the stories to life.

Monkeys On A Fast (by Kaushik Viswanath) is a tale about a horde of monkeys living near a Shiva temple. As these monkeys are always eating they grow fatter every day. So their chief Chakrapani decides that on Ekadasi, his monkeys are to have a day of fasting and meditation like the human beings. It’s only with great difficulty he manages to make the monkeys accept his decision, but then the clever monkeys Bonnet and Macaque step by step quash Chakku’s plan. All this Sanjay Dutt tells in an adorably hilarious way. He gives every character an own identity, makes a racket as the sometimes authoritative, sometimes despaired Chakku and creates loads of other sly and cunning monkeys. And as the narrator he leaves no doubt that he finds the tale very amusing himself – making you not just read but also laugh with him.

The Monkeys And The Capseller (by Anushka Ravishankar) tells about Takku who has been bald since the day he was born. To hide his baldhead, he invents loads of headpieces, and as people love them he becomes a capseller. Once a horde of monkeys steals a bundle of caps from him while he walks through a forest. For their chief Metro, a vain monkey who just has discovered a first bald spot on his head, Takku’s caps are a gift sent from heaven, and only with a trick Takku manages to get his caps back. Again you can hear the fun Sanjay Dutt had by telling about the clash of poor Takku and the thievish monkeys and making it visible to his young readers (and surely older ones, too).
Sanjay Dutt and children, this has always been a kombination which works: Sanjay loves children, and children love their Munnabhai. And when this Munnabhai with a twinkle in his eyes and in his voice asks, "Will you read with me?", then he can be sure about an excited audience and big fun for everyone. My recommendation? Listen, read and enjoy!
Here you can buy the audio books with Sanju: Karadi Tales Company Ltd.
"Will you read with me?" is an Indian audio book series by Karadi Tales. Stars of the Hindi Cinema are reading tales for children, and the children can read the tales together with them thanks to lovely designed colourful booklets. In addition there are some cheery songs with every tale. Promoted by UNICEF and NDTV, these audio books are meant to exalt the children’s imagination and to popularise the reading habit. Some stories were created specially for this series; most of them, however, are based on Indian folk tales or legends, thus creating an atmosphere every Indian child is acquainted with.
In 2007, Sanjay Dutt read two tales in English, each 15 minutes long, for "Will you read with me?" – or better: he played them, and there is no mistaking that he had a lot of fun himself by bringing the stories to life.

Monkeys On A Fast (by Kaushik Viswanath) is a tale about a horde of monkeys living near a Shiva temple. As these monkeys are always eating they grow fatter every day. So their chief Chakrapani decides that on Ekadasi, his monkeys are to have a day of fasting and meditation like the human beings. It’s only with great difficulty he manages to make the monkeys accept his decision, but then the clever monkeys Bonnet and Macaque step by step quash Chakku’s plan. All this Sanjay Dutt tells in an adorably hilarious way. He gives every character an own identity, makes a racket as the sometimes authoritative, sometimes despaired Chakku and creates loads of other sly and cunning monkeys. And as the narrator he leaves no doubt that he finds the tale very amusing himself – making you not just read but also laugh with him.

The Monkeys And The Capseller (by Anushka Ravishankar) tells about Takku who has been bald since the day he was born. To hide his baldhead, he invents loads of headpieces, and as people love them he becomes a capseller. Once a horde of monkeys steals a bundle of caps from him while he walks through a forest. For their chief Metro, a vain monkey who just has discovered a first bald spot on his head, Takku’s caps are a gift sent from heaven, and only with a trick Takku manages to get his caps back. Again you can hear the fun Sanjay Dutt had by telling about the clash of poor Takku and the thievish monkeys and making it visible to his young readers (and surely older ones, too).
Sanjay Dutt and children, this has always been a kombination which works: Sanjay loves children, and children love their Munnabhai. And when this Munnabhai with a twinkle in his eyes and in his voice asks, "Will you read with me?", then he can be sure about an excited audience and big fun for everyone. My recommendation? Listen, read and enjoy!
Here you can buy the audio books with Sanju: Karadi Tales Company Ltd.
Samstag, 9. Mai 2009
Monkeys On A Fast / The Monkeys And The Capseller (2008)
Monkeys On A Fast / The Monkeys And The Capseller (2008)
"Will you read with me?" heißt eine Hörbuch-Reihe, die der indische Verlag Karadi Tales ins Leben gerufen hat. Bekannte Stars des Hindi-Kinos lesen Geschichten für Kinder, die diese wiederum in liebevoll mit vielen bunten Bildern gestalteten kleinen Büchern mitlesen können. Abgerundet wird das Hörerlebnis durch muntere Songs, die zum Mitsingen animieren. Gefördert von UNICEF und NDTV, soll diese Hörbuch-Reihe in den Kindern die Phantasie anregen und die Lust zum Lesen fördern. Manche Geschichten wurden speziell für diese Reihe kreiert, die meisten jedoch basieren auf indischen Volkssagen und Legenden und schaffen so eine Atmosphäre, die jedem indischen Kind vertraut ist.
Sanjay Dutt hat im Jahr 2007 zwei jeweils 15-minütige Geschichten in englischer Sprache für "Will you read with me?" aufgenommen – oder besser gesagt: gestaltet und mit hörbarem Spaß an der Sache zum Leben erweckt.

Monkeys On A Fast (Autor: Kaushik Viswanath) erzählt von einer Horde Affen, die in der Nähe eines Shiva-Tempels lebt. Da diese Affen ständig am Futtern sind und immer fetter werden, beschließt ihr Chef Chakrapani eines Tages, dass seine Affen ebenso wie die Menschen an Ekadasi einen Tag lang fasten und meditieren sollen. Wie er das seinen Affen nur mit Müh und Not überhaupt vermitteln kann – und wie die anderen, allen voran die beiden schlauen Affen Bonnet und Macaque, diesen Fasttag listig Schritt für Schritt unterwandern, bis er am Ende hinfällig wird, das erzählt Sanjay Dutt auf hinreißend komische Art. Er verleiht jeder Figur ihre eigene Identität, poltert als autoritär-verzweifelter Chakku ebenso herrlich herum, wie er mühelos die gesamte schwatzende Affenhorde gestaltet. Und in den Erzählerpassagen lässt er seinem Amüsement über diese heitere Geschichte freien Lauf – wer bei den hörbaren Lachern in seiner Stimme nicht mitlacht, ist selber schuld.

The Monkeys And The Capseller (Autorin: Anushka Ravishankar) berichtet von dem von Geburt an kahlköpfigen Takku, der zum Bedecken seiner Glatze verschiedenste Kopfbedeckungen erfindet, und da diese bei den Menschen großen Anklang finden, wird er schließlich Mützenverkäufer. Eines Tages wird ihm auf dem Weg durch einen Wald sein Bündel voller Mützen von einer Horde Affen gestohlen. Für deren Anführer, den eitlen Metro, ist diese Beute ein Geschenk des Himmels, da er auf seinem Kopf eine erste kahle Stelle entdeckt hat und diese nun unter einer von Takkus Mützen verbergen kann. Nur mit einer List gelingt es Takku, seine Kopfbedeckungen zurückzuerobern. Mit erneut hörbar großem Vergnügen schildert Sanjay Dutt dieses witzige Aufeinandertreffen des armen Takku mit den diebischen Affen und lässt die Geschichte vor dem inneren Auge seiner kleinen (und sicherlich auch großen) Zuhörer so richtig lebendig werden.
Sanjay Dutt und Kinder, das war schon immer eine Kombination, die einfach funktioniert: Sanjay liebt Kinder, und die Kinder lieben ihren Munnabhai. Und wenn der augenzwinkernd fragt: "Wollt ihr mit mir lesen?" – dann ist ihm eine begeisterte Zuhörerschaft gewiss. Und alle haben ihren Spaß daran. Meine Empfehlung? Anhören, mitlesen und genießen!
Zu beziehen über: Karadi Tales Company Ltd.
"Will you read with me?" heißt eine Hörbuch-Reihe, die der indische Verlag Karadi Tales ins Leben gerufen hat. Bekannte Stars des Hindi-Kinos lesen Geschichten für Kinder, die diese wiederum in liebevoll mit vielen bunten Bildern gestalteten kleinen Büchern mitlesen können. Abgerundet wird das Hörerlebnis durch muntere Songs, die zum Mitsingen animieren. Gefördert von UNICEF und NDTV, soll diese Hörbuch-Reihe in den Kindern die Phantasie anregen und die Lust zum Lesen fördern. Manche Geschichten wurden speziell für diese Reihe kreiert, die meisten jedoch basieren auf indischen Volkssagen und Legenden und schaffen so eine Atmosphäre, die jedem indischen Kind vertraut ist.
Sanjay Dutt hat im Jahr 2007 zwei jeweils 15-minütige Geschichten in englischer Sprache für "Will you read with me?" aufgenommen – oder besser gesagt: gestaltet und mit hörbarem Spaß an der Sache zum Leben erweckt.

Monkeys On A Fast (Autor: Kaushik Viswanath) erzählt von einer Horde Affen, die in der Nähe eines Shiva-Tempels lebt. Da diese Affen ständig am Futtern sind und immer fetter werden, beschließt ihr Chef Chakrapani eines Tages, dass seine Affen ebenso wie die Menschen an Ekadasi einen Tag lang fasten und meditieren sollen. Wie er das seinen Affen nur mit Müh und Not überhaupt vermitteln kann – und wie die anderen, allen voran die beiden schlauen Affen Bonnet und Macaque, diesen Fasttag listig Schritt für Schritt unterwandern, bis er am Ende hinfällig wird, das erzählt Sanjay Dutt auf hinreißend komische Art. Er verleiht jeder Figur ihre eigene Identität, poltert als autoritär-verzweifelter Chakku ebenso herrlich herum, wie er mühelos die gesamte schwatzende Affenhorde gestaltet. Und in den Erzählerpassagen lässt er seinem Amüsement über diese heitere Geschichte freien Lauf – wer bei den hörbaren Lachern in seiner Stimme nicht mitlacht, ist selber schuld.

The Monkeys And The Capseller (Autorin: Anushka Ravishankar) berichtet von dem von Geburt an kahlköpfigen Takku, der zum Bedecken seiner Glatze verschiedenste Kopfbedeckungen erfindet, und da diese bei den Menschen großen Anklang finden, wird er schließlich Mützenverkäufer. Eines Tages wird ihm auf dem Weg durch einen Wald sein Bündel voller Mützen von einer Horde Affen gestohlen. Für deren Anführer, den eitlen Metro, ist diese Beute ein Geschenk des Himmels, da er auf seinem Kopf eine erste kahle Stelle entdeckt hat und diese nun unter einer von Takkus Mützen verbergen kann. Nur mit einer List gelingt es Takku, seine Kopfbedeckungen zurückzuerobern. Mit erneut hörbar großem Vergnügen schildert Sanjay Dutt dieses witzige Aufeinandertreffen des armen Takku mit den diebischen Affen und lässt die Geschichte vor dem inneren Auge seiner kleinen (und sicherlich auch großen) Zuhörer so richtig lebendig werden.
Sanjay Dutt und Kinder, das war schon immer eine Kombination, die einfach funktioniert: Sanjay liebt Kinder, und die Kinder lieben ihren Munnabhai. Und wenn der augenzwinkernd fragt: "Wollt ihr mit mir lesen?" – dann ist ihm eine begeisterte Zuhörerschaft gewiss. Und alle haben ihren Spaß daran. Meine Empfehlung? Anhören, mitlesen und genießen!
Zu beziehen über: Karadi Tales Company Ltd.
Freitag, 8. Mai 2009
Sujoy Ghosh: 'Aladin' Genesis - Part 5 - Ringmaster Arrives...
Aus dem Aladin-Blog von Sujoy Ghosh
Donnerstag, 7. Mai 2009
'Aladin' Genesis - Part 5 - Ringmaster Arrives...
(Sujoy Ghosh war sich bereits mit Amitabh Bachchan für den Genius und mit Ritesh Deshmukh für den Aladin einig. Sein erstes Skript jedoch stieß bei Amitabh auf Ablehnung.)
EROS PREVIEW THEATRE, 1998
Ich werde zu einer Filmvorführung eingeladen. Zum ersten Mal in meinem Leben sehe ich einen Film, bevor er herauskommt. Und hier treffe ich zum ersten Mal Sanjay Gupta, einen meiner Lieblingsregisseure, ein feiner Techniker. Der Mann, der mir beigebracht hat, dass es immer gut ist, mit einem Poster anzufangen, wenn man auf eine gähnend leere Wand starrt.
CUT TO: MEHBOOB STUDIOS. FLOOR NO 3. 1999
Zum ersten Mal bin ich live bei einem Filmdreh dabei, und das noch dazu in Mumbai. Gupta dreht für Jung, und ich will mich mit ihm treffen. Im Studio ist eine Kulisse aufgebaut – ein Käfig – in dem zwei Männer miteinander kämpfen werden. Erinnert mich an Naseeb. Gupta ist ein bisschen genervt, weil er noch ein paar Extras braucht. Mehr Zuschauer rund um den Käfig. Er telefoniert mit dem Produzenten, während ich abseits stehe und warte.
Und in diesem Moment sehe ich einen hünenhaften Mann Richtung Eingang zum Floor gehen ("Floor" wird im Industriejargon die Filmkulisse genannt). Ein einzigartiger Schwung liegt in seinem Gang. Es ist Abend, dunkel, und seine Zigarette schwebt ihm voran, als er aus dem Schatten ins Licht tritt. Neben ihm ein paar Männer. Zum ersten Mal sehe ich Sanjay Dutt leibhaftig. Er spricht mit Gupta und geht wieder.
Zu diesem Zeitpunkt weiß er noch nicht einmal, dass es mich überhaupt gibt.
CUT TO: MEHBOOB STUDIOS, FLOOR NO 3. 2008
Mein erster Drehtag mit Duttsaab. Er steigt aus seinem Van und geht schwungvoll zu dem gleichen Eingang. Die Zigarette schwebt exakt an der gleichen Stelle. Nur dass es Tag ist und nicht dunkel. Alles am Set erhebt sich.
Der Ringmaster ist eingetroffen.
EPILOG
Nachdem mein erster Aladin-Entwurf voll auf die Nase geflogen war, machte ich mich erneut über das Skript her, und der größte Schwachpunkt, den ich fand – abgesehen von ein paar Hundert anderen –, war Gamal, mein Hauptschurke. Der Kerl richtete lediglich deshalb Unheil auf Erden an, weil mein Stift es ihm erlaubte. Aladin brauchte wirklich nicht die Hilfe des allmächtigen Genie, um Gamal zu Fall zu bringen. Ein paar strategische Ohrfeigen, und vermutlich hätte sogar ich Gamal zu Fall bringen können. Also Tschüss, Gamal. Zurück zum Zeichentisch.
Ich wollte eine witzige Schurken-Figur schaffen. Einen Mann, der Spaß hat an dem, was er tut. Einen Mann, der gut darin ist, böse zu sein. Einen Mann, der nicht zwanzigtausend Gemeinheiten begehen muss, um zu beweisen, wie fies er ist. Einen Mann, bei dessen Lächeln dir das Herz vor Angst in die Kniekehlen rutscht. Einen Mann so groß, dass selbst der allmächtige Genie vor ihm hilflos ist.
Und so entstand der Ringmaster. Das heitere Gesicht des personifizierten Bösen. Er war nicht immer schlecht. Er war früher einmal ein Genie, aber seine Kräfte wurden ihm entzogen. Er hatte versucht zu argumentieren, er habe nur seine eigenen Kräfte für sich selbst benutzt, weil er es musste... aber niemand hatte ihm zugehört. Die Gesetze sind streng im Land der Genies. Ein Genie darf seine Kräfte nur benutzen, um seinem Herrn zu dienen – nichts anderes.
Niemand sah die Verzweiflung des Ringmasters oder hörte auf seine Bitten. Und nunmehr sieht oder hört der Ringmaster nichts mehr. Er wird die Lampe finden, den Besitzer töten, seine Kräfte wiedererlangen und alles zerstören. Und er ist ein fairer Mann. Wenn Genius und Aladin meinen, dass sie ihn aufhalten können, dann können sie es gerne versuchen. Der Ringmaster wird seinen Spaß daran haben!
CUT TO: MR.BACHCHAN’S RESIDENCE. JALSA. 2006
Fast drei Stunden lang habe ich Sir das Skript erzählt. Mein ernsthaft überarbeitetes Skript. Diesmal habe ich mich richtig gehen lassen. Ohne Kompromisse. Während des Schreibens habe ich mich den Teufel darum geschert, was möglich ist und was nicht. Es war mir gleich, wie viel es kosten würde. Ich hatte nur ein Ziel: einen ernsthaften Stoff zu Papier zu bringen, der die Zuschauer in ihren bislang größten Rausch überhaupt versetzen würde. Selbst das unmöglich Scheinende hatte ich als Storyboard zu Papier gebracht, um es besser visualisieren zu können. Und Gott sei Dank, dass ich das gemacht hatte.
Das erste, was Sir nach der Erzählung sagte, war... nach einer langen Pause, und ich weiß noch immer jedes einzelne Wort... "Es wird ein Albtraum werden, diesen Film zu machen, aber wir machen ihn..." JA.
Das zweite: "Aber wer wird den Ringmaster spielen? Wer KANN den Ringmaster spielen?"
BEGIN FLASHBACK: PALI HILL. OCTOBER 2005
Ich bin im besten Fitness-Studio der Welt (nein, wirklich... ich mach keine Witze)... Duttsaab kommt rein und ruft mich. Er fragt mich, ob ich nicht etwas schreiben könnte für ihn und diesen neuen Jungen, den er wirklich sehr mag.
"Bro, schreib was Gutes für mich und Ritesh." Ja, sage ich. Und dann stellt Duttsaab mir seine oft gestellte Frage: "Bro, was ist mit Borivali los? Wann machen wir den?"
EARLIER THAT YEAR. APRIL 2005
(...) Es ist keine gute Zeit. Borivali steckte noch immer fest wegen des Budgets und weil ich noch einen Schauspieler brauchte, der neben Sir bestehen konnte. Aber es war eine sehr dunkle und verstörende Rolle. Nicht viele wollten sie spielen. (...)
Damals rief Gupta mich an, und irgendwie kamen wie auf Borivali zu sprechen. "Wie wär’s mit Sanju?" fragte Gups. "Wieso fragst du nicht ihn? Du triffst ihn doch ständig im Fitness-Studio!" Das stimmt, aber ich hatte nicht den Mumm, ihm eine derart dunkle Rolle anzubieten. "Bist du verrückt? Sanju ist perfekt! Und niemand außer ihm hat den Schneid, diese Rolle zu spielen..." Gups war zuversichtlich. "Geh du zu Cal und mach in Ruhe deine Arbeit. Ich rede mit Sanju."
CUT TO: MARIOTT HOTEL. JUNE 2005
Duttsaab hat eine Besprechung im Coffee Shop. Gups schleift mich dorthin. Ich bin rechtschaffen nervös. Er ruft Duttsaab heraus. Er kommt und gesellt sich zu uns. Gups erzählt Duttsaab, dass ich ein kleines Problem hätte, das sich lösen ließe, wenn er diese Rolle übernimmt.
"Cool, Bro... ich mach es."
Das war's. Kein Skript. Keine Erzählung. Alles, was er zu hören brauchte, war, dass jemand in Schwierigkeiten steckte und dass er diesem Jemand helfen konnte. Alles andere war unwichtig.
Kein Herz kann größer sein als dieses. Er musste wieder zurück zu seiner Besprechung. Vorher jedoch bietet er mir ganz von selbst noch an: "Bro, du kriegst einen Brief von mir... der wird dir helfen."
Diesen Brief habe ich immer noch.
END FLASHBACK
BACK TO: MR.BACHCHAN’S RESIDENCE. JALSA. 2006
Ich sage zu Sir, dass nur zwei Menschen den Ringmaster spielen können: entweder Sir selber oder Sanjay Dutt. "Das ist es. Sanju ist der einzige... wo ist er?" Ich habe keine Ahnung, wo Duttsaab ist. "Rede mit ihm", fordert Sir mich auf. Ich bereite mich innerlich darauf vor, am Abend mit Duttsaab zu reden, wenn ich ihn im Fitness-Studio treffe. Aber noch bevor ich es ihm erzählen konnte -
Mein Mobiltelefon klingelt. Es ist Duttsaab.
"Bro, Amitji hat mich gerade angerufen... er war total aufgeregt... was ist das für ein neuer Film, den wir jetzt machen? Und warum sagst DU mir das nicht selbst?" Ich versuche ihm zu erklären, dass ich das ja tun wollte, ich hatte ja keine Ahnung, dass Sir ihn anrufen würde.
An jenem Abend zeigte ich Duttsaab meine ganzen Hausaufgaben über den Ringmaster und ein Storyboard für eine Ringmaster-Szene. Er schaut sich alles an, besonders seine Aufmachung, und gibt mir dann seine Zustimmung mit vier Worten. Und auch an die erinnere ich mich wortwörtlich:
"Behalt diesen Schnurrbart, Bro."
CUT TO: JULY 2007
Die Aladin-Vorbereitungen sind in vollem Gang. Wir sind fast soweit. Duttsaab nimmt eine Auszeit.* Alles ist ungewiss. Vor mir liegen ein paar Optionen ausgebreitet.
Aber ich bleibe bei meiner Wahl. Aladin wird ausschließlich mit Amitabh Bachchan, Sanjay Dutt und Ritesh Deshmukh gedreht. Oder er wird überhaupt nicht gedreht.
Ich warte. Mit Freuden.
(Sujoy Ghosh; Deutsch von Diwali)
* Die "Auszeit" von Sanjay Dutt, die Sujoy Ghosh euphemistisch "sabbatical" nennt, waren die Wochen des Wartens auf sein Urteil im TADA-Prozess, das schließlich am 31. Juli 2007 verkündet wurde. Dass Sujoy Ghosh zu seinem Wort stand und mit Aladin auf Sanjays Rückkehr wartete, ist Geschichte. (Anm.d.Übers.)
Donnerstag, 7. Mai 2009
'Aladin' Genesis - Part 5 - Ringmaster Arrives...
(Sujoy Ghosh war sich bereits mit Amitabh Bachchan für den Genius und mit Ritesh Deshmukh für den Aladin einig. Sein erstes Skript jedoch stieß bei Amitabh auf Ablehnung.)
EROS PREVIEW THEATRE, 1998
Ich werde zu einer Filmvorführung eingeladen. Zum ersten Mal in meinem Leben sehe ich einen Film, bevor er herauskommt. Und hier treffe ich zum ersten Mal Sanjay Gupta, einen meiner Lieblingsregisseure, ein feiner Techniker. Der Mann, der mir beigebracht hat, dass es immer gut ist, mit einem Poster anzufangen, wenn man auf eine gähnend leere Wand starrt.
CUT TO: MEHBOOB STUDIOS. FLOOR NO 3. 1999
Zum ersten Mal bin ich live bei einem Filmdreh dabei, und das noch dazu in Mumbai. Gupta dreht für Jung, und ich will mich mit ihm treffen. Im Studio ist eine Kulisse aufgebaut – ein Käfig – in dem zwei Männer miteinander kämpfen werden. Erinnert mich an Naseeb. Gupta ist ein bisschen genervt, weil er noch ein paar Extras braucht. Mehr Zuschauer rund um den Käfig. Er telefoniert mit dem Produzenten, während ich abseits stehe und warte.
Und in diesem Moment sehe ich einen hünenhaften Mann Richtung Eingang zum Floor gehen ("Floor" wird im Industriejargon die Filmkulisse genannt). Ein einzigartiger Schwung liegt in seinem Gang. Es ist Abend, dunkel, und seine Zigarette schwebt ihm voran, als er aus dem Schatten ins Licht tritt. Neben ihm ein paar Männer. Zum ersten Mal sehe ich Sanjay Dutt leibhaftig. Er spricht mit Gupta und geht wieder.
Zu diesem Zeitpunkt weiß er noch nicht einmal, dass es mich überhaupt gibt.
CUT TO: MEHBOOB STUDIOS, FLOOR NO 3. 2008
Mein erster Drehtag mit Duttsaab. Er steigt aus seinem Van und geht schwungvoll zu dem gleichen Eingang. Die Zigarette schwebt exakt an der gleichen Stelle. Nur dass es Tag ist und nicht dunkel. Alles am Set erhebt sich.
Der Ringmaster ist eingetroffen.
EPILOG
Nachdem mein erster Aladin-Entwurf voll auf die Nase geflogen war, machte ich mich erneut über das Skript her, und der größte Schwachpunkt, den ich fand – abgesehen von ein paar Hundert anderen –, war Gamal, mein Hauptschurke. Der Kerl richtete lediglich deshalb Unheil auf Erden an, weil mein Stift es ihm erlaubte. Aladin brauchte wirklich nicht die Hilfe des allmächtigen Genie, um Gamal zu Fall zu bringen. Ein paar strategische Ohrfeigen, und vermutlich hätte sogar ich Gamal zu Fall bringen können. Also Tschüss, Gamal. Zurück zum Zeichentisch.
Ich wollte eine witzige Schurken-Figur schaffen. Einen Mann, der Spaß hat an dem, was er tut. Einen Mann, der gut darin ist, böse zu sein. Einen Mann, der nicht zwanzigtausend Gemeinheiten begehen muss, um zu beweisen, wie fies er ist. Einen Mann, bei dessen Lächeln dir das Herz vor Angst in die Kniekehlen rutscht. Einen Mann so groß, dass selbst der allmächtige Genie vor ihm hilflos ist.
Und so entstand der Ringmaster. Das heitere Gesicht des personifizierten Bösen. Er war nicht immer schlecht. Er war früher einmal ein Genie, aber seine Kräfte wurden ihm entzogen. Er hatte versucht zu argumentieren, er habe nur seine eigenen Kräfte für sich selbst benutzt, weil er es musste... aber niemand hatte ihm zugehört. Die Gesetze sind streng im Land der Genies. Ein Genie darf seine Kräfte nur benutzen, um seinem Herrn zu dienen – nichts anderes.
Niemand sah die Verzweiflung des Ringmasters oder hörte auf seine Bitten. Und nunmehr sieht oder hört der Ringmaster nichts mehr. Er wird die Lampe finden, den Besitzer töten, seine Kräfte wiedererlangen und alles zerstören. Und er ist ein fairer Mann. Wenn Genius und Aladin meinen, dass sie ihn aufhalten können, dann können sie es gerne versuchen. Der Ringmaster wird seinen Spaß daran haben!
CUT TO: MR.BACHCHAN’S RESIDENCE. JALSA. 2006
Fast drei Stunden lang habe ich Sir das Skript erzählt. Mein ernsthaft überarbeitetes Skript. Diesmal habe ich mich richtig gehen lassen. Ohne Kompromisse. Während des Schreibens habe ich mich den Teufel darum geschert, was möglich ist und was nicht. Es war mir gleich, wie viel es kosten würde. Ich hatte nur ein Ziel: einen ernsthaften Stoff zu Papier zu bringen, der die Zuschauer in ihren bislang größten Rausch überhaupt versetzen würde. Selbst das unmöglich Scheinende hatte ich als Storyboard zu Papier gebracht, um es besser visualisieren zu können. Und Gott sei Dank, dass ich das gemacht hatte.
Das erste, was Sir nach der Erzählung sagte, war... nach einer langen Pause, und ich weiß noch immer jedes einzelne Wort... "Es wird ein Albtraum werden, diesen Film zu machen, aber wir machen ihn..." JA.
Das zweite: "Aber wer wird den Ringmaster spielen? Wer KANN den Ringmaster spielen?"
BEGIN FLASHBACK: PALI HILL. OCTOBER 2005
Ich bin im besten Fitness-Studio der Welt (nein, wirklich... ich mach keine Witze)... Duttsaab kommt rein und ruft mich. Er fragt mich, ob ich nicht etwas schreiben könnte für ihn und diesen neuen Jungen, den er wirklich sehr mag.
"Bro, schreib was Gutes für mich und Ritesh." Ja, sage ich. Und dann stellt Duttsaab mir seine oft gestellte Frage: "Bro, was ist mit Borivali los? Wann machen wir den?"
EARLIER THAT YEAR. APRIL 2005
(...) Es ist keine gute Zeit. Borivali steckte noch immer fest wegen des Budgets und weil ich noch einen Schauspieler brauchte, der neben Sir bestehen konnte. Aber es war eine sehr dunkle und verstörende Rolle. Nicht viele wollten sie spielen. (...)
Damals rief Gupta mich an, und irgendwie kamen wie auf Borivali zu sprechen. "Wie wär’s mit Sanju?" fragte Gups. "Wieso fragst du nicht ihn? Du triffst ihn doch ständig im Fitness-Studio!" Das stimmt, aber ich hatte nicht den Mumm, ihm eine derart dunkle Rolle anzubieten. "Bist du verrückt? Sanju ist perfekt! Und niemand außer ihm hat den Schneid, diese Rolle zu spielen..." Gups war zuversichtlich. "Geh du zu Cal und mach in Ruhe deine Arbeit. Ich rede mit Sanju."
CUT TO: MARIOTT HOTEL. JUNE 2005
Duttsaab hat eine Besprechung im Coffee Shop. Gups schleift mich dorthin. Ich bin rechtschaffen nervös. Er ruft Duttsaab heraus. Er kommt und gesellt sich zu uns. Gups erzählt Duttsaab, dass ich ein kleines Problem hätte, das sich lösen ließe, wenn er diese Rolle übernimmt.
"Cool, Bro... ich mach es."
Das war's. Kein Skript. Keine Erzählung. Alles, was er zu hören brauchte, war, dass jemand in Schwierigkeiten steckte und dass er diesem Jemand helfen konnte. Alles andere war unwichtig.
Kein Herz kann größer sein als dieses. Er musste wieder zurück zu seiner Besprechung. Vorher jedoch bietet er mir ganz von selbst noch an: "Bro, du kriegst einen Brief von mir... der wird dir helfen."
Diesen Brief habe ich immer noch.
END FLASHBACK
BACK TO: MR.BACHCHAN’S RESIDENCE. JALSA. 2006
Ich sage zu Sir, dass nur zwei Menschen den Ringmaster spielen können: entweder Sir selber oder Sanjay Dutt. "Das ist es. Sanju ist der einzige... wo ist er?" Ich habe keine Ahnung, wo Duttsaab ist. "Rede mit ihm", fordert Sir mich auf. Ich bereite mich innerlich darauf vor, am Abend mit Duttsaab zu reden, wenn ich ihn im Fitness-Studio treffe. Aber noch bevor ich es ihm erzählen konnte -
Mein Mobiltelefon klingelt. Es ist Duttsaab.
"Bro, Amitji hat mich gerade angerufen... er war total aufgeregt... was ist das für ein neuer Film, den wir jetzt machen? Und warum sagst DU mir das nicht selbst?" Ich versuche ihm zu erklären, dass ich das ja tun wollte, ich hatte ja keine Ahnung, dass Sir ihn anrufen würde.
An jenem Abend zeigte ich Duttsaab meine ganzen Hausaufgaben über den Ringmaster und ein Storyboard für eine Ringmaster-Szene. Er schaut sich alles an, besonders seine Aufmachung, und gibt mir dann seine Zustimmung mit vier Worten. Und auch an die erinnere ich mich wortwörtlich:
"Behalt diesen Schnurrbart, Bro."
CUT TO: JULY 2007
Die Aladin-Vorbereitungen sind in vollem Gang. Wir sind fast soweit. Duttsaab nimmt eine Auszeit.* Alles ist ungewiss. Vor mir liegen ein paar Optionen ausgebreitet.
Aber ich bleibe bei meiner Wahl. Aladin wird ausschließlich mit Amitabh Bachchan, Sanjay Dutt und Ritesh Deshmukh gedreht. Oder er wird überhaupt nicht gedreht.
Ich warte. Mit Freuden.
(Sujoy Ghosh; Deutsch von Diwali)
* Die "Auszeit" von Sanjay Dutt, die Sujoy Ghosh euphemistisch "sabbatical" nennt, waren die Wochen des Wartens auf sein Urteil im TADA-Prozess, das schließlich am 31. Juli 2007 verkündet wurde. Dass Sujoy Ghosh zu seinem Wort stand und mit Aladin auf Sanjays Rückkehr wartete, ist Geschichte. (Anm.d.Übers.)
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