Filmfare, Oktober 2005
Sanjay Dutt: Ich habe nie mit meinen Regisseuren gestritten oder debattiert
Viele Leute meinen, dass ich mein Schauspielen nicht ernst nehme, aber das stimmt nicht. Ich betrachte meine Arbeit nicht als Vergnügungsreise. Natürlich macht sie mir Spaß. Aber auch nach über hundert Filmen lehne ich mich nicht einfach selbstzufrieden zurück. Ich habe alle möglichen verschiedenen Figuren gespielt, aber ich bin noch immer wie elektrisiert, wenn ich etwas Neues und auch nur ansatzweise Anderes höre. Ich bin meiner Arbeit immer mit vollkommener Aufrichtigkeit nachgegangen, und vielleicht ist das der Grund, warum ich auch nach 23 Jahren im Geschäft noch immer täglich Angebote bekomme.
Außerdem habe ich mich niemals selbst beweihräuchert, auf die Pauke gehauen oder manipuliert, um eine Rolle zu bekommen. Ich habe meine Karriere nie geplant, und auch sonst nichts in meinem Leben. Ich habe Filme für Freunde gemacht, ohne mir das Drehbuch dafür anzuhören. Auch sonst habe ich nie besonderen Wert auf meine Rolle gelegt. Die Story war mir immer wichtiger.
Ich wollte schon immer ein Filmheld werden. Wahrscheinlich weil auch meine Eltern welche waren und ich immer so viel Liebe und Respekt in den Augen ihrer Fans gesehen hatte. Ich wollte, dass die Menschen auch auf mich so reagieren. Ich habe damals meine Eltern immer zu den Außendreharbeiten meines Vaters begleitet. Und dabei gelernt, wie akkurat Dad bei seiner Arbeit war. Bei den Dreharbeiten zu Reshma Aur Shera in Jaipur wollte er für eine Einstellung 100 Kamele. Das Produktionsteam hatte 99 aufgetrieben und ging davon aus, dass Dad ein Kamel weniger nicht bemerken würde. Aber mitten im Dreh erfuhr er es und rief 'Cut'. Daraufhin ruhten die Dreharbeiten für Stunden, bis ein weiteres Kamel gefunden war. Und ich fragte mich, ob ich jemals so einen hingebungsvollen Einsatz für meine Arbeit würde entwickeln können.
Meine erste Berührung mit dem Schauspielen hatte ich bei Reshma Aur Shera. Ich wirkte in einem Song mit, und die Leute am Set klatschten, als die Szene im Kasten war. Ich wurde total verhätschelt am Set, und ich dachte: wenn es so ist, wie du behandelt wirst, dann habe ich meine Berufung gefunden. Später habe ich dann das College geschmissen und beschlossen, Schauspieler zu werden. Da ich keinerlei Erfahrung hatte, meldete Dad mich in Roshan Tanejas Schauspielkurs an. Außerdem bekam ich einen Privatlehrer für Diktion. Ich scherze ja immer, dass ich vor lauter Schauspielen und Diktion vergessen habe, auch Tanzen zu lernen. Anfangs habe ich, wenn ich auf meine beiden linken Füße angesprochen wurde, immer gekontert, dass echte Männer sowieso nicht tanzen. Aber natürlich war das nur eine Ausrede für meine Unfähigkeiten. Mit der Zeit habe ich allerdings dann doch ein wenig gelernt, mich zu bewegen.
Ich habe nie in irgendeiner Weise nach dem Lehrbuch gearbeitet. Man kann Schauspielen nicht studieren, man kann lediglich seine Fähigkeiten durch Erfahrung erweitern. Ich habe niemals Bücher über das Schauspielen gelesen und auch nie versucht, jemanden zu kopieren. Ich mache alles direkt aus dem Herzen. Ich bin kein Methoden-Schauspieler; ich brauche keine Proben, und ich will keine Zeit, um in meine Figur zu schlüpfen. Wenn man mich allein lässt, damit ich meinen Text lerne oder meine Figur verinnerliche, dann werde ich wahnsinnig. Ich bin vollkommen spontan, und ich bin ein Schauspieler, der sich ganz und gar seinem Regisseur überlässt. Ich führe keine tiefsinnigen Diskussionen; ich mache einfach, was man mir sagt. Ich habe nie mit meinen Regisseuren gestritten, nie geschmollt oder eine Produktion geschmissen. Mein größter Pluspunkt ist, dass ich mir seitenlange Dialoge innerhalb von Minuten merken kann; oft genügt bereits ein Blick darauf.
Manchmal werde ich gefragt, warum ich so viele Filme mache, in denen es um Verbrechen geht. Ich möchte diesbezüglich klarstellen, dass ich persönlich kein Verfechter von Kriminalität bin und in meinen Filmen auch stets gezeigt habe, dass sich Verbrechen nicht auszahlen. Und was ich wirklich liebend gerne mache, sind Komödien. Menschen zum Lachen zu bringen ist sehr schwierig, und man muss schon einen Sinn für Humor haben, um das richtig hinzukriegen.
Heute kann ich kein Kaugummi-Hero mehr sein, und ich will es auch gar nicht. Ich möchte Rollen spielen, die zu mir passen. Ich hatte keine Bedenken, Hrithik Roshans Vater in Mission Kashmir zu spielen. In Würde altern, das ist mein Motto. Ich will mich nicht vor Schreck winden, wenn ich mich auf der Leinwand sehe.
(Deutsch von Diwali)
Sonntag, 24. Februar 2008
Freitag, 22. Februar 2008
Zee Premiere 12/1998: Sanjay Dutt - Dear Me
Zee Premiere, Dezember 1998
Sanjay Dutt: Dear Me
Das Problem in meinem Leben ist, dass ich mit dem Herzen denke...
Hi! Ich bin Sanju baba. Besser bekannt als Sanjay Dutt. Aber ich werde stets ein baba bleiben für alle, denen ich sehr nahe stehe. Meine Freunde, meine Familie und alte Menschen. Besonders die alten Menschen, weil die mich immer mit besonders viel Wärme und Zuneigung begrüßen. Ich bin der baba, der sich nie ändern wird. Zumindest was die Gefühle betrifft. Mein großes Problem in meinem Leben ist, dass ich immer mit meinem Herzen denke und nie mit meinem Kopf. Wenn ich einmal stark für jemanden empfinde, dann tue ich alles, um diesem Menschen zu helfen, ohne auch nur einen Moment über die Konsequenzen nachzudenken. Und das könnte jeder sein, vom Techniker bis zum Produzenten. Natürlich macht mich das zu einer leichten Zielscheibe für alle, die mich ausbeuten wollen. Und das haben einige Menschen ausgenutzt.
Seit ich zu der Industrie gehöre, hat man mich immer wieder beschuldigt, ich sei an meiner Karriere nicht interessiert. Früher hat mich das sehr geärgert, aber inzwischen bin ich dagegen immun geworden. Was die Leute sagen, spielt keine Rolle, solange ich hart und mit Hingabe arbeite.
Arbeit ist das einzige, was mich interessiert. Ich manipuliere nicht, ich spiele keine Spielchen. Ich mische mich nicht wie so manch anderer Schauspieler in die Arbeit meiner Regisseure ein, um für mich Vorteile rauszuschlagen. Ich verlange keine Wiederholungen einer Aufnahme, damit ich besser dabei wegkomme. Ich lenke nicht die Promos oder anderes Werbematerial für meine Filme. In dieser Hinsicht könnt ihr mich einen Versager nennen. Ich bin nicht sehr aggressiv oder aufdringlich vorgegangen, um meine Karriere am Laufen zu halten. Ich habe Filmangebote aus einem Impuls heraus akzeptiert, oft aus emotionalen Gründen – um einem Freund zu helfen oder um jemandem aus einer schwierigen Situation herauszuhelfen. Einige dieser Filme haben meiner Karriere mehr geschadet als genützt.
Ich habe mehr als nur einen fairen Anteil an Höhen und Tiefen in meinem Leben gehabt, sowohl an der beruflichen als auch an der persönlichen Front. Wenn ich in einem Moment auf dem Weg zu den Sternen bin, dann bin ich im nächsten Augenblick im tiefsten Keller. Angefangen beim Tod meiner Mutter über meine Drogenphase und die Zeit im Gefängnis bis zum Verlust von Richa. Viel zu viel Schmerz, um ihn so früh im Leben zu ertragen. Das vollkommene Glück ist mir immer entschlüpft. Immer wenn ich dachte, es sei in Reichweite, wurde es mir entzogen. Ich denke, das ist karma, Schicksal. Offenbar muss ich für etwas Grauenhaftes bezahlen, was ich in einem früheren Leben getan habe. Gleichzeitig weiß ich tief in mir drin, dass ich ein guter Mensch bin. Sonst wäre ich nicht in eine so warmherzige und wundervolle Familie wie die meinige hineingeboren worden. Und dann würde ich auch niemals solchen Erfolg und solche Anerkennung genießen, wie ich sie jetzt habe. Dass ich so viele loyale Fans habe, ist ein Zeichen dafür, dass ich irgendwo doch etwas richtig machen muss. Wenn du kein guter Mensch bist, dann sieht man das in deinem Gesicht auf der Leinwand.
Alles was ich heute auf beruflicher Ebene bin, verdanke ich meinen Fans. Ohne sie wäre ich ein Niemand. Es sind ihre Reaktionen und guten Wünsche, die mir die Kraft gegeben haben, das Gefängnis zu verlassen und neu zu beginnen. Nur durch ihre Liebe bin ich imstande, diese Herausforderung noch einmal anzunehmen.
Ich weiß, dass mich viele in der Industrie abgeschrieben haben. Ich mache ihnen keinen Vorwurf. Sie sehen die Dinge eben nur von der praktischen Seite aus.
Es ist bedauerlich, dass man mich ins Gefängnis steckte für ein Verbrechen, das ich nicht einmal im Traum begehen könnte, als meine Karriere gerade in voller Fahrt und ich auf dem Gipfel war. Ich hatte einen Traumlauf mit den großen Kassenerfolgen Saajan, Khalnayak und Sadak. Doch plötzlich nahm mir das Schicksal die Früchte meiner Arbeit weg. Ich war aus dem Rennen, und andere Stars nahmen den freigewordenen Platz ein. Aber so funktioniert die Industrie. Ich beklage mich nicht.
Wenn du Erfolg hast, dann liegt die Welt – die ganze Industrie – dir zu Füßen. Sie hören gar nicht auf, bei dir anzuklopfen. Aber sobald du die Leiter runterrutschst, bist du auf dich allein gestellt – allein und kämpfend. Ich weiß, dass nicht mehr zur Top-Liga gehöre. Meine Karriere hängt in der Luft. Aber ich werde nicht aufgeben. Meine Zeit wird wiederkommen. Ich habe mir aus so vielen Krisen den Weg freigekämpft, ich werde es wieder tun. Aber ich werde nicht um Rollen bitten. Wenn man nur auf diese Weise Karriere machen kann, dann bin ich nicht interessiert. Das hat nichts mit Apathie oder Ego zu tun; für mich ist das eine Sache des Selbstrespekts. Ich glaube an bestimmte Prinzipien, die das Rückgrat meines Charakters bilden. Und da mache ich keine Kompromisse. Die Leute sagen mir, dass ich alles habe, was ich brauche – gutes Aussehen, einen tollen Körper und Talent. Warum nehmen sie mich dann nicht für ihre Filme unter Vertrag? Die Antwort ist simpel. Rentabilität. Alles läuft auf die Rentabilität des Geschäfts hinaus. Sie brauchen einen Star, der ihre Filme verkaufen kann. Sie sind nicht überzeugt, den Film aus eigener Kraft verkaufen zu können. Sie sind reine Vorschlag-Macher. Wer für welche Rolle passt, ist ihnen gleichgültig. Sie engagieren lieber einen Schauspieler, der zieht, selbst wenn er für die Rolle gar nicht geeignet ist. In Hollywood ist das nicht so. John Travolta war zehn Jahre lang aus dem Geschäft, und doch hat John Woo ihn für Face Off engagiert, weil er die Idealbesetzung war. Hierzulande ist der Schauspieler eine Handelsware, eine Marke. Mit ihm wird gehandelt, nicht mit dem Film.
Ich bin glücklich darüber, dass eine Reihe junger Schauspieler wie Abhishek Bachchan, Hrithik Roshan und Fardeen Khan neu zur Industrie hinzustößt. Das ist ein gutes Zeichen, obwohl einige Schauspieler, die ich kenne, Konkurrenz befürchten und sich unsicher fühlen. Ich finde, Konkurrenz hält einen auf Zack. Stagnation führt zu Rückschritt. Heutzutage gibt es hier so viel zu tun, dass keiner von uns sich unsicher zu fühlen braucht wegen ein paar Neulingen in der Industrie.
Oft werde ich gefragt, warum ich solche Nebenrollen wie in Pooja Bhatts Dushman und Raj Kanwars Daag annehme und ob ich auch weiterhin solche Gastauftritte absolvieren werde. Wenn die Rollen mir gefallen: ja. Es hängt auch davon ab, von wem sie mir angeboten werden. Dushman habe ich aus emotionalen Gründen gemacht, weil ich Pooja einfach keine Absage erteilen konnte. Daag mache ich, weil die Rolle mich anspricht. Ich spiele einen Typen, dessen Vater unschuldig angeklagt und dann im Gefängnis ermordet wurde. Und ich bin hinter dem Mann her, der dafür verantwortlich ist. Das ist Chandrachur Singh. Ich töte seine Frau und schieße ihn zum geistigen Krüppel. Aber am Ende begreife ich meinen Fehler, vernichte die Bösen und wasche den Namen meines Vaters rein. Ich glaube an diese Rolle.
Das Gefängnis war eine grauenhafte Erfahrung. Da die Angelegenheit rechtshängig ist, kann ich nicht darüber sprechen. Die gegen mich erhobenen Anschuldigungen stempeln mich zu einer anti-nationalen Person. Daher hatte ich große Bedenken, als ich das Gefängnis auf Kaution verließ. Ich wusste nicht, wie die Menschen auf mich reagieren würden. Aber ihre Reaktionen haben mich überwältigt. Sie waren so positiv und liebevoll. Das hat mir den Willen und die Kraft gegeben, noch einmal den Sprung zu wagen und eine zerstörte Karriere wieder aufzubauen. Ich bin heute ein anderer Mann als der, der das Gefängnis verließ. Ich bin ruhiger, beherrschter und habe klarere Vorstellungen von meinem Leben und was ich daraus machen will. Ich habe gelernt, vernünftiger zu sein und mehr Verständnis zu haben, zu vergeben und zu vergessen.
Die einsame Zelle macht aus dir einen Einzelgänger. Führt dich tief in dein eigenes Selbst. Der einzige Mensch, zu dem ich in jenen Tagen frei sprechen konnte, war ich selbst. Am Anfang war es schwierig, auf dem Boden zu schlafen. Aber seltsamerweise kam mir dann später, als ich wieder draußen war, das weiche Bett ein wenig unbequem vor! Und nachdem ich so lange allein gewesen war, fühlte ich mich unter Menschen plötzlich verloren.
Aber es dauerte nicht lange, bis ich wieder zu meinen Grundgewohnheiten zurückgefunden hatte. Bald war ich wieder unter Freunden. Im Gegensatz zur allgemeinen Auffassung bin ich nicht von Haus aus ein Einzelgänger, ich liebe es, unter Menschen zu sein. Meine Frau Rhea beklagt sich oft, dass ich mehr Zeit mit meinen Freunden als mit ihr verbringe. Aber ich liebe es, von Menschen umgeben zu sein. Ich mag es nicht, allein zu sein.
Ich war amüsiert, als jemand mir erzählte, dass Fremde Angst davor hätten, auf mich zuzugehen. Dass sie mich für unberechenbar hielten. Dass ich diese Verzieh-dich-Kumpel-Haltung hätte. Vielleicht bin ich nicht der überfreundliche Typ, aber wer mich kennt, hat kein Problem in punkto Kommunikation mit mir. Ausgenommen vielleicht die Presse. Ich hasse Interviews. Ich fühle mich dabei einfach nicht gut. Ein Schauspieler mag eine öffentliche Figur sein ohne Recht auf Privatsphäre, aber einen Teil von sich möchte er dann doch schützen vor dem neugierigen Blick der Öffentlichkeit. Manche Leute jedoch verstehen das nicht und nennen mich zurückhaltend.
Ja, ich bin zurückhaltend gegenüber den Medien. Vielleicht weil die Presse in den vergangenen Monaten meinem Image eine Menge Schaden zugefügt hat. Sie hat eine Kampagne gegen mich gestartet. Sie nannte mich Terrorist und noch eine Menge anderer unwahrer Dinge. Das hat sehr weh getan, deshalb habe ich mich zurückgezogen. Früher war ich ein offenes Buch und habe frei mit der Presse gesprochen. Jetzt bin ich sehr bedacht, wenn ich Journalisten gegenübersitze. Weil sie eine Art haben, einen in Fallen zu locken, und da ich nicht sehr clever bin, spiele ich ihnen oft in die Hände.
Ich kommuniziere problemlos mit denen, die mir nahe stehen – wie meine Schwestern, Rhea, Pankaj (Kharbanda), Afzal Khan, Bhiku und Sameer, mit denen ich im Fitnessstudio trainiere. Ich vertraue ihnen. Sie haben in meinen schlimmen Zeiten zu mir gehalten. Und warum sollte ich überhaupt mit aller Welt reden?
Als ich aus dem Gefängnis herauskam, war ich sehr verbittert und unglücklich. Und wütend. Ich war sehr verärgert über einige Leute, die mich meiner Ansicht nach verraten hatten. Dann sagte ich mir, dass sie vielleicht einen Grund für ihr Verhalten gehabt hatten. Und sofort schmolz der Ärger dahin. Und ich begegnete diesen Menschen ohne eine Spur von Bitterkeit. Das gab mir ein gutes Gefühl.
Aber das Leben war nicht leicht nach der Entlassung aus dem Gefängnis. Es war sehr schwierig. Was ich durchmachen musste, hätte andere in den Wahnsinn getrieben. Von Montag bis Samstag musste ich jeden Morgen um acht Uhr aus dem Bett, von zehn Uhr bis fünf Uhr nachmittags beim Gericht warten, nach Hause hetzen, bis acht Uhr abends im Fitnessstudio trainieren, dann bis vier oder fünf Uhr morgens drehen, ein paar Stunden Schlaf suchen und dann wieder ab zum Gericht! Ich hatte nicht eine Minute für mich selbst. Und ich fühlte mich furchtbar. In dieser Zeit beneidete ich alle, die wie normale Menschen ihrer Arbeit nachgehen konnten. Mit meinen müden Augen sah ich meine Kollegen, wie sie lachten und ihre Arbeit genossen, und fühlte noch mehr Frust in mir. Manchmal bin ich eingeschlafen, während mein Regisseur mir die nächste Szene erklärte. Ich hetzte mich ab, versuchte, so viele Menschen glücklich zu machen – meine Regisseure, Rhea, meine Familie, meine Freunde. Und war drauf und dran, dabei zum Wrack zu werden. Doch Gott sei Dank ist diese Phase nun vorüber. Jetzt muss ich mich nur noch einen Tag pro Woche beim Gericht melden, immer montags.
Diese Phase hat mich abgekühlt, hat die wilden Züge in mir ausgelöscht. Mir geholfen, mit mir selbst ins Reine zu kommen. Heute verbringe ich lieber einen Abend mit meiner Familie oder führe meine Frau Rhea zu einem gemütlichen Abendessen aus oder sehe mir zu Hause einen Film an, als mit meinen Freunden in wilden Nächten durchzufeiern und zu trinken.
Ich liebe es, zu fahren, deshalb fahren Rhea und ich ab und zu in die Stadt. Ein Motorrad zu fahren verschafft mir noch immer einen Kick. Es gibt nichts Aufregenderes, als mit Rhea auf meiner 16 HP Harley-Davidson durch die Gegend zu düsen. Nicht wegen eines Gefühls der Ruhelosigkeit oder Aggression wie früher, sondern weil einfach diese Leidenschaft in mir steckt.
Als ich noch sehr viel jünger war, hatte ich dieses Image einer leichtsinnigen, unbekümmerten und rücksichtslosen Person. Das war ich auch. Ich bin von Natur aus impulsiv. Und das hat mir stets eine Menge Ärger eingehandelt. Manche sagen, dass man Gefahren an sich zieht, wenn man unglücklich und nicht in Frieden mit sich selbst ist. Das sehe ich anders. Rockefeller zum Beispiel hatte eine verdammt elende Talsohle zu durchwandern, aber er ließ sich dadurch zu keiner verzweifelten Aktion verleiten. Ich geriet in Schwierigkeiten, weil ich zu impulsiv war und gerne spannende Dinge machte. Aber jetzt bin ich ruhiger geworden. Meine Erfahrungen haben die Lust nach Aufregung in mir demoliert.
Ich bin noch immer sehr verletzlich. Ich bin nicht der allgemeinen Ansicht, „Macho“-Männer seien unsensibel und hartherzig und hätten keine Gefühle. Ich finde diese Auffassung lächerlich. Deine Empfindsamkeit und Sensibilität entwickeln sich auf der Basis deiner Herkunft und Erziehung. Ich erinnere mich, dass Sylvester Stallone einmal in einem Interview sagte, er habe sich jahrelang hinter einem Macho-Image versteckt, um einen Minderwertigkeitskomplex zu überwinden! Nun fehlt es mir zwar nicht an Selbstbewusstsein, aber ich bin ein totaler Gefühlsmensch. Ich halte es nicht für „unmännlich“, wenn ein Mann weint. Warum sollte ein Mann seine Tränen und Emotionen zurückhalten? Ich habe so oft in meinem Leben geweint. Ich habe geweint, als meine Mutter starb. Ich habe an dem Tag geweint, als man mich hinter Gitter schickte. Es gibt Momente, da zerbröselt dein gesamter Machismo und du weinst wie ein Kind.
In meiner frühen Jugend habe ich viele Dinge getan, die ich heute bereue. Zum Beispiel jagen und Vögel schießen. Wie die meisten Kinder faszinierten mich Luftgewehre. Und ich gab damit an, indem ich Vögel schoss. Das war eine vorübergehende Phase. Danach begann die Zeit, in der ich mich ernsthaft für den Tier- und Naturschutz einsetzte. Im Moment bin ich aktiv für ein Projekt zur Rettung der Tiger tätig.
Zum Bodybuilding inspiriert haben mich Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger. Sie sahen so gut aus auf der Leinwand, und ich dachte, dass ich auch so gut aussehen könnte, wenn ich es versuchte. Ich finde es gut, wenn man ein Gesundheitsfreak ist. Das verschafft dir anderen gegenüber einen eindeutigen Vorteil, besonders bei einem Beruf wie dem meinen. Es verbessert nicht nur deine Leinwand-Präsenz, du fühlst dich außerdem sehr gut.
Meine Familie ist das Beste, was mir je passiert ist. Sie ist der Turm meiner Stärke gewesen. Mein Dad und meine Schwestern sind durch dick und dünn zu mir gestanden – durch all die schrecklichen Dinge, die ich durchmachen musste. Sie haben mich unterstützt, ermutigt und an mich geglaubt – immer!
Mein Dad, meine Schwestern und Rhea sehen sich alle meine Filme an. Ist ein Film gut, klopfen sie mir auf die Schulter, wenn nicht – Mann, dann machen sie mir die Hölle heiß. Nach Daud erklärte mir Rhea, das sei der schlimmste Film, den sie je gesehen habe. Und ich sei furchtbar darin! Das hat mir vorübergehend einen Dämpfer versetzt. Aber dann beschloss ich, es beim nächsten Mal besser zu machen. Tja, zu Hause bin ich kein Star. Da brauche ich mit irgendwelchen Zicken gar nicht erst anzufangen!
Als Kind war ich der Liebling meiner Mutter. Sie liebte mich ohne Ende. Mein Vater liebte mich auch, aber er war ein strenger Disziplinmensch. Er hielt die Atmosphäre, in der ich aufwuchs, nicht für gut für mich. Deshalb beschloss er, mich auf ein Internat zu schicken. Ich habe zwölf Jahre dort verbracht, und es war eine gute Erfahrung. Auf einem Internat musst du schon in sehr jungen Jahren Verantwortung für dich selbst übernehmen. Aber es steckt auch eine Gefahr dahinter. Wenn du nach Hause kommst, willst du sämtliche Regeln brechen. Weil du dich in der Schule dran gewöhnt hast, heimlich die Regeln zu brechen. Und wenn du das zu Hause dann nicht kannst, dann flippst du aus.
Rhea wird stets einen besonderen Platz in meinem Leben haben. Neben meiner Familie und meinen engen Freunden war sie die einzige, die an mich glaubte und zu mir stand, als man mich hinter Gitter steckte. Ich sehnte mich verzweifelt nach Liebe und Unterstützung, nach jemandem, der an mich glaubte. Und das alles sah ich in ihr. Sie war immer da, wenn ich einen emotionalen Anker brauchte. Auch in jener schmerzhaften Phase nach meiner Entlassung, als ich wie ein Irrer versuchte, mein Leben wieder in den Griff zu kriegen, war sie extrem verständnisvoll und hilfreich. Sie war meine Stärke. Sie ist stets bei mir und gibt mir dennoch Raum, damit ich ich selbst sein kann. Ich denke, ich bin auch ein sehr guter Ehemann – einer der verständnisvollsten und anpassungsfähigsten der Welt! Rhea wird das bezeugen.
Oberste Priorität für mich hat nun, meine Tochter Trishala zurückzubekommen. Ich vermisse mein Baby sehr. Und auch Rhea. Wie ich würde sie alles tun, um Trishala zurückzuholen. Das ist alles, was ich jetzt in diesem Leben möchte. Sonst habe ich alles. Ein glückliches Zuhause, eine liebevolle Familie und eine anbetungswürdige Frau. Was könnte ich mir mehr wünschen?
Never give in – gib niemals auf!!
In Liebe,
Sanjay Dutt
(Deutsch von Diwali)
Sanjay Dutt: Dear Me
Das Problem in meinem Leben ist, dass ich mit dem Herzen denke...
Hi! Ich bin Sanju baba. Besser bekannt als Sanjay Dutt. Aber ich werde stets ein baba bleiben für alle, denen ich sehr nahe stehe. Meine Freunde, meine Familie und alte Menschen. Besonders die alten Menschen, weil die mich immer mit besonders viel Wärme und Zuneigung begrüßen. Ich bin der baba, der sich nie ändern wird. Zumindest was die Gefühle betrifft. Mein großes Problem in meinem Leben ist, dass ich immer mit meinem Herzen denke und nie mit meinem Kopf. Wenn ich einmal stark für jemanden empfinde, dann tue ich alles, um diesem Menschen zu helfen, ohne auch nur einen Moment über die Konsequenzen nachzudenken. Und das könnte jeder sein, vom Techniker bis zum Produzenten. Natürlich macht mich das zu einer leichten Zielscheibe für alle, die mich ausbeuten wollen. Und das haben einige Menschen ausgenutzt.
Seit ich zu der Industrie gehöre, hat man mich immer wieder beschuldigt, ich sei an meiner Karriere nicht interessiert. Früher hat mich das sehr geärgert, aber inzwischen bin ich dagegen immun geworden. Was die Leute sagen, spielt keine Rolle, solange ich hart und mit Hingabe arbeite.
Arbeit ist das einzige, was mich interessiert. Ich manipuliere nicht, ich spiele keine Spielchen. Ich mische mich nicht wie so manch anderer Schauspieler in die Arbeit meiner Regisseure ein, um für mich Vorteile rauszuschlagen. Ich verlange keine Wiederholungen einer Aufnahme, damit ich besser dabei wegkomme. Ich lenke nicht die Promos oder anderes Werbematerial für meine Filme. In dieser Hinsicht könnt ihr mich einen Versager nennen. Ich bin nicht sehr aggressiv oder aufdringlich vorgegangen, um meine Karriere am Laufen zu halten. Ich habe Filmangebote aus einem Impuls heraus akzeptiert, oft aus emotionalen Gründen – um einem Freund zu helfen oder um jemandem aus einer schwierigen Situation herauszuhelfen. Einige dieser Filme haben meiner Karriere mehr geschadet als genützt.
Ich habe mehr als nur einen fairen Anteil an Höhen und Tiefen in meinem Leben gehabt, sowohl an der beruflichen als auch an der persönlichen Front. Wenn ich in einem Moment auf dem Weg zu den Sternen bin, dann bin ich im nächsten Augenblick im tiefsten Keller. Angefangen beim Tod meiner Mutter über meine Drogenphase und die Zeit im Gefängnis bis zum Verlust von Richa. Viel zu viel Schmerz, um ihn so früh im Leben zu ertragen. Das vollkommene Glück ist mir immer entschlüpft. Immer wenn ich dachte, es sei in Reichweite, wurde es mir entzogen. Ich denke, das ist karma, Schicksal. Offenbar muss ich für etwas Grauenhaftes bezahlen, was ich in einem früheren Leben getan habe. Gleichzeitig weiß ich tief in mir drin, dass ich ein guter Mensch bin. Sonst wäre ich nicht in eine so warmherzige und wundervolle Familie wie die meinige hineingeboren worden. Und dann würde ich auch niemals solchen Erfolg und solche Anerkennung genießen, wie ich sie jetzt habe. Dass ich so viele loyale Fans habe, ist ein Zeichen dafür, dass ich irgendwo doch etwas richtig machen muss. Wenn du kein guter Mensch bist, dann sieht man das in deinem Gesicht auf der Leinwand.
Alles was ich heute auf beruflicher Ebene bin, verdanke ich meinen Fans. Ohne sie wäre ich ein Niemand. Es sind ihre Reaktionen und guten Wünsche, die mir die Kraft gegeben haben, das Gefängnis zu verlassen und neu zu beginnen. Nur durch ihre Liebe bin ich imstande, diese Herausforderung noch einmal anzunehmen.
Ich weiß, dass mich viele in der Industrie abgeschrieben haben. Ich mache ihnen keinen Vorwurf. Sie sehen die Dinge eben nur von der praktischen Seite aus.
Es ist bedauerlich, dass man mich ins Gefängnis steckte für ein Verbrechen, das ich nicht einmal im Traum begehen könnte, als meine Karriere gerade in voller Fahrt und ich auf dem Gipfel war. Ich hatte einen Traumlauf mit den großen Kassenerfolgen Saajan, Khalnayak und Sadak. Doch plötzlich nahm mir das Schicksal die Früchte meiner Arbeit weg. Ich war aus dem Rennen, und andere Stars nahmen den freigewordenen Platz ein. Aber so funktioniert die Industrie. Ich beklage mich nicht.
Wenn du Erfolg hast, dann liegt die Welt – die ganze Industrie – dir zu Füßen. Sie hören gar nicht auf, bei dir anzuklopfen. Aber sobald du die Leiter runterrutschst, bist du auf dich allein gestellt – allein und kämpfend. Ich weiß, dass nicht mehr zur Top-Liga gehöre. Meine Karriere hängt in der Luft. Aber ich werde nicht aufgeben. Meine Zeit wird wiederkommen. Ich habe mir aus so vielen Krisen den Weg freigekämpft, ich werde es wieder tun. Aber ich werde nicht um Rollen bitten. Wenn man nur auf diese Weise Karriere machen kann, dann bin ich nicht interessiert. Das hat nichts mit Apathie oder Ego zu tun; für mich ist das eine Sache des Selbstrespekts. Ich glaube an bestimmte Prinzipien, die das Rückgrat meines Charakters bilden. Und da mache ich keine Kompromisse. Die Leute sagen mir, dass ich alles habe, was ich brauche – gutes Aussehen, einen tollen Körper und Talent. Warum nehmen sie mich dann nicht für ihre Filme unter Vertrag? Die Antwort ist simpel. Rentabilität. Alles läuft auf die Rentabilität des Geschäfts hinaus. Sie brauchen einen Star, der ihre Filme verkaufen kann. Sie sind nicht überzeugt, den Film aus eigener Kraft verkaufen zu können. Sie sind reine Vorschlag-Macher. Wer für welche Rolle passt, ist ihnen gleichgültig. Sie engagieren lieber einen Schauspieler, der zieht, selbst wenn er für die Rolle gar nicht geeignet ist. In Hollywood ist das nicht so. John Travolta war zehn Jahre lang aus dem Geschäft, und doch hat John Woo ihn für Face Off engagiert, weil er die Idealbesetzung war. Hierzulande ist der Schauspieler eine Handelsware, eine Marke. Mit ihm wird gehandelt, nicht mit dem Film.
Ich bin glücklich darüber, dass eine Reihe junger Schauspieler wie Abhishek Bachchan, Hrithik Roshan und Fardeen Khan neu zur Industrie hinzustößt. Das ist ein gutes Zeichen, obwohl einige Schauspieler, die ich kenne, Konkurrenz befürchten und sich unsicher fühlen. Ich finde, Konkurrenz hält einen auf Zack. Stagnation führt zu Rückschritt. Heutzutage gibt es hier so viel zu tun, dass keiner von uns sich unsicher zu fühlen braucht wegen ein paar Neulingen in der Industrie.
Oft werde ich gefragt, warum ich solche Nebenrollen wie in Pooja Bhatts Dushman und Raj Kanwars Daag annehme und ob ich auch weiterhin solche Gastauftritte absolvieren werde. Wenn die Rollen mir gefallen: ja. Es hängt auch davon ab, von wem sie mir angeboten werden. Dushman habe ich aus emotionalen Gründen gemacht, weil ich Pooja einfach keine Absage erteilen konnte. Daag mache ich, weil die Rolle mich anspricht. Ich spiele einen Typen, dessen Vater unschuldig angeklagt und dann im Gefängnis ermordet wurde. Und ich bin hinter dem Mann her, der dafür verantwortlich ist. Das ist Chandrachur Singh. Ich töte seine Frau und schieße ihn zum geistigen Krüppel. Aber am Ende begreife ich meinen Fehler, vernichte die Bösen und wasche den Namen meines Vaters rein. Ich glaube an diese Rolle.
Das Gefängnis war eine grauenhafte Erfahrung. Da die Angelegenheit rechtshängig ist, kann ich nicht darüber sprechen. Die gegen mich erhobenen Anschuldigungen stempeln mich zu einer anti-nationalen Person. Daher hatte ich große Bedenken, als ich das Gefängnis auf Kaution verließ. Ich wusste nicht, wie die Menschen auf mich reagieren würden. Aber ihre Reaktionen haben mich überwältigt. Sie waren so positiv und liebevoll. Das hat mir den Willen und die Kraft gegeben, noch einmal den Sprung zu wagen und eine zerstörte Karriere wieder aufzubauen. Ich bin heute ein anderer Mann als der, der das Gefängnis verließ. Ich bin ruhiger, beherrschter und habe klarere Vorstellungen von meinem Leben und was ich daraus machen will. Ich habe gelernt, vernünftiger zu sein und mehr Verständnis zu haben, zu vergeben und zu vergessen.
Die einsame Zelle macht aus dir einen Einzelgänger. Führt dich tief in dein eigenes Selbst. Der einzige Mensch, zu dem ich in jenen Tagen frei sprechen konnte, war ich selbst. Am Anfang war es schwierig, auf dem Boden zu schlafen. Aber seltsamerweise kam mir dann später, als ich wieder draußen war, das weiche Bett ein wenig unbequem vor! Und nachdem ich so lange allein gewesen war, fühlte ich mich unter Menschen plötzlich verloren.
Aber es dauerte nicht lange, bis ich wieder zu meinen Grundgewohnheiten zurückgefunden hatte. Bald war ich wieder unter Freunden. Im Gegensatz zur allgemeinen Auffassung bin ich nicht von Haus aus ein Einzelgänger, ich liebe es, unter Menschen zu sein. Meine Frau Rhea beklagt sich oft, dass ich mehr Zeit mit meinen Freunden als mit ihr verbringe. Aber ich liebe es, von Menschen umgeben zu sein. Ich mag es nicht, allein zu sein.
Ich war amüsiert, als jemand mir erzählte, dass Fremde Angst davor hätten, auf mich zuzugehen. Dass sie mich für unberechenbar hielten. Dass ich diese Verzieh-dich-Kumpel-Haltung hätte. Vielleicht bin ich nicht der überfreundliche Typ, aber wer mich kennt, hat kein Problem in punkto Kommunikation mit mir. Ausgenommen vielleicht die Presse. Ich hasse Interviews. Ich fühle mich dabei einfach nicht gut. Ein Schauspieler mag eine öffentliche Figur sein ohne Recht auf Privatsphäre, aber einen Teil von sich möchte er dann doch schützen vor dem neugierigen Blick der Öffentlichkeit. Manche Leute jedoch verstehen das nicht und nennen mich zurückhaltend.
Ja, ich bin zurückhaltend gegenüber den Medien. Vielleicht weil die Presse in den vergangenen Monaten meinem Image eine Menge Schaden zugefügt hat. Sie hat eine Kampagne gegen mich gestartet. Sie nannte mich Terrorist und noch eine Menge anderer unwahrer Dinge. Das hat sehr weh getan, deshalb habe ich mich zurückgezogen. Früher war ich ein offenes Buch und habe frei mit der Presse gesprochen. Jetzt bin ich sehr bedacht, wenn ich Journalisten gegenübersitze. Weil sie eine Art haben, einen in Fallen zu locken, und da ich nicht sehr clever bin, spiele ich ihnen oft in die Hände.
Ich kommuniziere problemlos mit denen, die mir nahe stehen – wie meine Schwestern, Rhea, Pankaj (Kharbanda), Afzal Khan, Bhiku und Sameer, mit denen ich im Fitnessstudio trainiere. Ich vertraue ihnen. Sie haben in meinen schlimmen Zeiten zu mir gehalten. Und warum sollte ich überhaupt mit aller Welt reden?
Als ich aus dem Gefängnis herauskam, war ich sehr verbittert und unglücklich. Und wütend. Ich war sehr verärgert über einige Leute, die mich meiner Ansicht nach verraten hatten. Dann sagte ich mir, dass sie vielleicht einen Grund für ihr Verhalten gehabt hatten. Und sofort schmolz der Ärger dahin. Und ich begegnete diesen Menschen ohne eine Spur von Bitterkeit. Das gab mir ein gutes Gefühl.
Aber das Leben war nicht leicht nach der Entlassung aus dem Gefängnis. Es war sehr schwierig. Was ich durchmachen musste, hätte andere in den Wahnsinn getrieben. Von Montag bis Samstag musste ich jeden Morgen um acht Uhr aus dem Bett, von zehn Uhr bis fünf Uhr nachmittags beim Gericht warten, nach Hause hetzen, bis acht Uhr abends im Fitnessstudio trainieren, dann bis vier oder fünf Uhr morgens drehen, ein paar Stunden Schlaf suchen und dann wieder ab zum Gericht! Ich hatte nicht eine Minute für mich selbst. Und ich fühlte mich furchtbar. In dieser Zeit beneidete ich alle, die wie normale Menschen ihrer Arbeit nachgehen konnten. Mit meinen müden Augen sah ich meine Kollegen, wie sie lachten und ihre Arbeit genossen, und fühlte noch mehr Frust in mir. Manchmal bin ich eingeschlafen, während mein Regisseur mir die nächste Szene erklärte. Ich hetzte mich ab, versuchte, so viele Menschen glücklich zu machen – meine Regisseure, Rhea, meine Familie, meine Freunde. Und war drauf und dran, dabei zum Wrack zu werden. Doch Gott sei Dank ist diese Phase nun vorüber. Jetzt muss ich mich nur noch einen Tag pro Woche beim Gericht melden, immer montags.
Diese Phase hat mich abgekühlt, hat die wilden Züge in mir ausgelöscht. Mir geholfen, mit mir selbst ins Reine zu kommen. Heute verbringe ich lieber einen Abend mit meiner Familie oder führe meine Frau Rhea zu einem gemütlichen Abendessen aus oder sehe mir zu Hause einen Film an, als mit meinen Freunden in wilden Nächten durchzufeiern und zu trinken.
Ich liebe es, zu fahren, deshalb fahren Rhea und ich ab und zu in die Stadt. Ein Motorrad zu fahren verschafft mir noch immer einen Kick. Es gibt nichts Aufregenderes, als mit Rhea auf meiner 16 HP Harley-Davidson durch die Gegend zu düsen. Nicht wegen eines Gefühls der Ruhelosigkeit oder Aggression wie früher, sondern weil einfach diese Leidenschaft in mir steckt.
Als ich noch sehr viel jünger war, hatte ich dieses Image einer leichtsinnigen, unbekümmerten und rücksichtslosen Person. Das war ich auch. Ich bin von Natur aus impulsiv. Und das hat mir stets eine Menge Ärger eingehandelt. Manche sagen, dass man Gefahren an sich zieht, wenn man unglücklich und nicht in Frieden mit sich selbst ist. Das sehe ich anders. Rockefeller zum Beispiel hatte eine verdammt elende Talsohle zu durchwandern, aber er ließ sich dadurch zu keiner verzweifelten Aktion verleiten. Ich geriet in Schwierigkeiten, weil ich zu impulsiv war und gerne spannende Dinge machte. Aber jetzt bin ich ruhiger geworden. Meine Erfahrungen haben die Lust nach Aufregung in mir demoliert.
Ich bin noch immer sehr verletzlich. Ich bin nicht der allgemeinen Ansicht, „Macho“-Männer seien unsensibel und hartherzig und hätten keine Gefühle. Ich finde diese Auffassung lächerlich. Deine Empfindsamkeit und Sensibilität entwickeln sich auf der Basis deiner Herkunft und Erziehung. Ich erinnere mich, dass Sylvester Stallone einmal in einem Interview sagte, er habe sich jahrelang hinter einem Macho-Image versteckt, um einen Minderwertigkeitskomplex zu überwinden! Nun fehlt es mir zwar nicht an Selbstbewusstsein, aber ich bin ein totaler Gefühlsmensch. Ich halte es nicht für „unmännlich“, wenn ein Mann weint. Warum sollte ein Mann seine Tränen und Emotionen zurückhalten? Ich habe so oft in meinem Leben geweint. Ich habe geweint, als meine Mutter starb. Ich habe an dem Tag geweint, als man mich hinter Gitter schickte. Es gibt Momente, da zerbröselt dein gesamter Machismo und du weinst wie ein Kind.
In meiner frühen Jugend habe ich viele Dinge getan, die ich heute bereue. Zum Beispiel jagen und Vögel schießen. Wie die meisten Kinder faszinierten mich Luftgewehre. Und ich gab damit an, indem ich Vögel schoss. Das war eine vorübergehende Phase. Danach begann die Zeit, in der ich mich ernsthaft für den Tier- und Naturschutz einsetzte. Im Moment bin ich aktiv für ein Projekt zur Rettung der Tiger tätig.
Zum Bodybuilding inspiriert haben mich Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger. Sie sahen so gut aus auf der Leinwand, und ich dachte, dass ich auch so gut aussehen könnte, wenn ich es versuchte. Ich finde es gut, wenn man ein Gesundheitsfreak ist. Das verschafft dir anderen gegenüber einen eindeutigen Vorteil, besonders bei einem Beruf wie dem meinen. Es verbessert nicht nur deine Leinwand-Präsenz, du fühlst dich außerdem sehr gut.
Meine Familie ist das Beste, was mir je passiert ist. Sie ist der Turm meiner Stärke gewesen. Mein Dad und meine Schwestern sind durch dick und dünn zu mir gestanden – durch all die schrecklichen Dinge, die ich durchmachen musste. Sie haben mich unterstützt, ermutigt und an mich geglaubt – immer!
Mein Dad, meine Schwestern und Rhea sehen sich alle meine Filme an. Ist ein Film gut, klopfen sie mir auf die Schulter, wenn nicht – Mann, dann machen sie mir die Hölle heiß. Nach Daud erklärte mir Rhea, das sei der schlimmste Film, den sie je gesehen habe. Und ich sei furchtbar darin! Das hat mir vorübergehend einen Dämpfer versetzt. Aber dann beschloss ich, es beim nächsten Mal besser zu machen. Tja, zu Hause bin ich kein Star. Da brauche ich mit irgendwelchen Zicken gar nicht erst anzufangen!
Als Kind war ich der Liebling meiner Mutter. Sie liebte mich ohne Ende. Mein Vater liebte mich auch, aber er war ein strenger Disziplinmensch. Er hielt die Atmosphäre, in der ich aufwuchs, nicht für gut für mich. Deshalb beschloss er, mich auf ein Internat zu schicken. Ich habe zwölf Jahre dort verbracht, und es war eine gute Erfahrung. Auf einem Internat musst du schon in sehr jungen Jahren Verantwortung für dich selbst übernehmen. Aber es steckt auch eine Gefahr dahinter. Wenn du nach Hause kommst, willst du sämtliche Regeln brechen. Weil du dich in der Schule dran gewöhnt hast, heimlich die Regeln zu brechen. Und wenn du das zu Hause dann nicht kannst, dann flippst du aus.
Rhea wird stets einen besonderen Platz in meinem Leben haben. Neben meiner Familie und meinen engen Freunden war sie die einzige, die an mich glaubte und zu mir stand, als man mich hinter Gitter steckte. Ich sehnte mich verzweifelt nach Liebe und Unterstützung, nach jemandem, der an mich glaubte. Und das alles sah ich in ihr. Sie war immer da, wenn ich einen emotionalen Anker brauchte. Auch in jener schmerzhaften Phase nach meiner Entlassung, als ich wie ein Irrer versuchte, mein Leben wieder in den Griff zu kriegen, war sie extrem verständnisvoll und hilfreich. Sie war meine Stärke. Sie ist stets bei mir und gibt mir dennoch Raum, damit ich ich selbst sein kann. Ich denke, ich bin auch ein sehr guter Ehemann – einer der verständnisvollsten und anpassungsfähigsten der Welt! Rhea wird das bezeugen.
Oberste Priorität für mich hat nun, meine Tochter Trishala zurückzubekommen. Ich vermisse mein Baby sehr. Und auch Rhea. Wie ich würde sie alles tun, um Trishala zurückzuholen. Das ist alles, was ich jetzt in diesem Leben möchte. Sonst habe ich alles. Ein glückliches Zuhause, eine liebevolle Familie und eine anbetungswürdige Frau. Was könnte ich mir mehr wünschen?
Never give in – gib niemals auf!!
In Liebe,
Sanjay Dutt
(Deutsch von Diwali)
Samstag, 16. Februar 2008
Hindustan Times 16.2.2008: Sanjay Dutt über seine Hochzeit
Hindustan Times, 16. Februar 2008
Sanjay Dutt über seine Hochzeit mit Manyata
Er steckt voller Überraschungen. Seine Hochzeit mit Dilnawaz Shaikh, genannt Manyata, machte unlängst Schlagzeilen in den Prime-Time-Nachrichten. Es ist die dritte Ehe des Schauspielers und seine Suche nach dem häuslichen Nirwana. Nun, da sich der Wirbel um seine Hochzeit gelegt hat, beantwortet Sanjay Dutt einige offene Fragen in einem Interview mit Nilufer Qureshi.
NQ: Wieso haben Sie am ersten Valentinstag nach Ihrer Hochzeit keine Pause eingelegt?
Sanjay: Das ging einfach nicht, ich muss jeden Tag arbeiten. Ich habe mir ein paar Tage frei genommen für die Hochzeit. Aber ich kann meine Produzenten nicht warten lassen. Ich muss meine Filmschulden abarbeiten und neue Projekte beginnen.
NQ: Was haben Sie Manyata geschenkt?
Sanjay (lacht): Bindung und Treue fürs Leben.
NQ: Was halten Sie von der Institution Ehe?
Sanjay: Sie gibt mir ein Gefühl der Sesshaftigkeit, zu jemandem zu gehören. (Lacht) Ehe ist wundervoll. Ehrlich, ich habe immer an die Institution Ehe geglaubt. Ich bin 48, ich bin reifer und verantwortungsbewusster geworden. Das Leben kann sehr einsam sein ohne einen Gefährten... einen Partner... eine Ehefrau. Ich wusste vom ersten Augenblick an, dass Manyata die Richtige für mich ist. Ich denke, jeder Mann sollte in dem Moment heiraten, wo er das Gefühl hat, die richtige Partnerin gefunden zu haben.
NQ: Würden Sie sagen, dass Sie verliebt sind?
Sanjay: Ja, ich bin verliebt... ohne jeden Zweifel. Wie können Sie das überhaupt fragen? Für mich ist Liebe nicht länger eine Sache von Blumen und Pralinen. Ich bin kein Teenager, der die erste Liebe erlebt. Liebe hat für mich heute eine andere Bedeutung. Ich möchte, dass meine Frau meine Launen und mein Schweigen versteht. Allein die Tatsache, dass sie für mich da ist, ist mehr als genug. Manyata hat weder versucht, mich zu verändern, noch verlangt sie besondere Aufmerksamkeit. Sie ist still und sehr hilfreich. Sie stand wie ein Felsen zu mir in meinen schwierigen Tagen.
NQ: Hat die Hochzeit ihre Beziehung zu Manyata irgendwie verändert?
Sanjay: Nein. Warum sollte sie? Aber ja, ich bin jetzt viel entspannter und mehr in Frieden mit mir selbst. Im Grunde bin ich sowieso nicht der Partytyp, der jeden Abend ausgehen muss. Ich hänge lieber mit meinen Freunden zu Hause rum. Manyata ist wie ich, auch sie liebt es, zu Hause zu sein. Wir haben die gleichen Interessen. Nach einem harten Arbeitstag ist es ein großartiges Gefühl, zu deiner Frau nach Hause zu kommen.
NQ: Warum haben Sie Ihre Schwestern nicht zu der Hochzeit eingeladen?
Sanjay: Ich hatte sie eingeladen. Aber jetzt ist alles zwischen uns ausgeräumt und alles ist okay. Ich habe immer gesagt, dass meine Schwestern die Welt für mich bedeuten, und so wird es auch immer sein. Ich weiß, dass sie immer für mich da sein werden, und sie wissen, dass ich für sie da sein werde. Wir haben einander immer die Hand gehalten, durch jede Krise hindurch.
NQ: Haben Sie mit Ihrer Tochter Trishala in New York gesprochen nach der Hochzeit?
Sanjay: Ja, habe ich. Es geht ihr gut. Sie war immer damit einverstanden, dass ich wieder heirate, deshalb weiß ich nicht, warum die Medien den Eindruck erwecken wollen, sie sei bestürzt. Welche Tochter wünscht sich nicht, dass ihr Dad glücklich ist?
NQ: Ist es wahr, dass Manyata schwanger ist?
Sanjay (lacht): Ich habe verschiedene Berichte gelesen, dass sie ein Kind erwartet. Ich kann nur sagen, dass die Medien in diesem Punkt mehr wissen als wir. Glauben Sie mir, an diesem Gerücht ist nichts wahr.
NQ: Möchten Sie denn Kinder haben?
Sanjay: Immer mit der Ruhe – wir sind jetzt gerade mal drei, vier Tage verheiratet. Im Moment nehmen wir beide jeden Tag, wie er kommt. Der Rest liegt in Gottes Hand.
NQ: Wie läuft es mit Ihrem Filmproduktionshaus?
Sanjay: Sanjay Dutt Productions wird Anfang nächsten Jahres loslegen. Im Moment bin ich dabei, die Filme zu planen, die das Banner produzieren wird. Ich möchte Filme machen, an die ich glaube. Ich möchte für meine Art von Filmen nicht von anderen Produzenten abhängig sein. Ich habe bereits ein paar Regisseure unter Vertrag genommen. Einige Projekte sind bereits verabschiedet, lediglich das Casting steht noch aus.
NQ: Werden Sie in den Filmen spielen, die Sie produzieren?
Sanjay: Nicht in allen. In manchen Projekten werde ich nicht gebraucht. Ich mache keine Filme, um mir selber einen Neustart als Schauspieler zu verschaffen.
NQ: Offenbar haben Sie derzeit für 27 Filme zugesagt?
Sanjay (grinst): Unsinn. Ich weiß, welche Filme ich mache. Und 27 sind es ganz bestimmt nicht. Überhaupt, was gilt es, wie viele Filme ich mache? Die Quantität war niemals von Bedeutung. Es gab auch Zeiten, wo ich zu Hause saß und gar nichts machte. Ich will mich gut fühlen bei der Arbeit.
NQ: Welches ist das seltsamste Gerücht, das Sie in den letzten paar Tagen gehört haben?
Sanjay: Dass meine Hochzeit mit Manyata nicht legal sei. Kann mir jemand das bitte erklären? Wir haben in einer ordentlichen Zeremonie geheiratet. Wir haben das vor niemandem verborgen gehalten. Die Medien haben Fotos davon, wir haben darüber gesprochen. Wo also liegt das Problem?
NQ: Glauben Sie noch immer an Ihre Freunde?
Sanjay: Ja, ich weiß genau, wer meine Freunde sind und wer zu mir stehen wird. Oft lasse ich mich von meinen Gefühlen übermannen, aber das ist okay. Im Gegensatz zur allgemeinen Medienansicht bin ich ganz Herz. Ich mag Nerven aus Stahl haben, aber mein Herz ist am rechten Fleck. Auch wenn’s weh tut, ich zeige meine Tränen nicht. Ich bin oft getäuscht und verladen worden, aber chalo... jaane do, ich will deswegen nicht verbittert sein. Ich habe lediglich aufgehört, gewissen Leuten zu trauen.
(Nilufer Qureshi; Deutsch von Diwali)
Sanjay Dutt über seine Hochzeit mit Manyata
Er steckt voller Überraschungen. Seine Hochzeit mit Dilnawaz Shaikh, genannt Manyata, machte unlängst Schlagzeilen in den Prime-Time-Nachrichten. Es ist die dritte Ehe des Schauspielers und seine Suche nach dem häuslichen Nirwana. Nun, da sich der Wirbel um seine Hochzeit gelegt hat, beantwortet Sanjay Dutt einige offene Fragen in einem Interview mit Nilufer Qureshi.
NQ: Wieso haben Sie am ersten Valentinstag nach Ihrer Hochzeit keine Pause eingelegt?
Sanjay: Das ging einfach nicht, ich muss jeden Tag arbeiten. Ich habe mir ein paar Tage frei genommen für die Hochzeit. Aber ich kann meine Produzenten nicht warten lassen. Ich muss meine Filmschulden abarbeiten und neue Projekte beginnen.
NQ: Was haben Sie Manyata geschenkt?
Sanjay (lacht): Bindung und Treue fürs Leben.
NQ: Was halten Sie von der Institution Ehe?
Sanjay: Sie gibt mir ein Gefühl der Sesshaftigkeit, zu jemandem zu gehören. (Lacht) Ehe ist wundervoll. Ehrlich, ich habe immer an die Institution Ehe geglaubt. Ich bin 48, ich bin reifer und verantwortungsbewusster geworden. Das Leben kann sehr einsam sein ohne einen Gefährten... einen Partner... eine Ehefrau. Ich wusste vom ersten Augenblick an, dass Manyata die Richtige für mich ist. Ich denke, jeder Mann sollte in dem Moment heiraten, wo er das Gefühl hat, die richtige Partnerin gefunden zu haben.
NQ: Würden Sie sagen, dass Sie verliebt sind?
Sanjay: Ja, ich bin verliebt... ohne jeden Zweifel. Wie können Sie das überhaupt fragen? Für mich ist Liebe nicht länger eine Sache von Blumen und Pralinen. Ich bin kein Teenager, der die erste Liebe erlebt. Liebe hat für mich heute eine andere Bedeutung. Ich möchte, dass meine Frau meine Launen und mein Schweigen versteht. Allein die Tatsache, dass sie für mich da ist, ist mehr als genug. Manyata hat weder versucht, mich zu verändern, noch verlangt sie besondere Aufmerksamkeit. Sie ist still und sehr hilfreich. Sie stand wie ein Felsen zu mir in meinen schwierigen Tagen.
NQ: Hat die Hochzeit ihre Beziehung zu Manyata irgendwie verändert?
Sanjay: Nein. Warum sollte sie? Aber ja, ich bin jetzt viel entspannter und mehr in Frieden mit mir selbst. Im Grunde bin ich sowieso nicht der Partytyp, der jeden Abend ausgehen muss. Ich hänge lieber mit meinen Freunden zu Hause rum. Manyata ist wie ich, auch sie liebt es, zu Hause zu sein. Wir haben die gleichen Interessen. Nach einem harten Arbeitstag ist es ein großartiges Gefühl, zu deiner Frau nach Hause zu kommen.
NQ: Warum haben Sie Ihre Schwestern nicht zu der Hochzeit eingeladen?
Sanjay: Ich hatte sie eingeladen. Aber jetzt ist alles zwischen uns ausgeräumt und alles ist okay. Ich habe immer gesagt, dass meine Schwestern die Welt für mich bedeuten, und so wird es auch immer sein. Ich weiß, dass sie immer für mich da sein werden, und sie wissen, dass ich für sie da sein werde. Wir haben einander immer die Hand gehalten, durch jede Krise hindurch.
NQ: Haben Sie mit Ihrer Tochter Trishala in New York gesprochen nach der Hochzeit?
Sanjay: Ja, habe ich. Es geht ihr gut. Sie war immer damit einverstanden, dass ich wieder heirate, deshalb weiß ich nicht, warum die Medien den Eindruck erwecken wollen, sie sei bestürzt. Welche Tochter wünscht sich nicht, dass ihr Dad glücklich ist?
NQ: Ist es wahr, dass Manyata schwanger ist?
Sanjay (lacht): Ich habe verschiedene Berichte gelesen, dass sie ein Kind erwartet. Ich kann nur sagen, dass die Medien in diesem Punkt mehr wissen als wir. Glauben Sie mir, an diesem Gerücht ist nichts wahr.
NQ: Möchten Sie denn Kinder haben?
Sanjay: Immer mit der Ruhe – wir sind jetzt gerade mal drei, vier Tage verheiratet. Im Moment nehmen wir beide jeden Tag, wie er kommt. Der Rest liegt in Gottes Hand.
NQ: Wie läuft es mit Ihrem Filmproduktionshaus?
Sanjay: Sanjay Dutt Productions wird Anfang nächsten Jahres loslegen. Im Moment bin ich dabei, die Filme zu planen, die das Banner produzieren wird. Ich möchte Filme machen, an die ich glaube. Ich möchte für meine Art von Filmen nicht von anderen Produzenten abhängig sein. Ich habe bereits ein paar Regisseure unter Vertrag genommen. Einige Projekte sind bereits verabschiedet, lediglich das Casting steht noch aus.
NQ: Werden Sie in den Filmen spielen, die Sie produzieren?
Sanjay: Nicht in allen. In manchen Projekten werde ich nicht gebraucht. Ich mache keine Filme, um mir selber einen Neustart als Schauspieler zu verschaffen.
NQ: Offenbar haben Sie derzeit für 27 Filme zugesagt?
Sanjay (grinst): Unsinn. Ich weiß, welche Filme ich mache. Und 27 sind es ganz bestimmt nicht. Überhaupt, was gilt es, wie viele Filme ich mache? Die Quantität war niemals von Bedeutung. Es gab auch Zeiten, wo ich zu Hause saß und gar nichts machte. Ich will mich gut fühlen bei der Arbeit.
NQ: Welches ist das seltsamste Gerücht, das Sie in den letzten paar Tagen gehört haben?
Sanjay: Dass meine Hochzeit mit Manyata nicht legal sei. Kann mir jemand das bitte erklären? Wir haben in einer ordentlichen Zeremonie geheiratet. Wir haben das vor niemandem verborgen gehalten. Die Medien haben Fotos davon, wir haben darüber gesprochen. Wo also liegt das Problem?
NQ: Glauben Sie noch immer an Ihre Freunde?
Sanjay: Ja, ich weiß genau, wer meine Freunde sind und wer zu mir stehen wird. Oft lasse ich mich von meinen Gefühlen übermannen, aber das ist okay. Im Gegensatz zur allgemeinen Medienansicht bin ich ganz Herz. Ich mag Nerven aus Stahl haben, aber mein Herz ist am rechten Fleck. Auch wenn’s weh tut, ich zeige meine Tränen nicht. Ich bin oft getäuscht und verladen worden, aber chalo... jaane do, ich will deswegen nicht verbittert sein. Ich habe lediglich aufgehört, gewissen Leuten zu trauen.
(Nilufer Qureshi; Deutsch von Diwali)
Mittwoch, 23. Januar 2008
Savvy 9/2007: Trishala Dutt - I Believe
Savvy, September 2007
Trishala Dutt: I believe – Ich glaube
Ich bin Trishala Dutt, die Tochter von Richa Sharma und Sanjay Dutt. Ehrlich gesagt war ich sehr nervös vor diesem Interview, noch dazu gerade jetzt, da mein Dad vor so vielen Problemen steht. Aber ich möchte diese Plattform nutzen, um mein Herz sprechen zu lassen. Ich, sein einziges Kind, vermisse und brauche meinen Vater... jetzt mehr als je zuvor! Fern von ihm in den USA fühle ich mich sehr hilflos, weil ich wirklich nicht viel für ihn tun kann. Deshalb möchte ich ihm auf diesem Wege sagen: Dad, was auch immer geschieht, ich stehe zu dir.
Natürlich bin ich sehr glücklich darüber, dass Dad nun Interimskaution bekommen hat. Aber mir ist klar, dass das Ganze noch nicht vorüber ist und der Kampf weitergeht. Aber für jetzt ist es ein wohltuender Aufschub. Wir alle haben intensiv für ihn gebetet – Fakt ist, ich war den ganzen Tag über im Tempel, bevor ihm die Interimskaution bewilligt wurde. Ich denke, jetzt werde auch ich ein wenig Schlaf finden, denn auch ich hatte schlaflose Nächte. Aber jetzt, wo Dad draußen ist, kann ich nur sagen: das war es wert.
Ich bin 19 Jahre alt und Löwe, mein Geburtstag ist der 10. August. Ich habe meine gesamte Kindheit in Queens, New York verbracht. Übrigens war auch meine Mutter Richa Schauspielerin und spielte in mehreren Hindi-Filmen mit. Leider wurde sie sehr krank, als ich noch ganz klein war. Aber sie war eine starke Frau, und trotz ihrer schweren Krankheit hat sie sehr gut für mich gesorgt.
Ich frage mich oft, warum Gott mir meine Mutter wegnehmen musste, denn es ist ganz schön schwer, ohne Mutter aufzuwachsen. Meine Mutter nannte mich immer ihre „baby doll“, und in eines unserer Fotoalben schieb sie mir eine Botschaft, wie sehr sie mich liebe und dass ich die ganze Welt für sie bedeute. Diese Botschaft werde ich stets wie einen Schatz hüten, und ich werde ihre Gegenwart in meinem Leben immer vermissen. Aber ich hatte dennoch eine schöne Kindheit und Jugend, weil hinter mir eine fantastische Familie steht.
Meine Großeltern, die Eltern meiner Mom, sind bewundernswert. Sie sagen mir immer, dass sie in mir meine Mutter sehen können, und das zu hören macht mich sehr stolz. Sie und meine Tanten, Abha und Enna, die Schwestern meiner Mutter, haben mir jeden Wunsch erfüllt und mir unendlich viel Liebe geschenkt. Sie haben mir alles gegeben, worum ich je hätte bitten können, und mir so viel geholfen in meinem Leben. Ich bin ihnen sehr dankbar, jeder Augenblick mit ihnen ist für mich etwas Besonderes. Ich habe keine Ahnung, was ich ohne sie tun würde.
Ich stehe meinen beiden Tanten sehr nahe und betrachte sie beide als meine Mütter. Meine Tante Abha lebt im Norden des Staates New York und hat zwei Töchter, Monisha und Natasha, die mir sehr nahestehen, während meine Tante Enna mit mir zusammenlebt; und von all meinen Angehörigen mütterlicherseits stehe ich ihr am nächsten. Sie ist mein Unterstützungssystem, und ich verehre sie absolut! Ich habe keine Ahnung, wie ich mein Leben ohne sie leben würde. Sie ist streng, wo es nötig ist, aber auch sehr beschützerisch mir gegenüber. Enna hat eine Menge für mich geopfert, und ich bin ihr sehr dankbar dafür. Sie und mein Dad haben mich hoffnungslos verwöhnt.
Ich hatte während meiner Kindheit keine Möglichkeit, meinem Dad nahe zu sein, aus verschiedenen Gründen – von der Krankheit meiner Mutter bis zum Gerichtsverfahren meiner Vaters... Und ich weiß noch, wie sehr ich mich damals immer nach Dad sehnte! Meine frühesten Erinnerungen an ihn sind sehr lebendig und klar. Ich erinnere mich, wie Dad einmal nach New York kam und wir alle (meine Großeltern, Dad und meine Tante) zum Essen ausgingen. Nach dem Essen musste Dad uns verlassen, weil er seinen Flug erreichen musste. Ich weiß noch, dass ich weinte und ihn bat, mich nicht zu verlassen. Und da sagte er etwas, das ich nie vergessen werde: ‚Wann immer du mich vermisst und traurig bist, dann schließ deine Augen, und ich werde bei dir sein.’ Noch heute übermannen mich meine Gefühle, wenn ich daran denke.
Ich bin auch sehr stolz darauf, ein Teil der Dutt-Familie zu sein. Mein Großvater, mein dadaji (der verstorbene Sunil Dutt), war ein fabelhafter Mensch und absolut vernarrt in mich. Und jedes Mal, wenn er nach New York kam, war ich die erste, die er anrief. Er lud mich in die besten Restaurants der Stadt ein. Und als er vor zwei Jahren verstarb, war das ein Riesenschock für die gesamte Familie, besonders für mich. Er war meine Sicherheit, und als er starb, kam es mir so vor, als sei ein Teil von mir gestorben. Dennoch danke ich Gott, dass ich das Glück hatte, meinen dadaji zu kennen, und ihm so nahestehen durfte. Ich wünschte, ich hätte auch meine Großmutter (Nargis) kennenlernen können, die so traumhaft schön war und solch ein wundervolles Lächeln hatte. Ich liebe ihre Filme und sehe sie mir ständig an, auch heute noch.
Manchmal, wenn ich in philosophischer Stimmung bin, rede ich mir ein, dass mein dadaji, meine dadi und meine Mutter auf eine lange Reise gegangen sind und es nur eine Frage der Zeit ist, bis wir uns wiedersehen.
Aber dennoch fühle ich mich sehr gesegnet durch diese wunderbare Familie und die Freunde in meinem Leben. Auch mit meinen anderen Tanten (den Schwestern meines Dads, Priya und Namrata Dutt), habe ich viel Spaß, und besonders nahe stehe ich meinen beiden Cousinen Sacchi und Siya (den Töchtern von Namrata und Kumar Gaurav). Sie sind mehr als meine Cousinen – sie sind meine Schwestern! Niemand kann sich vorstellen, wie viel wir immer lachen, wenn wir zusammen sind. In Indien bin ich außerdem sehr befreundet mit Ranbir und Riddhima Kapoor (den Kindern von Rishi Kapoor), weil Ranbir in den USA studiert hat und meine Tante Enna ihn in dieser Zeit betreut hat. Hier herüben zählt meine Klassenkameradin Farah zu meinen engsten Freunden.
Von Kindheit an hat meine Familie stets darauf bestanden, dass ich vor allem ein guter Mensch werde. Natürlich, da ich die Schauspielerei im Blut habe, wollte ich schauspielen, seit ich sechs war. Auch habe ich leidenschaftlich gerne getanzt, und als ich noch klein war, habe ich aufs Geratewohl Musik eingeschaltet und dazu getanzt. Meine Großeltern haben mich dabei oft gefilmt. Vor kurzem habe ich einige dieser Bänder gefunden und angefangen, sie anzuschauen. Ich konnte gar nicht glauben, dass die kleine Tänzerin auf den Videos ich sein sollte! Ich war bestimmt keine großartige Tänzerin, aber ich finde, ich sah richtig niedlich aus!
Meine Mutter wollte, dass ich auf eine Privatschule gehe, weil sie dachte, dass man dort eine bessere Bildung vermittelt bekommt. Aber glauben Sie mir, ich empfehle niemandem, eine Privatschule zu besuchen. Ich bin durch die Hölle gegangen mit den Lehrern und den anderen Schülern. Ehrlich, ich hätte nie gedacht, dass Kinder so gemein sein können. Und die Lehrer an der Privatschule waren nicht gerade freundlich zu den kleinen Kindern.
Als ich fühlte, dass ich das nicht länger ertragen würde, sprach ich mit meiner Mom und meinen Großeltern darüber, und sie ließen mich umgehend auf eine öffentliche Schule wechseln, die Benjamin N Cardozo High School. Die eingeschränkte Privatschulen-Atmosphäre zu verlassen bedeutete absolute Freiheit für mich. Mein Selbstvertrauen kletterte gleich um einige Sprossen in die Höhe, und ich wurde sehr beliebt in meiner Schule. Ich genoss meine Schulzeit, und als ich im Juni 2006 meinen Abschluss machte, wurde mir klar, dass ich diese Zeit wirklich vermissen würde.
Danach beschloss ich, mir ein rechtswissenschaftliches Diplom am John Jay College Of Criminal Justice in New York City zu erwerben. Ich möchte mich mit einem rechtswissenschaftlichen Diplom bewaffnen, sowohl für meinen Dad als auch für mich selbst. Dad ist sehr stolz darauf, dass ich ein juristisches Studium absolviere. Er hat mir einmal gesagt, dass Bildung sehr wichtig ist und dass ich stets alles beenden solle, was ich beginne. Und genau das werde ich tun.
Bis jetzt ist das Leben im College großartig. Ich habe eine Menge Freunde, und ich habe das Gefühl, dass ich hier in den USA ganz ich selbst sein kann – ich brauche keine Angst zu haben, dass jemand mich erkennt und anderen bis ins kleinste Detail erzählt, wer ich bin, was ich anhabe, ob ich nett oder eingebildet bin etc. Ich kann aufs College gehen, hart arbeiten und habe dennoch meine Ruhe.
Ansonsten bin ich ein typischer Teenager und genieße die ganz normalen Dinge wie Ausgehen und Relaxen mit meinen Freunden. In den USA aufzuwachsen ist richtig cool. Du wirst nicht barsch oder unfreundlich beurteilt, und ich glaube, ich mag das. Natürlich habe ich Einschränkungen – sobald das Semester beginnt, darf ich nur einmal pro Woche mit meinen Freunden ausgehen. Ich habe auch um 23 Uhr wieder zu Hause zu sein, und manchmal, wenn ich ganz lieb bitte und vorher brav war, kann ich bei meinen Leuten noch eine halbe Stunde mehr herausschlagen. Aber ich versuche ja noch immer, mit meiner Familie zu verhandeln. Manchmal meine ich im Scherz, dass für jedes Jahr, das ich älter werde, mein Zapfenstreich um eine Stunde verlängert werden sollte. Noch habe ich darauf keine Antwort bekommen, aber ich bleibe dran!
Aber Spaß beiseite, dank meiner Erziehung habe ich heute keine Hemmungen, meine Meinung zu sagen und den Leuten exakt zu vermitteln, was ich fühle, egal ob gut oder schlecht. Ich habe eine gewisse Reserviertheit in mir, aber die zeige ich nur, wenn es nötig ist. Ansonsten könnten Sie jemand mir vollkommen Fremdes sein, aber wenn Sie mich anlächeln und ‚hi’ sagen, dann lächle ich zurück und sage ebenfalls ‚hi’.
Ich nehme mein rechtwissenschaftliches Diplom sehr ernst, und es macht mir Spaß, dieses Fach zu lernen. Natürlich bedeutet es auch eine Menge harter Arbeit, aber das ist es definitiv wert. Ehrlich gesagt, wenn ich die Möglichkeit hätte, nur für einen Augenblick, dann würde ich als Anwältin für meinen Vater kämpfen. Mein Mundwerk würde keinen Moment mehr stillstehen, bis ich mein Anliegen zu Gehör gebracht und mein Ziel erreicht hätte. Und ich würde weiterkämpfen, bis ich die Antwort höre, die meine Ohren hören wollen. Ich würde nichts anderes tolerieren! Man könnte sagen, dass ich auch ein Kämpfer bin, der keine Angst davor hat, zu sagen, was richtig ist. Wenn ich das Gefühl habe, dass etwas getan werden kann, dann werde ich nicht schlafen, bis es getan ist. Und wenn ich in meinem Herzen weiß, dass nichts getan werden kann, dann habe ich wenigstens die Befriedigung in mir, dass ich es versucht und mein Bestes getan habe, um meinem Vater Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.
Dad ist so viele Jahre lang immer wieder durch die Hölle gegangen. Als er das erste Mal ins Gefängnis kam, war ich noch so jung, dass ich erst viel später verstand, was da vor sich ging. Mit den Jahren wurde mir bewusst, was er durchgemacht und wie viel er gelitten hat. Seine Verurteilung zu einer Haftstrafe hat mir wahnsinnig wehgetan, und ich fühle mich emotional und physisch völlig ausgelaugt. Ich kann mir nur vorstellen, wie schlimm das Ganze für Dad sein muss.
Aber Dad ist ein Kämpfer, und was immer auch geschieht, er wird stets als Sieger daraus hervorgehen. Heute habe ich begriffen, wie tapfer er wirklich ist. An seiner Stelle wäre ich längst verrückt geworden bei all dem, was passiert ist. Aber er blieb aufrecht und stark. Ganz ehrlich, er ist nicht nur mein Vater, er ist mein Held.
Vor kurzem hat man mir Fragen über Dads persönliches Leben gestellt. Ich hatte geantwortet, dass ich die einzige Frau im Leben meines Vaters sein möchte. Aber das habe ich in KEINER Weise so gemeint, dass ich ihm gegenüber besitzergreifend bin! Er ist mein Vater, aber er hat das Recht zu tun, was immer er will. Ich kann sagen, was ich fühle; aber am Ende ist es immer seine Entscheidung, mit wem er zusammen sein will, und genau so soll es doch auch sein!
Aber ich weiß, dass meine Meinung ihm viel bedeutet, und ich bin sicher, dass niemand sich jemals zwischen uns drängen wird. Da ich während meiner Kindheit nur wenig Zeit mit ihm verbringen konnte, möchte ich nicht, dass jemand ‚unsere gemeinsame Zeit’ jetzt reduziert. Ich möchte die Möglichkeit haben, diese verlorenen Jahre nachzuholen. Alles, was ich sagen will, ist: Meine Beziehung mit Dad ist perfekt.
Es ist schade, dass die Medien manchmal Dinge aus dem Kontext lösen und eine unbedeutende Sache zu einer Schlagzeile aufblasen können. Vor kurzem wurde ein Interview mit mir veröffentlicht, und ich war schockiert über die Überschrift ‚Ich möchte mit Salman Khan spielen’. Es war so unangemessen, daraus die Schlagzeile zu machen, besonders zu einer Zeit, als gerade das Gerichtsurteil über meinen Vater gefällt wurde. Außerdem hatten sich mich gefragt: ‚Mit wem würden Sie gerne spielen, wenn Sie Schauspielerin wären?’ Ich hatte geantwortet, dass meine erste Wahl mein Vater wäre, und danach kämen Salman Khan und Abhishek Bachchan. Aber statt nun als Schlagzeile ‚Ich möchte mit meinem Vater spielen’ zu schreiben, fabrizierten sie diese andere, die mich sehr verletzt hat. Ich habe meine Lektion gelernt, und glauben Sie mir, diese Dinge vergesse ich nicht... und auch die Leute, die mich interviewt haben, vergesse ich nicht. Ich merke mir alles!
Ich höre ständig so viel Unsinn, dass ich mich nur um meine Karriere und um mich selbst kümmere. Aber solange mein Dad und ich die Wahrheit wissen, spielt alles andere keine Rolle. Und um die Dinge jetzt mal richtigzustellen: Mein Dad hat nie Nein gesagt, was mich und Bollywood betrifft. Ja, ich weiß, es wäre ihm nicht recht. Aber er hat eine Schwäche für mich, daher denke ich, mit der Zeit würde es schon okay für ihn sein. Aber bevor ich irgendetwas in dieser Richtung unternehme, will ich mein rechtswissenschaftliches Diplom erwerben. Vielleicht in drei Jahren oder so, wenn ich das Diplom habe, vielleicht komme ich dann nach Mumbai und gehe zum Film. Meine Optionen sind offen.
Ich kann wirklich nicht genau sagen, welche Art von Rollen ich gerne spielen würde, aber ich denke, ich würde gerne herausfordernde Rollen übernehmen, bei denen ich meine schauspielerischen Fähigkeiten herausstellen kann. Ich würde liebend gerne einen Vater-Tochter-Film mit meinem Dad machen. Ich glaube, die Emotionen, die dabei rauskommen würden, würden stark sein, zumal da uns bereits ein so starkes emotionales Band verbindet...
Ich hatte auch schon ein paar Angebote aus Hollywood, aber ich musste sie ablehnen wegen meines Colleges. Mein Stundenplan ist sehr heftig, und ich möchte in keiner meiner Klassen zurückbleiben. Abgesehen davon würde ich als Schauspielerin nicht so starten wollen wie damals mein Vater – absolut unvorbereitet. Einfach weil du heute einige schauspielerische Grundkenntnisse brauchst, das macht dich viel geschickter und bereitet dich besser auf deine Rolle vor. Ich habe mich in befristeten Schauspielkursen versucht, wie denen am Lee Strasberg Theater and Film Institute in New York, die ich jeden Sommer besuche. In diesem Sommer habe ich den Kurs jedoch ausfallen lassen, ich stand zu sehr unter Spannung wegen des Verfahrens meines Vaters.
Mein Dad ist ein phantastischer Schauspieler. Als ich noch ein Kind war, wusste ich nicht, was für eine Berühmtheit mein Vater war! Inzwischen weiß ich, was für ein grandioser Schauspieler mein Dad ist, und habe viele seiner Filme gesehen. Mein Lieblingsfilm von ihm ist Vaastav, weil seine Rolle darin so einzigartig ist und das Ende so emotional und stark. Jedesmal, wenn ich ihn sehe, werde ich einfach nur schwach. Auch Munnabhai MBBS und Lage Raho Munnabhai sind großartig, und ich habe sie schon so oft angeschaut – ich glaube nicht, dass ich bei einem anderen Film jemals so viel gelacht habe! Ich bin so stolz darauf, dass Sanjay Dutt mein Vater ist. Allein schon ihn ‚Dad’ zu nennen zaubert ein Lächeln auf mein Gesicht.
Mein Vater verdient es, ein freier Mann zu sein. Er hat genug gelitten! Er hat sich so sehr verändert in all den vergangenen Jahren. Ich habe meine Mutter verloren, und nun lebe ich in ständiger Angst, dass man mir meinen Dad wegnimmt.
Aber ich werde tapfer sein, wie er es mir aufgetragen hat. Und ich weiß, dass alles gut werden wird! Mein Vater verdient seine Freiheit, und ganz ehrlich, alles, was ich heute sagen will, ist, dass ich ihn einfach nur glücklich, gesund und frei sehen möchte... Das ist alles, was ich mir wünsche!
Und Dad möchte ich nur eines sagen: Dad, ich bin immer bei dir und ich liebe dich. Du bist so ein tapferer Mensch, und ich hoffe, dass ich eines Tages genau so tapfer sein kann wie du. Ich habe Vertrauen zu Gott, und ich weiß, dass alles gut werden wird. Es vergeht kein Tag, an dem ich dich nicht vermisse. Ich liebe dich wirklich sehr und habe volles Vertrauen, dass du am Ende der Sieger sein wirst!
(Trishala Dutt; Deutsch von Diwali)
(Vorwort:) Trish Chic
Mein erstes Gespräch mit Trishala Dutt, der 19-jährigen Tochter des Schauspielers Sanjay Dutt, fand an dem Tag statt, an dem Sanjay Dutt vom Gericht zu sechs Jahren Haft verurteilt wurde. Es bedarf wohl keiner Erwähnung, dass sie bestürzt und aufgelöst war. Besorgt um ihren Dad, hilflos und verletzt, weil sie nicht viel tun konnte, und schockiert. Schockiert darüber, wie sehr ausgerechnet an diesem Tag ihre Bemerkungen von den Medien verdreht worden waren („ich möchte die einzige Frau im Leben meines Vaters sein“, „ich möchte mit Salman Khan spielen“). Damals sagte sie zu mir: „Ich bin im Moment nicht dazu bereit, irgendetwas zu tun. All das hat mir sehr wehgetan, ich möchte jetzt einfach alleingelassen werden.“
Aber wir blieben in Kontakt, und schließlich entschloss sich Trishala, die Cover Story des Savvy „I believe – Ich glaube“ zu machen, um darin ihre Gefühle, Ansichten und Meinungen zum Ausdruck zu bringen. Und, am wichtigsten, ihre Liebe und Unterstützung für ihren Dad.
Doch als wir das Interview schließlich gemacht hatten, merkten wir, dass wir ein Problem mit den Bildern hatten, die sie uns geschickt hatte – in Bezug auf deren Größe und Schärfe.
Als unsere Herausgeberin daraufhin bei ihren Kontakten in den USA anklopfte, wurden wir geradezu bombardiert von Angeboten in New York ansässiger Fotografen, die alle bereit waren, umgehend Bilder zu machen und zu liefern. Schließlich entschieden wir uns für Michael Nagle, einen Fotografen, der die Kreativität gepachtet hat.
Den Fototermin zu organisieren war dann noch einmal eine ganz andere Sache. Nachdem wir in Sachen USA-Indien-Timing zunächst eher wechselnden Erfolg hatten – wir haben einander zu absolut unchristlichen Zeiten aufgeweckt –, haben wir es dann schließlich doch noch geschafft, den Fototermin über die Bühne zu bringen.
Trishala war bei alldem immer ruhig und höflich. Aber als wir über ihren Dad sprachen, schwang eiserne Entschlusskraft in ihrer Stimme mit: „Ich werde jederzeit für meinen Dad kämpfen und ihn unterstützen.“
Der vielleicht ergreifendste Moment kam, als Sanjay Dutt Interimskaution erhielt und aus dem Yerawada-Gefängnis entlassen wurde; Trishala war fast den ganzen Tag über nicht zu erreichen – sie war im Tempel und betete für ihren Vater. „Ich bin überglücklich“, sagte sie, nachdem Sanjay freigelassen worden war. „Mein Dad ist ein Sieger!“
Also, Trishala, wir finden, dass auch du ein Sieger bist!
(Sumita Chakraborty, die auch das Gespräch mit Trishala Dutt geführt hat; Deutsch von Diwali)
Trishala Dutt: I believe – Ich glaube
Ich bin Trishala Dutt, die Tochter von Richa Sharma und Sanjay Dutt. Ehrlich gesagt war ich sehr nervös vor diesem Interview, noch dazu gerade jetzt, da mein Dad vor so vielen Problemen steht. Aber ich möchte diese Plattform nutzen, um mein Herz sprechen zu lassen. Ich, sein einziges Kind, vermisse und brauche meinen Vater... jetzt mehr als je zuvor! Fern von ihm in den USA fühle ich mich sehr hilflos, weil ich wirklich nicht viel für ihn tun kann. Deshalb möchte ich ihm auf diesem Wege sagen: Dad, was auch immer geschieht, ich stehe zu dir.
Natürlich bin ich sehr glücklich darüber, dass Dad nun Interimskaution bekommen hat. Aber mir ist klar, dass das Ganze noch nicht vorüber ist und der Kampf weitergeht. Aber für jetzt ist es ein wohltuender Aufschub. Wir alle haben intensiv für ihn gebetet – Fakt ist, ich war den ganzen Tag über im Tempel, bevor ihm die Interimskaution bewilligt wurde. Ich denke, jetzt werde auch ich ein wenig Schlaf finden, denn auch ich hatte schlaflose Nächte. Aber jetzt, wo Dad draußen ist, kann ich nur sagen: das war es wert.
Ich bin 19 Jahre alt und Löwe, mein Geburtstag ist der 10. August. Ich habe meine gesamte Kindheit in Queens, New York verbracht. Übrigens war auch meine Mutter Richa Schauspielerin und spielte in mehreren Hindi-Filmen mit. Leider wurde sie sehr krank, als ich noch ganz klein war. Aber sie war eine starke Frau, und trotz ihrer schweren Krankheit hat sie sehr gut für mich gesorgt.
Ich frage mich oft, warum Gott mir meine Mutter wegnehmen musste, denn es ist ganz schön schwer, ohne Mutter aufzuwachsen. Meine Mutter nannte mich immer ihre „baby doll“, und in eines unserer Fotoalben schieb sie mir eine Botschaft, wie sehr sie mich liebe und dass ich die ganze Welt für sie bedeute. Diese Botschaft werde ich stets wie einen Schatz hüten, und ich werde ihre Gegenwart in meinem Leben immer vermissen. Aber ich hatte dennoch eine schöne Kindheit und Jugend, weil hinter mir eine fantastische Familie steht.
Meine Großeltern, die Eltern meiner Mom, sind bewundernswert. Sie sagen mir immer, dass sie in mir meine Mutter sehen können, und das zu hören macht mich sehr stolz. Sie und meine Tanten, Abha und Enna, die Schwestern meiner Mutter, haben mir jeden Wunsch erfüllt und mir unendlich viel Liebe geschenkt. Sie haben mir alles gegeben, worum ich je hätte bitten können, und mir so viel geholfen in meinem Leben. Ich bin ihnen sehr dankbar, jeder Augenblick mit ihnen ist für mich etwas Besonderes. Ich habe keine Ahnung, was ich ohne sie tun würde.
Ich stehe meinen beiden Tanten sehr nahe und betrachte sie beide als meine Mütter. Meine Tante Abha lebt im Norden des Staates New York und hat zwei Töchter, Monisha und Natasha, die mir sehr nahestehen, während meine Tante Enna mit mir zusammenlebt; und von all meinen Angehörigen mütterlicherseits stehe ich ihr am nächsten. Sie ist mein Unterstützungssystem, und ich verehre sie absolut! Ich habe keine Ahnung, wie ich mein Leben ohne sie leben würde. Sie ist streng, wo es nötig ist, aber auch sehr beschützerisch mir gegenüber. Enna hat eine Menge für mich geopfert, und ich bin ihr sehr dankbar dafür. Sie und mein Dad haben mich hoffnungslos verwöhnt.
Ich hatte während meiner Kindheit keine Möglichkeit, meinem Dad nahe zu sein, aus verschiedenen Gründen – von der Krankheit meiner Mutter bis zum Gerichtsverfahren meiner Vaters... Und ich weiß noch, wie sehr ich mich damals immer nach Dad sehnte! Meine frühesten Erinnerungen an ihn sind sehr lebendig und klar. Ich erinnere mich, wie Dad einmal nach New York kam und wir alle (meine Großeltern, Dad und meine Tante) zum Essen ausgingen. Nach dem Essen musste Dad uns verlassen, weil er seinen Flug erreichen musste. Ich weiß noch, dass ich weinte und ihn bat, mich nicht zu verlassen. Und da sagte er etwas, das ich nie vergessen werde: ‚Wann immer du mich vermisst und traurig bist, dann schließ deine Augen, und ich werde bei dir sein.’ Noch heute übermannen mich meine Gefühle, wenn ich daran denke.
Ich bin auch sehr stolz darauf, ein Teil der Dutt-Familie zu sein. Mein Großvater, mein dadaji (der verstorbene Sunil Dutt), war ein fabelhafter Mensch und absolut vernarrt in mich. Und jedes Mal, wenn er nach New York kam, war ich die erste, die er anrief. Er lud mich in die besten Restaurants der Stadt ein. Und als er vor zwei Jahren verstarb, war das ein Riesenschock für die gesamte Familie, besonders für mich. Er war meine Sicherheit, und als er starb, kam es mir so vor, als sei ein Teil von mir gestorben. Dennoch danke ich Gott, dass ich das Glück hatte, meinen dadaji zu kennen, und ihm so nahestehen durfte. Ich wünschte, ich hätte auch meine Großmutter (Nargis) kennenlernen können, die so traumhaft schön war und solch ein wundervolles Lächeln hatte. Ich liebe ihre Filme und sehe sie mir ständig an, auch heute noch.
Manchmal, wenn ich in philosophischer Stimmung bin, rede ich mir ein, dass mein dadaji, meine dadi und meine Mutter auf eine lange Reise gegangen sind und es nur eine Frage der Zeit ist, bis wir uns wiedersehen.
Aber dennoch fühle ich mich sehr gesegnet durch diese wunderbare Familie und die Freunde in meinem Leben. Auch mit meinen anderen Tanten (den Schwestern meines Dads, Priya und Namrata Dutt), habe ich viel Spaß, und besonders nahe stehe ich meinen beiden Cousinen Sacchi und Siya (den Töchtern von Namrata und Kumar Gaurav). Sie sind mehr als meine Cousinen – sie sind meine Schwestern! Niemand kann sich vorstellen, wie viel wir immer lachen, wenn wir zusammen sind. In Indien bin ich außerdem sehr befreundet mit Ranbir und Riddhima Kapoor (den Kindern von Rishi Kapoor), weil Ranbir in den USA studiert hat und meine Tante Enna ihn in dieser Zeit betreut hat. Hier herüben zählt meine Klassenkameradin Farah zu meinen engsten Freunden.
Von Kindheit an hat meine Familie stets darauf bestanden, dass ich vor allem ein guter Mensch werde. Natürlich, da ich die Schauspielerei im Blut habe, wollte ich schauspielen, seit ich sechs war. Auch habe ich leidenschaftlich gerne getanzt, und als ich noch klein war, habe ich aufs Geratewohl Musik eingeschaltet und dazu getanzt. Meine Großeltern haben mich dabei oft gefilmt. Vor kurzem habe ich einige dieser Bänder gefunden und angefangen, sie anzuschauen. Ich konnte gar nicht glauben, dass die kleine Tänzerin auf den Videos ich sein sollte! Ich war bestimmt keine großartige Tänzerin, aber ich finde, ich sah richtig niedlich aus!
Meine Mutter wollte, dass ich auf eine Privatschule gehe, weil sie dachte, dass man dort eine bessere Bildung vermittelt bekommt. Aber glauben Sie mir, ich empfehle niemandem, eine Privatschule zu besuchen. Ich bin durch die Hölle gegangen mit den Lehrern und den anderen Schülern. Ehrlich, ich hätte nie gedacht, dass Kinder so gemein sein können. Und die Lehrer an der Privatschule waren nicht gerade freundlich zu den kleinen Kindern.
Als ich fühlte, dass ich das nicht länger ertragen würde, sprach ich mit meiner Mom und meinen Großeltern darüber, und sie ließen mich umgehend auf eine öffentliche Schule wechseln, die Benjamin N Cardozo High School. Die eingeschränkte Privatschulen-Atmosphäre zu verlassen bedeutete absolute Freiheit für mich. Mein Selbstvertrauen kletterte gleich um einige Sprossen in die Höhe, und ich wurde sehr beliebt in meiner Schule. Ich genoss meine Schulzeit, und als ich im Juni 2006 meinen Abschluss machte, wurde mir klar, dass ich diese Zeit wirklich vermissen würde.
Danach beschloss ich, mir ein rechtswissenschaftliches Diplom am John Jay College Of Criminal Justice in New York City zu erwerben. Ich möchte mich mit einem rechtswissenschaftlichen Diplom bewaffnen, sowohl für meinen Dad als auch für mich selbst. Dad ist sehr stolz darauf, dass ich ein juristisches Studium absolviere. Er hat mir einmal gesagt, dass Bildung sehr wichtig ist und dass ich stets alles beenden solle, was ich beginne. Und genau das werde ich tun.
Bis jetzt ist das Leben im College großartig. Ich habe eine Menge Freunde, und ich habe das Gefühl, dass ich hier in den USA ganz ich selbst sein kann – ich brauche keine Angst zu haben, dass jemand mich erkennt und anderen bis ins kleinste Detail erzählt, wer ich bin, was ich anhabe, ob ich nett oder eingebildet bin etc. Ich kann aufs College gehen, hart arbeiten und habe dennoch meine Ruhe.
Ansonsten bin ich ein typischer Teenager und genieße die ganz normalen Dinge wie Ausgehen und Relaxen mit meinen Freunden. In den USA aufzuwachsen ist richtig cool. Du wirst nicht barsch oder unfreundlich beurteilt, und ich glaube, ich mag das. Natürlich habe ich Einschränkungen – sobald das Semester beginnt, darf ich nur einmal pro Woche mit meinen Freunden ausgehen. Ich habe auch um 23 Uhr wieder zu Hause zu sein, und manchmal, wenn ich ganz lieb bitte und vorher brav war, kann ich bei meinen Leuten noch eine halbe Stunde mehr herausschlagen. Aber ich versuche ja noch immer, mit meiner Familie zu verhandeln. Manchmal meine ich im Scherz, dass für jedes Jahr, das ich älter werde, mein Zapfenstreich um eine Stunde verlängert werden sollte. Noch habe ich darauf keine Antwort bekommen, aber ich bleibe dran!
Aber Spaß beiseite, dank meiner Erziehung habe ich heute keine Hemmungen, meine Meinung zu sagen und den Leuten exakt zu vermitteln, was ich fühle, egal ob gut oder schlecht. Ich habe eine gewisse Reserviertheit in mir, aber die zeige ich nur, wenn es nötig ist. Ansonsten könnten Sie jemand mir vollkommen Fremdes sein, aber wenn Sie mich anlächeln und ‚hi’ sagen, dann lächle ich zurück und sage ebenfalls ‚hi’.
Ich nehme mein rechtwissenschaftliches Diplom sehr ernst, und es macht mir Spaß, dieses Fach zu lernen. Natürlich bedeutet es auch eine Menge harter Arbeit, aber das ist es definitiv wert. Ehrlich gesagt, wenn ich die Möglichkeit hätte, nur für einen Augenblick, dann würde ich als Anwältin für meinen Vater kämpfen. Mein Mundwerk würde keinen Moment mehr stillstehen, bis ich mein Anliegen zu Gehör gebracht und mein Ziel erreicht hätte. Und ich würde weiterkämpfen, bis ich die Antwort höre, die meine Ohren hören wollen. Ich würde nichts anderes tolerieren! Man könnte sagen, dass ich auch ein Kämpfer bin, der keine Angst davor hat, zu sagen, was richtig ist. Wenn ich das Gefühl habe, dass etwas getan werden kann, dann werde ich nicht schlafen, bis es getan ist. Und wenn ich in meinem Herzen weiß, dass nichts getan werden kann, dann habe ich wenigstens die Befriedigung in mir, dass ich es versucht und mein Bestes getan habe, um meinem Vater Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.
Dad ist so viele Jahre lang immer wieder durch die Hölle gegangen. Als er das erste Mal ins Gefängnis kam, war ich noch so jung, dass ich erst viel später verstand, was da vor sich ging. Mit den Jahren wurde mir bewusst, was er durchgemacht und wie viel er gelitten hat. Seine Verurteilung zu einer Haftstrafe hat mir wahnsinnig wehgetan, und ich fühle mich emotional und physisch völlig ausgelaugt. Ich kann mir nur vorstellen, wie schlimm das Ganze für Dad sein muss.
Aber Dad ist ein Kämpfer, und was immer auch geschieht, er wird stets als Sieger daraus hervorgehen. Heute habe ich begriffen, wie tapfer er wirklich ist. An seiner Stelle wäre ich längst verrückt geworden bei all dem, was passiert ist. Aber er blieb aufrecht und stark. Ganz ehrlich, er ist nicht nur mein Vater, er ist mein Held.
Vor kurzem hat man mir Fragen über Dads persönliches Leben gestellt. Ich hatte geantwortet, dass ich die einzige Frau im Leben meines Vaters sein möchte. Aber das habe ich in KEINER Weise so gemeint, dass ich ihm gegenüber besitzergreifend bin! Er ist mein Vater, aber er hat das Recht zu tun, was immer er will. Ich kann sagen, was ich fühle; aber am Ende ist es immer seine Entscheidung, mit wem er zusammen sein will, und genau so soll es doch auch sein!
Aber ich weiß, dass meine Meinung ihm viel bedeutet, und ich bin sicher, dass niemand sich jemals zwischen uns drängen wird. Da ich während meiner Kindheit nur wenig Zeit mit ihm verbringen konnte, möchte ich nicht, dass jemand ‚unsere gemeinsame Zeit’ jetzt reduziert. Ich möchte die Möglichkeit haben, diese verlorenen Jahre nachzuholen. Alles, was ich sagen will, ist: Meine Beziehung mit Dad ist perfekt.
Es ist schade, dass die Medien manchmal Dinge aus dem Kontext lösen und eine unbedeutende Sache zu einer Schlagzeile aufblasen können. Vor kurzem wurde ein Interview mit mir veröffentlicht, und ich war schockiert über die Überschrift ‚Ich möchte mit Salman Khan spielen’. Es war so unangemessen, daraus die Schlagzeile zu machen, besonders zu einer Zeit, als gerade das Gerichtsurteil über meinen Vater gefällt wurde. Außerdem hatten sich mich gefragt: ‚Mit wem würden Sie gerne spielen, wenn Sie Schauspielerin wären?’ Ich hatte geantwortet, dass meine erste Wahl mein Vater wäre, und danach kämen Salman Khan und Abhishek Bachchan. Aber statt nun als Schlagzeile ‚Ich möchte mit meinem Vater spielen’ zu schreiben, fabrizierten sie diese andere, die mich sehr verletzt hat. Ich habe meine Lektion gelernt, und glauben Sie mir, diese Dinge vergesse ich nicht... und auch die Leute, die mich interviewt haben, vergesse ich nicht. Ich merke mir alles!
Ich höre ständig so viel Unsinn, dass ich mich nur um meine Karriere und um mich selbst kümmere. Aber solange mein Dad und ich die Wahrheit wissen, spielt alles andere keine Rolle. Und um die Dinge jetzt mal richtigzustellen: Mein Dad hat nie Nein gesagt, was mich und Bollywood betrifft. Ja, ich weiß, es wäre ihm nicht recht. Aber er hat eine Schwäche für mich, daher denke ich, mit der Zeit würde es schon okay für ihn sein. Aber bevor ich irgendetwas in dieser Richtung unternehme, will ich mein rechtswissenschaftliches Diplom erwerben. Vielleicht in drei Jahren oder so, wenn ich das Diplom habe, vielleicht komme ich dann nach Mumbai und gehe zum Film. Meine Optionen sind offen.
Ich kann wirklich nicht genau sagen, welche Art von Rollen ich gerne spielen würde, aber ich denke, ich würde gerne herausfordernde Rollen übernehmen, bei denen ich meine schauspielerischen Fähigkeiten herausstellen kann. Ich würde liebend gerne einen Vater-Tochter-Film mit meinem Dad machen. Ich glaube, die Emotionen, die dabei rauskommen würden, würden stark sein, zumal da uns bereits ein so starkes emotionales Band verbindet...
Ich hatte auch schon ein paar Angebote aus Hollywood, aber ich musste sie ablehnen wegen meines Colleges. Mein Stundenplan ist sehr heftig, und ich möchte in keiner meiner Klassen zurückbleiben. Abgesehen davon würde ich als Schauspielerin nicht so starten wollen wie damals mein Vater – absolut unvorbereitet. Einfach weil du heute einige schauspielerische Grundkenntnisse brauchst, das macht dich viel geschickter und bereitet dich besser auf deine Rolle vor. Ich habe mich in befristeten Schauspielkursen versucht, wie denen am Lee Strasberg Theater and Film Institute in New York, die ich jeden Sommer besuche. In diesem Sommer habe ich den Kurs jedoch ausfallen lassen, ich stand zu sehr unter Spannung wegen des Verfahrens meines Vaters.
Mein Dad ist ein phantastischer Schauspieler. Als ich noch ein Kind war, wusste ich nicht, was für eine Berühmtheit mein Vater war! Inzwischen weiß ich, was für ein grandioser Schauspieler mein Dad ist, und habe viele seiner Filme gesehen. Mein Lieblingsfilm von ihm ist Vaastav, weil seine Rolle darin so einzigartig ist und das Ende so emotional und stark. Jedesmal, wenn ich ihn sehe, werde ich einfach nur schwach. Auch Munnabhai MBBS und Lage Raho Munnabhai sind großartig, und ich habe sie schon so oft angeschaut – ich glaube nicht, dass ich bei einem anderen Film jemals so viel gelacht habe! Ich bin so stolz darauf, dass Sanjay Dutt mein Vater ist. Allein schon ihn ‚Dad’ zu nennen zaubert ein Lächeln auf mein Gesicht.
Mein Vater verdient es, ein freier Mann zu sein. Er hat genug gelitten! Er hat sich so sehr verändert in all den vergangenen Jahren. Ich habe meine Mutter verloren, und nun lebe ich in ständiger Angst, dass man mir meinen Dad wegnimmt.
Aber ich werde tapfer sein, wie er es mir aufgetragen hat. Und ich weiß, dass alles gut werden wird! Mein Vater verdient seine Freiheit, und ganz ehrlich, alles, was ich heute sagen will, ist, dass ich ihn einfach nur glücklich, gesund und frei sehen möchte... Das ist alles, was ich mir wünsche!
Und Dad möchte ich nur eines sagen: Dad, ich bin immer bei dir und ich liebe dich. Du bist so ein tapferer Mensch, und ich hoffe, dass ich eines Tages genau so tapfer sein kann wie du. Ich habe Vertrauen zu Gott, und ich weiß, dass alles gut werden wird. Es vergeht kein Tag, an dem ich dich nicht vermisse. Ich liebe dich wirklich sehr und habe volles Vertrauen, dass du am Ende der Sieger sein wirst!
(Trishala Dutt; Deutsch von Diwali)
(Vorwort:) Trish Chic
Mein erstes Gespräch mit Trishala Dutt, der 19-jährigen Tochter des Schauspielers Sanjay Dutt, fand an dem Tag statt, an dem Sanjay Dutt vom Gericht zu sechs Jahren Haft verurteilt wurde. Es bedarf wohl keiner Erwähnung, dass sie bestürzt und aufgelöst war. Besorgt um ihren Dad, hilflos und verletzt, weil sie nicht viel tun konnte, und schockiert. Schockiert darüber, wie sehr ausgerechnet an diesem Tag ihre Bemerkungen von den Medien verdreht worden waren („ich möchte die einzige Frau im Leben meines Vaters sein“, „ich möchte mit Salman Khan spielen“). Damals sagte sie zu mir: „Ich bin im Moment nicht dazu bereit, irgendetwas zu tun. All das hat mir sehr wehgetan, ich möchte jetzt einfach alleingelassen werden.“
Aber wir blieben in Kontakt, und schließlich entschloss sich Trishala, die Cover Story des Savvy „I believe – Ich glaube“ zu machen, um darin ihre Gefühle, Ansichten und Meinungen zum Ausdruck zu bringen. Und, am wichtigsten, ihre Liebe und Unterstützung für ihren Dad.
Doch als wir das Interview schließlich gemacht hatten, merkten wir, dass wir ein Problem mit den Bildern hatten, die sie uns geschickt hatte – in Bezug auf deren Größe und Schärfe.
Als unsere Herausgeberin daraufhin bei ihren Kontakten in den USA anklopfte, wurden wir geradezu bombardiert von Angeboten in New York ansässiger Fotografen, die alle bereit waren, umgehend Bilder zu machen und zu liefern. Schließlich entschieden wir uns für Michael Nagle, einen Fotografen, der die Kreativität gepachtet hat.
Den Fototermin zu organisieren war dann noch einmal eine ganz andere Sache. Nachdem wir in Sachen USA-Indien-Timing zunächst eher wechselnden Erfolg hatten – wir haben einander zu absolut unchristlichen Zeiten aufgeweckt –, haben wir es dann schließlich doch noch geschafft, den Fototermin über die Bühne zu bringen.
Trishala war bei alldem immer ruhig und höflich. Aber als wir über ihren Dad sprachen, schwang eiserne Entschlusskraft in ihrer Stimme mit: „Ich werde jederzeit für meinen Dad kämpfen und ihn unterstützen.“
Der vielleicht ergreifendste Moment kam, als Sanjay Dutt Interimskaution erhielt und aus dem Yerawada-Gefängnis entlassen wurde; Trishala war fast den ganzen Tag über nicht zu erreichen – sie war im Tempel und betete für ihren Vater. „Ich bin überglücklich“, sagte sie, nachdem Sanjay freigelassen worden war. „Mein Dad ist ein Sieger!“
Also, Trishala, wir finden, dass auch du ein Sieger bist!
(Sumita Chakraborty, die auch das Gespräch mit Trishala Dutt geführt hat; Deutsch von Diwali)
Samstag, 12. Januar 2008
Filmfare 12/2001: Sanjay Dutt - 40 Fragen
Filmfare, Dezember 2001
Sanjay Dutt – 40 Questions
Hey bhidu, Dutt Jr bolta hai
1. Wie würdest du beschreiben, was du gerade trägst?
Blue Jeans und ein schwarzes T-Shirt, meine Lieblingsklamotten.
2. Was war dein Spitzname in der Schule?
Ein paar Jungs nannten mich Sanju. Aber jedermann zu Hause, in der Schule und in der Filmindustrie nennt mich nach wie vor Baba. Das muss man sich vorstellen, dass ich mit 42 noch immer Baba genannt werde.
3. Welche Farbe hat der Montag?
Schwarz und weiß. Ich war in den vergangenen vier Jahren montags fast immer beim Gericht. Ich habe die beste Zeit des Tages damit verbracht, Anwälte dabei zu beobachten, wie sie in ihren langen Roben die Korridore auf- und abwandelten.
4 Erzähl uns drei unbekannte Dinge über dich selbst.
Ich weine leicht, ich koche das beste ghost ka saalan, und ich leide an Schlaflosigkeit.
(Anm. Diwali: "ghost ka salan" ist ein Lammcurry)
5. Wenn du dich entschuldigen müsstest, dann wofür und bei wem?
Ich würde mich bei meiner Familie dafür entschuldigen, dass ich sie durch einige scheußliche Situationen geschleift habe wie die Zeiten meines Drogenmissbrauchs und meiner Verhaftung.
6. Wo ist der beste Ort, um dort zu leben?
Auf einer Insel in Tahiti à la Marlon Brando, oder auf einer mexikanischen Ranch mit Pferden, genau wie in den Western mit John Wayne. Ich träume außerdem davon, ein eigenes kleines Flugzeug zu besitzen wie ein paar der großen Hollywood-Stars.
7. Bist du ein guter Lügner?
Ein lausiger, yaar.
8. Was sind die vier wichtigsten Bestandteile der Liebe?
Großzügigkeit (ich liebe es, Frauen mit Blumen und Geschenken zu verwöhnen), gegenseitiger Respekt, grundsätzlich füreinander da zu sein und einander Freiraum zu lassen.
9. Ist Gott in uns oder außerhalb von uns?
Gott ist überall. In uns und außerhalb von uns.
10. Erzähl uns ein paar unbekannte Fakten über deine Frau Rhea.
Sie ist ganz wild darauf, unabhängig zu sein. Früher hat sie mich nach meiner Arbeit mit Crèmes und Lotionen verwöhnt. Heute gilt ihre Leidenschaft der „Art Of Living“, sie betreibt das als ernsthaftes Unternehmen.
11. Was ist das seltsamste Ding, das du jemals in den Mund genommen hast?
Mein Fuß. Ich weiß, ich sollte lernen, diplomatischer zu werden, aber ich fürchte, dafür ist es schon zu spät.
(Anm. Diwali: Sanjays Antwort ist ein unübersetzbares Wortspiel: „to put one’s foot into one’s mouth” - wörtlich "sich den Fuß in den Mund stecken" - bedeutet “ins Fettnäpfchen treten”.)
12. Wann hast du zum letzten Mal Tränen gelacht?
Als ich den Stuntman Usman dazu gebracht habe, sich betrunken zu stellen und diese arme ahnungslose Friseuse durch halb Ooty zu jagen. Die Arme, sie ist um ihr Leben gerannt. Natürlich war ich der erste, der so laut gelacht hat, dass ich dadurch den Scherz verraten habe.
13. Wenn du eine Sache an deinem Körper ändern könntest, was wäre das?
Nichts, yaar. Ich habe alle notwendigen Änderungen bereits vorgenommen, in endlosen Trainingsstunden im Fitnessstudio, seit ich die Drogen aufgegeben habe. Ich habe eine ziemlich annehmbare Physis... und einen flachen Bauch. Das ist gut genug.
14. Nenn uns ein Kleidungsstück, das deine Identität gestaltet hat.
Meine Jeans. Ich liebe Jeans. Mein Kleiderschrank ist vollgestopft mit sämtlichen Marken von Versace bis Tommy Hilfiger und von Diesel bis Levis.
15. Worüber würdest du niemals scherzen?
Freiheit. Ich habe gelernt, sie zu schätzen, nach anderthalb Jahren im Gefängnis.
16. Wann hast du dich zum letzten Mal so richtig unbedeutend gefühlt?
Als ich meiner Mutter nicht helfen konnte, als sie wegen ihrer Krebserkrankung furchtbare Schmerzen hatte... und als Richa starb. Auch ihr konnte ich nicht sehr viel helfen.
17. Was zieht dich bei einer Frau als erstes an?
Stil. Ich mag elegante Frauen. Ich hasse Frauen, die sich wie Männer anziehen und versuchen, sich wie Männer zu benehmen.
18. Beschreibe die Art, wie du eine Frau umwirbst.
Ich verwöhne sie mit Liebesbriefen, Blumen und Diamanten.
19. Was ist das neueste Gerücht, das dir zu Ohren gekommen ist?
Dass ich eine Affäre mit Tabu habe.
20. Wofür hast du am meisten Angst, dass man sich an dich erinnert?
Meine Launen, manchmal übermannen sie mich.
21. Gibt es einen Traum, der bei dir immer wiederkehrt?
Ich habe seit Ewigkeiten nicht mehr gut geschlafen, yaar, also kommen bei mir auch keine Träume vor.
22. Welches Telefonat war das unvergesslichste deines Lebens?
Trishalas erster Anruf bei mir, nachdem Richa gestorben war. Sie sagte, sie vermisse mich und hätte mich gerne bei sich in den USA.
23. Zitiere einen Songtext, der dir wirklich etwas bedeutet.
„Mera dil phi kitna paagal hai, yeh pyaar jo tumse karta hai... Par saamne jab tum aate ho, kuch bhi keh ne se darta hai.“
(Anm. Diwali: Madhuris und Sanjays romantischer Clip in Saajan...)
24. Wurden wir so gemacht, oder sind wir so geworden?
Wir werden alle unschuldig geboren... die Umstände und das Schicksal bestimmen unsere Persönlichkeit, während wir aufwachsen.
25. Regiert der Körper den Geist oder der Geist den Körper?
Mich regiert mein Herz.
26. Was hältst du von Gesichtsbehaarung?
Bei einem Mann sieht sie cool aus, siehe zum Beispiel Amitabh Bachchan. Bei einer Frau wirkt sie uncool, geradezu abstoßend.
27. Was ist das Süßeste an dir?
Mein jungenhaftes Lächeln.
28. Welches Buch hast du am häufigsten gelesen?
Ich habe in den vergangenen Jahren nicht allzu viel gelesen. Ich habe einige Notizen im Gefängnis gemacht, die ich immer wieder lese. Eines Tages werden sie ein Teil meiner Autobiographie sein.
29. Wenn du einen einzigen Brief schreiben dürftest, an wen würdest du ihn schreiben und worüber?
An Dad. Ich würde ihm danken dafür, dass er mich vor dem Abgrund gerettet und zurückgebracht hat, als alle anderen glaubten, ich würde für den Rest meines Lebens ein Drogensüchtling bleiben.
30. Gibt es Engel?
Ich denke schon. Ich habe meinem Engel vor etwa sechs Jahren den Abschiedskuss gegeben.
31. Schildere uns deine schlimmste Verabredung.
Ich machte es mir gerade mit dieser Ex-Freundin von mir gemütlich, als ihre Mutter unerwartet hereinschneite. Da flog jede Romantik sofort zum Fenster hinaus.
32. Bist du schon mal betrogen oder hereingelegt worden?
Ich weiß schon gar nicht mehr, wie oft.
33. Was ist der schlimmste Aspekt am Dasein eines Schauspielers?
Dass man am Set alle und jeden angrinsen muss, auch wenn einem mal absolut nicht nach Gesellschaft zumute ist. Manchmal hast du nicht einmal beim Umziehen oder Lunchen mehr deine Privatsphäre, Mann.
34. Welche Website besuchst du am häufigsten?
msn.com.
35. Wie reagierst du, wenn dir zum ersten Mal etwas über einen Betrug oder Gaunereien zu Ohren kommt?
Schockiert, betroffen, empört.
(Anm. Diwali: Sanjays Antwort war kurz und bündig „shock“, was im Deutschen jedoch mehrere Bedeutungen haben kann. Daher die Übersetzung mit drei Begriffen.)
36. Was hält dich während einer Krise davon ab, aufzugeben?
Der eine Gedanke, der mich auch im Gefängnis am Leben gehalten hat: „Es könnte schlimmer sein.“
37. Was ist der unvergesslichste Augenblick deines Lebens?
Die Geburt meiner Tochter Trishala (10. August 1988).
38. Das beste, was du je gegessen hast?
Das Lammbiryani und Paaya im Haus meines Freundes Afzal Khan ist das beste der Welt.
39. Wärst du imstande, jemanden umzubringen?
Ich glaube nicht. Wenn ich sauer werde, kann ich einen Typen schon mal aufmischen, aber weiter würde ich nie gehen.
40. Was ist die beste Art, sich zu verabschieden?
Still hinaus zu gehen. Abschiede tun weh.
(Meena Iyer; Deutsch von Diwali)
Sanjay Dutt – 40 Questions
Hey bhidu, Dutt Jr bolta hai
1. Wie würdest du beschreiben, was du gerade trägst?
Blue Jeans und ein schwarzes T-Shirt, meine Lieblingsklamotten.
2. Was war dein Spitzname in der Schule?
Ein paar Jungs nannten mich Sanju. Aber jedermann zu Hause, in der Schule und in der Filmindustrie nennt mich nach wie vor Baba. Das muss man sich vorstellen, dass ich mit 42 noch immer Baba genannt werde.
3. Welche Farbe hat der Montag?
Schwarz und weiß. Ich war in den vergangenen vier Jahren montags fast immer beim Gericht. Ich habe die beste Zeit des Tages damit verbracht, Anwälte dabei zu beobachten, wie sie in ihren langen Roben die Korridore auf- und abwandelten.
4 Erzähl uns drei unbekannte Dinge über dich selbst.
Ich weine leicht, ich koche das beste ghost ka saalan, und ich leide an Schlaflosigkeit.
(Anm. Diwali: "ghost ka salan" ist ein Lammcurry)
5. Wenn du dich entschuldigen müsstest, dann wofür und bei wem?
Ich würde mich bei meiner Familie dafür entschuldigen, dass ich sie durch einige scheußliche Situationen geschleift habe wie die Zeiten meines Drogenmissbrauchs und meiner Verhaftung.
6. Wo ist der beste Ort, um dort zu leben?
Auf einer Insel in Tahiti à la Marlon Brando, oder auf einer mexikanischen Ranch mit Pferden, genau wie in den Western mit John Wayne. Ich träume außerdem davon, ein eigenes kleines Flugzeug zu besitzen wie ein paar der großen Hollywood-Stars.
7. Bist du ein guter Lügner?
Ein lausiger, yaar.
8. Was sind die vier wichtigsten Bestandteile der Liebe?
Großzügigkeit (ich liebe es, Frauen mit Blumen und Geschenken zu verwöhnen), gegenseitiger Respekt, grundsätzlich füreinander da zu sein und einander Freiraum zu lassen.
9. Ist Gott in uns oder außerhalb von uns?
Gott ist überall. In uns und außerhalb von uns.
10. Erzähl uns ein paar unbekannte Fakten über deine Frau Rhea.
Sie ist ganz wild darauf, unabhängig zu sein. Früher hat sie mich nach meiner Arbeit mit Crèmes und Lotionen verwöhnt. Heute gilt ihre Leidenschaft der „Art Of Living“, sie betreibt das als ernsthaftes Unternehmen.
11. Was ist das seltsamste Ding, das du jemals in den Mund genommen hast?
Mein Fuß. Ich weiß, ich sollte lernen, diplomatischer zu werden, aber ich fürchte, dafür ist es schon zu spät.
(Anm. Diwali: Sanjays Antwort ist ein unübersetzbares Wortspiel: „to put one’s foot into one’s mouth” - wörtlich "sich den Fuß in den Mund stecken" - bedeutet “ins Fettnäpfchen treten”.)
12. Wann hast du zum letzten Mal Tränen gelacht?
Als ich den Stuntman Usman dazu gebracht habe, sich betrunken zu stellen und diese arme ahnungslose Friseuse durch halb Ooty zu jagen. Die Arme, sie ist um ihr Leben gerannt. Natürlich war ich der erste, der so laut gelacht hat, dass ich dadurch den Scherz verraten habe.
13. Wenn du eine Sache an deinem Körper ändern könntest, was wäre das?
Nichts, yaar. Ich habe alle notwendigen Änderungen bereits vorgenommen, in endlosen Trainingsstunden im Fitnessstudio, seit ich die Drogen aufgegeben habe. Ich habe eine ziemlich annehmbare Physis... und einen flachen Bauch. Das ist gut genug.
14. Nenn uns ein Kleidungsstück, das deine Identität gestaltet hat.
Meine Jeans. Ich liebe Jeans. Mein Kleiderschrank ist vollgestopft mit sämtlichen Marken von Versace bis Tommy Hilfiger und von Diesel bis Levis.
15. Worüber würdest du niemals scherzen?
Freiheit. Ich habe gelernt, sie zu schätzen, nach anderthalb Jahren im Gefängnis.
16. Wann hast du dich zum letzten Mal so richtig unbedeutend gefühlt?
Als ich meiner Mutter nicht helfen konnte, als sie wegen ihrer Krebserkrankung furchtbare Schmerzen hatte... und als Richa starb. Auch ihr konnte ich nicht sehr viel helfen.
17. Was zieht dich bei einer Frau als erstes an?
Stil. Ich mag elegante Frauen. Ich hasse Frauen, die sich wie Männer anziehen und versuchen, sich wie Männer zu benehmen.
18. Beschreibe die Art, wie du eine Frau umwirbst.
Ich verwöhne sie mit Liebesbriefen, Blumen und Diamanten.
19. Was ist das neueste Gerücht, das dir zu Ohren gekommen ist?
Dass ich eine Affäre mit Tabu habe.
20. Wofür hast du am meisten Angst, dass man sich an dich erinnert?
Meine Launen, manchmal übermannen sie mich.
21. Gibt es einen Traum, der bei dir immer wiederkehrt?
Ich habe seit Ewigkeiten nicht mehr gut geschlafen, yaar, also kommen bei mir auch keine Träume vor.
22. Welches Telefonat war das unvergesslichste deines Lebens?
Trishalas erster Anruf bei mir, nachdem Richa gestorben war. Sie sagte, sie vermisse mich und hätte mich gerne bei sich in den USA.
23. Zitiere einen Songtext, der dir wirklich etwas bedeutet.
„Mera dil phi kitna paagal hai, yeh pyaar jo tumse karta hai... Par saamne jab tum aate ho, kuch bhi keh ne se darta hai.“
(Anm. Diwali: Madhuris und Sanjays romantischer Clip in Saajan...)
24. Wurden wir so gemacht, oder sind wir so geworden?
Wir werden alle unschuldig geboren... die Umstände und das Schicksal bestimmen unsere Persönlichkeit, während wir aufwachsen.
25. Regiert der Körper den Geist oder der Geist den Körper?
Mich regiert mein Herz.
26. Was hältst du von Gesichtsbehaarung?
Bei einem Mann sieht sie cool aus, siehe zum Beispiel Amitabh Bachchan. Bei einer Frau wirkt sie uncool, geradezu abstoßend.
27. Was ist das Süßeste an dir?
Mein jungenhaftes Lächeln.
28. Welches Buch hast du am häufigsten gelesen?
Ich habe in den vergangenen Jahren nicht allzu viel gelesen. Ich habe einige Notizen im Gefängnis gemacht, die ich immer wieder lese. Eines Tages werden sie ein Teil meiner Autobiographie sein.
29. Wenn du einen einzigen Brief schreiben dürftest, an wen würdest du ihn schreiben und worüber?
An Dad. Ich würde ihm danken dafür, dass er mich vor dem Abgrund gerettet und zurückgebracht hat, als alle anderen glaubten, ich würde für den Rest meines Lebens ein Drogensüchtling bleiben.
30. Gibt es Engel?
Ich denke schon. Ich habe meinem Engel vor etwa sechs Jahren den Abschiedskuss gegeben.
31. Schildere uns deine schlimmste Verabredung.
Ich machte es mir gerade mit dieser Ex-Freundin von mir gemütlich, als ihre Mutter unerwartet hereinschneite. Da flog jede Romantik sofort zum Fenster hinaus.
32. Bist du schon mal betrogen oder hereingelegt worden?
Ich weiß schon gar nicht mehr, wie oft.
33. Was ist der schlimmste Aspekt am Dasein eines Schauspielers?
Dass man am Set alle und jeden angrinsen muss, auch wenn einem mal absolut nicht nach Gesellschaft zumute ist. Manchmal hast du nicht einmal beim Umziehen oder Lunchen mehr deine Privatsphäre, Mann.
34. Welche Website besuchst du am häufigsten?
msn.com.
35. Wie reagierst du, wenn dir zum ersten Mal etwas über einen Betrug oder Gaunereien zu Ohren kommt?
Schockiert, betroffen, empört.
(Anm. Diwali: Sanjays Antwort war kurz und bündig „shock“, was im Deutschen jedoch mehrere Bedeutungen haben kann. Daher die Übersetzung mit drei Begriffen.)
36. Was hält dich während einer Krise davon ab, aufzugeben?
Der eine Gedanke, der mich auch im Gefängnis am Leben gehalten hat: „Es könnte schlimmer sein.“
37. Was ist der unvergesslichste Augenblick deines Lebens?
Die Geburt meiner Tochter Trishala (10. August 1988).
38. Das beste, was du je gegessen hast?
Das Lammbiryani und Paaya im Haus meines Freundes Afzal Khan ist das beste der Welt.
39. Wärst du imstande, jemanden umzubringen?
Ich glaube nicht. Wenn ich sauer werde, kann ich einen Typen schon mal aufmischen, aber weiter würde ich nie gehen.
40. Was ist die beste Art, sich zu verabschieden?
Still hinaus zu gehen. Abschiede tun weh.
(Meena Iyer; Deutsch von Diwali)
Donnerstag, 10. Januar 2008
Filmfare 12/2004: "If you have it, give it"
Filmfare, Dezember 2004
„If you have it, give it“
Sanjay Dutt hat eines der großzügigsten Herzen in der Industrie

Sanjay Dutt mit Mihir und Karan
„Ich glaube nicht daran, dass ich mein Geld in meiner Tasche behalten sollte, wenn jemand anderes es dringend braucht.“ So einfach lässt sich Sanjay Dutts Einstellung zum Geben und Teilen zusammenfassen.
Oder, wie er erklärt: „Manchmal ist die Not eines anderen Menschen größer als deine. Also wenn du etwas hast, dann gib es auch. Wir können weder Situationen noch Schicksale ändern, aber wir können zumindest mehr Verständnis aufbringen.“
Sanjay, berühmt dafür, sein Geld herzugeben, meint: „Als mein Kontostand gleich Null war, erzählte mir jeder, ich müsse lernen, Nein zu sagen. Aber meine Eltern haben mich gelehrt, dass es wichtiger ist, zu den Menschen lieb zu sein, die es weniger gut haben als du, als zu den Menschen, die mehr haben als du. Meine Eltern gehörten zu den ersten wenigen, die Shows für die jawans an der Grenze organisiert haben. Meine Mom war Sozialarbeiterin und war jederzeit für jeden erreichbar. Mein Dad ist fünfmal ins Parlament gewählt worden, und jedermann in seinem Wahlkreis wird beeiden, dass er sich vor nichts drückt. Ich trete schlicht und ergreifend in ihre Fußstapfen.“
„Abgesehen davon lehrt dich jede Religion, wohltätig zu sein. Meistens geschieht das bei mir durch unmittelbaren persönlichen Kontakt, denn traurigen Geschichten kann ich einfach nicht widerstehen. So bin ich nun mal, das ist eine Eigenschaft, die mir Gott geschenkt hat, und daran will ich auch nichts ändern.“
Kinder sind seine größte Schwäche, verrät der Schauspieler. „Ich kann Kinder nicht leiden sehen. Ich kenne die meisten Kids, die in der Nähe meines Hauses in Bandra an den Verkehrsampeln rumhängen, und ich gebe ihnen nicht einfach nur Geld, sondern auch Ratschläge. Vor allem überzeuge ich sie davon, dass sie lernen müssen. Sehr oft ist ein freundliches Wort wichtiger als ein Bündel Geldscheine.“
Sanjay engagiert sich außerdem aktiv für die Spastics Society, eine Organisation, an der auch seine Mutter, die verstorbene Nargis Dutt, aktiv beteiligt war. „Ich weiß, wie wichtig ihr diese Organisation war, deshalb hat sie auch einen besonderen Platz in meinem Herzen“, sagt er.
„Vor kurzem kamen zwei Brüder, Mihir und Karan, um mich zu treffen. Beide haben ein Wirbelsäulenproblem und sitzen deshalb im Rollstuhl. Karan, der jüngere, wollte mich unbedingt kennenlernen, nachdem er Munnabhai MBBS gesehen hatte. Als er mir erzählte, seine Lieblingsszene in dem Film sei die Stelle, wo der Mann im Rollstuhl anfängt zu gehen, da fühlte ich mich so hilflos. Ich wünschte, irgendetwas tun zu können, damit es ihnen wieder gutginge. Aber alles, was sie wollten, war ein paar Augenblicke mit mir zu verbringen.“
Eine andere Sache, die seinem Herzen nahesteht, ist die der Drogensüchtigen. Da er selber einmal drogensüchtig war, kennt Sanjay das Trauma, das die Süchtigen und deren Familien durchmachen. „Ich hatte Glück, dass meine Familie es sich leisten konnte, mich zur Behandlung ins Ausland zu schicken – und dass es wirklich mein Wille war, die Sucht zu bekämpfen“, sagt er mit weicher Stimme. „Ich weiß, dass kein Süchtiger kuriert werden kann, wenn er nicht selber willens ist, die Sucht aufzugeben. Aber ich tue alles, was ich kann, damit sie Vernunft annehmen und das einsehen. Ich stehe jederzeit und überall zur Verfügung, für Gruppen- oder Einzelgespräche mit den Süchtigen.“
Der Schauspieler tut außerdem das Seinige für AIDS-Patienten. „Vor anderthalb Jahren traf ich über die Make A Wish Foundation ein kleines Mädchen, das ohne die Schuld seiner Eltern HIV-positiv war. Sie war so begabt, so voller Lachen, dass ich sprachlos war. Als sie mir sagte: ‚Ich bin so froh darüber, dich zu treffen; du weißt gar nicht, was das für mich bedeutet’, da hat ihre Seele mich berührt.“
Sie hat Sanjay so sehr berührt, dass er von da an aktiv die AIDS-Hilfe unterstützte. „Als Rhea in ihrer Eigenschaft als UNESCO-Botschafterin eine Bühnenshow für AIDS-Patienten organisierte, habe ich ihr dabei geholfen. Ich habe viele HIV-positive Kinder getroffen, und ich wünschte wirklich, ich könnte mehr tun als lediglich meinen Beitrag zu verschiedenen NGOs zu leisten.“
Was Dutt jr. aufregt, ist, dass viele Menschen noch immer nichts von dieser Krankheit wissen. „Wir haben noch immer nicht den Ernst der Situation in Indien erkannt. Abgesehen davon behandeln viele Menschen AIDS-Patienten wie Unberührbare, einige Krankenhäuser behandeln sie nicht einmal, und es gibt keine ordentliche Beratung für ihre Familienmitglieder. Ich möchte das alles den Menschen viel mehr vor Augen führen.“
Sanjay ist außerdem Schatzmeister der Industry Workers Association, die in die IIFA (International Indian Film Academy) eingegliedert ist. „Das Ganze begann am Set von LOC Kargil“, erinnert er sich. „Als zwei Mitarbeiter bei den Dreharbeiten in Ladakh ums Leben kamen, haben Suniel (Shetty), Ajay (Devgan) und ich beschlossen, etwas für das Wohl der Arbeiter und ihrer Familien zu unternehmen. Und das war nicht nur leeres Gerede; nach unserer Rückkehr setzten wir zusammen mit gleichgesinnten Schauspielern die Hebel in Bewegung und gründeten diese Association.“
Seitdem hat diese Vereinigung zwei Benefiz-Events organisiert – ein Cricket-Match in Südafrika und ein Fußballspiel in Singapur. Sanjay betont: „Alle Schauspieler sollten ihren Beitrag leisten mit den Mitteln, die ihnen zur Verfügung stehen, denn es ist unsere Pflicht, den Arbeitern zu helfen, angesichts der Tatsache, dass sie am Set so viel für uns tun.“
(Nilufer Qureshi; Deutsch von Diwali)
„If you have it, give it“
Sanjay Dutt hat eines der großzügigsten Herzen in der Industrie

Sanjay Dutt mit Mihir und Karan
„Ich glaube nicht daran, dass ich mein Geld in meiner Tasche behalten sollte, wenn jemand anderes es dringend braucht.“ So einfach lässt sich Sanjay Dutts Einstellung zum Geben und Teilen zusammenfassen.
Oder, wie er erklärt: „Manchmal ist die Not eines anderen Menschen größer als deine. Also wenn du etwas hast, dann gib es auch. Wir können weder Situationen noch Schicksale ändern, aber wir können zumindest mehr Verständnis aufbringen.“
Sanjay, berühmt dafür, sein Geld herzugeben, meint: „Als mein Kontostand gleich Null war, erzählte mir jeder, ich müsse lernen, Nein zu sagen. Aber meine Eltern haben mich gelehrt, dass es wichtiger ist, zu den Menschen lieb zu sein, die es weniger gut haben als du, als zu den Menschen, die mehr haben als du. Meine Eltern gehörten zu den ersten wenigen, die Shows für die jawans an der Grenze organisiert haben. Meine Mom war Sozialarbeiterin und war jederzeit für jeden erreichbar. Mein Dad ist fünfmal ins Parlament gewählt worden, und jedermann in seinem Wahlkreis wird beeiden, dass er sich vor nichts drückt. Ich trete schlicht und ergreifend in ihre Fußstapfen.“
„Abgesehen davon lehrt dich jede Religion, wohltätig zu sein. Meistens geschieht das bei mir durch unmittelbaren persönlichen Kontakt, denn traurigen Geschichten kann ich einfach nicht widerstehen. So bin ich nun mal, das ist eine Eigenschaft, die mir Gott geschenkt hat, und daran will ich auch nichts ändern.“
Kinder sind seine größte Schwäche, verrät der Schauspieler. „Ich kann Kinder nicht leiden sehen. Ich kenne die meisten Kids, die in der Nähe meines Hauses in Bandra an den Verkehrsampeln rumhängen, und ich gebe ihnen nicht einfach nur Geld, sondern auch Ratschläge. Vor allem überzeuge ich sie davon, dass sie lernen müssen. Sehr oft ist ein freundliches Wort wichtiger als ein Bündel Geldscheine.“
Sanjay engagiert sich außerdem aktiv für die Spastics Society, eine Organisation, an der auch seine Mutter, die verstorbene Nargis Dutt, aktiv beteiligt war. „Ich weiß, wie wichtig ihr diese Organisation war, deshalb hat sie auch einen besonderen Platz in meinem Herzen“, sagt er.
„Vor kurzem kamen zwei Brüder, Mihir und Karan, um mich zu treffen. Beide haben ein Wirbelsäulenproblem und sitzen deshalb im Rollstuhl. Karan, der jüngere, wollte mich unbedingt kennenlernen, nachdem er Munnabhai MBBS gesehen hatte. Als er mir erzählte, seine Lieblingsszene in dem Film sei die Stelle, wo der Mann im Rollstuhl anfängt zu gehen, da fühlte ich mich so hilflos. Ich wünschte, irgendetwas tun zu können, damit es ihnen wieder gutginge. Aber alles, was sie wollten, war ein paar Augenblicke mit mir zu verbringen.“
Eine andere Sache, die seinem Herzen nahesteht, ist die der Drogensüchtigen. Da er selber einmal drogensüchtig war, kennt Sanjay das Trauma, das die Süchtigen und deren Familien durchmachen. „Ich hatte Glück, dass meine Familie es sich leisten konnte, mich zur Behandlung ins Ausland zu schicken – und dass es wirklich mein Wille war, die Sucht zu bekämpfen“, sagt er mit weicher Stimme. „Ich weiß, dass kein Süchtiger kuriert werden kann, wenn er nicht selber willens ist, die Sucht aufzugeben. Aber ich tue alles, was ich kann, damit sie Vernunft annehmen und das einsehen. Ich stehe jederzeit und überall zur Verfügung, für Gruppen- oder Einzelgespräche mit den Süchtigen.“
Der Schauspieler tut außerdem das Seinige für AIDS-Patienten. „Vor anderthalb Jahren traf ich über die Make A Wish Foundation ein kleines Mädchen, das ohne die Schuld seiner Eltern HIV-positiv war. Sie war so begabt, so voller Lachen, dass ich sprachlos war. Als sie mir sagte: ‚Ich bin so froh darüber, dich zu treffen; du weißt gar nicht, was das für mich bedeutet’, da hat ihre Seele mich berührt.“
Sie hat Sanjay so sehr berührt, dass er von da an aktiv die AIDS-Hilfe unterstützte. „Als Rhea in ihrer Eigenschaft als UNESCO-Botschafterin eine Bühnenshow für AIDS-Patienten organisierte, habe ich ihr dabei geholfen. Ich habe viele HIV-positive Kinder getroffen, und ich wünschte wirklich, ich könnte mehr tun als lediglich meinen Beitrag zu verschiedenen NGOs zu leisten.“
Was Dutt jr. aufregt, ist, dass viele Menschen noch immer nichts von dieser Krankheit wissen. „Wir haben noch immer nicht den Ernst der Situation in Indien erkannt. Abgesehen davon behandeln viele Menschen AIDS-Patienten wie Unberührbare, einige Krankenhäuser behandeln sie nicht einmal, und es gibt keine ordentliche Beratung für ihre Familienmitglieder. Ich möchte das alles den Menschen viel mehr vor Augen führen.“
Sanjay ist außerdem Schatzmeister der Industry Workers Association, die in die IIFA (International Indian Film Academy) eingegliedert ist. „Das Ganze begann am Set von LOC Kargil“, erinnert er sich. „Als zwei Mitarbeiter bei den Dreharbeiten in Ladakh ums Leben kamen, haben Suniel (Shetty), Ajay (Devgan) und ich beschlossen, etwas für das Wohl der Arbeiter und ihrer Familien zu unternehmen. Und das war nicht nur leeres Gerede; nach unserer Rückkehr setzten wir zusammen mit gleichgesinnten Schauspielern die Hebel in Bewegung und gründeten diese Association.“
Seitdem hat diese Vereinigung zwei Benefiz-Events organisiert – ein Cricket-Match in Südafrika und ein Fußballspiel in Singapur. Sanjay betont: „Alle Schauspieler sollten ihren Beitrag leisten mit den Mitteln, die ihnen zur Verfügung stehen, denn es ist unsere Pflicht, den Arbeitern zu helfen, angesichts der Tatsache, dass sie am Set so viel für uns tun.“
(Nilufer Qureshi; Deutsch von Diwali)
Sonntag, 6. Januar 2008
Dus (1997; unvollendet) - Infos
Informationen zu Mukul Anands unvollendetem Film DUS

Regisseur Mukul S. Anand arbeitete bis zu seinem Tod an diesem Action-Film, von dem man sich Großes versprach und der schon vorher als sein Opus Magnum gehandelt wurde. Sanjay Dutt, Salman Khan, Raveena Tandon und Shilpa Shetty spielten die Hauptrollen, in Nebenrollen wirkten Vinod Khanna und Rahul Dev mit. Sanjays Figur in diesem Dus-Film, Captain Raja Sethi, arbeitet für eine Anti-Terror-Einheit und jagt eine afghanische Terroristin (Raveena in ihrer ersten negativen Rolle). Als er gefangengenommen und gefoltert wird, versucht sein Partner (Salman), ihn zu retten, während seine Freundin (Shilpa) als Journalistin seine Mission begleitet.
Dus war zu 40% vollendet, als Mukul Anand kurz nach der Rückkehr von Dreharbeiten in Utah/USA völlig unerwartet starb. Sein Produktionspartner Nitin Manmohan beschloss, den Film mit einem anderen Regisseur zu vollenden; im Februar 1998 erwähnte Sanjay in einem Filmfare-Interview, dass Ramesh Sippy nun die Regie übernommen habe. Danach verliert sich für mich jede Spur des Filmes. Angeblich wurde sein Release für 1999 angekündigt, und es gibt sogar ein Werbeposter mit Sanjay und Salman aus diesem Jahr. In jedem Fall erschien 1999 der Soundtrack unter dem Titel "Dus - Tribute to Mukul S Anand" (und eroberte die Charts) mit einem Zusatz von Anands Witwe: "Dus war von Anfang bis Ende, also Script, Story und Regie das Baby von Mukul, das Endresultat wird aber ein unvollendeter/unerfüllter Traum bleiben. Nur der Soundtrack wird weiterleben sowie seine früheren Filme."
2007 berichtete der Mumbai Mirror, Mukuls Bruder Rahhul plane, Dus nun doch noch zu vollenden. Man darf gespannt sein.
Die offizielle Mukul S Anand Website
Sanjay Dutt - Captain Raja Sethi
Die Story
Dus - A Tribute to Mukul S Anand (1)
Dus - A Tribute to Mukul S Anand (2)
Mehr Bilder
Dus 1997
Mahiya 1997
Hindustani-Video 1999
Piya Piya
Movie, Oktober 1997
Kolumne "Fangs", Dinesh Raheja
Mukul Anand starb in den ersten Stunden des 8. September 1997 an Herzstillstand. Es ist schwer, die kalte, nackte Tatsache, dass dieser warmherzige und humorvolle Mann mit seiner äußerst vitalen Präsenz nicht mehr unter uns weilt, zu akzeptieren. (...)
Er war gerade von ausgiebigen Dreharbeiten für seinen Film Sanjay-Salman-Film Dus in den USA zurückgekehrt. Produzent ist Neha-MAD, die Firma, die er und Nitin Manmohan drei Jahre zuvor gegründet hatten. Nitin war mehr als nur ein Geschäftspartner, er war ein enger Freund von Mukul. (...)
Was den unvollendeten Dus betrifft, so hat Nitin einen Regisseur in Aussicht, um den Film zu vervollständigen, will aber den Namen nicht bekanntgeben, bevor nicht alles in trockenen Tüchern ist. Zum Glück hatte Mukul die Schlüsselszenen bereits gedreht, vor allem die Action-Szenen, die nur er mit seiner technischen Brillanz hinkriegen konnte. Zu vierzig Prozent ist der Film fertig.
Dus war von Anfang an von Rückschlägen verfolgt; so mussten zum Beispiel die ursprünglich vorgesehenen Stars Shahrukh und Manisha ersetzt werden, weil sie um fünf vor zwölf plötzlich mehr Geld verlangten, Sanjay Dutt erhielt keine Auslandsdrehgenehmigung, Anupam weigerte sich, den Pakistani PM zu spielen; zudem berührte der Film das umstrittene Kashmir-Thema. Dennoch ist Nitin überzeugt, dass der Film ein Erfolg werden wird: "War nicht auch der Film Bombay umstritten? Das hier ist Mukuls bester Film, er hauchte ihm seinen Atem ein. Wissen Sie, ich habe ihm, nachdem ich Trimurti gesehen hatte, gesagt: 'Das hat keine Seele.' Er erwiderte, er habe ja nur Subhash Ghais Wünsche technisch durchgeführt. Dus jedoch hat sowohl Herz als auch Seele, weil es ganz und gar sein Film ist. Was die abgesprungenen Stars betrifft: nichts gegen Manisha; sie hat eine hohe Summe verlangt, und wir haben nein gesagt, fertig. Dass Shahrukh uns im Stich ließ, hat uns dagegen schon aus der Fassung gebracht, weil er alles vor sich herschob, anstatt offen zu einer Entscheidung zu kommen. Dennoch hegte Mukul niemals irgendwelchen Groll. Wir wissen, dass in diesem Geschäft Freundschaften üblicherweise nur so lange andauern, wie die Leute sich gegenseitig benötigen. Ich denke, deshalb hat mich auch Suniel Shettys Angebot so bewegt, selbst eine Zwei-Minuten-Rolle in Dus ohne Gage zu übernehmen, wenn das die wirtschaftlichen Aussichten des Films steigern würde. Es geht jetzt nicht darum, ob es ein Bedürfnis gibt, dieses Angebot anzunehmen; aber seine Anständigkeit in Zeiten wie diesen ist herzerwärmend." Um des Regisseurs willen, der mit kompakten und starken Filmen wie Kanoon Kya Karega und Aitbaar anfing, bevor er zu Sultanat, Mahasangram, Hum, Agneepath und Khuda Gawah aufstieg, hoffe ich, dass sein letzter Film einen bleibenden Eindruck hinterlassen wird. Wie der geradlinige Mann selber. Dem ich, auf einer Skala von eins bis zehn, definitiv Dus (= Zehn) geben würde.
(Deutsch von Diwali)

Regisseur Mukul S. Anand arbeitete bis zu seinem Tod an diesem Action-Film, von dem man sich Großes versprach und der schon vorher als sein Opus Magnum gehandelt wurde. Sanjay Dutt, Salman Khan, Raveena Tandon und Shilpa Shetty spielten die Hauptrollen, in Nebenrollen wirkten Vinod Khanna und Rahul Dev mit. Sanjays Figur in diesem Dus-Film, Captain Raja Sethi, arbeitet für eine Anti-Terror-Einheit und jagt eine afghanische Terroristin (Raveena in ihrer ersten negativen Rolle). Als er gefangengenommen und gefoltert wird, versucht sein Partner (Salman), ihn zu retten, während seine Freundin (Shilpa) als Journalistin seine Mission begleitet.
Dus war zu 40% vollendet, als Mukul Anand kurz nach der Rückkehr von Dreharbeiten in Utah/USA völlig unerwartet starb. Sein Produktionspartner Nitin Manmohan beschloss, den Film mit einem anderen Regisseur zu vollenden; im Februar 1998 erwähnte Sanjay in einem Filmfare-Interview, dass Ramesh Sippy nun die Regie übernommen habe. Danach verliert sich für mich jede Spur des Filmes. Angeblich wurde sein Release für 1999 angekündigt, und es gibt sogar ein Werbeposter mit Sanjay und Salman aus diesem Jahr. In jedem Fall erschien 1999 der Soundtrack unter dem Titel "Dus - Tribute to Mukul S Anand" (und eroberte die Charts) mit einem Zusatz von Anands Witwe: "Dus war von Anfang bis Ende, also Script, Story und Regie das Baby von Mukul, das Endresultat wird aber ein unvollendeter/unerfüllter Traum bleiben. Nur der Soundtrack wird weiterleben sowie seine früheren Filme."
2007 berichtete der Mumbai Mirror, Mukuls Bruder Rahhul plane, Dus nun doch noch zu vollenden. Man darf gespannt sein.
Die offizielle Mukul S Anand Website
Sanjay Dutt - Captain Raja Sethi
Die Story
Dus - A Tribute to Mukul S Anand (1)
Dus - A Tribute to Mukul S Anand (2)
Mehr Bilder
Dus 1997
Mahiya 1997
Hindustani-Video 1999
Piya Piya
Movie, Oktober 1997
Kolumne "Fangs", Dinesh Raheja
Mukul Anand starb in den ersten Stunden des 8. September 1997 an Herzstillstand. Es ist schwer, die kalte, nackte Tatsache, dass dieser warmherzige und humorvolle Mann mit seiner äußerst vitalen Präsenz nicht mehr unter uns weilt, zu akzeptieren. (...)
Er war gerade von ausgiebigen Dreharbeiten für seinen Film Sanjay-Salman-Film Dus in den USA zurückgekehrt. Produzent ist Neha-MAD, die Firma, die er und Nitin Manmohan drei Jahre zuvor gegründet hatten. Nitin war mehr als nur ein Geschäftspartner, er war ein enger Freund von Mukul. (...)
Was den unvollendeten Dus betrifft, so hat Nitin einen Regisseur in Aussicht, um den Film zu vervollständigen, will aber den Namen nicht bekanntgeben, bevor nicht alles in trockenen Tüchern ist. Zum Glück hatte Mukul die Schlüsselszenen bereits gedreht, vor allem die Action-Szenen, die nur er mit seiner technischen Brillanz hinkriegen konnte. Zu vierzig Prozent ist der Film fertig.
Dus war von Anfang an von Rückschlägen verfolgt; so mussten zum Beispiel die ursprünglich vorgesehenen Stars Shahrukh und Manisha ersetzt werden, weil sie um fünf vor zwölf plötzlich mehr Geld verlangten, Sanjay Dutt erhielt keine Auslandsdrehgenehmigung, Anupam weigerte sich, den Pakistani PM zu spielen; zudem berührte der Film das umstrittene Kashmir-Thema. Dennoch ist Nitin überzeugt, dass der Film ein Erfolg werden wird: "War nicht auch der Film Bombay umstritten? Das hier ist Mukuls bester Film, er hauchte ihm seinen Atem ein. Wissen Sie, ich habe ihm, nachdem ich Trimurti gesehen hatte, gesagt: 'Das hat keine Seele.' Er erwiderte, er habe ja nur Subhash Ghais Wünsche technisch durchgeführt. Dus jedoch hat sowohl Herz als auch Seele, weil es ganz und gar sein Film ist. Was die abgesprungenen Stars betrifft: nichts gegen Manisha; sie hat eine hohe Summe verlangt, und wir haben nein gesagt, fertig. Dass Shahrukh uns im Stich ließ, hat uns dagegen schon aus der Fassung gebracht, weil er alles vor sich herschob, anstatt offen zu einer Entscheidung zu kommen. Dennoch hegte Mukul niemals irgendwelchen Groll. Wir wissen, dass in diesem Geschäft Freundschaften üblicherweise nur so lange andauern, wie die Leute sich gegenseitig benötigen. Ich denke, deshalb hat mich auch Suniel Shettys Angebot so bewegt, selbst eine Zwei-Minuten-Rolle in Dus ohne Gage zu übernehmen, wenn das die wirtschaftlichen Aussichten des Films steigern würde. Es geht jetzt nicht darum, ob es ein Bedürfnis gibt, dieses Angebot anzunehmen; aber seine Anständigkeit in Zeiten wie diesen ist herzerwärmend." Um des Regisseurs willen, der mit kompakten und starken Filmen wie Kanoon Kya Karega und Aitbaar anfing, bevor er zu Sultanat, Mahasangram, Hum, Agneepath und Khuda Gawah aufstieg, hoffe ich, dass sein letzter Film einen bleibenden Eindruck hinterlassen wird. Wie der geradlinige Mann selber. Dem ich, auf einer Skala von eins bis zehn, definitiv Dus (= Zehn) geben würde.
(Deutsch von Diwali)
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