Samstag, 14. Juli 2007

Vijeta (1996)

Zur Story: Advokat Durga Prasad (Alok Nath) führt seine Kanzlei zusammen mit drei Junioranwälten, darunter der unbekümmerte Ashok (Sanjay Dutt), der sich zumeist eher für die handgreiflichen Argumente zuständig fühlt. Im Moment geht für Durga einiges schief – eine wichtige Akte erreicht ihn nicht rechtzeitig, weswegen er einen Fall vor Gericht verliert; einer seiner Klienten, ein Regierungsangestellter (Anant Mahadevan), der durch korrupte Regierungsbeamte schuldlos entlassen worden ist, wird auf offener Straße ermordet. Als Durga den Fall dennoch vor Gericht bringen will, um seinen Klienten wenigstens postum zu rehabilitieren, wird er mitsamt seiner Frau Laxmi (Reema Lagoo) vor dem Gerichtsgebäude niedergemetzelt. Ashok, Augenzeuge des Verbrechens, weiß nun, wer dahintersteckt: der Gangster Vidhya Sagar (Paresh Rawal). Nach einem vergeblichen Versuch, Sagar vor Gericht zur Verantwortung zu ziehen, nimmt Ashok die Sache selber in die Hand und beginnt, Sagars Handlanger einen nach dem anderen zu töten. Dabei gerät er in den Verdacht von Police D.I.G. Jagdish Chaudhary (Amrish Puri), der Police Inspector Vijayalaxmi (Raveena Tandon) auf Ashok ansetzt. Obwohl die beiden ein Liebespaar sind, stellt Vijaya Ashok pflichtbewusst zur Rede, worüber die beiden in einen heftigen Streit über den Sinn des Gesetzes geraten. Fortan befehden sie sich gegenseitig; Ashok setzt seinen Rachefeldzug fort, Vijaya versucht, ihn daran zu hindern – und beide ahnen nicht, wer ihr wahrer Feind ist...

Das Cover der Raj-VCD, in dessen Mittelpunkt ein kurzhaariger, blutender und schwerbewaffneter Sanjay Dutt steht, lässt befürchten, dass Vijeta, ähnlich wie der ebenfalls 1996 auf den Markt geworfene Namak, das Ergebnis langjähriger Dreharbeiten und dann hastiger bis schlampiger Editionsarbeiten nach Sanjays Freilassung 1995 ist – kurz: ein Film voller Continuity-Fehler und dafür ohne dramaturgische Stringenz. Doch wie sich das Bild auf das Cover verirrt hat, bleibt das Geheimnis des Vertriebs; Sanjay kommt so nicht ein einziges Mal vor. Vijeta entpuppt sich vielmehr als ein Film, den zumindest Sanjay größtenteils in relativ kurzer Zeit abgedreht haben dürfte, nimmt man den Haarfaktor als Maßstab.

Die dramaturgische Stringenz steht dennoch auf einem anderen Blatt, denn auch wenn die Story an sich sehr kompakt und übersichtlich (und vor allem ohne störende Nebenhandlungsstränge) rüberkommt, so wirkt die Szenenabfolge bisweilen doch etwas uninspiriert, und die zahlreichen, nicht immer motivierten Rückblenden auf das Liebesglück von Ashok und Vijaya lassen zumindest die Vermutung zu, dass es sich dabei um Verlegenheitslösungen handelt. Sprich: dass noch mehr Szenen geplant waren, nach Sanjays Inhaftierung aber nicht mehr gedreht und nach seiner Freilassung auch nicht nachgeholt wurden, weil man auch aus dem vorhandenen Material einen brauchbaren Film zusammenbekam. Vielleicht ist diese Spekulation von mir aber auch völlig verkehrt, und das Drehbuch war von vornherein eben einfach nur durchschnittlich.

Wie auch immer – Vijeta ist keine Sensation, aber allemal einen Blick wert, sieht man von einem schauspielerischen Schwachpunkt ab, der in diesem Fall Paresh Rawal heißt. Der Mann kann sehr gute Schurken spielen, aber warum er in Vijeta – noch dazu mit kümmerlichem Hitlerbärtchen verunziert – einen auf Sadak-Maharani machen musste, wissen wohl nur er selbst und der Regisseur, zumal Paresh dabei niemals auch nur annähernd die unterschwellige Gefährlichkeit von Sadashiv Amrapurkar erreicht, sondern eher lächerlich wirkt und dadurch als Bösewicht nicht wirklich ernstgenommen werden kann.

Ansonsten ist die Schauspielerriege solide und überzeugend. Alok Nath und Reema Lagoo haben leider nur wenig Gelegenheit, sich zu profilieren, aber allein ihre erste Szene war ihren Einsatz wert – die Szene, in der Reema einem Sanjay, nachdem der etwas ausgefressen hat, und seinen beiden Kumpeln dabei hilft, einen erzürnten Alok wieder zu versöhnen. Sanjay bietet dabei wieder einmal seine köstlichste Lausbuben-Unschuldsmimik – wenn er die einsetzt, kann man ihm einfach nicht böse sein und verzeiht ihm alles. Auch, dass er den Film insgesamt ziemlich routiniert, aber streckenweise beinahe uninspiriert runterspielt. Das bedeutet jetzt nicht, dass er schlecht ist; Vijeta stammt immerhin aus einer Phase Anfang der 1990er, in der Sanjay vor der Kamera in Top-Form war und selbst dann überzeugend rüberkam, wenn er einfach nur seinen Stiefel spielte. Vergleicht man jedoch Vijeta mit zeitgleich entstandenen Filmen, dann sieht man deutlich den Unterschied: Sanjay ist sehr gut, aber irgendwie fehlt der gewisse Funke, durch den er andere Filme so entscheidend aufwertete.

Vielleicht lag es in diesem Fall auch an seiner Partnerin Raveena Tandon, mit der er zwar einmal mehr ein optisch schönes Gespann bildete; aber für den Police Inspector, der ihm selbstbewusst und herausfordernd Paroli bieten soll, ist Raveena einfach zu weich, ihr fehlt die Prägnanz z.B. einer Anita Raaj, die Sanjay in dieser Rolle ganz anders gefordert hätte. Immerhin offenbart Raveena am Ende, wenn sie für kurze Zeit sogar die Alleinverantwortung als Hero schultert, erstaunliche Nahkampfqualitäten (man darf vermuten, dass Sanju ihr den einen oder anderen Kick beigebracht hat). Auch Amrish Puri ist diesmal z.T. in eher ungewohnten Situationen zu sehen, etwa beim Rasenmähen, am Schlagzeug oder – im Piratenoutfit – in der ziemlich schrägen Tanznummer „Neend Aati Nahin“.

Wie gesagt: Für damalige Verhältnisse ist Vijeta ein relativ konzentriertes und kompaktes Produkt, innerhalb der Sanjay-Dutt-Filmographie jedoch bestenfalls Durchschnitt. Auch Sanjay selbst schien von der Story nicht besonders inspiriert gewesen zu sein. Aber eines muss man ihm lassen: Seine Showdowngeste war auch hier wieder mal einfach nur stark.

Produktion: Anil Rathi; Regie: K. Muralimohan Rao
152 Min.; VCD: Raj Video, ohne UT; kleine Tonstörungen gegen Ende
Haarfaktor

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