Sonntag, 18. Januar 2009

Sanjay Dutt charms Lucknow

Quellen / Sources in English
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Sanjay Dutt in Lucknow
Zusammenfassung verschiedener Berichte über die Road Show und die Pressekonferenz

Sanju hat am Samstag viele Herzen in Lucknow im Sturm erobert, als er vier oder fünf Stunden lang (die Berichte sind da unterschiedlich) durch die Straßen der Stadt fuhr. Tausende säumten seinen Weg, um ihm zuzujubeln. Mit ihm zusammen fuhren Manyata, die Schauspielerinnen Jaya Prada und Jaya Bachchan, die beide MPs aus der Samajwadi-Partei sind, der beliebte Bhojpuri-Sänger Manoj Tiwari und viele Parteiobere, allen voran der Parteivorsitzende Mulayam Singh Yadav und der Generalsekretär Amar Singh.

Sanju bediente vor allem sein Munnabhai-Image mit vielen Verweisen auf Gandhigiri und jadoo ki jhappis. Auf die Frage, wer denn in diesem Fall seinen Circuit spielen würde, antwortete Jaya Bachchan: "Wir alle." Auch auf der anschließenden Pressekonferenz stellte Sanju in Aussicht, dass man nun sein Gandhigiri im wirklichen Leben erleben könne; so bemerkte er u.a. scherzhaft, er würde seinen Hauptgegnern, der regierenden Bahujan Samaj Party (BSP), Blumen überreichen.

Die sündteure Werbekampagne, die Akhilesh Das, Kandidat der BSP, in Lucknow bereits gestartet hat, schreckt Sanju ebensowenig wie die Proteste gegen ihn, die der Artikel als "schäbig" bezeichnet. Eine Handvoll Das-Anhänger hielt Plakate hoch und skandierte "Verschwinde, Sanjay Dutt!" Das Anti-Terrorist-Forum, mit dem das AK-47-Plakat unterzeichnet war, scheint es in Wahrheit gar nicht zu geben, da dieser Protest hier als "anonym" bezeichnet wird.

Sanju, Yadav und Singh sehen keinen Grund, warum Sanjus Verurteilung seine Kandidatur verhindern solle. Navjot Singh Sidhu, ein früherer Cricketspieler, ist heute Parlamentsmitglied für die BJP - und er durfte im vorigen Jahr dafür kandidieren, obwohl er wegen "culpable homicide" (Totschlag bzw. vorsätzliche Tötung; da ich den Fall nicht kenne, bin ich vorsichtig mit der genauen Übersetzung) verurteilt worden ist - ein entschieden schwerwiegenderer Fall als Sanjus Waffenbesitz und Arms-Act-Verurteilung.

Amar Singh nannte es eine Schande, dass jemand wie BSP MLA Shekhar Tiwari, der vor einem Monat einen Menschen brutal zu Tode gelyncht habe, nicht Terrorist genannt würde, während Sanju vielerorts immer noch so bezeichnet würde, obwohl das Gericht ihn von diesen falschen und haltlosen Anschuldigungen freigesprochen habe. (Sanju selber hatte bereits bei der Pressekonferenz am 16.1. einmal mehr deutlich auf den Unterschied hingewiesen: Er sei nach dem Arms Act verurteilt worden und nicht nach TADA, er sei von der Verwicklung in die Bomb Blasts von 1993 freigesprochen worden, und die Medien möchten diesen entscheidenden Unterschied in ihren Berichten über ihn doch bitte danke berücksichtigen.)

Sanju versicherte: "Ich werde in die Fußstapfen meines Vaters treten. In mir fließt das Blut von Nargis und Sunil Dutt, und ich werde stets ihre Ideale verfolgen." Befragt, wieviel Zeit er in Lucknow verbringen werde, wenn er gewählt würde, meinte er: "So viel wie mein Vater in seinem Wahlkreis verbracht hat."

Amar Singh erklärte, das Lucknow-Ticket der SP sei keine Gunstbezeugung für Sanju; man sei vielmehr dankbar, dass er ihr Angebot angenommen habe. Sanju wiederum kündigte an, seine Kandidatur zurückzuziehen, sollte der ehemalige Premierminister Atal Bihari Vajpayee, der den Sitz in Lucknow derzeit innehat, noch einmal kandidieren, da dieser für ihn wie ein Vater sei.

Sanju ging bei seinem ersten Auftritt als Politiker sichtlich vorsichtig vor. Auffallend waren seine versöhnlichen Gesten gegenüber der Congresspartei, seine Bezeichnung von Vajpayee als Vaterfigur und die Versicherung, dass es in der Dutt-Familie nie zu ernsthaften Missstimmungen kommen würde ("Politik ist zweitrangig für mich, die Familie kommt immer zuerst"). Da die CP und die SP Koalitionspartner seien, sei es letztlich ja egal, für welche der beiden Parteien er antrete.

Ein Hinweis, warum es nicht die CP geworden ist, ist für mich Sanjus Aussage, er habe sich in der Zeit seiner schlimmsten Krise, der Endphase seines Prozesses, von der CP im Stich gelassen gefühlt und eher in Amar Singh & Co. moralische Unterstützer gefunden: "Nach dem Tod meines Vaters dachte ich immer, mich würden eine Menge Leute (aus seiner Partei) unterstützen. Leider jedoch blieb ich stets allein. Aber Amar Singh stand wie ein älterer Bruder hinter mir und bot mir all die Unterstützung, nach der ich mich so sehnte."

Umso mehr bedeutet es Sanju jetzt, dass der Congress-Parteivorsitzende Digvijay Singh öffentlich bekundet hat, Sanju hätte seiner Ansicht nach niemals unter TADA angeklagt werden dürfen: "Ich bin Digvijay Singh dankbar für die Aussage, dass er mich nicht für einen Terroristen hält. Mein Vater wollte das immer hören; leider geschah es zu seinen Lebzeiten nicht mehr. Aber besser jetzt nach siebzehn langen Jahren als nie."

Auch Amar Singh gab sich versöhnlich gegenüber der CP und schlug vor, dass sich die Kandidaten der beiden Parteien gegenseitig im Wahlkampf unterstützen sollten; er würde Sanju raten, für Priyas Wahlkampf zur Verfügung zu stehen. Nachdem sich zuletzt die Fronten zwischen CP und SP ein wenig verhärtet hatten, könnten diese versöhnlichen Worte von Sanju und Singh sozusagen Gandhigiri bewirken.

(Laut Aussage eines CP-Mitglieds, dessen Name nicht genannt wird, ist die Congresspartei sowieso weniger deshalb verstimmt, weil Sanju für die SP antritt, sondern weil es ihnen nicht selber gelungen ist, diese "begehrte Trophäe" zu ergattern. Aber letzten Endes sei es Hauptsache, dass Das in Lucknow nicht gewinnt, und wenn Sanju das verhindert, dann ist es so manchen Congresslern wohl egal, ob er das für die SP oder die CP tut.)

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