Samstag, 24. März 2007

Jeene Do (1990)

Zur Story: Mukhiya Hardayal (Anupam Kher) leidet wie viele andere arme Bauern unter den unmenschlichen Praktiken des Thakurs Sher Bahadur Singh (Amrish Puri). Als seine Frau Krishna (Beena) bei der Geburt ihres zweiten Sohnes Karamveer stirbt, entwickelt Hardayal einen unversöhnlichen Hass gegen dieses Kind und schenkt seine ganze Liebe seinem Erstgeborenen Suraj. Da dieser ein glänzender Schüler ist, bietet der Thakur Hardayal ein Darlehen an, damit Suraj in Bombay eine weiterführende Schule besuchen kann. Hardayal nimmt es an – um danach zu erfahren, dass der Thakur ihm Konditionen auferlegt hat, die er niemals wird abarbeiten können. Als Suraj (Jackie Shroff) fünfzehn Jahre später nach exzellentem Schulabschluss nach Hause zurückkehrt, trifft er auf einen Vater, dessen Rücken nach einem Unfall unheilbar gebrochen ist, und auf seinen Bruder Karamveer (Sanjay Dutt), der unter der Fuchtel des Thakurs und der Missachtung seines Vaters zu einer aufsässigen Kämpfernatur herangewachsen ist. Nach einer Konfrontation mit Suraj wird dem Thakur klar, dass dieser gebildete junge Mann ihm gefährlich werden könnte; er überredet Hardayal, Suraj im Ausland studieren zu lassen, sorgt jedoch dafür, dass Suraj am Zielort wegen Drogenschmuggels verhaftet wird. Das Schicksal der Familie scheint besiegelt, der Thakur lässt fortan seine sadistische Grausamkeit hemmungslos an Hardayal und Karamveer aus...

Die Geschichte hat Schwächen, soviel mal vorweg. Dass sich Suraj noch mal zu Studien fortschicken lässt, nachdem er erkannt hat, dass sein Vater und sein Bruder einem betrügerischen Thakur ausgeliefert sind, ist kaum nachzuvollziehen; der ganze Plot mit seinem angeblichen Rauschgiftschmuggel wird geradezu erbärmlich vergessen und dann quasi in einem Nebensatz aufgelöst; und dass der Thakur in einer späteren Szene die beiden nur dürftig verkleideten Brüder nicht erkennt, glaubt ihm kein Mensch. Dem gegenüber steht eine Geschichte für gleich zwei angry young men, von denen der eine mehr mit dem Kopf (Suraj) und der andere mehr mit dem Herz (Karamveer) handelt. Beide führen auf ihre Weise ihren Kampf gegen den grausamen Thakur, der ihren Vater systematisch zu Tode schindet und foltert und der ihren Herausforderungen ebenfalls auf seine Weise begegnet, so dass man sich schon bald in einen Strudel von Sadismus und Gewalt hineingezogen fühlt, in dem die Liebe nichts auszurichten vermag – entsprechend wenig haben Sonam (Sujata) und Farha Naaz (Chanda) als die beiden Freundinnen Surajs und Karamveers zu tun – und aus dem es kein Entrinnen zu geben scheint.

Neben Amrish Puri, der solche sadistisch-gemeinen Thakurs aus dem Handgelenk spielt und diesmal auch nicht davor zurückschreckt, selber die Peitsche zu schwingen, gestaltet Anupam Kher eindringlich und packend den unterdrückten Untergebenen und zerrissenen Vater, und selbst sein unfaires Verhalten gegenüber Sanjay kann nicht verhindern, dass man diesem vom Schicksal gebeutelten Mann seine Sympathien schenkt. Sein Verzweiflungsausbruch im Tempel nach einer furchtbaren Katastrophe geht unter die Haut. Sanjay macht in seinem äußerst extrovertierten Spiel keinen Hehl aus der Wut und dem Frust Karamveers über dessen ungerechte Behandlung sowohl durch den Thakur als auch durch seinen Vater, berührt aber auch mit wiederholten selbstlosen Einsätzen, mit denen er seinen Wert als Sohn beweist. Jackie Shroff ist (wie so oft) der ruhige Gegenpol zu dem heißblütigen Sanjay („hosh aur josh“), kann jedoch ebenso wie er sehr unangenehm und dann auch handgreiflich werden. Die beiden harmonieren gut und zeigen bereits in Ansätzen jene Chemie, die später wesentlich zur Gesamtwirkung von Filmen wie Khalnayak und Kartoos beitragen sollte. Sogar das Tanzbein schwingen sie hier mehrfach gemeinsam, und das erstaunlich flott, wenn man bedenkt, dass Sanjay damals gerade erst angefangen hatte, sein Tanztalent voll zu entfalten, und dass Jackie definitiv kein Tänzer vor dem Herrn ist.

Wenig zu tun haben durch die Bank die Nebenfiguren, von den Damen über Kulbhushan Kharbanda (fast verschenkt in der Gastrolle des Rehmat) bis hin zu Shakti Kapoor, der als Inspektor Himmat Singh eine üble Gockelcharge abliefert, den man jedoch insofern exculpieren kann, als dieser Inspektor – der Spoiler sei erlaubt, da er für die Handlung völlig ohne Bedeutung ist – undercover arbeitet und, wie sich am Ende zeigt, den Trottel nur vorgegeben hat. Die Geschichte einschließlich des gnadenlosen Showdowns gehört jedoch voll und ganz den Herren Dutt, Shroff, Kher und Puri. Natürlich kann man sich an der einen oder anderen Unglaubwürdigkeit stören, vor allem aber kann man mit Sanjay und Anupam über weite Strecken so richtig schön mitleiden. Allein schon dafür ist Jeene Do für mich ein sehenswerter Film.

Produktion: Rakesh Sethi; Regie: Rajesh Sethi
134 Min.; VCD: Raj-Video, ohne UT; zwischendurch leichte Bildstörungen, die gegen Ende hin stärker werden
Haarfaktor

P.S. Meine erste Jeene-Do-VCD von Bombino war in einem technisch miserablen Zustand, hatte z.T. fiese Bildstörungen, blieb nach 82 Minuten hängen und ließ sich erst sich nach einer knappen halben Stunde wieder weiterspielen. Die VCD von Raj Video hatte zwar auch ihre kleinen Bildstörungen, aber kein Vergleich mit denen von Bombino – und vor allem lief die Raj-VCD problemlos durch.

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