Sonntag, 22. Juli 2007

Shootout At Lokhandwala (2007)

Zur Story: Zur Bekämpfung von Terroristen hat ACP Shamsher Khan (Sanjay Dutt) die Anti Terrorist Squad ATS gegründet und die Mitglieder dieser Spezialtruppe persönlich ausgewählt. Durch ihre nicht immer legalen Methoden stößt die ATS selbst bei der Mumbaier Polizei häufig auf Kritik. Derzeit hat sie eine Gangstergruppe im Visier, deren Anführer Maya Dolas (Vivek Oberoi) dabei ist, sich von seinem Boss in Dubai zu lösen und sein eigenes gnadenloses Regiment zu führen. Als Khan am 16. November 1991 endlich den Aufenthaltsort von Maya und seinen Kumpeln Buwa (Tushaar Kapoor), Fattu (Rohit Roy), RC (Shabbir Ahluwalia) und Doubling (Aditya Lakhia) im Swami-Building in Lokhandwala erfährt, lässt er das Gebäude von Polizeikräften belagern. Schon bald beginnt ein Feuergefecht zwischen 286 Polizisten und den Gangstern, das sich über sechs Stunden hinzieht und den Mumbaier Vorort in einen Kriegsschauplatz verwandelt. Doch anschließend sieht sich Khan einer abteilungsinternen Untersuchung ausgesetzt und der Verletzung von Menschenrechten sowie der Zusammenarbeit mit dem Dubaier Gangsterboss angeklagt. Anwalt Dhingra (Amitabh Bachchan) soll entscheiden, ob Khan und seine beiden Assistenten Inspector Kaviraj Patil (Suniel Shetty) und Constable Javed Shaikh (Arbaaz Khan) für das Blutbad in Lokhandwala zur Verantwortung gezogen werden müssen...

Sogenannte „encounter“, in denen es zu Schusswechseln zwischen Polizisten und Verbrechern kommt und die nicht selten seitens der Polizei nur vorgetäuscht werden, um tödlichen Schüssen auf angeblich flüchtende Kriminelle den Anstrich der Legalität zu verpassen, gehören offenbar zum Repertoire der Mumbaier Polizei. Nur wenige Tage vor dem Release von Shootout At Lokhandwala hatte wieder ein solcher Fall die Schlagzeilen gefüllt und zu Debatten über diese umstrittenen Polizeimethoden geführt und dem Film dadurch zusätzliche Brisanz und nicht vorhergesehene Aktualität verliehen – ganz im Sinne der Macher, die mit ihrem Film, der auf einer wahren Begebenheit basiert, Fragen weniger beantworten als vielmehr aufwerfen und Kontroversen auslösen wollten.

Das gelang ihnen auch – vor allem durch den Schluss, der in diesem Fall, da die historischen Tatsachen nun mal bekannt sind, ruhig vorweggenommen werden darf: durch den Freispruch Khans und seiner Assistenten vor Gericht. Ist es also richtig und legal, dass die Polizei im Kampf gegen Terroristen illegale Methoden verwendet? Sind Polizisten applauswürdige Helden, die mit der Anweisung „shoot to kill“ (Khan) ein Blutbad anrichten? Glorifiziert Shootout At Lokhandwala Polizisten, die sich über das Gesetz hinwegsetzen?

Nein. Lakhia hat getan, was er konnte, um den Freispruch, an dem er aufgrund der Fakten nun mal nicht vorbeikam, zumindest zu hinterfragen, stellt die Frage nach der Gerechtigkeit dieses Freispruchs ebenso wie die Frage, ob die Tötung der Gangster während des Shootouts gerecht war, und fordert das Publikum auf, seine eigene Entscheidung über recht und unrecht zu treffen. Anwalt Dhingra lässt während seiner Verhöre von Khan, Patil und Shaikh keinen Zweifel daran, dass die Männer der ATS für ihn keinen Deut besser sind als die Terroristen. Und seine Frage vor Gericht „wenn ein Mann mit einem Gewehr in Ihrem Garten steht, wer wäre Ihnen dann lieber: Maya, Buwa oder Shamsher Khan?“ ist in meinen Augen kein Plädoyer für Khan – vielmehr stellt Dhingra damit den ACP in eine Reihe mit den Gangstern (Sanjay reagiert ja auch entsprechend). Für mich ist das Finale keineswegs eine Rehabilitierung der Polizei, und hätte Amitabh in der Schlusseinstellung nicht gestrahlt wie ein frischgebackener Olympiasieger, dann wäre die Sache noch glaubhafter gewesen.

Das Blutbad in Lokhandwala, bei dem 1991 innerhalb von sechs Stunden 1.755 Kugeln abgefeuert wurden, ist ein Höhepunkt des Films und mitsamt seinen Gewaltexzessen grandios gefilmt. Zuvor bekommt der Zuschauer Gelegenheit, beide Parteien kennenzulernen – und keine davon wird in ein sonderlich vorteilhaftes Licht gestellt. Die Cops sind überwiegend kaputte Typen mit einem noch kaputteren Familienleben, und die Gangster sind unreife Jungs, die einfach nur leben und spielen wollen und sich dafür eben ausgerechnet das Erpressen und Killen ausgesucht haben. Sympathie kann man für keinen von ihnen entwickeln. Ebensowenig Mitleid – nicht mal, wenn die Jungs am Ende noch mitten im Kugelhagel Familienangehörige oder Liebste anrufen und tränenreich Abschied nehmen. Zudem werden selbst diese scheinbaren Versuche, die Gangster „menschlicher“ zu machen, umgehend ad absurdum geführt; wenn zum Beispiel Buwa seiner Tanu vorjammert, er hätte so gerne gelebt, bevor er sterben muss – heiraten, Kinder kriegen etc. –, und dann im gleichen Atemzug noch einmal daran erinnert, wie viele Menschen er umgebracht hat. Hat hier jemand Mitleid? Ich nicht.

Besetzt und gespielt ist der Film sehr gut, zum Teil sogar hervorragend. Sanjay Dutt gibt eine beeindruckende Vorstellung des knallharten ACP Khan (sein „historisches Vorbild“ Aftab Ahmed Khan, den er zu diesem Zweck genau studiert hat, wirkt in der Rolle des Commissioners Krishnamurty übrigens ebenfalls mit). Nicht weniger überzeugend ist Vivek Oberoi, der seine wohl beste Leistung seit Company abliefert. Amitabh Bachchan spielt seine kleine Rolle mit einem wohltuenden Schuss Sarkasmus und hat übrigens – ebenso wie sein Sohn Abhishek in der Winzrolle des Cops Abhishekh Matre – aus alter Freundschaft zum „Presenter“ des Filmes Sanjay Dutt für seinen Einsatz kein Honorar verlangt. Ach ja, und ein paar Frauen sind in diesem Actionfilm auch mit von der Partie, wobei Amrita Singh als Mayas Mutter spielend unter Beweis stellt, dass sie im kleinen Finger mehr Schauspieltalent hat als Diya Mirza (Reporterin), Aarti Chhabria (Tanu) und Neha Dhupia (Khans Frau) zusammen.

Zu tun haben sie nicht viel. Aber auch den männlichen Figuren hätte ein wenig mehr Persönlichkeitsentwicklung gut getan. Da hätte Lakhia besser auf einen oder zwei der unnützen Songs, die hier wirklich nur Füllselfunktion haben, verzichtet und dafür noch ein bisschen mehr Charakterzeichnung betrieben. Oder den Plot mit dem Dubai-Boss noch ein wenig mehr ausgearbeitet – wenn er schon den Fakt mit ins Spiel bringt, dass Khan beschuldigt wurde, bei dem Shootout in dessen Interesse bzw. Auftrag gehandelt zu haben, dann ist es geradezu unverzeihlich, dass er danach nie wieder darauf zurückkommt. Etwa aus Rücksicht auf den echten ACP Khan, den man ja quasi als Informationsquelle mit an Bord hatte – und von dem es seinerzeit durchaus auch hieß, er besuche Partys von Filmstars ebenso wie Partys von Mafia-Bossen?

Shootout At Lokhandwala wirft in der Tat eine Menge Fragen auf. Und ist von brennender Aktualität. Nicht nur in Indien, wo, wie gesagt, solche „encounter“ nach wie vor an der Tagesordnung sind (wenn auch seit 1991 nicht mehr in einem solchen Ausmaß wie damals in Lokhandwala). Sondern auch in Deutschland, wo derzeit ja u.a. darüber debattiert wird, ob man (potentielle) Terroristen vorsorglich abknallen darf oder nicht.

Produktion: Sanjay Gupta, Shobha Kapoor, Ekta Kapoor; Regie: Apoorva Lakhia
121 Min.; DVD: Rainbow, englische UT (inkl. Songs); kleine Info-Broschüre sowie Bonus-DVD mit Making of the Movie, Making of the Song, Interview of the Stars, Exclusive Premier Footage und Original Footage of Encounter Held in Mumbai 1991 By ACP A.A. Khan (die fünf Kapitel enthalten allerdings fast durchgehend immer das gleiche Material...)


P.S. Liz Mermin drehte mit Shot in Bombay einen Dokumentarfilm über die SOAL-Dreharbeiten. Hier meine Review zu dieser sehenswerten Dokumentation.

Samstag, 21. Juli 2007

Filmfare 5/1991: Strictly Personal - Sanjay Dutt über seinen Vater

Filmfare, Mai 1991

Strictly Personal - Sanjay Dutt über seinen Vater
„Als ich die Hand nach ihm ausstreckte, war er da“


Er war der eigensinnige Sohn, den Sunil Dutt schon fast aufgegeben hatte, als sich die Dinge plötzlich änderten. Sie entdeckten einander neu und bemerkten dabei, wie ähnlich sie sich sind.


Die Leute haben oft über unsere Beziehung spekuliert und mich dabei eher für Mamas Jungen gehalten; aber tatsächlich ist es mein Vater, der mich am meisten beeinflusst hat. Wir haben die gleichen Werte und Prioritäten. Wenn Dad einmal eine Entscheidung getroffen hat, dann rückt er auch nicht mehr von ihr ab; das ist bei mir genauso. Auch ist er sehr offen und geradeheraus und kann seine Ansichten vermitteln, ohne um den heißen Brei herumzureden. Er fordert Respekt, und ich denke, genauso bin ich auch.

Dad legte immer großen Wert darauf, uns von der Atmosphäre der Filmindustrie fernzuhalten. Selbst wenn wir mit auf eine Party gehen mussten, dann brauchten wir nur eine halbe Stunde zu bleiben und dann waren wir frei zu tun, was wir wollten. Er wollte ganz einfach nicht, dass ich ein Klugscheißer werde, ein arroganter Filmstarsohn, wozu es definitiv gekommen wäre, wäre ich zu Hause geblieben. Dad hatte das erkannt und deshalb beschlossen, mich nach Simla ins Internat zu verfrachten. Und an dieser Entscheidung hielt er fest, obwohl Mom entschieden gegen diese Idee war. Ich war ein verwöhnter Bengel, und er wusste: Wenn aus mir ein unabhängiges Individuum werden sollte, dann musste er mich fortschicken. Und wenn ich heute eines geworden bin, dann ist das einzig und allein seinem verantwortungsvollen Entschluss zu verdanken. Heute weiß ich, dass er seinerzeit recht gehandelt hat; aber damals, als er mich zwang, fortzugehen, habe ich ihn dafür gehasst. Ich begann mir selbst so leid zu tun, dass ich allen Ernstes den Verdacht hegte, ich sei nicht das leibliche Kind meiner Eltern. Vielleicht war ich adoptiert. Erst Jahre später begriff ich, dass es richtig von Dad war, mich fortzuschicken.

Er war immer ein strenger Vater, weil er nicht wollte, dass wir verzogen oder arrogant werden. Als er mich einmal dabei erwischte, wie ich einen Diener beleidigte, hat er mir gründlich die Meinung gegeigt. Dann erinnere ich mich an eine Tracht Prügel, die ich mit vier bekommen habe, als ich rauchte. Ich bin oft geschlagen worden, von beiden, Mom und Dad, und ich denke, ich habe es auch regelrecht herausgefordert. Dad meinte es wirklich ernst; falsch ist falsch, basta. Gut, meine Schwestern wurden nie verprügelt, aber die haben ja auch niemals die gleichen Dinge angestellt wie ich.

Priya war immer Dads Liebling. Sie kann mit ihm auf einem ganz anderen Level kommunizieren und dabei Dinge zu ihm sagen, die auszusprechen ich nicht mal im Traum wagen würde. Nicht aus Angst vor ihm, sondern aus schierem Respekt. Früher hatte ich Angst vor ihm, weil ich immer die falschen Dinge machte. Drogen, Alkohol, lange Nächte – alles nicht im Sinne von Dad, der mir ständig erklärte, unser Haus sei kein Hotel, und ich hätte gefälligst die Würde des Zuhauses zu respektieren.

In jener Phase war unsere Beziehung sehr angespannt. Ich hatte nicht die geringste Lust, in seiner Nähe zu sein, und wenn ich dann doch mal in Hörweite kam, schnauzte er mich an. Oder er redete einfach überhaupt nicht mit mir. In all diesen acht Jahren muss ich ihm eine Menge Kummer bereitet haben. Damals dachte ich eben, es ist mein Leben, also was soll’s, wenn ich es ruiniere.

Aber er machte sich Sorgen. Es schmerzte ihn, mir bei meiner Selbstzerstörung zusehen zu müssen. Und deshalb ließ er auch alles liegen und stehen, als ich ihm sagte, ich wolle davon loskommen, und stand mir bei. Er wollte mir dabei helfen, meine Schwächen zu überwinden. In all den Jahren ist er milder geworden. Als Kinder hatten wir noch Angst davor, ihn zu verärgern, aber heute kann Priya richtig frech zu ihm sein und kriegt trotzdem, was sie will. Als Anju in Amerika einen Kurs belegen wollte, hat er sich noch rundheraus geweigert, sie alleine dorthin fahren zu lassen, aber Priya durfte vor kurzem einen solchen Kurs absolvieren.

Was ich an Dad am meisten bewundere, ist, dass er, obwohl er schon so viel hat durchmachen müssen, immer standgehalten hat. Er lächelt nach wie vor, er wird mit allem fertig. Ein schwächerer Mann als er hätte womöglich begonnen zu trinken, aber er wusste, er musste für uns drei leben. Nach Mom’s Tod war er uns Mutter und Vater zugleich und hat sehr darauf geachtet, dass keiner von uns deswegen vernachlässigt wurde. Und dafür lieben wir ihn alle nur noch mehr. Auch früher schon war er immer für uns da. Immer wenn er von Außenaufnahmen zurückkam, selbst wenn es schon spät nachts war, dann weckte er uns auf, um mit uns zu spielen. Und wir wussten, dass er immer da war, wenn wir ihn brauchten.

Aber er ist leichtgläubig. Ständig wird Dad zum Narren gehalten, immer und immer wieder wird er aufs Kreuz gelegt. Ich wünschte, er würde das endlich merken und aufhören, sich so behandeln zu lassen. Er ist einfach ein zu guter Mensch und will anderen helfen, vor allem da er nun in einer Position ist, in der er das kann. Die Politik ist nach wie vor ein Stein des Anstoßes zwischen uns. Ich finde, er sollte es bleiben lassen. Er ist zu gut und zu ehrlich für die Politik. Er will Gutes für sein Land tun, aber er begreift nicht, dass das kein Ein-Mann-Job ist. Seit er in die Politik gegangen ist, steht er ständig unter Stress. Ich wünschte, er würde sich wieder auf das Filmemachen verlegen, also auf das, was er sein Leben lang gemacht hat.

Dad hatte nie etwas dagegen, dass ich Filmstar werde. Er hatte zwar großen Wert auf meine Studien gelegt, aber irgendwie gelang es mir, ihn zu überzeugen, dass in meinem Fall das College Zeitverschwendung war und dass er mich besser etwas machen lassen sollte, was der Mühe wirklich wert war. Und er muss gewusst haben, dass ich das Zeug dazu habe, mir als Schauspieler einen Namen zu machen, sonst hätte er mich nicht unterstützt.

Rocky wurde als mein Debütfilm produziert. Dad testete mich auf Herz und Nieren, und ich musste trainieren, bis er zufrieden war und mich für gut genug für einen Film hielt. Karate, Tanz, Dialoge sprechen – alles habe ich ausgiebig trainiert. Wäre ich ihm als Schauspieler nicht gut genug gewesen, dann hätte es auch keinen Rocky gegeben. Leider lief der Film nicht gut, aber damals spielte das für uns kaum eine Rolle, wir waren wie betäubt von dem Schock über Mom’s Tod – schließlich kam Rocky gerade mal drei Tage danach raus. Ich bin froh, dass wenigstens Dad noch miterleben kann, dass ich es geschafft habe. Endlich.

(Protokolliert von Meera Joshi; Deutsch von Diwali)

Freitag, 20. Juli 2007

Stardust 5/1990: Court Martial: Sanjay Dutt

Stardust, Mai 1990

Court Martial: Sanjay Dutt


Andere zu bedrohen oder zu verprügeln ist für ihn ebenso normal wie die Zigarette zu rauchen, die er ständig in der Hand hält. Eine düstere Drogenvergangenheit. Eine Karriere, die konstant die Startbahn entlangrollt und nach wie vor aufs Abheben wartet. Dazu höhnische oder abfällige Bemerkungen von seinen Konkurrenten. Und eine kranke Ehefrau in den USA. Sanjay Dutts Kelch ist am Überfließen. In unserem Court Martial stellt sich der Deadly Dutt den Anschuldigungen – mit seiner gewohnten extravaganten „ist-mir-scheißegal“-Haltung. Und natürlich mit seinen üblichen Warnungen.

Stardust: Sie haben eine vorherrschende gewalttätige Seite in sich, und anstatt sie zu zügeln, protzen Sie offen damit, was Ihnen durchaus auch ein wenig furchtsamen Respekt eingebracht, Ihnen aber vor allem viele Feinde verschafft hat und den Ruf eines wahnsinnigen Verrückten.

Sanjay: Was für Feinde? Ich glaube nicht, dass ich Feinde habe. Zumindest keine, die sich mir offen zeigen. Und die, die hinter meinem Rücken über mich reden, sind so rückgratlos, dass sie nicht zählen. Schwache Feinde sind keine richtigen Feinde, wirklich nicht. Ich wünschte mir, die Leute würden zu mir kommen und mir offen ins Gesicht sagen, was für ein Problem sie mit mir haben. Was meine gewalttätige Nater betrifft, die empfinde ich als hilfreich; sowas verhindert, dass die Leute Spielchen mit dir spielen. Ich bin offen und geradeheraus, und wenn ich jemanden nicht leiden kann, dann sage ich es ihm ins Gesicht, dass er sich verpissen soll. Ich finde, es ist besser, so zu sein. Und selbst wenn ich heute sehr viel ruhiger geworden bin, dürfen die Leute ruhig weiterhin an die gewalttätige Seite in mir glauben. Das hält nutzlose Zeitgenossen auf gute Distanz.

Stardust: Erst prügeln Sie Ayub Khan (den Besitzer der Mehboob Studios) ohne jeden Grund grün und blau, und dann, als er Ihnen den Zutritt zu seinem Studio verbietet, bedrohen Sie ihn mit einem Messer. Was sind Sie, ein Schauspieler oder ein Gangster?

Sanjay: Das war nach einer Party in den Mehboob Studios; ich hatte Dilip (Kumar) saab und Sairaji – zwei Menschen, die ich verehre – zu ihrem Auto begleitet, als ein völlig betrunkener Ayub ankam und ein paar extrem schmutzige und abfällige Bemerkungen zu ihnen machte. Sie waren völlig überrumpelt und wussten gar nicht, wie sie reagieren sollten, aber ich habe die Beherrschung verloren und Ayub grün und blau geschlagen. Und das hatte er verdient, denn so spricht man nicht mit einer Dame und einem Gentleman. Später hat er dann im Studio diesen Aushang gemacht, der mir den Zutritt untersagte. Daraufhin habe ich den Kopf noch mehr verloren. Ich nahm ein gupti (gebogenes Messer), setzte mich damit runter in die Studiokantine und bat jemanden, Ayub runterzurufen. Aber diesmal war er nüchtern und weigerte sich, runterzukommen. Stattdessen ließ er mir durch den Mann seine Entschuldigungen ausrichten und dass das Zutrittsverbot aufgehoben sei. Daraufhin bin ich in aller Ruhe wieder gegangen, und später war die Sache dann erledigt. Aber eines will ich noch sagen. Die Leute sollten besser darauf achten, wie sie mit einer Dame reden. Ich mag es nicht, wenn sie dabei keinen Respekt zeigen.

Stardust: Anil Sharma ist extrem verärgert über Sie. Erst unterschrieben Sie für seinen Film Tahelka, und dann ließen Sie ihn wegen der Termine hängen. Und schließlich ließen Sie ihn im Stich, ohne eine Begründung anzugeben. Warum sind Sie so sprunghaft?

Sanjay: Das ist eine Kontroverse, die auch ich gerne aufklären möchte. Also, zuerst einmal hatte Anil Sharma mir noch nichts bezahlt, also war ich auch durch nichts an ihn gebunden. Zweitens hatte ich keinen Vertrag unterschrieben. Drittens wollte er, dass ich mir bei der F.M.C. (Film Makers’ Combine) einen Brief mit der Genehmigung für den Drehbeginn besorge. Aber es ist nicht mein Job, zum F.M.C. zu gehen und grünes Licht für Drehtermine einzuholen, sondern der des Produzenten. Und viertens, warum sollte ich andere Produzenten schädigen zugunsten von Mr. Anil Sharma? Was hat er mir mit Tahelka schon Besonderes geboten? Was kann Tahelka mir bringen? Der hat noch zehn weitere Hauptdarsteller. Von meiner Seite aus gab es da überhaupt kein Missverständnis. Die F.M.C. gab mir eben keine Genehmigung, und ich musste aus dem Film aussteigen. Und jetzt läuft der Mann herum und bläht das Ganze unverhältnismäßig auf. Und ich bin sowas von froh, dass ich den Film nicht gemacht habe. Besonders seit ich all diese Tahelka-Hauptdarsteller als Mädchen in Badeanzügen gesehen habe. Gott, das hätte ich niemals machen können. Wie auch immer, ich brauche keinen Anil Sharma in meinem Leben. Vermutlich wird er es sein, der eines Tages mich braucht.

Stardust: Ein weiterer Produzent, der große Probleme mit Ihnen hat, ist Salim Akhtar. Offenbar war es die herablassende Haltung Ihres Sekretärs Pankaj Kharbanda, die dazu führte, dass er Ihre Rolle in Indradhanush jemand anderem gab, obwohl der Regisseur (Daddoo Sippy) einer Ihrer engsten Freunde ist.

Sanjay: Warum sollte jemand ein Problem mit Pankaj haben? Pankaj hat mit meinen Drehbüchern oder anderen Dingen nichts zu tun. Er kümmert sich lediglich um meine Termine und das ganze berufliche Drumherum. Ich mochte ganz einfach diesen Film nicht, und ich habe verdammt noch mal das Recht darauf, einen Film nicht zu machen, wenn ich ihn nicht mag. Zweitens kann ich Mr. Salim Akhtars Arroganz nicht ausstehen. Er weiß nicht, mit wem er es zu tun hat. Wenn er mir arrogant kommt, dann muss er mit einer noch arroganteren Reaktion von mir rechnen. Und so habe ich ihm gesagt, dass ich nicht daran interessiert war, seinen Film zu machen, weil mir das Set-Up nicht gefiel. Wahrscheinlich war das das erste Mal, dass jemand Nein zu ihm sagte. Und wahrscheinlich war es das, was ihn verletzt hat. Und dann gibt er bequemerweise Pankaj die Schuld, der überhaupt nichts dafür kann.

Stardust: Aber Pankaj Kharbanda erwirbt sich gerade mehr und mehr den schlechten Ruf des arrogantesten Sekretärs in der ganzen Glitzerstadt. Viele fühlen sich abgestoßen von seinem selbstherrlichen und hochnäsigen Benehmen. Glauben Sie nicht, dass Ihre Karriere darunter leiden könnte?

Sanjay: Überhaupt nicht. Ich finde, Pankaj ist ein verkappter Segen. Mein früherer Sekretär Sarvar Husain hat den Zugang zu mir immer leicht gemacht. Es war immer ganz einfach, an Sanjay heranzutreten, und Sanjay wurde zu allen möglichen Dingen manipuliert. Nach dem Motto „na klar, Sanjay Dutt wird da sein, ich mache gleich den Termin fest“. Ich wurde einfach als selbstverständlich vorausgesetzt. Aber heute hat sich die Situation geändert, mit Panks läuft das anders. Man kommt immer noch an mich ran, aber jetzt verläuft das in geordneten Bahnen. Panks ist disziplinierter und organisierter. Und diese Disziplin hat die Leute wohl schockiert, und jetzt reden sie schlecht darüber. Aber wenigstens sagt jetzt einer auch mal Nein zu ihnen. Es heißt ja auch, dass Rikku Madhuris Leben kaputtmacht oder Boney das von Anil oder Mukul das von Jackie. Was soll das, yaar? Ich finde, diese Männer sind ihnen eine Hilfe, so wie Pankaj mir eine Hilfe ist. Und je mehr Leute über uns reden, desto mehr zeigt das, dass wir in unserem Leben wirklich erfolgreich vorankommen.

Stardust: Während alle Ihre Co-Stars in Khatarnaak auf ihr Gehalt verzichtet haben, um dem Fight Master Ram Shetty zu helfen, den Film zu vollenden, waren Sie der einzige, der sich das abgelehnt hat. Nicht nur das, Sie haben den armen Ram weiterhin wegen der Termine schikaniert, auch nachdem er Sie bezahlt hatte. Sehr unfair von Ihnen, finden Sie nicht?

Sanjay: Dazu sage ich hier nur eines. Nämlich dass ich meine Frau in einem sehr schlechten Gesundheitszustand in den USA zurückgelassen habe, um diesen Film zu machen. Nicht nur ein-, sondern drei- oder viermal. Ich ließ Richa in schwierigen Situationen in Amerika zurück und kam zurück, um Khatarnaak zu vollenden. Das soll Ram Shetty mal nur einmal umgekehrt für mich machen. Ob er das wohl könnte? Was das Geld betrifft: er war es, der darauf bestanden hat, mir eine symbolische Summe auszuzahlen. Und nachdem er sich schon mal selber dazu verpflichtet hatte, bestand ich auch darauf. Dabei hätte ich das Geld wahrscheinlich sausen lassen, hätte er die Filmtechniker bezahlt. Das tat er jedoch nicht, und deshalb habe ich das mir versprochene Geld eingefordert. Und überhaupt ist Ram Shetty der letzte, der sich beklagen sollte. Ich habe ihm viel geholfen, und das weiß er auch.

Stardust: Konkurrenz, ganz gleich in welcher Form, können Sie nicht ertragen. Aamir Khan mögen Sie überhaupt nicht. Selbst der jüngste Newcomer Salman Khan hat bereits seinen Weg in Ihre Hassliste gefunden, nur weil er sich Sie zum Vorbild genommen hat. Selbst den humorvollen Chunky Pandey machen Sie schlecht. Gibt es denn überhaupt jemanden in der Filmindustrie, den Sie ausstehen können?

Sanjay: Ich habe noch nie jemanden gehasst oder nicht gemocht, solange er mich nicht gehasst oder nicht gemocht hat. Meine Vorlieben und Abneigungen sind sehr offensichtlich. Denn wenn jemand jemanden nicht mag, dann weiß der das irgendwie. Wenn also niemand etwas davon weiß, dass ich ihn nicht mag, dann bedeutet das, dass es eben auch niemanden gibt, den ich nicht mag. Ich hatte noch nie etwas gegen Aamir Khan. Er war immer nett zu mir. Was Salman betrifft, dazu sage ich Ihnen nur eins: Ich kenne ihn seit seiner Kindheit und habe ihn immer gemocht. Wenn er jetzt überall verkündet, dass ich sein Vorbild bin oder dass er aussieht wie ich, dann fühle ich mich gut dabei. Drittens hat er mir gegenüber stets eine Menge Respekt an den Tag gelegt, und wann immer er Rat oder Hilfe von mir braucht, werde ich für ihn da sein. Und gegen Chunks habe ich auch nichts. Im Grunde ist er ein verdammt netter Kerl. Und wenn ich ihn einmal einem Journalisten wegen eines Interviews empfohlen habe, dann weil er die sehr viel bessere Adresse für die Themen Sex und Jungfräulichkeit ist, als ich es jemals sein könnte. So, ich hoffe, ich habe jetzt alles klargestellt, denn ich mag es nicht, wenn jemand rumläuft und meine persönlichen Beziehungen zu anderen kaputtmacht.

Stardust: Ihr Hass auf Anil Kapoor ist aber ganz bestimmt nicht eines der bestgehüteten Geheimnisse der Industrie. Warum machen Sie ständig solche Anti-Anil-Statements? Noch dazu, wo er sie stets stillschweigend hinnimmt?

Sanjay: Ich sage nie etwas zu jemandem ohne Grund. Es war Anil, der damit angefangen hatte, Bemerkungen über mich in der Presse und auch anderswo zu machen. Und was er da so verzapft hat, hat mir nicht gefallen, deshalb habe ich selber gegen ihn auch ein paar Bemerkungen gemacht. Aber nur, weil ich ihn nicht direkt erwischen konnte. Wir sind uns nie persönlich begegnet. Deshalb gab es anfangs einen Kalten Krieg zwischen uns, aber eben nur, weil wir uns nie getroffen haben. So, und nachdem wir das jetzt geklärt haben, möchte ich noch etwas sagen. Ich will nicht, dass irgendjemand mich benutzt, um etwas gegen Anil zu sagen. Wenn ich ihm etwas zu sagen habe, dann mache ich das selber. Es gibt nichts, was ihm ins Gesicht zu sagen ich nicht den Mumm und den Nerv hätte. Ich brauche dafür keine Presse oder sonst jemanden, der meine Schulter benutzt, um von dort aus auf Anil zu feuern. Ich bin nicht der Typ, der Boten nötig hat. Ich meine, der Mann fängt ja mittlerweile tatsächlich an, mir leid zu tun, wenn ich mir ansehe, wie man ihn behandelt. Ich denke, ich werde ihn demnächst mal zum Lunch einladen.

Stardust: Sie machen sich öffentlich über den Film Kroadh lustig, in dem Sie selber mitspielen. Wie können Sie den Interessen Ihrer eigenen Produzenten entgegenwirken? Offenbar haben Sie keine Ahnung von den ethischen Grundsätzen in Ihrem Beruf.

Sanjay: Habe ich Anti-Werbung gegen den Film gemacht? Ich finde: nein. Okay, ich bin impulsiv und rede, ohne nachzudenken. Aber ich denke nicht, dass ich dem Film in irgendeiner Weise geschadet habe. Und letzten Endes entscheidet das Publikum, wie gut oder schlecht ein Film ist; es lässt sich da von niemandem beeinflussen. Davon abgesehen, dass ich doch ganz gut über den Film gesprochen habe.

Stardust: Es heißt, Ihre „gute Freundschaft“ mit Amrita Singh sei nur ein Vorwand, um die Affäre zu vertuschen, die Sie mit ihr hatten. Richtig oder falsch?

Sanjay: Ja, Amrita und ich sind gute Freunde. Was soll ich noch mehr dazu sagen? Sie ist einer der besten Menschen in der Industrie. Sie ist ein lieber Kerl und eine fabelhafte Freundin, aber sie ist nicht der Typ Frau, mit der ich eine Affäre starten würde. Das ist alles.

Stardust: Gerüchte besagen, dass Sie dieses Feld derzeit wie ein Profi beackern. Offenbar haben Sie sich sehr oft mit Shilpa Shirodkar getroffen – nachdem Sie sie schon regelmäßig von Kodaikanal aus angerufen haben, wo Sie für Thanedaar drehten. Ebenso wie Ektaa, mit der Sie sich nach Auskunft der Gerüchteküchen ebenfalls häufig treffen. Klartext, bitte.

Sanjay: Ich kenne Shilpa Shirodkar überhaupt nicht. Punkt. Sie ist ein nettes Mädchen, mit der ich einen oder zwei Filme habe, aber das war’s auch schon. All das Gerede, ich würde sie anrufen, ist Schwachsinn. Über Ektaa und mich habe ich auch schon eine Menge Gerüchte gehört, und ich würde zu gerne herausfinden, wer solche Lügen verbreitet. Warum sagt mir sowas keiner ins Gesicht, anstatt auf diese Weise zu lästern und zu verleumden. Wenn sie zu mir sagen: „Sieh mal, Sanju, das und das machst du“ – dann reagiere ich vielleicht. Bitte finden Sie für mich heraus, wer diese Gerüchte verbreitet. Es ist lange her, dass ich jemandem in den Hintern getreten habe, aber jetzt wär’s mal wieder soweit.

Stardust: Sie sind total vernarrt in Madhuri Dixit. Empfehlen Sie sie deshalb für jeden Ihrer Filme als Ihre Partnerin? Und ist das nicht noch ein zusätzlicher Grund für Ihre Abneigung gegen Anil Kapoor – dass sie so fest in seinem Lager verwurzelt ist?

Sanjay: O Gott! Noch weiter hergeholt ging’s wohl nicht? Ich bin überhaupt nicht vernarrt in Madhuri. Sie ist eine sehr gute Schauspielerin und ein sehr lieber Mensch und ich mag sie sehr, aber ich empfehle sie nirgends. So, und jetzt verrate ich Ihnen ein kleines Geheimnis: Ich bin vernarrt in Sridevi, nicht in Madhuri. Sri ist eine umwerfend schöne Frau und eine irrsinnig gute Schauspielerin, und ich bin verrückt nach ihr. Und was soll das mit den Lagern? Das ist sowas von scheißpervers, Mann. Ich stelle hiermit noch einmal klar, dass ich Anil Kapoor nicht hasse. Warum sollte ich? Ich habe genügend Selbstvertrauen.

Stardust: Trotz allem, was geschehen ist und gesagt wurde, sind Sie niemals wirklich über Tina Munim hinweggekommen und sehnen sich immer noch nach ihr. Stimmen Sie dem zu?

Sanjay: Woher wissen Sie das? Oder wie will das überhaupt jemand wissen? Ich sage es jetzt ein für allemal: Tina ist ein vergessenes Kapitel in meinem Leben, und es gibt nichts, ich wiederhole: nichts, das es jemals wieder aktuell werden lassen könnte. Ich habe jetzt wirklich anderes zu tun als mir noch ein weiteres Problem aufzuhalsen. Lasst das jetzt endlich ruhen.

Stardust: Wenn Sie Tina wirklich hinter sich gelassen haben, warum machen Sie dann immer noch abfällige Bemerkungen über Rajesh Khanna? Wäre es denn nicht höchste Zeit, zu vergeben und zu vergessen?

Sanjay: Rajesh Khanna! Dem trete ich in den Hintern, wenn ich ihm mal begegne. Sagen Sie ihm das ruhig. Und dabei habe ich nicht einmal etwas gegen ihn. Der wahre Grund ist, dass er niemals nett über mich redet. Er macht mich immer und überall nur schlecht. Und das hat nichts mehr mit Tina zu tun. Er hat irgendetwas Persönliches gegen mich. Natürlich war es anfangs wegen Tina, dass wir uns nicht mochten. Aber irgendwann ist üblicherweise alles vergeben und vergessen, und man ist sich wieder gut. Wie ich jedoch höre, verbreitet er nach wie vor gemeine Dinge über mich in der Industrie. Das fällt dann auf mich zurück, und das passt mir nicht. Aber ich werde noch schlimmer sein. Ich warte nur darauf, dass er mir eine Gelegenheit dazu gibt. Der ist doch krank, Mann!

Stardust: Angesichts von Richas Gesundheitszustand, sollten Sie im Moment nicht eher bei ihr und Trishala in Amerika sein als hier?

Sanjay: Wer immer das fordert, der soll mal an meine Stelle treten, wenn er schon so verdammt besorgt um mein Leben ist. Warum halten die Leute sich nicht einfach aus meinem Leben raus? Es ist mein Leben, und ich will nicht, dass irgendjemand Urteile darüber fällt. Ich tue das Beste für meine Familie, das in meinen Kräften steht, und ich glaube, 99% aller Männer würden nicht mal halb so viel tun. Schweinebacken! Wenn ich zu meiner Familie fliege, schreiben sie, ich sei verantwortungslos, weil ich so viele Filme blockiere, in die so viel Geld investiert worden ist. Und wenn ich dann wiederkomme, um meine Filme fertigzustellen, heißt es, ich vernachlässige meine Familie. Ich finde, ich bewältige meine beiden Verpflichtungen bemerkenswert gut. Ich arbeite hier, um Geld zu verdienen, und dann fliege ich nach New York und verbringe meine schönsten Momente mit Richa und Trishala. Aber wie heißt es so schön: Man kann nun mal nicht alle zufrieden stellen.

(Omar Qureshi; Deutsch von Diwali)

Mittwoch, 18. Juli 2007

Movie 6/1988: Sanjay Dutt: "Ich liebe Richa bis zum Wahnsinn"

Movie, Juni 1988

Sanjay Dutt: „Ich liebe Richa bis zum Wahnsinn“

Lange Zeit wollte er über seine Ehe nicht sprechen. „Das ist meine Privatwelt;“ sagte er, „ich will nicht, dass andere da eindringen.“ Auch als die ersten Gerüchte über Richas Schwangerschaft durchsickerten, hielt er sich verlegen bedeckt. „Ja, meine Frau ist schwanger“ bestätigte er kurz, aber unwillig. Doch nach einer langen Schweigephase ist Sanjay Dutt nun in einem Exklusiv-Interview für Movie zum ersten Mal aus der Defensive hervorgekommen, redete in einem ausgiebigen Gespräch über seine Ehe und wie sie sein Leben verändert hat und klärte zugleich alle kontroversen Gerüchte um seine Schwestern Anju und Priya und seinen Freund und Schwager Kumar Gaurav. „Das war das längste Interview, das ich je gegeben habe,“ meinte er am Ende. „Ich wusste gar nicht, dass ich so viel reden kann...“


Ich traf Richa das erste Mal beim Muhurat eines meiner Filme im Sea Rock. Sie gefiel mir vom ersten Augenblick an, irgendwie stach sie aus ihrer Umgebung heraus. Ich weiß sogar noch, dass sie Jeans und ein vielfarbiges Top trug. Ich erkundigte mich, wer sie war, und ließ mich ihr vorstellen. Einige Tage später rief ich sie an und bat sie, mit mir auszugehen. Wir gingen zusammen essen, und von da an trafen wir uns regelmäßig. Schon bald merkte ich, das Richa anders war als die Mädchen, die ich bis dahin gekannt hatte. Sie war nicht kalkulierend, manipulativ oder auf Geld aus. Sie war ein einfaches Mädchen, ein fantastischer Mensch, dem man vertrauen konnte. Für mich bedeutet Liebe Zusammensein, Geborgenheit und Verständnis, und all das fand ich in Richa. Mit wurde auch klar, dass ich nicht mehr ohne sie leben konnte, deshalb beschloss ich, sie zu heiraten. Ich wollte, dass sie ihre Karriere aufgibt, um für mich, unsere Kinder und unser Zuhause dazusein. Sie war einverstanden; sie war ohnehin nicht von der ehrgeizigen Art.

Ich flog nach New York, um ihre Eltern in aller Form um ihre Hand zu bitten. Ihre Familie hatte große Bedenken gegen einen Schwiegersohn aus dem Filmgeschäft und gegen mich ganz besonders, bei meinem wilden und zügellosen Ruf. Aber bei meiner ersten Begegnung mit ihrem Dad führten wir ein Gespräch von Herz zu Herz miteinander, und er verstand mich, was die Situation entspannte. Richa hat zwei ältere Schwestern, mit denen ich gut zurechtkomme. Richas Mutter ist eine extravagante Dame, in deren Gegenwart man viel Spaß hat. Richas Eltern behandeln mich mehr wie einen Sohn als wie einen Schwiegersohn.

Richa und ich stehen uns sehr nahe. Wir versuchen, soviel Zeit wie möglich miteinander zu verbringen, und machen oft Abstecher nach Kashmir, Ooty etc. Ich liebe Richa. Ich habe keine Angst vor ihr wie andere Männer, die ihre Ehefrauen fürchten. Aber können Sie sich vorstellen, dass ich Riesenkerl von einem Mann, vor dem andere Leute zurückschrecken, Angst vor einer Küchenschabe habe? Vor ein paar Tagen habe ich mich zu Hause ausgeruht und fühlte, wie mir etwas am Bein hochkrabbelte. Ich versuchte, es abzuschütteln, aber das Ding krabbelte immer weiter hinauf, und da merkte ich, dass es eine Küchenschabe war. Mein Geschrei brachte das ganze Haus in Aufruhr. Meine Familie hat sich totgelacht über mich. Und heute soll ich mit einer Küchenschabe drehen! Ich habe keine Ahnung, wie ich diese Szene überleben soll; ich will einfach nur in einem Stück nach Hause zu Richa kommen. Sie wartet dort mit dem Essen auf mich, und so liebe ich das. Es ist ein großartiges Gefühl zu wissen, dass jemand zu Hause besorgt auf dich wartet. Ich liebe Richa bis zum Wahnsinn.

Natürlich streiten wir beide uns auch ab und zu. Dieser ganze Prozess des Streitens, Schmollens und Versöhnens trägt für mich eine Menge zum Reiz einer Ehe bei. Bei unserem ersten Streit nach der Hochzeit ging es um eine so dumme Frage wie, in welches Restaurant wir gehen sollten. Wir wurden beide immer gereizter, warfen uns wütende Worte an den Kopf, und am Ende beruhigten wir uns wieder. Mal ist es Richa, die nach einem Streit den ersten Schritt zur Versöhnung macht, und mal bin es ich. Es gibt kein Ego-Problem zwischen uns beiden. Wie kann das auch sein zwischen Ehemann und Ehefrau? Es klingt so dumm, wenn andere sagen, sie hätten ein Ego-Problem gegenüber ihrem Ehepartner.

Ich bin ein eifersüchtiger Mensch. Nicht bei meinen Kollegen, ihrem Erfolg oder der Anzahl von Filmen, die sie in der Tasche haben. Das ist unwichtig für mich. Aber ich werde eifersüchtig, wenn jemand permanent meine Frau anschaut. Das passiert praktisch jeden Tag, und ich schaue dann immer nur wütend zurück. Zum Glück – oder leider – blieb es mir bislang erspart, wegen Richa in ein beleidigendes Wortgefecht oder einen Faustkampf verwickelt zu werden. Über meine angeblichen Affären streiten weder Richa noch ich. Ich bin ein treuer Ehemann und werde das auch mein Leben lang bleiben. Diese Gerüchte über Dingy (Amrita Singh) und mich sind total unbegründet. Dingy und ich sind nicht nur Co-Stars, sondern auch sehr, sehr gute Freunde, und stehen sich nicht alle Freunde sehr nahe? Diese Gerüchte wurden von leeren Gehirnen ausgestreut, denen es nicht passte, dass Richa und ich glücklich sind. Sie dürften ganz schön überrascht gewesen sein, als bei mir zu Hause kein Feuerwerk losging. Sie wissen eben nicht, das Richa mir vollkommen und hundertprozentig vertraut. Ich werde sie niemals enttäuschen.

Ich bin nicht nur ein aufrichtiger Ehemann, sondern auch ein aufrichtiger Freund. Meine Freunde können mich zu jeder Tages- und Nachtzeit anrufen, und ich helfe ihnen auf jede nur denkbare Weise. Als ich noch drogensüchtig war, hatten sich viele meiner Freunde vor mir zurückgezogen, sie hörten sogar auf, mit mir zu reden. Damals war ich sehr wütend und verärgert über sie. Aber inzwischen habe ich erkannt, dass sie meine wahren Freunde waren; es war ihr aufrichtiger Wunsch, dass ich diese Unart aufgebe, und deshalb waren sie so hart zu mir.

Zur Zeit ist die Industrie voller heimtückischer Pharisäer. Ich kann diese Leute einfach nicht ausstehen und halte mich von ihnen komplett fern. Aber Böse und Gute sind immer gemischt; es gibt auch ein paar Jungs, die wirklich gut sind und mit denen ich gut zurechtkomme – wie Sunny, Govinda, Chunky und Jackie. Was Jackie betrifft, für den würde ich sogar mein Blut vergießen. Ich werde nie vergessen, dass er extra für nur einen einzigen Tag nach New York geflogen ist, um an meiner Hochzeit teilzunehmen. Wenn er gewollt hätte, dann hätte er sich das mit Leichtigkeit schenken können; aber er tat es nicht, er hat sich als sehr guter Freund erwiesen.

Es gibt Zeiten im Leben, in denen man das Gute, das einem zuteil wird, nicht akzeptieren will und seinen Wert erst im Laufe der Zeit erkennt. Auch mir ist das passiert, und zwar im Zusammenhang mit meiner Schwester Anju. Ich bin meinen Schwestern gegenüber sehr besitzergreifend. So sind Jungen nun mal. Selber nehmen sie jeden Spaß mit, aber sobald es um ihre eigenen Schwestern geht, werden sie hysterisch. Als ich von Anjus Verbindung mit Bunty erfuhr, weigerte ich mich, das zu akzeptieren. Ich konnte einfach nicht glauben, dass Anju Bunty heiraten wollte. Aber schließlich brachte meine Umgebung mich zur Vernunft. Inzwischen habe ich natürlich längst begriffen, dass die beiden füreinander geschaffen sind. Bunty ist nicht nur mein Schwager, sondern auch ein sehr guter Freund. Wir vertrauen einander, besprechen unsere Probleme miteinander und teilen jedes noch so kleine Geheimnis. Ich persönlich bin ja der Meinung, dass Bunty von der Industrie ziemlich fies behandelt worden ist. In Naam hatte ich die massentaugliche Rolle, während die von Bunty sehr schwierig war. Und doch hat er eine sehr dezente und feinsinnige Vorstellung geboten, die wirklich ausgezeichnet war. Leider haben die Menschen sein Talent nicht zur Kenntnis genommen. Ich bin sehr glücklich, dass er jetzt wieder für ein paar Filme unterschrieben hat. Merkt auf meine Worte, Bunty wird zurückkommen, und dann wird wieder mit ihm zu rechnen sein.

Zwischen Richa und meinen Schwestern gibt es überhaupt keine Probleme. Alle drei sind erwachsene, reife Frauen und stehen weit über solchen Dingen. Derzeit managen Richa und Anju zusammen das Haus. Doch schon bald wird Anju in ihr eigenes Heim umziehen. Meine Reaktionen darauf sind gemischt. Ich bin glücklich und zugleich ein wenig traurig – glücklich, weil Bunty und sie nun ihr eigenes Zuhause aufbauen werden, und traurig, weil sie eine Leere in unserem Haus hinterlassen wird. Obwohl ihr neues Zuhause nicht weit von uns sein wird, bin ich sicher, dass ich sie vermissen werde. Was Priya betrifft, sie ist ganz locker und entspannt, sie ist sehr glücklich darüber, eine Schwägerin um sich zu haben.

Egal, was andere Leute sagen, auf meine Popularität hat sich meine Hochzeit nicht ausgewirkt. Ich bekomme noch immer die gleiche Menge Fanpost, und die Mädchen himmeln mich noch immer an. Persönlich haben mich Richa und die Ehe jedoch tief beeinflusst. Ich bin heute ein veränderter Mensch. Es sind viele positive Veränderungen, aber es wäre langweilig, über sie zu reden, obwohl ein paar von ihnen ziemlich drastisch sind.

Zuallererst hat die Ehe mir geholfen, mein Temperament zu zügeln. Früher habe ich mich schon von der geringsten Provokation in Schlägereien verwickeln lassen oder mit der Flinte um mich geschossen, aber das ist vorbei. Wobei das nicht heißt, dass ich aufgehört habe, gelegentlich die Beherrschung zu verlieren. Erst unlängst bei Dreharbeiten in Filmcity war da ein Typ, der ständig billige Bemerkungen über meine Partnerin machte. Und ich bin grundsätzlich sauer, wenn jemand etwas Abfälliges zu einer Frau sagt. Frauen soll man lieben und mit Respekt behandeln. Als dieser Typ sich weigerte, endlich die Klappe zu halten, habe ich ihn angebrüllt, bin auf ihn losgegangen und habe ihn grün und blau geschlagen. Ich betrachte mein Temperament durchaus als einen Vorteil für mich, wenn es andere Menschen einschüchtert.

Bevor ich Richa kannte, war ich sehr verantwortungslos. Sie hat mir geholfen, Gleichgewicht in mein Leben zu bringen. Ich bin verantwortungsvoll geworden, nicht nur auf persönlichem, sondern auch auf beruflichem Sektor. Ich bin ehrgeiziger geworden und will wirklich Gutes in meiner Karriere leisten. Mit Naam bin ich als Schauspieler ein gutes Stück gereift und habe gelernt, hart an meinen Rollen zu arbeiten. Regisseure wie Mahesh Bhatt, J.P. Dutta, Dobby Goel, Aziz Sajawal und Shashilal Nair verstehen es wirklich, das Beste aus mir rauszuholen. Mit ihnen arbeite ich sehr gerne. Ich würde liebend gerne unterschiedliche Arten von Rollen spielen, aber das Problem in Indien ist, dass du, egal wie sehr du es zu vermeiden versuchst, immer wieder auf den gleichen Rollentyp festgezurrt wirst. Ich weiß, dass ich dieses Image des toughen, starken Manns habe, deshalb werde ich, so gern ich andere Rollen spielen würde, darauf verzichten, weil ich die Konsequenzen fürchte. Von Flops lasse ich mich niemals deprimieren, die vergesse ich wie einen bösen Traum.

Mein Ziel als Schauspieler ist nicht nur, große Höhen zu erreichen, sondern auch einmal mit Amitji zu arbeiten. Der Mann ist einfach der Wahnsinn, er ist eine eigene Institution. Aber ich will unter der Bedingung mit ihm arbeiten, dass unsere Rollen, wenn nicht gleichwertig, so doch zumindest annähernd gleichwertig sind; ein Film, in dem ich nur als eine Requisite auftauche, kommt nicht in Frage. Außer einem Film mit Amitji freue ich mich noch auf weitere glückliche und schöne Momente in meinem Leben – zum Beispiel auf meine Vaterschaft.

Ich werde bald Vater sein, und das habe ich auch nie geleugnet. Was gibt es da zu verheimlichen? Es haben ja auch alle Magazine darüber berichtet. Ich glaube nicht, dass sich meine Vaterschaft irgendwie negativ auf meine Karriere auswirken wird, und selbst wenn, dann ist es mir schnurz. Richa wird zur Entbindung nach New York fliegen; ihre ganze Familie lebt dort, und in ihrer Umgebung wird sie entspannter sein. Ich denke, in solchen angstvollen und empfindlichen Stunden möchte jede Frau ihre nächsten Angehörigen um sich haben, egal wie nahe sie ihrer Schwiegerfamilie steht. Ich komme dann später nach, denn natürlich will ich zum Zeitpunkt der Entbindung bei ihr sein. Unser Baby wird ein Löwe sein wie seine Eltern. Ob es ein Junge oder ein Mädchen sein wird, darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht. Hauptsache es wird ein normales und gesundes Baby; das Geschlecht des Kindes spielt für mich keine Rolle.

Ich werde ein strenger Vater sein, so wie ich jetzt auch schon ein strenger Onkel bin. Meine Nichte Sachi ist ein richtig süßer Schatz (manche meinen, dass sie, was das Temperament betrifft, mir nachschlägt, ich kann das nicht sagen), aber ich bin sehr streng mit ihr, obwohl ich sie sehr liebe. Mein Dad, Richa und Bunty verhätscheln sie schrecklich, deshalb müssen Anju, Priya und ich darauf achten, dass sie keine Grenzen überschreitet. Wir haben uns auch schon mehrfach bei Dad darüber beschwert, dass er Sachi so verwöhnt, während er mit uns immer so streng war. Aber ich glaube, so sind Großväter nun mal.

Dad war wirklich sehr streng mit mir, als ich noch klein war, während meine Mum mich verzogen hat. Was immer ich anstellte, war als Rebellion gegen meine Umgebung gedacht. Wir hatten bei uns zu Hause dieses ungeschriebene Gesetz, dass wir nach 6 Uhr abends nicht mehr unterwegs sein sollten. Aber irgendwie habe ich mich immer wieder aus dem Haus geschlichen und bin mit meinem Auto auf und davon. Eines Tages kam Dad drauf und fragte Mum, wo ich sei. Die Arme, um mich zu retten, log sie ihm vor, ich schliefe bereits. Worauf mein Dad das Schlafzimmer kontrollierte, wo ich natürlich nicht war. Also blieb er wach und wartete auf mich. Ich kam gegen 3 Uhr morgens nach Hause, und der Wachmann war instruiert worden, mich nicht reinzulassen. Ich glaube, meine Eltern hatten Zoff, aber als ich dann endlich reindurfte, machte mein Dad den Abflug. Wir gerieten in Panik und fuhren ihm nach; das war ein ganz schönes Drama, bis wir ihn schließlich dazu überredet hatten, wieder nach Hause zu kommen. Heute habe ich nicht mehr solche Angst vor Dad wie früher. Ich beherzige seine Ratschläge, weil ich weiß, dass sie immer nur von Vorteil für mich sind. Aber wenn ich das Gefühl habe, dass er falsch liegt, dann sage ich ihm das auch. Wir reden immer von Mann zu Mann miteinander.

Und so soll es auch bei meinen Kindern und mir sein: Freiheit und zugleich viel Liebe und Respekt, ich möchte nicht, dass meine Kinder mir entgleiten und außer Kontrolle geraten. Richa und ich haben noch überhaupt nichts für unser Kind geplant, es ist ja noch viel zu früh, um jetzt schon seine Zukunft zu verplanen. Im Moment sind Richa und mein Kind mein ein und alles. Ich weiß, ich werde der beste Vater sein, so wie ich auch der beste Ehemann bin.

(Nilufer Qureshi; Deutsch von Diwali)

Samstag, 14. Juli 2007

Vijeta (1996)

Zur Story: Advokat Durga Prasad (Alok Nath) führt seine Kanzlei zusammen mit drei Junioranwälten, darunter der unbekümmerte Ashok (Sanjay Dutt), der sich zumeist eher für die handgreiflichen Argumente zuständig fühlt. Im Moment geht für Durga einiges schief – eine wichtige Akte erreicht ihn nicht rechtzeitig, weswegen er einen Fall vor Gericht verliert; einer seiner Klienten, ein Regierungsangestellter (Anant Mahadevan), der durch korrupte Regierungsbeamte schuldlos entlassen worden ist, wird auf offener Straße ermordet. Als Durga den Fall dennoch vor Gericht bringen will, um seinen Klienten wenigstens postum zu rehabilitieren, wird er mitsamt seiner Frau Laxmi (Reema Lagoo) vor dem Gerichtsgebäude niedergemetzelt. Ashok, Augenzeuge des Verbrechens, weiß nun, wer dahintersteckt: der Gangster Vidhya Sagar (Paresh Rawal). Nach einem vergeblichen Versuch, Sagar vor Gericht zur Verantwortung zu ziehen, nimmt Ashok die Sache selber in die Hand und beginnt, Sagars Handlanger einen nach dem anderen zu töten. Dabei gerät er in den Verdacht von Police D.I.G. Jagdish Chaudhary (Amrish Puri), der Police Inspector Vijayalaxmi (Raveena Tandon) auf Ashok ansetzt. Obwohl die beiden ein Liebespaar sind, stellt Vijaya Ashok pflichtbewusst zur Rede, worüber die beiden in einen heftigen Streit über den Sinn des Gesetzes geraten. Fortan befehden sie sich gegenseitig; Ashok setzt seinen Rachefeldzug fort, Vijaya versucht, ihn daran zu hindern – und beide ahnen nicht, wer ihr wahrer Feind ist...

Das Cover der Raj-VCD, in dessen Mittelpunkt ein kurzhaariger, blutender und schwerbewaffneter Sanjay Dutt steht, lässt befürchten, dass Vijeta, ähnlich wie der ebenfalls 1996 auf den Markt geworfene Namak, das Ergebnis langjähriger Dreharbeiten und dann hastiger bis schlampiger Editionsarbeiten nach Sanjays Freilassung 1995 ist – kurz: ein Film voller Continuity-Fehler und dafür ohne dramaturgische Stringenz. Doch wie sich das Bild auf das Cover verirrt hat, bleibt das Geheimnis des Vertriebs; Sanjay kommt so nicht ein einziges Mal vor. Vijeta entpuppt sich vielmehr als ein Film, den zumindest Sanjay größtenteils in relativ kurzer Zeit abgedreht haben dürfte, nimmt man den Haarfaktor als Maßstab.

Die dramaturgische Stringenz steht dennoch auf einem anderen Blatt, denn auch wenn die Story an sich sehr kompakt und übersichtlich (und vor allem ohne störende Nebenhandlungsstränge) rüberkommt, so wirkt die Szenenabfolge bisweilen doch etwas uninspiriert, und die zahlreichen, nicht immer motivierten Rückblenden auf das Liebesglück von Ashok und Vijaya lassen zumindest die Vermutung zu, dass es sich dabei um Verlegenheitslösungen handelt. Sprich: dass noch mehr Szenen geplant waren, nach Sanjays Inhaftierung aber nicht mehr gedreht und nach seiner Freilassung auch nicht nachgeholt wurden, weil man auch aus dem vorhandenen Material einen brauchbaren Film zusammenbekam. Vielleicht ist diese Spekulation von mir aber auch völlig verkehrt, und das Drehbuch war von vornherein eben einfach nur durchschnittlich.

Wie auch immer – Vijeta ist keine Sensation, aber allemal einen Blick wert, sieht man von einem schauspielerischen Schwachpunkt ab, der in diesem Fall Paresh Rawal heißt. Der Mann kann sehr gute Schurken spielen, aber warum er in Vijeta – noch dazu mit kümmerlichem Hitlerbärtchen verunziert – einen auf Sadak-Maharani machen musste, wissen wohl nur er selbst und der Regisseur, zumal Paresh dabei niemals auch nur annähernd die unterschwellige Gefährlichkeit von Sadashiv Amrapurkar erreicht, sondern eher lächerlich wirkt und dadurch als Bösewicht nicht wirklich ernstgenommen werden kann.

Ansonsten ist die Schauspielerriege solide und überzeugend. Alok Nath und Reema Lagoo haben leider nur wenig Gelegenheit, sich zu profilieren, aber allein ihre erste Szene war ihren Einsatz wert – die Szene, in der Reema einem Sanjay, nachdem der etwas ausgefressen hat, und seinen beiden Kumpeln dabei hilft, einen erzürnten Alok wieder zu versöhnen. Sanjay bietet dabei wieder einmal seine köstlichste Lausbuben-Unschuldsmimik – wenn er die einsetzt, kann man ihm einfach nicht böse sein und verzeiht ihm alles. Auch, dass er den Film insgesamt ziemlich routiniert, aber streckenweise beinahe uninspiriert runterspielt. Das bedeutet jetzt nicht, dass er schlecht ist; Vijeta stammt immerhin aus einer Phase Anfang der 1990er, in der Sanjay vor der Kamera in Top-Form war und selbst dann überzeugend rüberkam, wenn er einfach nur seinen Stiefel spielte. Vergleicht man jedoch Vijeta mit zeitgleich entstandenen Filmen, dann sieht man deutlich den Unterschied: Sanjay ist sehr gut, aber irgendwie fehlt der gewisse Funke, durch den er andere Filme so entscheidend aufwertete.

Vielleicht lag es in diesem Fall auch an seiner Partnerin Raveena Tandon, mit der er zwar einmal mehr ein optisch schönes Gespann bildete; aber für den Police Inspector, der ihm selbstbewusst und herausfordernd Paroli bieten soll, ist Raveena einfach zu weich, ihr fehlt die Prägnanz z.B. einer Anita Raaj, die Sanjay in dieser Rolle ganz anders gefordert hätte. Immerhin offenbart Raveena am Ende, wenn sie für kurze Zeit sogar die Alleinverantwortung als Hero schultert, erstaunliche Nahkampfqualitäten (man darf vermuten, dass Sanju ihr den einen oder anderen Kick beigebracht hat). Auch Amrish Puri ist diesmal z.T. in eher ungewohnten Situationen zu sehen, etwa beim Rasenmähen, am Schlagzeug oder – im Piratenoutfit – in der ziemlich schrägen Tanznummer „Neend Aati Nahin“.

Wie gesagt: Für damalige Verhältnisse ist Vijeta ein relativ konzentriertes und kompaktes Produkt, innerhalb der Sanjay-Dutt-Filmographie jedoch bestenfalls Durchschnitt. Auch Sanjay selbst schien von der Story nicht besonders inspiriert gewesen zu sein. Aber eines muss man ihm lassen: Seine Showdowngeste war auch hier wieder mal einfach nur stark.

Produktion: Anil Rathi; Regie: K. Muralimohan Rao
152 Min.; VCD: Raj Video, ohne UT; kleine Tonstörungen gegen Ende
Haarfaktor

Dienstag, 10. Juli 2007

Ciné-Blitz 9/1987: Sanjays Lungenkollaps

Ciné-Blitz, September 1987

Panik nach der Verlobung


1. August – der glücklichste Tag im Leben von Richa Sharma und Sanjay Dutt. Sie wurden in aller Form verlobt in Anwesenheit ihrer beider Familien. Nach vielen turbulenten Beziehungen hat sich Sanjay endlich seine zukünftige Braut erwählt: Richa. Der sportliche Yankee-Teenager, den Dev Anand aus New York mitgebracht hatte, gab alle Filmpläne auf, um als die zukünftige Mrs. Sanjay Dutt sesshaft zu werden. Und auf strenge Anweisungen ihres Freundes flog sie zurück nach Amerika, nach Hause und zu ihrem halbfertigen Architektur-Studium. Das war in jedem Fall besser als herumzuhängen und auf das Ja-Wort zu warten.

Sanjay stand zu seinem Wort und flog bei der ersten sich bietenden Gelegenheit ebenfalls nach New York, um die Verlobung zu verkünden. Er wählte den Termin so, dass auch seine Schwester Anju und ihr Mann (Sanjays bester Freund Bunty), die gerade Urlaub in Amerika machten, an der Zeremonie teilnehmen konnten. Auch Papa Sunil war zufällig gerade in Amerika für eine Veranstaltung des Nargis Memorial Trusts und verlängerte seinen Aufenthalt, um die Verlobung seines einzigen Sohnes zu organisieren. Die Zeremonie verlief wie geplant, und als Hochzeitstermin wurde der 12. Oktober festgelegt.

Wie jedes verliebte Mädchen war Richa in einem Zustand absoluter Glückseligkeit, als sie allen ihren Freunden ihren exquisiten Diamantring präsentierte. Doch ihr Glück war nur von kurzer Dauer. Am 10. August, keine zehn Tage nach ihrer Verlobung, erlitt Sanjay einen schweren Lungenkollaps – ein sehr seltenes Leiden, von dem gewöhnlich nur Athleten betroffen sind. Eine Abendzeitung berichtete davon, und sofort verbreitete sich die Nachricht wie ein Lauffeuer, oft mit sehr unschönen Begleiterscheinungen. Der Dutt-Hausstand war in Panik, und wir konnten Sanjays Schwester Priya nicht für einen Kommentar erreichen. Seine andere Schwester Anju (Buntys Frau) sollte erst am 14. August wieder zurückkommen. Dafür gelang es uns, mit Sanjays Cousin und Manager Sarwar Khan zu sprechen, der uns folgendes mitteilte:

„Wir machen uns furchtbare Sorgen um ihn – umso mehr, da wir noch keine Nachricht von Dutt saab oder Sanjay selbst haben. Aber ich habe vor ein paar Tagen mit New York telefoniert, und da hieß es, er sei noch immer im Krankenhaus, aber nicht mehr in kritischem Zustand. Das ist eine Krankheit, die niemanden in seiner Familie oder von seinen Freunden je befallen hat, und deshalb fragten wir uns natürlich, was um alles in der Welt das war. Doch unser Hausarzt hat mir versichert, dass Sanjay keine Gefahr droht, da er sofort und rechtzeitig behandelt werden konnte.

So ein Kollaps passiert bei gewaltigem Druck auf die Lungen. Üblicherweise sind Langstreckenläufer und Athleten anfällig dafür. Eine Art Bläschen bildet sich in einer der Lungen und hemmt die Atmung. Sanjay hatte einen schlimmen Anfall von Gelbsucht vor seinem Abflug in die USA, und der Arzt hatte ihn ernsthaft vor jeder Form von Training gewarnt, denn er wusste um Sanjays Gewohnheit, Gewichte zu stemmen und ausgiebig Squash zu spielen. In New York wohnt er derzeit bei seinem Freund Hemant, und ich habe erfahren, dass er die Anordnung des Arztes ignorierte und sich jeden Abend Hemant zu Fitness-Training und anderen anstrengenden Aktivitäten anschloss. Aber nun ist er operiert worden und wird sich sicher bald wieder erholen.

Wegen des höhenbedingten Luftdrucks in einem Flugzeug wird Sanjay die nächsten paar Wochen auf keinen Fall heimfliegen können; außerdem wurde ihm strenge Bettruhe verordnet. Selbst nach seiner Rückkehr wird er noch mindestens einen weiteren Monat lang nicht drehen oder irgendwelche physischen Aktivitäten unternehmen. Auf beruflichem Sektor kann er derzeit lediglich seine Dubbing-Termine wahrnehmen.“

Auf unsere Frage, ob Papa Sunil aufgrund von Sanjays Erkrankung nun die Hochzeit verschoben hat, versicherte Sarwar: „Die Hochzeit wird wie geplant am 12. Oktober stattfinden. Dutt saab wollte inzwischen eigentlich wieder zurücksein, aber er hat beschlossen, seinen Amerika-Aufenthalt zu verlängern und erst dann heimzufliegen, wenn er einen ausführlichen Röntgenbericht von den Ärzten bekommen hat. Das könnte noch eine Woche dauern. Wir machen uns große Sorgen um Dutt saab, bei all dem Druck, unter dem er steht. Aber die Ärzte auch hier in Bombay haben uns versichert, dass ein Lungenkollaps bei vollständiger Bettruhe kuriert werden kann. Der Produzent Tinnu Anand hatte vor ein paar Jahren einen ähnlichen Anfall. Und sagt den Leuten um Himmels willen, sie sollen keine dummen Schlussfolgerungen ziehen und die Ursache für die Krankheit in Sanjays Drogenvergangenheit suchen! Das stimmt einfach nicht.“

Richas Familie und Angehörige leben alle in Amerika. Daher haben die Dutts einer Hochzeit in New York zugestimmt. Nargis’ Nichte und Sanjays Cousine Zaheeda, früher selber Schauspielerin, hält es nur für fair, dass die Hochzeit in New York stattfindet: „Man kann von Richas zahlreicher Verwandtschaft nicht erwarten, dass sie geschlossen nach Bombay pilgert. Das wäre für sie äußerst umständlich und unerwünscht. Und nach der Hochzeit wird Richa ja hierherkommen und für immer bei Sanjay bleiben. Natürlich wird es dann auch ganz bestimmt noch einmal eine große Feier im Haus von Dutt saab geben. Richa ist ein liebes Mädchen. Ich hoffe, die beiden werden sehr, sehr glücklich. Gott segne die beiden! Doch im Moment beten wir alle nur, dass Sanjay bald wieder gesund wird.“

Irgendwann in der ersten Oktoberwoche werden also Dutt saab und Anju und Bunty mit ihrer kleinen Tochter Sacchi zur Hochzeit nach New York fliegen. Nur Sanjays jüngste Schwester Priya überlegt noch, ob sie mitkommen wird. Sie hat schon ihre Prüfungen Anfang des Jahres verpasst wegen ihrer Teilnahme an der Padayatra, sie wird wohl nicht auch noch auf das Oktober-Examen verzichten können.

Kurz vor Drucklegung des Magazins haben wir noch erfahren, dass Sanjay nach zehntägigem Aufenthalt aus dem Krankenhaus entlassen worden ist und sich derzeit im Haus seines Freundes Hemant erholt. Alle Versuche, Richa und ihre Familie in New York zu kontaktieren, waren vergeblich; wir trafen immer nur auf einen Anrufbeantworter, der uns erzählte, dass niemand zu Hause sei. Offensichtlich schiebt die gesamte Familie Wache an Sanjays Krankenbett. Damit am D-Day 12. Oktober alles in Ordnung ist.

(Moni Mathal; Deutsch von Diwali)

Montag, 9. Juli 2007

Movie 7/1987 Sanjay Dutt: A View from the Top

Movie, Juli 1987

Sanjay Dutt: A View from the Top


Er rannte durch die Straßen von Hongkong. Bahnte sich seinen Weg durch die Menge in einem verzweifelten Versuch, zu entkommen. Aber es war zu spät. Ein gezeichneter Mann, wurde er von den Cops entdeckt – und angeschossen. Minuten später war alles vorbei. Als die Flammen des Scheiterhaufens über die Leinwand züngelten, saßen die Zuschauer in ihren Kinosesseln und schluchzten hemmungslos in ihre Taschentücher.

Das war Naam. Und für den jungen Sanjay Dutt war das ein Augenblick des Triumphs. Wie ein Phönix hatte er sich aus der Asche seiner Karriere erhoben. Ein Star war wiedergeboren.

Erfolg war genau das Stärkungsmittel, das er gebraucht hatte nach einer langen Pechsträhne voll persönlicher Tragödien – eine seelenzerfetzende Drogenphase, der Tod der geliebten Mutter, gebrochene Liebesaffären und eine gescheiterte Karriere. Nun ist Sanjay wieder auf den Beinen und dabei, sich selbst zu beweisen. Und das Publikum, müde der altbekannten Gesichter und talentloser Newcomer, begrüßte seine Rückkehr.

Sanjays Wirkung beruht nicht auf irgendeiner besonderen Begabung für Darstellung oder Tanz, sondern auf seiner merkwürdigen Mischung aus kleinem verlorenem Jungen und schroffem Äußeren. Seine starke Macho-Physis ist nur eine dünne Maske für seine grundlegende Verletzlichkeit. Und damit trifft er mitten ins Ziel.

Heute spricht Sanjay frei und ungezwungen. Über seine Entwicklung als Star. Über die Menschen, die ihm auf dem Weg nach oben geholfen haben. Über die Mutter, die er über alles geliebt hat. Über seine Familie. Und über die Frauen, die er bewusst vergessen hat...

Seine Familie

„Meine frühesten und besten Erinnerungen gelten meiner Familie. Einer Familie, die menschliche Werte über alles andere gestellt hat. Meine Eltern waren damals beide auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, aber sie waren immer da, wenn ich sie brauchte. Sie haben mich gelehrt, die Menschen und das Leben aus der richtigen Perspektive zu betrachten. Ich wurde in eine wohlhabende Familie hineingeboren, aber mir wurde beigebracht, dass ich alles selber verdienen musste, was ich haben wollte – einschließlich Ruhm und Geld. So wie auch meine Eltern sich alles selber erarbeitet haben. Nur ganz wenige Eltern erziehen ihre Kinder heute so, wie Anju, Priya und ich aufgezogen wurden. Wir haben in vielerlei Hinsicht dankbar zu sein.

Mum (Nargis) war ein Stützpfeiler der Stärke für mich. Sie war eine wahrlich bemerkenswerte Dame. Hingabe und Perfektion wahren ihre Schlagworte. Für andere war sie zu ihrer Zeit vielleicht die regierende Box-Office-Königin, doch für uns war sie eine warmherzige, sanfte und liebevolle Mutter. Bis heute kann ich ihre Gegenwart in 58 Pali Hill spüren. Ihre alles leitende Hand ist allgegenwärtig. Es gibt nur eines, was ich bereue – dass ich ihr durch meine Drogensucht solchen Kummer bereitet habe. Ich musste ihr gar nicht davon erzählen – sie war eine sehr scharfsichtige Frau. Ihre Familie kam für sie immer an erster Stelle. Sie war es, die mich dazu inspiriert hat, Schauspieler zu werden; sie hat mich gelehrt, nach Größe, ganz nach oben zu streben. Wenn mir das gelingt, dann in Erinnerung an die Frau, die ich am meisten liebe – meine Mutter.

Ich erinnere mich an Dad als einen strengen und ernsten Mann, ziemlich das Gegenstück zu Mum. Obwohl ich ihn liebte, hatte ich immer Angst vor ihm. Irgendwann hatte Dad das Gefühl, dass es das Beste war, mich von zu Hause fort und auf ein Internat zu schicken. Jetzt, rückblickend, danke ich Dad dafür.

Mein Vater Sunil Dutt ist ein außergewöhnlicher Mann. Wieviele Menschen kennen Sie, die jahrelang in Luxus leben und sich üblicherweise vom Chauffeur durch die Gegend fahren lassen und die dann für eine gute Sache Tausende von Meilen zu Fuß gehen? Wieviele Menschen kennen Sie, die ihre Worte auch in die Tat umsetzen? Ich habe mir wirklich Sorgen um Dad gemacht während seiner Padayatra, aber ich war auch furchtbar stolz auf ihn.

Heute haben wir beide eine Beziehung zueinander, die auf Liebe basiert und die keine Macht auf Erden zerstören kann. Dazu haben wir zu viele Stürme gemeinsam überstanden. Er ist ein sehr starker Mensch. Ich habe ihn nur ein einziges Mal zusammenbrechen sehen, und das war, als Mum starb.

Anju und Priya stand ich immer sehr nahe. Sie haben durch dick und dünn zu mir gehalten. Nach Mums Tod hat Anju die Herrschaft im Haus übernommen. Und sie hat alles genauso gemacht wie früher Mum. Ich hatte immer Vertrauen zu Anju, weil sie sowohl tiefes Verständnis als auch sehr viel Liebe hat. Heute ist sie glücklich verheiratet mit meinem besten Kumpel Kumar Gaurav. Ich will die unschönen Gerüchte rund um ihre Hochzeit gar nicht erst kommentieren – sie sind nichts als gemeine Lügen. Ich mische mich nicht in ihr Leben ein, sie sind beide erwachsene Menschen. Aber ich werde immer für sie da sein.

Priya ist das Nesthäkchen der Familie. Aber in meinen Augen ist sie phänomenal – und das sage ich nicht einfach nur, weil sie meine Schwester ist. Kein anderes Mädchen in ihrem Alter hätte eine Padayatra von so vielen Tausenden von Meilen unternommen. Sie ist ohne zu murren in glühender Hitze den ganzen Weg von Bombay nach Amritsar gegangen. Ist das zu toppen? Wenn sie mal etwas beschlossen hat, dann zieht sie das auch durch. Eigentlich gilt das für die gesamte Familie. Die Dutts machen niemals etwas halb oder lassen es halbfertig liegen.“

Seine Mentoren

„Ich glaube fest an das Schicksal. Natürlich leisten auch die persönlichen Anstrengungen ihren Beitrag, aber die Basis für meinen Erfolg – oder für mein Scheitern – ist Schicksal.

Heute habe ich 28 Filme an der Hand mit ausgezeichneten Regisseuren und unter Top-Bannern. Ich bin von Grund auf ein Schauspieler, der sich dem Regisseur überlässt. Ich bin immer dann am besten, wenn ich mit dem Regisseur auf gleicher Wellenlänge liege. Ich hasse jede Art von Unannehmlichkeiten bei der Arbeit. Ich muss ständig mit ganzem Herzen bei der Arbeit sein.

Warum schießen die Leute ständig gegen meine engen Verbindungen zu Pappu Verma, Mahesh Bhatt, Dobby Goel und J.P. Dutta? Das sind Freunde, die in der schlimmsten Phase meines Lebens zu mir gestanden sind – und damit meine ich jetzt nicht die Drogenphase. Denn die Hölle, durch die ich nach meiner Entzugstherapie und der Rückkehr zur Industrie ging, war schlimmer. Damals empfingen mich Hohn und Spott und Bezeichnungen wie ‚verloren’. In dieser Zeit ging Pappu Verma bewusst das Risiko ein, mich unter Vertrag zu nehmen, und Mahesh Bhatt machte mich zum Star. Ich bin ein sehr sentimentaler Mensch. Ich vergesse niemals eine Freundlichkeit. Dem Vertrauen, das diese Menschen in mich hatten, verdanke ich meine heutige Position. Ich bin ihnen dankbar und respektiere sie, sowohl als Privatmenschen als auch als Männer mit großem Talent.“

Seine Traumata

„Ich habe vorhin gesagt, die Drogenphase sei nicht die schlimmste Zeit meines Lebens gewesen. Sie kommt all den anderen Traumata, die sich vor einigen Jahren einmal nur so anzuhäufen schienen, ziemlich nahe. Aber ich denke, die Monate nach Mums Tod waren die schlimmsten Monate meines Lebens. Ich habe sie so lange stumm leiden sehen. Ich konnte nicht begreifen, warum das gerade ihr zustoßen musste. Sie war so gut, so ein wunderbarer Mensch. Aber ihr Tod war nicht der Grund für meine Drogensucht. Ich war dem Zeug schon lange vor ihrer Erkrankung verfallen. Am Anfang war es einfach nur ‚in’, Drogen zu nehmen, aber für mich wurde es ganz schnell zu einer Manie und dann zu einem Albtraum. Im Laufschritt in die Hölle. Meine Karriere scheiterte. Ich verlor meine Mutter. Es wurde zu viel für mich, ich kam damit nicht klar.

Ich danke Gott für meine wundervolle und hilfsbereite Familie. Sie machten mir nie Vorwürfe, warteten einfach nur still und geduldig ab. Wenn ich heute ein anderer Mensch bin (und die Metamorphose ist unglaublich), dann ist das Dad, Anju und Priya zu verdanken. Natürlich hatte ich Freunde wie Gaurav, aber das waren nur wenige. Entscheidend war letztlich mein Beschluss, mit den Drogen aufzuhören. Meine Familie hatte mir die Augen geöffnet, aber sie konnte sie nicht für mich offen halten.“

Seine Freundinnen

„Dass ich keines der Mädchen, mit denen ich in all den Jahren gesehen wurde, geheiratet habe, ist Beweis genug, dass es mit keiner von ihnen etwas wirklich Ernstes war. Hätte ich in einem dieser Mädchen Mrs. Sanjay Dutt gesehen, dann hätte ich sie längst geheiratet.

Meine Beziehung zu Tina war nichts als Verliebtheit. Ich habe sie geliebt, aber es war eine Jugendliebe. Wir haben einige schöne Momente geteilt. Da sich nun unsere Wege getrennt haben, möchte ich nicht mehr über sie reden – das wäre nicht korrekt.

Was wollen Sie, dass ich über Shai sage? Die ganze Welt hat darüber schon ihre Kommentare abgegeben, es hat gar keinen Sinn, dass ich darauf näher eingehe. Ich verstehe nur nicht, warum jedermann ausschließlich auf mich mit dem Finger zeigt. Auch andere Typen haben Affären. Warum greift man mich heraus?

Ich will auch nicht über meine Beziehung zu Kimi Katkar reden. Wir haben unsere Differenzen jetzt ausgeräumt und arbeiten auch wieder zusammen. Und ich sage nichts zu Richa Sharma. (Frage des Redakteurs: Ist sie die zukünftige Mrs. Dutt?) Die Welt hat keinerlei Anspruch auf Details aus meinem Privatleben. Ich sage nur eins: Ich liebe sie sehr.“

Die Presse

„Wenn ich die Presse verachte, dann deshalb, weil sie sehr unfair zu mir war. Wie oft haben die Medien denn über meine Karriere berichtet? Es ging ihnen immer nur um Sanjay und die Drogen oder Sanjay und die Frauen... Ich verstehe ja, dass die Filmmagazine ihr Material ein bisschen würzen müssen. Aber warum müssen sie sich auf das Niveau schmutziger und billiger Sensationsmache herabbegeben? Ich will jetzt keine Namen nennen, aber es gibt gewisse Publikationen und Schreiber, die einzig auf der Basis von Gemeinheit arbeiten. Aber von jetzt an werde ich kompromisslos gegen jeden vorgehen, der bei mir aneckt. Ich komme niemandem in die Quere, und ich will, dass auch mir niemand in die Quere kommt.“

Seine Kollegen/Rivalen

„Mir ist bewusst, dass viele in der Ankunft einiger neuer Stars eine Bedrohung für meine Position in der Industrie sehen. Aber bitte, macht mal halblang! Die Industrie ist groß genug, dass jeder, der Talent hat, in ihr Platz findet. Anil Kapoor, Jackie Shroff, Sunny Deol, Govinda – wir sind alle auf einer Stufe, und jeder ist auf seine eigene Weise erfolgreich. Warum will man mit Gewalt eine Kontroverse schaffen, wo es gar keine gibt?

Ich weiß auch, dass manche Leute denken, ich könne nicht tanzen. Aber wartet nur ab! In einigen meiner nächsten Filme habe ich mir den Hintern abgetanzt. Lasst mir Zeit, Leute, ich bin noch jung. Meine beste Zeit kommt erst noch!“

Seine Favoriten

„Ich habe viele Favoriten, sowohl unter Menschen als auch unter Dingen. Ganz oben auf der Liste steht natürlich meine Familie. Sie bedeutet mir so ziemlich alles, und das wird auch immer so bleiben.

Meine Vorstellung von einem Auswärtsabend ist nicht, in einer Disco auszuflippen. Ein ruhiges Dinner bei Kerzenschein an einem Ort wie dem Rendezvous oder dem Café Royal ist mir lieber – und danach dann eine lange Autofahrt.

Meine Lieblingsparfüms? Armani und Silver von Etienne Aigner. Sie sind exklusiv – so wie ich (lacht).

Mein Lieblings-Co-Star? Dingy (Amrita Singh). Es macht großen Spaß, mit ihr zu arbeiten.

Ach, meine Favoritenliste ist endlos. Wenn ich jetzt damit weitermache, dann kommen Sie mit Ihrem Interview nie zu Ende.“

Seine Träume und Sehnsüchte


„Ich bin der größte Träumer der Welt. Natürlich träume ich nur von schönen Dingen. Nach Hollywood zu gehen und der größte Star der Welt zu werden. Mit Al Pacino zu arbeiten. Brooke Shields kennenzulernen. Und noch so viel mehr...“

(Deutsch von Diwali)