Mittwoch, 17. Januar 2007

Daud (1997)

Zur Story: Eine Terroristenbande mit dem skrupellosen Pinky (Paresh Rawal) als Anführer hat es auf eine vom Zoll beschlagnahmte Kiste abgesehen. Über den Mittelsmann Khurana (Rajeev Mehta) wird der Kleinganove Nandu (Sanjay Dutt) angeheuert, die Kiste, die angeblich voller Gold ist, gegen Bezahlung zu stehlen. Das ist für Nandu ein Kinderspiel, doch von dem Moment an, in dem sich die Kiste in seinem Besitz befindet, hat er nur noch Probleme am Hals: zum einen ACP Inspector Nair (Ashish Vidyarthi) und seine Männer, die von Home Minister P.K. Mishra (Ram Mohan) beauftragt wurden, die Kiste unter allen Umständen wiederzuerlangen; zum anderen Pinky und seine Männer, die der Polizei unter allen Umständen zuvorkommen wollen; und zum dritten die schöne Tänzerin Bhavani (Urmila Matondkar), die scharf auf die eine Hälfte des geraubten Goldes ist und Nandu nicht mehr von der Pelle rückt. Auf der Flucht vor der Polizei landen Nandu und Bhavani im Dschungel, wo sie sich nach ein paar anfänglichen verbalen und auch handfesten Scharmützeln allmählich näherkommen und zudem unerwartete Hilfe durch den Sonderling Chacko (Neeraj Vora) finden. Noch aber ahnen beide nicht, dass sie keineswegs wegen ein paar Goldbarren in dieses Schlamassel geraten sind, sondern wegen einer veritablen Neutronenbombe...

Eines muss man Sanjay lassen: Er hat Humor. Mehr noch: Er hat den Humor und die Chuzpe, sich selbst und sein Image als tougher Action-Hero auf die Schippe zu nehmen – und das zu einem Zeitpunkt, wo man eigentlich hätte meinen können, dass er eher daran interessiert gewesen hätte sein müssen, an die glorreichen Action-Hero-Zeiten vor der haftbedingten Unterbrechung seiner Karriere wieder anzuknüpfen. Aber offensichtlich dachte Sanju anders – wenn schon Neustart, dann richtig. Zumal er mittlerweile Ende dreißig war und absehen konnte, dass mit den jugendlichen Actionhelden à la Sadak und Mahaanta demnächst Schluss sein würde. Sanju versuchte gar nicht erst, sein Haltbarkeitsdatum künstlich zu verlängern, sondern streckte seine Fühler in andere Territorien aus, was sich im Nachhinein als richtige und seiner weiteren Karriere mehr als zuträgliche Strategie erweisen sollte.

Was nicht heißt, dass er in dem Roadmovie Daud keine Fäuste mehr schwingen würde – aber zum ersten Mal hat er es dabei außer mit den notorischen Bösewichten auch mit einer smarten Braut zu tun, die durchaus auch selber zuschlagen kann und ihm respektlos Paroli bietet. Urmila Matondkar ist selbstbewusst und sexy, spielt umwerfend und hat kein Problem damit, ihren Partner zwischendurch auch mal auf die Bretter zu schicken. Die Chemie zwischen Urmila und Sanju ist herrlich, beide sind mit viel Witz und Einsatz bei der Sache, tanzen sich zusammen in mehreren Nummern einen ab und liefern sich gottvolle Rededuelle und Kleinkriege. Das Problem ist nur, dass der Film insgesamt mit Sanjus und Urmilas Klasse nicht mithalten kann. Er gibt sich als Komödie, aber dafür kommen im Laufe der Handlung viel zu viele gute und unschuldige Menschen auf z.T. furchtbare Weise ums Leben, und die panische Angst der von Pinky in einem Bus gekidnappten Menschen wird an einer Stelle glatt zum Lachen freigegeben. Die Story um die Neutronenbombe ist ziemlich krude gestrickt – welche Neutronenbombe wird in einer simplen Kiste transportiert, und welcher Home Minister schickt die geballte Polizei-Elite auf die Jagd nach dem Teil, ohne ihnen zu sagen, womit sie es zu tun haben? Auch wenn es ihm darum geht, Panik zu vermeiden, aber er muss doch damit rechnen, dass das Ding in die Luft geht, wenn die Polizei es findet und dann aufgrund der vorenthaltenen Informationen unsachgemäß behandelt. Und manche Details wie die vom Großwildjäger und dem Tiger werden so lange plattgewalzt, bis man sie nicht mehr hören kann...

Wären Urmila und Sanju in Daud nicht so fabelhaft, ich würde von dem Film glatt abraten. Der Film selbst ist eigentlich keine Empfehlung wert. Aber dieses köstlich-komödiantische Jodi rettet, wenn schon nicht den Film, so doch wenigstens den Tag.

Produktion und Regie: Ram Gopal Varma
171 Min.; DVD: Eros, englische UT (Songs nicht untertitelt)
Haarfaktor

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